Der UN-Klimavertrag von Rio erweist sich als zahnloser Papiertiger mit fatalen Folgen für die Menschheit. Ob fahrlässige Fehlkonstruktion oder perfide Absicht – er ist die Ursache für die Malaise internationaler Klimapolitik. Jetzt hilft nur noch ein kompletter Neustart. Und ein Ende des Klimagipfelzirkus.
Eine Klimakonferenz im OPEC-Land Katar wirkt ungefähr so deplaziert wie eine Erotikmesse im Petersdom. Gläserne Wolkenkratzer, künstliche Inseln und die gigantische Infrastruktur der Ölindustrie – bräuchte es noch Sinnbilder für die Verschwendungssucht der Menschheit und der Macht der Petrodollars, so fände man sie hier. Und wer schon mal ein Blick die Welt von morgen werfen möchte, der braucht nur ein paar Kilometer aus der Stadt rausfahren. 40° C im Schatten, wobei es nirgends Schatten gibt. Ausgedörrte Einöde so weit das Auge reicht.
Tolle Kulisse für großes Kino also. Und genau der richtige Zeitpunkt für einen allerletzten Klimagipfel.



(Quelle: Google Images)
Vor genau 20 Jahren unterschrieb die Weltgemeinschaft die Klimarahmenkonvention, vor 15 Jahren wurde das Kyoto-Protokoll beschlossen, in diesem Jahr endet es. Was wurde bis dato erreicht? Nichts oder sogar noch weniger. Die Emissionen sind trotz Wirtschaftsflaute auf einem Rekordniveau, Klimaschutz gilt weitläufig als teure Ökospinnerei, ein verbindlicher Klimavertrag steht in den Sternen. Selbst ambitionierte Länder wie Deutschland und Brasilien fallen derweil zurück in egoistische Interessenpolitik, während die Blockierer mehr und stärker werden. So wundert es auch nicht, dass selbst kleine Fortschritte inzwischen wieder kassiert werden. Gleichzeitig schwindet die letzte Hoffnung auf eine Trendwende, während sich die schlimmsten Befürchtungen zur Gewissheit verdichten. Ein Temperaturanstieg von 4° C gilt inzwischen als wahrscheinlich. Kaum vorstellbar, was dies wirklich bedeutet. Schon jetzt schmilzt die Arktis dahin. Bei derzeit 0,8 °C über dem Durchschnitt.
Fazit: “Total defeat, no moral victories.” , wie es Bill McKibben¹ ausdrückte.
Deswegen mein Vorschlag, auch wenn es nach Häresie klingt: In Doha sollte man die UN-Klimapolitik in Würde beerdigen. Die Klimarahmenkonvention war von Anfang an zu vage, zu unverbindlich und zu unambitioniert. Zu viele „Strickfehler“. Der eigentliche „Killer“ war jedoch das Konsensprinzip. 193 Staaten sollten einstimmig das Ende von Öl und Kohle beschließen! Die OPEC, Russland, die Vereinigten Staaten inklusive. Wer hat eigentlich je an diesen Unsinn geglaubt? Das wäre dasselbe, als wollte man McDonalds das Bulettenbraten verbieten.
Dann also lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
Um dieser historischen Niederlage einen würdigen Rahmen zu verleihen, könnte man den Klimavertrag von Rio zum Beispiel an der Gasfackel einer Ölplattform verbrennen. Und der Emir von Katar könnte dazu eine Trauerrede halten. Das wäre von seiner Seite nicht einmal zynisch, denn auch er müßte traurig sein. Zu schön war „business-as-usual“, legitimiert durch eine wirkungslose Klimadiplomatie und die fatale Naivität der Klimaschutzbewegung.
Die Lehre aus der Geschichte?
Im besten Fall bleibt die Erinnerung an 20 schicke Klimakonferenzen mit teilweise hohem Urlaubswert. Bali, Cancún, Marrakesch.…Wer nicht dabei war, sieht wohl eher 20 verschwendete Jahre im Glauben an eine schöne Illusion. Doch noch bitterer wäre es, sollte folgende Vermutung wahr sein: Die Klimarahmenkonvention war nicht nur ein Dokument mit ein paar fahrlässigen Mängeln, sondern ein von vornherein bewusst kalkuliertes Blockadeinstrument jener Länder, die ihre Interessen von Klimaschutz bedroht sahen. Und bis heute hat das niemand gemerkt. Ein ungeheuerlicher Verdacht, aber was spricht eigentlich dagegen?
So oder so, bitte macht einfach Schluß mit Klimagipfeln!
¹ Bill McKibben ist Gründer der Organisation 350.org.