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Archive for the ‘Lobbyismus’ Category

 Der UN-Klimagipfel Nr. 19. in Warschau ist nun endlich vorbei. Wie üblich ist dabei nichts rausgekommen, was irgendwie unter Klimaschutz verbucht werden könnte. „Immerhin keine Rückschritte“ titelt die Die Süddeutsche. Na schön wär´s. Tatsächlich haben sich ein paar brandgefährliche Entwicklungen verfestigt, die mit etwas Pech den Sargnagel für´s Klima bedeuten. Man muß nur ein bisschen um die Ecke denken…

1. Der Einfluß der Fossil-Lobby nimmt zu

Wenn Klimakonferenzen tatsächlich zum Ziel hätten, das Ende des fossilen Zeitalters einzuläuten, dann müssten es Horrorveranstaltungen für die Fossilbranche sein. Doch das Gegenteil ist der Fall. Halbtote Klimapolitik fetzt den Konzernen und COP 19 in Warschau war mutmaßlich ein besonders schöner Gipfel für die Betreiber großer Dreckschleudern. Denn auf Gastgeber Polen als Blockierer im Klimaschutz ist Verlass, allen voran auf Polens Premierminister Tusk („Die Zukunft der Energie Polens liegt in Braun- und Steinkohle“). Die Branche revanchierte sich schon im Voraus, indem sie die Veranstaltung gleich mit Millionenbeträgen unterstützte.

Mit dabei einige der übelsten Klimasünder wie der polnische Braunkohlekonzern PGE, der Stahlkonzern Arcor Mittal und der französische Stromriese Alstrom. Emirate Airlines subventionierte sogar die Anreise von Konferenzteilnehmern mit 10 % Rabatt. Empörung über den „Gipfel des Lobbyismus“ (TAZ) gab zwar reichlich, aber ansonsten lief die Sache glatt über die Bühne. Symptomatisch war das Statement von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon: „Für eine Lösung des Klimaproblems brauchen wir die Energiekonzerne.“ Diese tagten dann – welch ein Zufall – auch noch gleich um die Ecke beim „International Coal and Climate Summit“ des Weltkohleverbandes (WCA).

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Dreckschleuder von PEG (Polska Grupa Energetyczna): Braunkohlekraftwerk und Tagebau in Bełchatów

Eine derartige ungenierte Präsenz ist nicht nur eine Zurschaustellung der Macht der Konzerne. Es ist ein deutliches Zeichen, wie pathologisch die Lage der internationalen Klimapolitik insgesamt ist. Und ich würde es sogar noch drastischer formulieren. Internationale Klimapolitik ist nicht einfach nur wirkungslos, sondern sie dient inzwischen sogar der Legalisierung der Klimakrise. 1: 0 für die Fossilindustrie.

2. Das Desinteresse der Öffentlichkeit

Ein weiteres Indiz für Veränderung des Kräfteverhältnisse im Klimaschutz ist die magere Berichterstattung der Medien. Was interessieren auch schon immer wiederkehrende Negativmeldungen über faule Kompromisse, wirkungslose Beschlüsse und gescheiterte Gipfel. Im selben Maße wendet sich die Öffentlichkeit ab, nicht nur von der Klimapolitik, sondern vom Klimawandel als Thema an sich. Damit fehlt also auch noch der Druck von unten. Die Folgen spürt auch die  Klimaschutzbewegung. Zwar schafften es  Greenpeace und Co. noch einmal, ein paar hundert Aktivisten auf die Straße zu bringen, aber wie jämmerlich wirkt das im Vergleich zu den massiven Protesten junger Leute in Kopenhagen. Daß die NGO´s diesmal aus Protest schon vorzeitig abreisten, war schon kaum mehr eine Zeitungsmeldung wert. Ein Symptom für deren Hilflosigkeit und schleichenden Bedeutungsverlust. Schuld daran ist die Szene teilweise selbst. Die formale Einbindung in die Klimaverhandlungen hat die NGO´s nun in denselben Sog aus Stagnation und Resignation gezogen. Und anfällig gemacht für den Vorwurf, ihre Präsenz auf der großen Bühne mit der Rolle als politisches Feigenblatt zu erkaufen. Das nagt an der Glaubwürdigkeit und verschiebt die Machtbalance weiter in Richtung der Großkonzerne. Auch das ein indirekter Erfolg der Fossillobby. Daher 2:0.

3. Loss and Damage

Eines der wenigen Verhandlungsergebnisse von Warschau war der Beschluss, einen Kompensationsfond zur Finanzierung von Klimaschäden zu gründen. Dies wurde im Allgemeinen als Erfolg für die Entwicklungsländer bewertet. Nun ja, ich sehe die Sache ein bisschen anders. Theoretisch ist es sicher eine gute Idee, den Wiederaufbau nach Katastrophen wie den Taifun „Haiyan“ durch einen solchen Fond zu finanzieren. Würde die Finanzierung nach dem Verursacherprinzip (polluter-pays-principle) erfolgen, wäre es sogar ein echter Erfolg. Nicht nur rein finanziell. Es würde endlich mal die Haftung für die Folgen des Klimawandels klären. Doch kaum zu glauben, dass dies jemals so kommen wird. Eher wird es ein weiterer fauler Ablasshandel, bei dem sich die Industrieländer die Zustimmung zu  Loss-and-Damage mit Zugeständnissen bei den Reduktionszielen vergolden lassen. Ebenso unwahrscheinlich ist es, dass die Rechnung wirklich von den eigentlichen Verursachern gezahlt wird. Das wird wohl eher Sache des globalen Steuerzahlers werden.

Und ob es den Menschen in den betroffenen Entwicklungsländern letztendlich wirklich nützt, ist mehr als fraglich. Erfahrungsgemäß ist eher zu erwarten, dass Loss-and-Damage Gelder in den Taschen korrupter Politiker, Bauunternehmer und Hilfsorganisationen landen. Der tolle Nebeneffekt – man verbindet klimapolitische Untätigkeit der Industrieländer mit dem Interesse der Entwicklungsländer an Transferleistungen. Das wird eine Einigung auf Loss-and-Damage sicher beflügeln!

Und last-but-not-least muß sich der Westen nicht mehr mit einer Moraldebatte rumschlagen, wenn mal wieder ein Taifun zuschlägt. Zynischer geht es kaum.

3:0 für die Fossilindustrie

Und wie geht’s weiter?

Die letzten Hoffnungen vieler Klimaschützer ruhen nun auf COP 21 in Paris in 2015, wo es einen neuen Klimavertrag geben soll. Ein solches Abkommen, sollte es tatsächlich Wirkung entfalten, müsste das Ende von Öl, Kohle und Gas einleiten. Um einzuschätzen, wie wahrscheinlich dieses Szenario ist, braucht man nur mal die Wirtschaftsnachrichten lesen.

Zum Beispiel diese von voriger Woche in Spiegel Online:

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Spiegel Online vom 15.11.13

„Der US-Starinvestor Warren Buffett setzt auf Öl und Gas. Sein Unternehmen Berkshire Hathaway kaufte Aktien des weltweit größten börsennotierten Ölkonzerns ExxonMobil im Wert von mehr als dreieinhalb Milliarden Dollar. „

Herr Buffett rechnet offensichtlich nicht mit einem Klimaabkommen. Hoffen wir mal, dass er sich diesmal verrechnet hat….

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Vor wenigen Tagen hat die FDP mal wieder ein Meisterstück inkohärenter Politik abgeliefert.

„Beim Klimaschutz stehen wir zum Ziel, die CO2-Emissionen bis 2020 um 40 % zu senken.“  Um dieses Ziel zu erreichen, wird „die  Finanzierung eines internationalen Klimaschutzabkommen … mit 50% der Versteigerungserlöse abgesichert….Der Emissionshandel soll langfristig auf weitere Sektoren ausgeweitet werden.“  So steht´s auf der Webseite der FDP [1].

Im völligen Widerspruch dazu steht die Realpolitik der Liberalen.

Gerade vor ein paar Tagen wurde eine Novellierung des europäischen Emissionshandels (ETS) unter kräftiger Mithilfe der deutschen Liberalen im EU-Parlament mit 334 zu 315 Stimmen abgelehnt.

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Das EU-Parlament in Straßburg (Bildquelle http://www.europarl.europa.eu)

Das sogenannte backloading sollte den Preis für Verschmutzungsrechte stabilisieren, um den Europäischen Emissionshandel vor dem Kollaps zu bewahren und die Verbilligung von Kohlestrom zu stoppen. Seit der Entscheidung ist der CO2 Preis derweil nochmals um 35 % gefallen. Versteigerungserlöse für den Klimafonds der Bundesregierung wird es damit ebenso wenig geben wie Anreize zur Emissionsminderung bei den Unternehmen.

Sämtliche FDP-Mitglieder sowie die meisten CDUler votierten dagegen, obwohl sich Umweltminister Altmeier für das backloading ausgesprochen hatte. Sicher, es war eine demokratische Entscheidung, die man akzeptieren muß. Jedoch hätte ein deutliches Ja von Kanzlerin Merkel das Votum vermutlich anders ausgehen lassen. Diese hatte das Thema leider weitgehend ihrem liberalen Wirtschaftsminister Rösler, einem klaren Gegner des backloading, überlassen.

Klimapolitisch läuft demnach alles nach dem Geschmack der FDP-Führung. Der umweltpolitische Sprecher der EU-Liberalen, Holger Krahmer, begrüßte erwartungsgemäß die Entscheidung: „Der Emissionshandel ist ein von Politikern künstlich geschaffener Markt. Wahrscheinlich ist das der Grund warum er nicht funktioniert. Der Versuch das System durch punktuelle Eingriffe zu retten, ist aussichtslos. Nebenbei wird in Brüssel das Fehlen eines internationalen Abkommens zum Klimaschutz ignoriert. Die Fortführung europäischer Insellösungen bleibt ohne Einfluss aufs Klima und erhöht das aufgrund der Energiepreise ohnehin schon hohe Risiko der Abwanderung von Industrie aus Europa.“[2]

Eine reichlich verschwurbelte Erklärung mit deutlichen Widersprüchen. Denn nicht der „künstliche Markt“ ist das Problem, sondern der künstliche Überschuss an Verschmutzungsrechten, der nun dank FDP-Votum weiter anwachsen wird. Und die Begründung, dass „punktuelle“ Eingriffe nicht zielführend sind, ist zwar tendenziell richtig, aber das kann nicht als Ausrede herhalten, um das komplette System an die Wand zu fahren. Die einmalige Verknappung von Zertifikaten war von Anfang an nur als Notoperation geplant, um das ETS am Leben zu halten, bis im Rahmen  eines neuen Klimaabkommens ein weltweit einheitliches System geschaffen wird.

Abgesehen von Holger Krahmer hält sich die FDP-Führung jedoch auffällig mit öffentlichen Statements zurück.

So twittert Phillip Rösler nach der Entscheidung nur einige dürre Zeilen: „EP gegen Verteuerung #Emissionszertifikate. Gutes Signal: Klimaziele werden jetzt schon erreicht, keine weiteren Belastungen.“  Das war´s auch schon. kein Facebook-Eintrag, keine Pressemitteilung. Echte Begeisterung klingt anders. Brüderle? Kein Kommentar zu finden.

Man kommt nicht um den Eindruck herum, dass die FDP das Thema nicht weiter hochkochen will. Die Presse hatte sich ohnehin auf die Kanzlerin eingeschossen, so dass man nur in der Deckung bleiben brauchte.

Denn die indirekten Konsequenzen des FDP-Votums sind alles andere als liberale Verheißungen. Durch den niedrigen CO2 Preis steigt nämlich die EEG-Umlage, die wiederum auf den Strompreis umgelegt wird. Außerdem klafft eine Finanzierungslücke im Klimafonds, die nun mit Geldern der staatseignen KfW-Bank aufgefüllt werden soll. Kurz- höhere Kosten für den Verbraucher sind die Folge. Als Wahlwerbung taugt die Entscheidung also nicht.

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Spiegel vom 14.4.13

Noch kleinlauter, fast reumütig klingt die Einschätzung des umweltpolitischen Sprechers der FDP-Bundestagsfraktion Michael Kauch: Der Emissionshandel ist und bleibt ein zentrales Klimaschutz-Instrument. Daran ändert die heutige Entscheidung nichts. Der Emissionshandel ist in keiner Weise gescheitert. Auch bei niedrigen Preisen erfüllt er sein zentrales Ziel: die Einhaltung der Klimaschutzziele für Industrie und Stromproduktion bis 2020.Dennoch bleibt Handlungsbedarf, wenn man auf die wirtschaftlich tragfähige Umsetzung der Klimaschutzziele nach 2020 schaut.[3]

Irgendwie klingt es ein bisschen, als sei Herr Kauch selbst erschrocken, was man da so verbockt hat.

Denn die Wahrheit ist: Bleibt es bei der Entscheidung, ist der europäische Emissionshandel tot. Und damit ein zentrales Klimaschutzinstrument, dass trotz aller Kritik im Detail keine schlechte Idee ist. Und gerade das backloading wäre eine erste wichtige Korrektur gewesen, bevor man das gesamte System spätestens nach einem neuen Klimaabkommen grundlegend reformieren kann.

Noch gibt es ein bisschen Hoffnung, denn die Entscheidung wurde an die Ausschüsse zurückverwiesen und wird nochmals in 2 Monaten zu Abstimmung gestellt.

Die Entscheidung über das backloading ist übrigens kein Einzelfall. Ob beim Klimagipfel in Doha, bei den Emissionsgrenzen für PKW oder bei der Ökologisierung der EU-Landwirtschaft. Immer häufiger outet sich Deutschland als aktiver Bremser beim Klimaschutz. Und häufig steht die FDP innerhalb der Regierungskoalition als treibende Kraft dahinter. Die Kanzlerin, tendenziell eher positiv zum Klimaschutz eingestellt, überlässt Ihrem Vizekanzler Rösler zunehmend die Hoheit über die Klimapolitik. Umweltminister Altmeier erscheint oft wie ein Statist, der im Sinne des schwarz-gelben Koalitionsfrieden kaltgestellt wird.

 Die Symbolwirkung dieser Politik ist schon jetzt verheerend. Innerhalb der EU sowieso, aber auch international, wo Deutschland immer noch als wichtiges Vorbild gilt. Jeder Bremsversuch wird den ohnehin reichlich unambitionierten Schwellenländern und den USA die Rechfertigung für weitere Jahre der Untätigkeit und gegenseitigen Blockade liefern. Und wichtige Länder wie China, die demnächst eigne Emissionshandelssysteme einführen wollen bzw. dies schon getan haben, könnten diese mit Blick auf das  Schicksal ETS wieder in der Schublade verschwinden lassen. Abgesehen davon – jeder noch so kleine Rückschritt ist ein weiterer Sieg für die Zweifler und Gegner und wertvolle Zeit geht verloren, die es eigentlich schon gar nicht mehr gibt.

Die Prognosen  sind jedenfalls mehr als düster. Die Mehrheit führender Klimaforscher geht davon aus, dass sich die Erde bis zum Ende des Jahrhunderts um 4 bis 5 °C erwärmen wird, wenn es keine radikale Wende in der internationalen Klimapolitik gibt! Gleichzeitig tut man in der Politik noch so, als könnte man selbst für das 2 °C Ziel noch ein bisschen rumtrödeln. Alles der Reihe nach, erst mal die Eurokrise, dann- vielleicht die Klimakrise, so das allgemeine Credo. „Zeit“-Author Frank Diescher wies in einem Artikel vom 4.10. 2012 auf diese gefährliche Naivität der Politik hin. „Der große Selbstbetrug“, so der Titel des Beitrages.

Wie wird eine + 4 °C Welt aussehen? Niemand weiß es genau, aber mit ziemlicher Sicherheit wird es eine sehr lebensfeindliche Welt sein, in der unsere Enkel leben. Vielleicht ja schon unsere Kinder, denn niemand kann genau sagen, ab welchem Punkt der Klimawandel eine irreversible Eigendynamik aufnimmt, die sich nicht mehr stoppen lässt. Schon jetzt gibt es Anzeichen. Die Zahl der weltweit gemessenen Hitzerekorde hat sich jetzt schon gegenüber dem langfristigen Mittel verfünffacht[4].

Führt man sich diese potentiell fatalen Folgen ausbleibender Klimaschutzpolitik vor Augen, dann begreift man auch die globale Dimension der FDP-Blockadepolitik. Es mag sehr übertrieben klingen, aber mit etwas Pech war der 16. April 2013 ein politischer tipping point mit enormen Schadenspotential für unseren Planeten und zukünftige Generationen.

Dass Neoliberale den Zusammenhang zwischen Umweltzerstörung und Wachstum nicht wahrhaben können oder wollen, kann man ihnen vielleicht noch verzeihen. Aber ein derart willkürlicher Boykott jeglichen Klimaschutzes, wie ihn die FDP betreibt, das ist schlicht unmoralisch.

 

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Artikel der TAZ (online) vom 12.4.13 über die Synthese von religiösem Fundamentalismus, Klimaleugnung und Big Oil…

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US-Politiker mit wirren Ansichten

Gottes Klimawandel

Das Klima dreht durch, weil Gott zornig ist. Das zumindest meint Joe Barton, amerikanischer Kongressabgeordneter und Freund der Ölindustrie. von Ingo Arzt

Sintflut? Die war doch gottgewollt!  Bild:  House of Representatives

Joe Barton hat den endgültigen Beweis erbracht, dass es keinen Klimawandel gibt, zumindest keinen, den Menschen zu verantworten haben. Barton ist nicht nur ein fundamentalistischer Christ, der alles, was in der Bibel steht, Wort für Wort als wahr erachtet. Der Texaner sitzt auch für die Republikaner im US-Kongress und kämpft dort seit Jahren mit Verve für die Rechte der Öl- und Gasindustrie.

In dieser Woche nun trug er bei einer Anhörung des Energie-Ausschusses seinen Kollegen ein völlig neues Argument vor, warum unbedingt die neue, 3.400 Kilometer lange Keystone-Pipeline quer durch die USA gebaut werden müsse, um Öl aus kanadischen Teersanden in Texas raffinieren zu können, für das zuvor ganze Landstriche umgepflügt wurden. Um es kurz zu machen: wegen der Sintflut.

„Wenn man an die Bibel glaubt, muss man sagen, dass die Sintflut ein Beispiel für einen Klimawandel ist, der sicherlich nicht deshalb stattfand, weil die Menschheit zu viel fossile Energieträger verbraucht hat“, trug er vor. Bartons Beweiskette zufolge gibt es einen Haufen natürliche Ursachen für ein wärmeres Klima, etwa den Zorn Gottes. Wenn der Mensch also nichts dafür kann, dann kann man auch die neue Pipeline bauen.

Öl spielt in der Biografie des 1949 geborene Barton eine große Rolle, einst arbeitete er als Ingenieur auf einem Ölfeld. Er heiratete, zeugte vier Kinder, adoptierte zwei, zog 1985 in den Kongress ein, wurde fünffacher Opa und großzügiger Empfänger von Spendengeldern aus der Ölindustrie. Zwischen 1989 und 2010 gab es 292.500 US-Dollar von BP-Partner Anadarko Petroleum, ein weiterer großzügiger Spender war etwa der Rüstungskonzern Lockheed Martin mit rund 200.000 US-Dollar.

 BP hat bekanntlich die größten Ölkatastrophe der US-Geschichte zu verantworten, die Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“. Als die US-Regierung 20 Milliarden Dollar von BP forderte, entschuldigte sich Barton wiederum öffentlich bei BP. Es sei eine große Tragödie, dass ein privates Unternehmen um 20 Milliarden Dollar erpresst würde, sagte er. Das ging sogar Bartons eigener Partie zu weit, die sich für Bartons Entschuldigung entschuldigte.

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Klimaschutz nervt – zumindest die Anhänger freier Märkte. Denn inzwischen wird immer klarer, dass das bisherige neoliberale Wirtschafsmodell direkt in die Klimakatastrophe führt. Klimaschutz braucht Marktregeln. Das kapiert eigentlich jeder, wenn er es denn kapieren will. Es gibt aber auch durchaus Interessen, das Gegenteil zu glauben oder noch konsequenter, gleich den ganzen Klimawandel als Unsinn, Schwindel oder kommunistische Verschwörung zu verteufeln. Vertreter dieser Weltsicht nennt man Klimaleugner oder Klimaskeptiker.

Die „Zeit“ publizierte am  28.11.12 einen vielbeachteten Artikel über professionelle Klimaleugner. Titel: „Die Klimakrieger“[1]. Guardian-Kolumnist George Monbiot spricht in dem Zusammenhang von der „denial industry“ (der Leugner-Industrie).

Ein brandneue Studie australischer Wissenschaftler, publiziert in „Psychological Science“[2] konnte nun belegen, dass das Phänomen Klimaleugnung – neben anderen Verschwörungstheorien –  signifikant häufiger bei Vertretern neoliberaler Überzeugungen auftritt. Klassischer FDP-Klientel also.

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Liberale Politiker- ein Fall für den Psychologen ??? [3]

Ideologische Borniertheit gegen atmosphärische Gesetzmäßigkeiten, einzig, weil diese im „feindlichen“ Lager bei Grünen, Greenpeace und Co. verortet werden? Freilich! Gerade in Wahlkampfzeiten braucht es schließlich Abgrenzung, Profil, Sündenböcke. Destruktive Klimapolitik ist daher ein schlagkräftiges Thema im Kampf um öko-gestresste Wähler und Parteispenden von leidgeprüften deutschen Großkonzernen.

Frontalpolitik gegen die wissenschaftlichen Fakten traut sich die FDP-Spitze dennoch bisher nicht. Zu erdrückend ist die Beweislage, um sich ganz offiziell auf die Seite der Klimaleugner zu schlagen. FDP Fraktionschef Rainer Brüderle argumentiert daher lieber aus ökonomischer Sicht. Klimaschutz soll doch bitte der Markt selbst regeln, auf jeden Fall darf es nichts kosten. Vor EU-Kollegen riet er zu einer „sinnvollen Pause in der Klimapolitik“ und zum “Vorrang wirtschaftlicher Konsolidierung“.

Die Distanz zu waschechten Klimakriegern hält Herr Brüderle dennoch nicht immer ein, wie bei der gemeinsamen Buchvorstellung mit Günter Ederer in Hamburg[4]. Ederer ist Journalist, Autor und Lobbyist und machte einst Schlagzeilen, indem er den „grünen“ Ex-US Vizepräsident Al Gore mit Adolf Hitler verglich. Bei anderer Gelegenheit moderierte Ederer eine Podiumsrunde, bei der Fred Singer, ein Superstar der Klimaleugnerszene, Öl- und Tabaklobbyist,  seine Überzeugungen zu Treibhauseffekt und Ökosteuern zum Besten geben durfte. Ort der Veranstaltung: Der deutsche Bundestag! Eingefädelt hatte die Veranstaltung Paul Friedhoff, MdB der FDP. Normalerweise organisiert die FDP ihre ideologisch-propagandistische Schlacht ums Klima eher aus der 2. Reihe, zum Beispiel mit Hilfe von Holger Krahmer [5], FDP-Mitglied der liberalen Fraktion im EU Parlament. Er ist ausgerechnet umweltpolitischer Sprecher der Fraktion und gleichzeitig ein besonders aktiver Klimakrieger. Seine Homepage[6]  wimmelt nur so von Thesen und Vorschlägen, die ohne Abstriche aus den Federn der Fossilindustrie stammen könnten. So feiert er auf seiner Webseite die Aufweichung der Emissionsgrenzwerte für PKW als „vernünftige Entscheidung“, wettert gegen das Verbot von Glühlampen und warnt vor einer Verschärfung des Emissionshandels. Und vieles mehr. Ein Sammelsurium gängiger Klimaleugner-Argumente. Schizophrenie á la FDP.

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Holger Krahmer, FDP: Rächer der Glühbirne [7]

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Argumentationshilfe holt sich der gelernte Bankkaufmann Krahmer bei einschlägig bekannten Klimaleugnern wie Benny Peiser vom berüchtigten US-Lobbykartell „Heartland Institute[8]. Er und Peiser gaben erst kürzlich eine Broschüre heraus. Titel: „Unbequeme Wahrheiten über die Klimapolitik und ihre wissenschaftlichen Grundlagen“. Eine handliche Gebrauchsanweisung für den Klimakrieg.

Die FDP mit Krahmer als Strippenzieher organisierte außerdem diverse Veranstaltungen mit eindeutiger Zielstellung, unter anderem am 3. Juli 2012 im EU Parlament. Unter dem Titel „Klimaschutz: die politische Überforderung“ referierten dort Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning über ihr umstrittenes Buch „Die kalte Sonne“

Am Juni 2012 richtete Krahmer zusammen mit der FDP Sachsen eine „alternative“ Klimakonferenz in Dresden aus. Bei der Veranstaltung unter dem düsteren Titel „Sind wir noch zu retten? Zwischen Klimakatastrophe und Ökohysterie“ sollte geklärt werden, „ob es denn überhaupt einen Klimawandel, eine globale Erderwärmung gibt, und falls ja, ob diese dann auch tatsächlich durch uns Menschen verursacht wird.“. Um gar nicht erst mit dem wissenschaftlichen Konsens in Berührung zu kommen, lud man denn als Redner auch keinen einzigen Klimawissenschaftler ein, dafür eine  Handvoll der üblichen Verdächtigen aus der organisierten Leugnerszene wie bereits erwähnten Benny Peiser oder den Zoologen Josef Reichholf, der bei CFACT unter Vertrag ist [9] [10]. CFACT ist ein rechtskonservativer US Think Tank, der durch besonders aggressive Antiklima-Rhetorik auffällt und sich großzügiger Finanzierung durch Exxon Mobil & Co. erfreut.

Ebenfalls bei CFACT „unter Vertrag“ ist Steffen Hentrich, hauptamtlich verantwortlich für Umwelt- und Energiepolitik bei der FDP-nahen „Stiftung für die Freiheit“ (ehem. Friedrich-Naumann-Stiftung). Er ist außerdem Mitarbeiter beim Berliner Institut für Unternehmerische Freiheit (IUF) und Autor zahlreicher neoliberaler und klimaskeptischer Blogs wie „Ökowatch“ und „Freie Welt“. Sein 2011 publiziertes Buch „Realitätscheck für den Klimaschutz –Globale Klimapolitik zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Vorschläge für neue liberale Ansätze“ ist Klimabelletristik vom Feinsten. Mitherausgeber des Buches: Holger Krahmer, unser Klimakrieger von den EU Liberalen. Die Kreise schließen sich….doch der Filz wird noch dicker.

Seit 5 Jahren, zuletzt im November 2012 in München, findet regelmäßig eine „Klimakonferenz“ der ganz besonderen Art statt. In gemütlichen Ambiente eines schicken Hotels trifft sich die Elite der deutschen und internationalen Klimaleugnerszene. Die Redner – ein Panoptikum einschlägig bekannter Lobbyisten, Laienprediger und korrupter Wissenschaftler – rekrutieren sich größtenteils aus den Reihen der Veranstalter selbst. Man bleibt gerne unter sich.[12]

cfact1 KopieDie Organisatoren sind die üblichen Lobbybuden wie Heartland Institute und CFACT, das unternehmensnahe Berlin Manhattan Institute (BMI) sowie EIKE [13], ein Jenaer Briefkasten-Verein und bekannteste Adresse der deutschen „denial industry“. Die FDP-„Stiftung für die Freiheit“ war zumindest bis 2011 Sponsor der Veranstaltung.

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CFACT Propaganda [11]

EIKE-Chef Holger Thuss, Mitglied der CDU Jena ist gleichzeitig Europachef von CFACT und Verleger [14] klimaskeptischer Bücher mit martialischen Titeln wie „Öko-Nihilismus“ von Edgar Gärtner oder „Öko-Imperialismus. Grüne Politik mit tödlichen Folgen“ von Paul K. Driessen. Beide Autoren sind ebenfalls auf der Gehaltsliste von CFACT. Holger Thuss´ Aktivitäten sind inzwischen selbst seiner eignen Partei (der CDU) nicht mehr geheuer. Die Jenaer CDU Gruppe jedenfalls distanzierte öffentlich von ihm.

Um so mehr dürfte er sich über den Besuch von Thüringer FDP Prominenz an seinem Stand (Thuss van Riess Verlag) auf Leipziger Buchmesse 2010 gefreut haben. Medienwirksam hält FDP-Mann Patrick Kurth ein Buch des Verlages in die Kamera. Titel des Buches: „Klimahysterie-was ist dran“, Autor: Michael Limburg, „Berater“ bei CFACT, Vize von EIKE.

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Holger Thuss (2.v.l.) mit seinen Freunden von der FDP, Buchmesse Leipzig 2010

Die Pressemitteilung der FDP am folgenden Tag: „Der TvR Medienverlag veröffentlicht im politischen Bereich mit z.T. gesellschaftskritischen Titeln. Kurth konnte sich dabei von dem tollen Einsatz und den interessanten Themen des Verlags überzeugen“ . Alles klar..?

Am Ende bleiben 3 Erkenntnisse:

  1. Klimaleugnung ist keine zufällige Verwirrung, sondern ein lukratives Geschäftsmodell.
  2. Gerade für FDP-Hinterbänkler bietet ein entsprechendes „gesellschaftliches“ Engagement Zukunftschancen in der Lobbyindustrie und federt zudem gegen die Risiken volatiler Wähler und politischer Umschwünge ab.
  3. Es ist unmöglich, dass der ganze Lobbyfilz aus FDP-Stiftung, CFACT, EIKE, Heartland Institute und einzelnen FDP-Funktionären ohne den Segen der Parteiführung existiert.

Insofern bleibt die FDP ihrem Image treu – als randständige Lobbypartei der Konzerne und Bosse.

Ein Klimakiller eben.









[2] Lewandowsky; Oberauer; Gignac: NASA Faked the Moon Landing—Therefore, (Climate) Science Is a Hoax:

An Anatomy of the Motivated Rejection of Science. March26 2013; online

http://pss.sagepub.com/content/early/2013/03/25/0956797612457686.abstract

[3] Quelle: Facebookseite von P. Rösler

[4] Vorstellung des Buches „Träum weiter Deutschland“; mehr dazu auf klimaretter: http://www.klimaretter.info/politik/nachricht/8163-bruederle-hofiert-klimaskeptiker

[8] Lobbyismus im Dienst der Tabak-, Chemie-, Energiekonzerne

[9] Abk. für Committee for a Constructive Tomorrow

[10] weitere Redner der Konferenz: Prof. Dr. Knut Löschke, Leipzig; Prof. Dr. Joseph Reichholf, München, Prof. Dr. Bodo Sturm, HTWK Leipzig; Dr. Benny Peiser, London; Michael Miersch, München. (Quelle: http://www.fdp-fraktion-dresden.de/termine-1026.html)

[12] wie z.B.  H.J. Lüdecke (EIKE), H. Thuss (EIKE, CFACT), C. Monckton (CFACT), F.-K.Ewert (CFACT, EIKE), W. Müller (CFACT, EIKE, IUF, Ex-F. Naumann Stiftung)

[13] Europäisches Institut für Klima und Energie; mehr Infos zu EIKE: https://michaelsclimate.wordpress.com/2011/03/07/eike-ein-institut-stellt-sich-vor/

[14] TvR Verlag Jena

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Hier ein Artikel der „Zeit“ vom 22.11.12: ( als pdf)

Die Klimakrieger

Wie von der Industrie bezahlte PR-Manager der Welt seit Jahren einreden, die Erderwärmung finde nicht statt. Chronologie einer organisierten Lüge.

Marc Morano sät den Zweifel per Tastendruck. Er sitzt im Fond einer schwarzen Lincoln-Town-Car-Limousine und bedient seine wichtigste Waffe, den Laptop. Draußen fliegt der Herbstwald vorbei, Morano lädt eine neue Schlagzeile auf seine Website: »Die amerikanische Umweltbehörde wird beschuldigt, Menschenversuche durchzuführen«.

Der Wagen hat Morano vor einer halben Stunde vor seinem großen Haus in einem Vorort der amerikanischen Hauptstadt Washington abgeholt, jetzt gleitet er zum Fernsehstudio des Nachrichtensenders Fox News. Dort hat Marc Morano seinen nächsten Einsatz.

Nächste Woche, am 26. November, treffen sich die Umweltminister und Regierungschefs der Welt in Doha am Persischen Golf zum UN-Klimagipfel. Sie wollen neue Maßnahmen gegen die Erderwärmung beschließen. Morano will das verhindern.

Morano ist kein Klimaforscher. Er kann weder den Atmosphärendruck der Erde berechnen noch Temperaturdaten analysieren. Morano ist PR-Manager. Er ist gut darin, eine Botschaft so zu vermitteln, dass sie jeder versteht.

Als Schüler, in den achtziger Jahren, half Morano den Republikanern im Wahlkampf. Er rief wildfremde Leute an und erklärte ihnen, weshalb Ronald Reagan der bessere Präsident sei. Später, nach dem Politikstudium, arbeitete er als Vertreter einer Abflussreinigungsfirma. Morano kann so ziemlich alles verkaufen.

Jetzt, bei Fox News, ist er zu Gast in der Verbrauchersendung Money with Melissa Francis. Es geht um erneuerbare Energien. Morano sitzt vor einer schwarzen Studiowand. Die Kamera zoomt ihn heran, und Morano erscheint in Amerikas Wohnzimmern: ein kräftiger Mittvierziger mit Anzug und Krawatte. Er lächelt freundlich, aber das täuscht. Morano schafft es immer wieder, seine Gegner zu provozieren. Kürzlich fiel er bei einer Fernsehdebatte einem bedächtig sprechenden Klimawissenschaftler so oft ins Wort, bis der ihn erschöpft ein »Arschloch« nannte. Es war der Moment, in dem Morano gewonnen hatte.

Diesmal sitzt er allein im Studio, er gibt den sachlichen Experten: »Die Förderung der Solarenergie wird von der Angst vor der vom Menschen gemachten Erderwärmung getrieben«, sagt Morano mit besorgter Miene. »Aber das ist alles Ideologie.«

Marc Morano ist das wohl aggressivste Mitglied einer gut bezahlten Söldnertruppe. Er steht im Zentrum eines Kampfes, für den sich in den vergangenen Jahren in den USA mehr als drei Dutzend Lobbyorganisationen gründeten. Ein Kampf, der mit Zahlungen von mehreren Hundert Millionen Dollar befeuert wurde. Der Kampf gegen die internationale Klimaforschung. Schon vor Jahren sagte Morano: »Wir sollten die Klimawissenschaftler treten, solange sie am Boden liegen. Sie haben es verdient, öffentlich ausgepeitscht zu werden.«

Moranos Arbeitgeber ist das Committee for a Constructive Tomorrow, eine Organisation, die sich als Gegenstück zu Umweltschutzverbänden wie Greenpeace begreift. In den vergangenen Jahren wurde sie neben anderen von dem amerikanischen Autohersteller Chrysler sowie den Ölkonzernen ExxonMobil und Chevron finanziert.

Die Geschichte des PR-Managers Marc Morano ist die Geschichte einer geplanten Verwirrung. Ein Lehrstück über die Kunst des Lügens. Die Frage ist: Kann einer Demokratie die Wahrheit abhandenkommen? Kann es sein, dass die Antwort auf eine Menschheitsfrage käuflich ist?

Die Geschichte beginnt vor mehr als 20 Jahren, als sich rund um die Welt eine ungeheuerliche Erkenntnis durchsetzt: Der Ausstoß von Kohlendioxid erwärmt die Erde. Schnell ist klar, dass mögliche Gegenmaßnahmen die Industrie viele Milliarden kosten werden. Geld, das die Unternehmen sparen können, wenn es ihnen gelingt, dem vom Menschen gemachten Klimawandel etwas entgegenzusetzen: den vom Menschen gemachten Zweifel an der Klimaforschung.

Vielleicht sind die Daten ja falsch. Vielleicht erwärmt sich die Erde gar nicht. Und wenn doch, dann ist das vielleicht harmlos, ein natürlicher Prozess, der nichts mit Kohlekraftwerken und Verbrennungsmotoren zu tun hat.

Solche Gedanken sind es, die Männer wie Marc Morano in den folgenden Jahren in die Köpfe von Zeitungslesern und Fernsehzuschauern, von Journalisten und Politikern einpflanzen. Von Amerika aus verbreitet sich der Zweifel um die Welt, am Ende auch nach Deutschland. Er schleicht sich in Verhandlungen über Treibhausgase und in Abstimmungen über Energiegesetze. Jetzt, wenige Tage vor dem Beginn der UN-Klimakonferenz, ist er stärker als je zuvor.

Um das komplexe Atmosphärensystem der Erde zu verstehen, haben mehr als hundert Regierungschefs im Jahr 1988 den Weltklimarat ins Leben gerufen, ein Gremium, in dem die renommiertesten Wissenschaftler der Welt sämtliche Ergebnisse der Klimaforschung auswerten.

Die Daten sind eindeutig: Die globale Erwärmung ist nur noch mit großer Anstrengung zu bremsen. Der Temperaturanstieg erhöht die Gefahr starker Stürme. Dürren und Überschwemmungen werden häufiger. Gletscher und Polkappen schmelzen. Der Meeresspiegel steigt. Das ist es, was die Wissenschaftler in ihre Berichte schreiben.

»Wir dachten, wir hätten unsere Arbeit erledigt«, sagt der amerikanische Forscher Michael Mann, der dem Weltklimarat angehört. »Wir dachten, ab jetzt geht es um Politik und nicht mehr um Wissenschaft.«

Mann ist ein kleiner, rundlicher Mann in ausgetretenen Schuhen. Er leitet das Zentrum für Geowissenschaften an der Pennsylvania State University, es ist das wichtigste meteorologische Institut Amerikas. In seinem überfüllten Büro stapeln sich Fachzeitschriften, an der Wand lehnt ein abgewetzter Hockeyschläger, das Geschenk einer Collegemannschaft aus Vermont.

»Mit dem Hockeyschläger ging alles los«, sagt Mann.

Es ist das Jahr 1998, Mann ist damals 33 Jahre alt, ein junger Wissenschaftler, der davon träumt, die Schwankungen des Klimas zu erklären. Gemeinsam mit zwei Kollegen sammelt er Temperaturdaten aus Tausenden von Jahren, sie analysieren Korallen, Baumrinden und Bohrproben aus dem Polareis.

Als das Ergebnis schließlich in einer Grafik aufleuchtet, staunen die Forscher: Bis zum Jahr 1850 verläuft die Temperaturkurve der Erde weitgehend waagrecht, dann aber, genau zu dem Zeitpunkt, als die Menschen anfingen, Kohle, Öl und Gas zu verbrennen, steigt sie steil nach oben.

Ein merkwürdiges Diagramm, denkt Mann: Es sieht aus wie ein liegender Hockeyschläger, ein langer gerader Stiel und eine fast senkrecht aufgestellte Kelle am Ende.

Mann und seine Kollegen veröffentlichen ihre Arbeit in der Fachzeitschrift Nature: »Der Hockeyschläger«, wie ihr Diagramm fortan schlicht heißt, katapultiert sie ins berühmte Time- Magazin, er bringt Michael Mann, schüchtern und unvorbereitet, in die wichtigsten Nachrichtensendungen des Landes.

Der Hockeyschläger ist der Beweis für die Schuld des Menschen am Klimawandel. Anfangs überzeugt er auch die Konservativen. Der einflussreiche republikanische Senator John McCain entwirft gemeinsam mit dem Demokraten Joseph Lieberman ein Gesetz, das den Ausstoß von Kohlendioxid reduzieren soll. Sie nennen es Climate Stewardship Act, Gesetz zur Klimaverantwortung.

Die National Academy of Sciences, die ranghöchste amerikanische Wissenschaftsvereinigung, bestätigt die Aussage von Manns Studie. 928 Fachaufsätze, die zwischen 1993 und 2003 zum Thema Klimawandel veröffentlicht werden, kommen zu dem Ergebnis, dass sich die Erde durch menschlichen Einfluss erwärmt. Der Chefredakteur der renommierten Fachzeitschrift Science spricht vom wohl außergewöhnlichsten Wissenschaftskonsens in der Geschichte.

»Der Hockeyschläger«, sagt Michael Mann, »war das Schlimmste, was der Industrie passieren konnte.«

Womöglich ist das der Grund, weshalb im Jahr 2002 ein PR-Berater des damaligen Präsidenten George W. Bush das Drehbuch für einen groß angelegten Gegenschlag verfasst. »Die Umwelt ist vielleicht das Thema, bei dem die Republikaner – und Präsident Bush im Speziellen – am verletzlichsten sind«, schreibt er in einem Strategiebericht für das Weiße Haus. Es komme jetzt darauf an, die Wissenschaftler »frontal zu attackieren«, um bei den Wählern Zweifel an deren Glaubwürdigkeit zu säen. Die Debatte sei zwar fast abgeschlossen – »gegen uns«, heißt es in dem Bericht. Aber es sei immer noch Zeit, um Experten zu finden, die »mit unserer Haltung sympathisieren«.

Kurz darauf stellt Bush eine Gruppe von Beratern zusammen, in der die mächtigsten Vertreter der Ölindustrie sitzen. Die republikanische Parteiführung bestimmt den Senator James Inhofe zum Vorsitzenden des Umweltausschusses. Inhofe ist ein 70-jähriger Republikaner aus Oklahoma; die Umweltbehörde, eine unabhängige Einrichtung der Regierung, die die Umsetzung von Umweltschutzgesetzen begleiten soll, verhöhnt er als »Gestapo-Bürokratie«; seine Wahlkämpfe finanzieren Energiekonzerne. Bald stellt er einen neuen PR-Strategen ein: Marc Morano.

Inhofe führt eine Neuerung im Senat ein: Er veranstaltet sogenannte Scientific Integrity Hearings, Anhörungen zur Integrität der Wissenschaft. Er macht den Senat zu einem Wissenschaftsgericht. Auf die Anklagebank setzt er renommierte Forscher, deren Arbeit hundertfach bestätigt wurde. Als Ankläger beruft er Laien wie den Schriftsteller Michael Crichton, in dessen neuestem Thriller korrupte Klimaforscher die Welt an den Abgrund treiben.

Ob sich die Erde erwärmt oder nicht, soll keine Frage des Wissens mehr sein – wie eine Frage des Glaubens soll es aussehen.

Kurz bevor der Senat das von den Senatoren McCain und Lieberman eingebrachte Gesetz zum Emissionshandel verabschieden soll, lädt Inhofe auch Michael Mann vor. Inhofe konfrontiert Mann mit den Forschern Willie Soon und David Legates. Biede ließen sich mehrfach von der Industrie bezahlen, allein Soon hat bis heute mehr als eine Million Dollar von ExxonMobil und anderen Konzernen erhalten. In einer umstrittenen Studie, mitfinanziert vom American Petroleum Institute, hat er behauptet, Manns Daten seien falsch.

»In vielerlei Weise«, beginnt Inhofe, »verschiebt diese Studie das bekannte Paradigma.«

»Das Klima des 20. Jahrhunderts ist weder unüblich noch in irgendeiner Weise extrem«, referiert Soon.

Dann fragt Inhofe die Anwesenden, ob sie darin übereinstimmen, dass ein erhöhter Kohlendioxidausstoß viele Vorteile für Flora und Fauna habe.

»Ich stimme zu«, sagt Soon.

»Ich sehe wenig, was dafürspricht«, sagt Mann.

»Ich würde tendenziell zustimmen«, sagt Legates.

Die Fernsehbilder dieses Tribunals sprechen eine einfache Sprache: Ein Forscher hält die Erderwärmung für eine Tatsache. Zwei Forscher ziehen das in Zweifel. Dass der eine den wissenschaftlichen Konsens repräsentiert, während die beiden anderen von der Fachwelt nicht ernst genommen werden, sieht man den Bildern nicht an.

55 zu 43, so endet am 30. Oktober 2003, die Abstimmung im Senat: Der Climate Stewardship Act, das Gesetz zur Klimaverantwortung, ist gescheitert.

Neun Jahre später, im Herbst 2012, sagt Marc Morano: »Wir haben es geschafft, die Klimagesetze innerhalb von drei Jahren zu stoppen.« Er sagt das stolz wie ein Schüler, der von einer gelungenen Klassenarbeit erzählt. Morano sitzt im Capital Grill, einem exquisiten Steakhaus in einem Vorort von Washington. In mit Vorhängeschlössern gesicherten Wandschränken lagerten dort früher die teuren Zigarren der Stammkunden. »Damals durfte man in Restaurants noch rauchen«, sagt Morano und verdreht die Augen.

Morano mag es nicht, wenn sich die Politik in sein Leben einmischt. Er mag es nicht, wenn er hört, Rauchen schade der Gesundheit, der Regenwald sei in Gefahr, die Überbevölkerung ein Problem. »Alles Ideologie«, sagt er.

Morano liebt seine Familie, die vier Kinder und seine Frau Jennifer. Er mag sein großes viktorianisches Haus mit dem schönen Garten und seinen schwarzen Geländewagen. Er mag es, so zu leben, wie es ihm gefällt.

Als Morano bei Senator Inhofe als PR-Mann anheuert, baut er als Erstes die Website des Umweltausschusses um: Er versammelt dort alles, was die globale Erwärmung leugnet. Je mehr ein Text gegen die Klimaforschung hetzt, desto prominenter platziert er ihn. Im Internet findet er viele solcher Texte. Es läuft gut für Marc Morano.

Doch dann, im Jahr 2006, bringt Al Gore, ehemaliger Präsidentschaftskandidat der Demokraten, den Dokumentarfilm Eine unbequeme Wahrheit heraus. Gore zeigt Bilder von schmelzenden Gletschern, wachsenden Wüsten, überschwemmten Städten. Er arbeitet ähnlich wie Morano: Er hat eine Botschaft, und er formuliert sie so, dass sie jeder versteht. Nur dass hinter Gore nicht die Industrie steht, sondern der wissenschaftliche Konsens.

Der Film läuft in Kinos und Schulen. Auf einmal halten 84 Prozent der Amerikaner den Klimawandel für eine Bedrohung. Morano muss sich etwas einfallen lassen.

Er erinnert sich an den Grundsatz des Politikberaters Karl Rove, einst Stabschef von George W. Bush: Attackiere nicht die Schwäche des Gegners, sondern seine Stärke! Die Stärke der Wissenschaft ist ihre Glaubwürdigkeit.

Am 20. Dezember 2007 erhalten Zeitungs- und Fernsehredaktionen in ganz Amerika einen von Marc Morano veröffentlichten, 175 Seiten langen, scheinbar hochseriösen Report. Unter dem Briefkopf des Umweltausschusses, versehen mit dem Wappen des amerikanischen Senats, steht die Überschrift: »Mehr als 400 prominente Wissenschaftler bezweifeln die menschengemachte Klimaerwärmung.«

Fast alle Redaktionen fallen auf Moranos Köder herein. Es ist Vorweihnachtszeit, kaum ein Journalist macht sich die Mühe, die 413 Namen und ihre Aussagen zu prüfen. Immer wieder zitieren Zeitungen und Fernsehsender den »Report«, die New York Times, der Boston Herald, die Nachrichtensender Fox News und CNN.

In Wahrheit arbeiten 44 der genannten angeblichen Wissenschaftler lediglich als Wetteransager, 84 waren früher für die Ölindustrie tätig, 49 sind längst in Rente, 90 haben keinerlei Verbindung zur Klimawissenschaft. Der Rest sind Forscher, die den menschengemachten Klimawandel nie bestritten haben, die sich jedoch, wie unter Wissenschaftlern üblich, kritisch mit einzelnen Fragen beschäftigen, etwa der konkreten Geschwindigkeit, mit der der Meeresspiegel steigt.

Moranos wichtigste Zeugen sind der damals 83-jährige Atmosphärenphysiker Fred Singer und der 96-jährige Physiker Frederick Seitz. Bis zu Seitz’ Tod im Jahr 2008 sind die beiden Wissenschaftler eng befreundet: Singer hat in den achtziger Jahren am nationalen Raketenprogramm der USA mitgearbeitet, Seitz am Atomwaffenprogramm. Sie waren antikommunistische Krieger im Auftrag Ronald Reagans, jetzt helfen sie Morano, die Freiheit gegen den Ökofaschismus zu verteidigen. Ihre Artikel erscheinen in der New York Times, im Wall Street Journal, in der Washington Post.

So wie die Zeitungen einst Manns Hockeyschläger auf den Titelseiten präsentierten, so stürzen sie sich jetzt auf die neueste Neuigkeit: alles halb so schlimm.

Seitz hat zuvor für den Tabakkonzern Reynolds zehn Jahre lang die Gefahren des Rauchens verharmlost und dafür jährlich 65.000 Dollar kassiert. Singer ließ sich unter anderem von den Ölkonzernen ExxonMobil, Shell und Texaco bezahlen. Gemeinsam gründen sie jetzt die Vereine Science And Environment Policy Project und Nongovernmental International Panel on Climate Change (NIPCC). Deren erklärtes Ziel: den Weltklimarat in Verruf zu bringen.

Damit sind Singer und Seitz Teil eines von der Industrie finanzierten Komplexes von Verbänden und Instituten, der rund um Washington gewachsen ist. Eine Art Potemkinsches Dorf der Wissenschaft, bevölkert von bezahlten Experten, die den Interessen ihrer Auftraggeber dienen. Es gibt das Heartland Institute, das American Enterprise Institute, das Marshall Institute, das Frontiers of Freedom Institute, das Independent Institute. Es ist eine endlose Liste vermeintlich seriöser, unabhängiger Einrichtungen, die wiederum Ableger gründen, die sich auf Umweltthemen spezialisieren: zum Beispiel das Committee for a Constructive Tomorrow, für das Morano heute arbeitet.

Innerhalb weniger Jahre publizieren diese Organisationen weit über hundert Bücher zum Klimawandel. Ihre Autoren sind zu Gast in großen Fernsehshows, sie halten Vorträge auf eigens ins Leben gerufenen internationalen Klimakonferenzen. Eine gut geölte, sich selbst befeuernde Maschine des Leugnens.

Während Michael Mann und die übrigen Wissenschaftler des Weltklimarates unentgeltlich arbeiten, schreibt das Heartland Institute in einem kürzlich der Presse zugespielten internen Budgetplan für das Jahr 2012 über Fred Singers Verein NIPCC: »Momentan sponsern wir das NIPCC, um den offiziellen Bericht des Weltklimarates der Vereinten Nationen zu untergraben. Wir haben einem Autorenteam 388.000 Dollar gezahlt, um an einer Reihe von Publikationen zu arbeiten.«

Und weiter heißt es in dem Papier des Instituts: »Unser aktuelles Budget schließt die Unterstützung von Personen mit hohem Bekanntheitsgrad ein, die regelmäßig den Aussagen der Alarmisten der Klimaerwärmung widersprechen. Momentan geht diese Unterstützung an Craig Idso (11.600 Dollar pro Monat), Fred Singer (5.000 Dollar pro Monat) und Robert Carter (1.667 Dollar pro Monat).«

Insgesamt rund 420 Millionen Dollar investiert die Öl- und Gasindustrie in die Produktion des Zweifels – allein in den Jahren 1997 bis 2004.

Ende 2007 wird der Weltklimarat für seine Arbeit mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Von überparteilichem Konsens, von gemeinsamen Gesetzesinitiativen zum Schutz des Klimas aber ist in Amerika längst keine Rede mehr. Im Gegenteil: Erneut findet sich Michael Mann in Washington auf der Anklagebank wieder. »Offene Fragen rund um den Hockeyschläger« heißt die Anhörung, zu der ihn dieses Mal der Energieausschuss einlädt. Mann weiß, es gibt keine offenen Fragen, seine Ergebnisse sind unstrittig. Trotzdem ist er nervös.

Vor dem Rayburn House, dem Sitz des Repräsentantenhauses, stehen die Übertragungswagen aller wichtigen Sender. Mann steigt die Treppe hinauf, Kameramänner laufen neben ihm her, Journalisten mit Mikrofonen und Diktiergeräten. Mann ist gerade zum ersten Mal Vater geworden, sein Vertrag an der Universität ist noch nicht entfristet. Zum ersten Mal in seinem Leben hat er einen Anwalt kontaktiert. Es geht für ihn jetzt nicht mehr nur um Wissenschaft. Es geht um seine Existenz.

Drei Stunden dauert die Anhörung. Ein Statistiker, der bislang nichts mit Klimaforschung zu tun hatte, beschreibt Mann als Drahtzieher einer internationalen Verschwörung, ein früherer Industrieberater behauptet, Mann habe unsauber gearbeitet.

Während Michael Mann versucht, die Angriffe abzuwehren, verfolgt Marc Morano das Schauspiel aus dem Zuschauerraum. Er weiß: Wenn er Mann und seinen Hockeyschläger erledigt, dann erledigt er den Weltklimarat. Dann erledigt er jedes Gesetz, das künftig das Verbrennen von Öl, Gas oder Kohle verteuern könnte.

Als sich der Saal in Washington leert, steuert Morano auf Mann zu. Lächelnd streckt er den Arm aus, Mann gibt ihm höflich die Hand. Morano muss heute noch lachen, wenn er daran denkt: »Der wusste nicht einmal, wer vor ihm steht.«

Am Ende bringt die Anhörung keine neuen Fakten. Die American Geophysical Union, die American Meteorological Society und 30 weitere wissenschaftliche Vereinigungen springen Mann in den folgenden Tagen zur Seite. Der Zweifel aber bleibt.

Wenn sich Mann heute in seinem Büro in der Pennsylvania State University an das Verhör in Washington erinnert, muss er tief durchatmen. Längst weiß er, wer Marc Morano ist. »Diese Leute sind Zyniker«, sagt er. »Mir ist klar, dass Morano mich nicht persönlich meint. Er will mich nur einschüchtern. Er will ein ganzes Fach einschüchtern.«

Mann spricht leise, sein Gesicht ist blass. Im Dezember wird er 47, aber er hat noch immer die Scheu eines Mannes, der sich im Labor wohlerfühlt als unter Menschen.

Michael Mann mag es, in den Wäldern von Pennsylvania zu wandern, er mag die Ruhe des Universitätsstädtchens State College, an dessen Rand er mit seiner Frau, einer Biologin, lebt. Es gefällt ihm, dass der Strom in seinem kleinen Haus durch Windkraft erzeugt wird.

»Haben Sie mal von der Serengeti-Strategie gehört?«, sagt Mann. »Die Raubtiere in der Serengeti erlegen ihre Beute, indem sie ein Tier an den Rand der Herde treiben, und wenn sie es isoliert haben, töten sie es.«

Es ist das Jahr 2009, die Finanzkrise hat auch die Medienunternehmen erreicht. Verlage und Fernsehsender verkleinern ihre Redaktionen, jeder dritte amerikanische Nachrichtenjournalist verliert seinen Arbeitsplatz, wer übrig bleibt, hat kaum noch Zeit, um Fakten zu prüfen. CNN löst seine gesamte Wissenschaftsredaktion auf, der Wetteransager Chad Meyers ist nun der Experte für den Klimawandel. Meyers sagt: »Es ist anmaßend, zu denken, wir Menschen könnten das Wetter so stark beeinflussen.«

Was schlecht ist für Leser und Zuschauer, ist gut für Marc Morano: Viele Redaktionen gehen jetzt dazu über, jede Meinung mit einer Gegenmeinung zu neutralisieren. Jede Aussage eines Klimawissenschaftlers ergänzen sie mit der Aussage eines Klimawandel-Leugners – so sparen sie sich die Antwort auf die Frage, was richtig ist und was falsch.

Marc Morano hat in seinem Laptop mehrere Tausend E-Mail-Adressen von Journalisten gespeichert, in 19 verschiedenen Listen, sortiert nach »Zeitungskolumnisten«, »Fernsehmoderatoren«, »Überregionale Wissenschaftsredakteure« (»Die sind nicht so zugänglich für meine Themen«) oder »Lokalzeitungen« (»Die nehmen immer gerne etwas«).

Es ist der 17. November 2009, Michael Mann feiert mit seiner Familie Thanksgiving, als sich um 21.57 Uhr eine Person mit dem Pseudonym »FOIA« auf dem Blog Air Vent zu Wort meldet. FOIA nennt die Internetadresse eines Servers, von dem man 1.000 private E-Mails der berühmtesten Klimawissenschaftler herunterladen könne, unter ihnen Michael Mann.

Was ist geschehen? Unbekannte haben den Server der Klimaforschungsabteilung der britischen University of East Anglia gehackt und private E-Mails und Dokumente heruntergeladen. Das alles steht nun aufbereitet im Netz, pünktlich zur UN-Klimakonferenz, die Anfang Dezember 2009 in Kopenhagen beginnen wird.

Marc Morano fährt damals gerade auf dem Rücksitz eines Mietwagens den Pacific Coast Highway hinauf, als sein Handy klingelt. Er ist in Kalifornien, um dort Stimmung zu machen gegen ein neues Umweltgesetz. Ein Bekannter erzählt ihm von den gehackten E-Mails. Irres Zeug sei dabei. Michael Mann zum Beispiel schreibe in einer E-Mail, dass er einen »trick« benutze, um das Sinken der Temperatur zu verdecken. Einen Trick! Heißt das nicht so viel wie: Der ganze Klimawandel ist eine gigantische Fälschung?

Schnell hat der vermeintliche Skandal einen Namen: Climategate. Marc Morano richtet im Internet einen sogenannten Feeder ein, ein Programm, das ihm sämtliche Nachrichten über die Forschermails meldet. Er sammelt Überschriften und bündelt sie auf seiner Website climatedepot.com, die mit 1.700 anderen Seiten verbunden ist. Er tippt: »Der größte Skandal der modernen Wissenschaft!« Andere Blogger verknüpfen seine Texte mit anderen Seiten, und deren Betreiber wieder mit anderen. Fieberhaft arbeitet Morano die Nacht hindurch, bis »Climategate« wie ein dichtes Netz das Google-Universum durchzieht. In nur zwei Wochen verbreitet sich die Geschichte von den vermeintlich betrügerischen Klimaforschern auf mehr als 25 Millionen Internetseiten weltweit.

Kaum ein Journalist hat die Originaltexte der E-Mails gelesen, aber fast alle Medien übernehmen dankbar Moranos Interpretation: »Der letzte Nagel im Sarg der globalen Erwärmung«. Fox News beschwört tagelang »das Waterloo der globalen Erwärmung«, die britische Tageszeitung Daily Telegraph warnt: »Wenn Sie Aktien in Firmen für erneuerbare Energie besitzen, dann verkaufen Sie sie JETZT.« Sogar das renommierte Magazin The Atlantic schreibt angewidert: »Der Gestank von intellektueller Korruption ist übermächtig.«

Die Weltklimakonferenz in Kopenhagen endet ergebnislos. Das lang erwartete, vom neuen US-Präsidenten Barack Obama vorbereitete Klimaschutzgesetz scheitert im amerikanischen Senat.

Wenige Wochen später, im Frühjahr 2010, sprechen parlamentarische Untersuchungsausschüsse in Amerika und Großbritannien die Forscher von allen Vorwürfen frei: Die belastenden Zitate wurden aus ihrem Kontext gerissen, Michael Mann hat mit dem Wort »trick« lediglich die zulässige Lösung eines statistischen Problems beschrieben, in den Datensätzen finden sich keine Hinweise auf Manipulation. Auch diese Meldung erscheint in den Zeitungen, aber irgendwo auf den hinteren Seiten.

Nicht einmal jeder zweite Amerikaner glaubt jetzt noch an den Klimawandel.

»Morano hat ganze Arbeit geleistet«, sagt Michael Mann im Herbst 2012 in seinem Büro. Morano hat die Erzählung der Leugner verändert. Die Klimaforscher sind nicht mehr bloß im Unrecht – sie sind jetzt Kriminelle, die bewusst betrügen. Große Teile der Öffentlichkeit glauben ihm.

Im August 2010 öffnet Mann in seinem Büro einen Brief. Weißes Pulver rieselt ihm entgegen. Die Polizei evakuiert das Gebäude: Verdacht auf einen chemischen Anschlag, das FBI ermittelt. Das Pulver stellt sich als Mehl heraus, aber Mann dämmert, dass sein Leben nie wieder so wie früher sein wird.

Die Commonwealth Foundation, eine Stiftung aus Philadelphia, die sich für »den freien Markt« einsetzt, fordert die Pennsylvania State University auf, Michael Mann zu feuern. Beinahe täglich organisiert sie Demonstrationen auf dem Campus. Eine von der Kohleindustrie finanzierte Gruppierung ruft auf Facebook dazu auf, Manns Vorlesungen zu boykottieren, auf YouTube kursieren Videos, die ihn mit einer singenden Karikatur lächerlich machen – produziert von einer PR-Firma der Republikaner in Washington. Wenn Mann Vorträge hält, sitzen auf einmal Leute im Publikum, die Schlingen zum Aufknüpfen in die Luft halten. Mann lässt sich eine neue Telefonnummer geben. Später wird er sagen: »Die meisten Drohbriefe habe ich meiner Frau verschwiegen.«

Gemeinsam mit anderen Klimaforschern betreibt Mann jetzt eine eigene Website, realclimate.org. Sie kontern jeden Vorwurf und sind doch hoffnungslos unterlegen: Die Wissenschaftler müssen jede Aussage beweisen, ihre Gegner behaupten, was sie wollen. Die Wissenschaftler sind zu akademischer Langsamkeit gezwungen, ihre Gegner brauchen nur einen Internetanschluss. So treibt ein kleiner Trupp von Radikalen die internationale Wissenschaft in die Defensive, ein von Zeitungen und Fernsehen aufgepumpter Scheinriese, dessen Helfer sich inzwischen auch in der staatlichen Justiz finden.

Ken Cuccinelli, der Generalstaatsanwalt von Virginia, leitet im Jahr 2010 ein Gerichtsverfahren ein, um zu klären, ob Michael Mann der akademische Titel entzogen werden könne. Cuccinelli, ein Republikaner, fordert die Universität von Virginia, Manns ehemaligen Arbeitgeber, auf, sämtliche E-Mails, Dokumente und Daten von Mann herauszugeben. Erst im März 2012 stellt sich das Gericht auf Manns Seite.

Drei Monate später, am 4. Juni 2012, steht Michael Mann in einem blauen Fernsehstudio des Senders MSNBC, die Show heißt Now with Alex Wagner. Mann lehnt konzentriert an einem Stehpult, er sagt: »Seit Jahren versuchen industriefinanzierte Kampfgruppen, mich zu diskreditieren, mit einem einzigen Ziel: politisches Handeln zu verhindern.«

Seit Anfang dieses Jahres tourt er durch Fernsehsendungen und Universitäten, gibt Radio- und Zeitungsinterviews. Mann hat aus seiner Geschichte ein Buch gemacht, Der Hockeyschläger und die Klimakriege. Es sind kleine Radiosendungen, kleine Zeitungen, die sich für ihn interessieren. Er produziert keine großen Schlagzeilen, aber er formuliert präzise und klar.

Michael Mann hat die öffentliche Bühne betreten, um Marc Morano auf seinem eigenen Gebiet zu schlagen: der Kommunikation. Mann ist immer noch schüchtern, vor der Kamera drückt er den Rücken steif durch, aber er will sich jetzt endlich wehren.

Vor Kurzem hat er wieder eine anonyme E-Mail erhalten: »Sie und Ihre Kollegen sollten erschossen, gevierteilt und an die Schweine verfüttert werden, gemeinsam mit Ihren verdammten Familien«, stand darin. Wenn Mann öffentlich auftritt, wird er inzwischen von Polizisten bewacht. Mehrere seiner Kollegen haben ihre Büros in Sicherheitstrakte verlegt, deren Türen sich nur mit Geheimnummern öffnen lassen.

Warum tut er sich das alles an?

Mann erzählt von seiner siebenjährigen Tochter. »Für sie«, sagt er, »ist dieser Kampf notwendig. Und für ihre Kinder.«

Auch Manns Gegner denken an die Kinder. Das Heartland Institute hat einem Berater des Energieministeriums 100.000 Dollar bezahlt, damit er einen alternativen Lehrplan zusammenstellt, der Schulkindern erklärt, dass der Klimawandel nicht bewiesen sei.

Marc Morano widmet sich inzwischen ganz dem Kampf gegen die erneuerbaren Energien. Er sagt: »Das Thema Erderwärmung ist in Washington durch.« Doha ist die erste Klimakonferenz, zu der er gar nicht erst hinfährt. Er hält den Krieg für gewonnen.

Nur in Europa sind die Klimaleugner noch in der Defensive. Fred Singer, der inzwischen 88-jährige Verkäufer des Zweifels, fliegt jetzt oft über den Atlantik, vor allem nach Deutschland. Hier glauben die meisten Leute noch an die Ergebnisse der Wissenschaft. Singer will das ändern.

Im September 2010 war er auf Einladung der FDP im Deutschen Bundestag zu Gast. Die umweltpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Marie-Luise Dött, zeigte sich beeindruckt: »Ich fand Ihre Ausführungen, Professor Singer, sehr, sehr einleuchtend und sehr schön amerikanisch vorgetragen«, sagte sie laut Zeitungsberichten. Die Frage sei nun, wie man die Politik auf einen anderen Kurs bekomme, die Skeptiker bräuchten »gesellschaftliche Mehrheiten«.

Dött sei falsch zitiert worden, heißt es später aus der CDU. Für Singer hätte es dennoch kaum besser laufen können.

In diesen Tagen, im November 2012, reist er wieder nach Deutschland, wo das Europäische Institut für Klima und Energie (EIKE) eine Konferenz in München abhält, wie immer mit Unterstützung des Committee for a Constructive Tomorrow, des Arbeitgebers von Marc Morano.

»Wir werden im Bayerischen Hof tagen, mit einer internationalen Besetzung vom Feinsten«, sagt Horst Lüdecke. Neben Singer werde jemand vom Heartland Institute reden. Eine kanadische Bloggerin werde ihr neues, kritisches Buch über den Weltklimarat vorstellen.

Horst Lüdecke ist der Pressesprecher von EIKE, ein 70-jähriger emeritierter Physikprofessor, der sich seit seiner Pensionierung mit dem Klima beschäftigt. »Ich habe mich selbst in die Materie eingearbeitet«, sagt er stolz.

Im Fachbeirat von EIKE sitzen ein Journalist und ein Forstwissenschaftler, der Präsident ist ein Historiker, der zweite Vorsitzende ein Elektroingenieur, der bei Vorträgen gerne das Horrorszenario einer Ökodiktatur beschreibt: keine Heizung, keine Autos, keine Fabriken.

»Wir sind fast alle Rentner«, sagt Lüdecke.

Das »Institut« hat keine Büroräume, nur ein Postfach in Jena, trotzdem ist die EIKE-Website die wichtigste deutsche Plattform der Klimaleugner: Ein blauer Himmel mit Schäfchenwolken spannt sich über eine saftige Wiese. Das blau-gelbe Logo mit dem Sternenkranz erinnert an das EU-Signet, alles wirkt freundlich, seriös, wissenschaftlich. Man findet Links zu amerikanischen Websites wie der von Marc Morano oder zu klimaskeptiker.info, dem »Forum gegen die Irrlehren von Treibhauseffekt und Klimaschutz«.

Seit Kurzem ist das 2007 gegründete EIKE als gemeinnütziger Verein eingetragen. Das Institut darf jetzt offiziell zu Spenden aufrufen.

Wer spendet für EIKE? »Das ist geheim«, sagt Lüdecke. Wie viele Mitglieder hat der Förderverein? »Alles kann gegen uns verwendet werden«, sagt er mit gesenkter Stimme, man habe jedoch beste Kontakte zu Abgeordneten aller Parteien. Zu wem genau? Lüdecke schüttelt verschwörerisch den Kopf. »Zu brisant!«

Man könnte die deutsche Leugnerszene als harmlos belächeln, hätte nicht vor Kurzem ein politisches Schwergewicht die Bühne betreten.

Fritz Vahrenholt ist SPD-Mitglied. Er war mal Umweltsenator in Hamburg, Ende der neunziger Jahre wechselte er als Manager zum Ölkonzern Shell, später zum Energiekonzern RWE, heute sitzt er im Aufsichtsrat des Tochterunternehmens RWE Innogy.

Noch im Jahr 2006 befand RWE in einem Rechtsstreit mit Greenpeace, der Klimawandel sei nur »eine subjektive Wahrnehmung einer angenommenen Gefahr, die weder konkret noch gegenwärtig« sei. Ein Jahr zuvor hatte ein amerikanischer PR-Berater für RWE ein Strategiepapier zur Bekämpfung der Energiewende verfasst. Er empfahl, eine »Koalition mit anderen interessierten Konzernen« zu schmieden und von Amerikanern wie Marc Morano zu lernen.

Anfang Februar dieses Jahres veröffentlichte Vahrenholt im renommierten Verlag Hoffmann und Campe das Buch Die kalte Sonne. Vahrenholt behauptet nicht, die Klimaforscher seien Betrüger, aber er suggeriert, sie seien dümmer als er. In Wahrheit erwärme sich die Erde wesentlich langsamer als bisher angenommen. Er, Vahrenholt, habe das herausgefunden.

Als das Buch erscheint, startet die Bild-Zeitung eine große Serie über »Die CO₂-Lüge«. Vahrenholt wird ausführlich im Spiegel interviewt, der ZEIT ist er eine Titelgeschichte wert, er sitzt in den Talkshows Maybrit Illner im ZDF und Unter den Linden auf Phoenix. Der Hessische Rundfunk lädt ihn zum Gespräch, der Norddeutsche Rundfunk, der Südwestrundfunk.

Fritz Vahrenholt ist der prominente, vermeintlich seriöse Experte, auf den die deutschen Klimaskeptiker gewartet haben.

Als Vahrenholt am 20. September dieses Jahres vor den goldstrahlenden Altar der Dresdner Frauenkirche tritt, breitet er die Arme aus und lächelt gütig. »Ich habe eine gute Botschaft für Sie«, sagt er: »Seit 14 Jahren gibt es keine Temperaturerhöhung mehr, jetzt kühlt sich zudem die Sonne ab, das heißt, die Temperatur wird weiter fallen.« Dann ruft er ins Publikum: »Der berühmte hockey stick – alles falsche Messungen!«

Vor ihm sitzen Pensionäre in teuren Wanderjacken und nicken zustimmend. »Das Ende der Gewissheit« heißt die Veranstaltungsreihe der sächsischen Staatskanzlei. Vahrenholt befindet sich in guter Gesellschaft: Innerhalb der Vortragsreihe sprechen der ehemalige Ministerpräsident Kurt Biedenkopf, Verteidigungsminister Thomas de Maizière, der Sicherheitsexperte Winfried Nachtwei von den Grünen, die österreichische Schriftstellerin Kathrin Röggla.

Vahrenholt wird an diesem Abend als Wissenschaftler vorgestellt, als Experte für Klimafragen, als Umweltpolitiker, als Manager, als Buchautor.

Mit keinem Wort wird erwähnt, dass er eine Außenseitermeinung vertritt. Dass Fachjournalisten sein Buch als das populistische Werk eines Laien verrissen haben.

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Ein paar Studenten stellen kritische Fragen, aber Vahrenholt hat für jedes Argument eine Studie, für jede These eine passende Zahl parat. Welche Studien, welche Zahlen seriös sind, geht unter. Am Ende sieht es aus, als säßen dort unten ein paar Spinner, als stünde dort oben vor dem Altar ein klar denkender Mann, der alles verstanden hat.

Als Fritz Vahrenholt in Dresden spricht, liegt der Tag, an dem Michael Mann und seine beiden Kollegen das »Hockeyschläger-Diagramm« veröffentlichten, 14 Jahre zurück. In diesem Zeitraum ist der jährliche Ausstoß von Kohlendioxid auf der Welt um mehr als 40 Prozent gestiegen.

Alle Zitate stammen von Marc Morano oder seiner Website »climatedepot.com«

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Nachdem ich schon ein paar Artikel über EIKE geschrieben habe und mir deren Vize nett für die „kostenlose Internetwerbung“ gedankt hat, ist es Zeit für einen etwas grundsätzlicheren Artikel über dieses angebliche Institut.

Das Europäische Institut für Klima und Energie (EIKE) ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Jena/Thüringen. Auch wenn der Name etwas anderes suggeriert, EIKE ist weder ein wissenschaftliches Institut noch hat es eine derartige Infrastruktur. Es gibt weder ein Gebäude noch eine Postanschrift. Allerdings ein Postfach, dass sich EIKE mit der Europafiliale der US-Lobbyorganisation Commitee for a Constructive Tomorrow (CFACT) und dem Thuss & van Riesen Verlag (TvR) teilt. Vorsitzender von CFACT Europe und TvR ist EIKE-Chef Holger Thuss.

Das Postfach 110 111. Da passt ´ne Menge rein!

Laut eigner Aussage hat EIKE weniger als 100 Mitglieder [1], größtenteils ältere Ingenieure und Professoren im Ruhestand [2]. Eine Ausnahme ist der Vereinsvorsitzende selbst. Holger Thuss ist promovierter Historiker.

Vorraussetzung zur Vereinsmitgliedschaft ist der „Vollbesitz geistiger und seelischer Kräfte“ (laut Vereinssatzung).

Die klimatologische Expertise von EIKE beschränkt sich auf einige pensionierte Meteorologen im „Fachbeirat“.

Anerkannte wissenschaftliche Publikationen von EIKE gibt es nicht.

Die Mission

Die Mission von EIKE ist der Kampf gegen Klimaschutz und die Anzweiflung des menschengemachten Klimawandels. Innerhalb der Skeptikerszene profiliert sich EIKE -leicht größenwahnsinnig- gerne als Alternative zur „Mainstream“-Forschung (wie z.B. NASA, PIK Potsdam, Max Planck Institute, AWI Bremerhaven).

Offizielles Motto: „Nicht das Klima ist bedroht, sondern unsere Freiheit. Umweltschutz ja! Klimaschutz nein!“

EIKE gehört damit klar zur sogenannten „denial industry“ [3], professionellen Lobbyorganisationen, die von der „Fossilindustrie“ in den Kampf gegen Klimaschutz geschickt werden. Strategie dieser Lobbygruppen ist die systematische Verbreitung von Fehlinformationen in der Öffentlichkeit, um Zweifel am anthropogenen Klimawandel zu streuen. Dazu gehört auch die Diffamierung von Forschungsinstituten und Wissenschaftlern, von Umweltverbänden und Medien, die Pro-Klimaschutz agieren. Der Klimawandel wird als „Religion“ bezeichnet, Klimaschützer als „Ökofaschisten“ und „Hysteriker“ etc. betitelt.

Man selbst bezeichnet sich gerne als „Klimarealisten“.

Ideologische Ausrichtung

Allein die Rhetorik vieler EIKE Artikel zeugt von einer hohen Affinität zu neoliberalem  Gedankengut.

Die Angst vor Marktregulierung, „grünem Kommunismus“ und der Untergang der deutschen Industrie durch Klimaschutz sind häufige Konnotationen. Das typische Feindbild von EIKE sind Wissenschaftler wie Stefan Rahmsdorf  vom PIK Potsdam [4], Journale wie „Nature“, die UNO, „Alt-linke“ Journalisten und NGO´s wie Greenpeace. [5]

Viele EIKE-Autoren zeigen durch ihre Äußerungen außerdem eine auffällige Affinität zu Atomkraft und fossiler Großtechnologie und gleichzeitig eine geradezu phobische Abneigung gegenüber Windkraft und Photovoltaik.

Ausreichend Anhängerschaft ist mit dieser Rhetorik garantiert, da sie prächtig mit der Geiz- und Hysteriebereitschaft von „Grünenhassern“, Autofetischisten, Windkraftgegnern und Verschwörungsanhängern korreliert.

In ihrem missionarischen Eifer und der Bereitschaft zu extremer Polarisierung erinnert EIKE an US-amerikanische Vorbilder wie die Tea-Party oder den rechten US-Senator von Oklahoma, James Inhofe.

Finanzierung/ Lobbyismus

„Der Verein EIKE verfolgt seinen satzungsmäßigen Vereinszweck unabhängig von politischen Parteien, Religionsgemeinschaften, sonstigen Verbänden, Vereinen und Organisationen.“

So steht es in der Satzung, die neuerdings nicht mehr auf der Webseite zugänglich ist [6]. Vermutlich aus gutem Grund, denn die personellen Verflechtungen von EIKE Mitgliedern mit anderen Organisationen zeichnen ein völlig anderes Bild als die angebliche Unabhängigkeit.

 

Holger Thuss ist die zentrale Schaltstelle dieses Netzwerkes, in dem wirtschaftliche Interessen, politische Seilschaften und persönliche Verbindungen eng miteinander verfilzt sind. Er ist der Vorsitzende von EIKE, Inhaber des Thuss & van Riesen-Verlages (TvR) und Europachef von CFACT (Commitee for a Constructive Tomorrow), nebenbei noch Mitglied der CDU Jena und Thüringer Chef der „Paneuropa-Union“.

Die entscheidende Schnittstelle ist die enge Verflechtung von EIKE mit CFACT, einer US-amerikanischen Lobbyorganisation, die von US-Öl- und Minenkonzernen gesponsert wird. Außer dem Chef selbst sind nahezu alle wichtigen EIKE Mitglieder gleichzeitig bei CFACT „unter Vertrag“ [7]. Die Doppelmitgliedschaften sowie zahlreiche gemeinsame Aktivitäten sind derart auffällig, dass man EIKE getrost als eine Tochterorganisation von CFACT ansehen kann.

CFACT wurde für seinen Kampf gegen Klimaschutz in den vergangenen Jahren u.a. von Exxon Mobil mit 587.000  US$,  von der Sarah Scaife Foundation mit 175.000 US$, von der Carthage Foundation 1,105 Mio. US$ (beides Stiftungen der Öl-, Uran- und Aluminiumindustrie) „belohnt“ [8]. Und dies sind nur die offiziell bekannten Spenden, die nach amerikanischen Gesetz offengelegt werden müssen.

Auch sonst gibt es jede Menge Kungelei. So veranstalten EIKE und CFACT gemeinsam eine jährliche „Klimakonferenz“ in Berlin ( siehe unten) und man teilt sich regelmäßig einen Stand bei Klimakonferenzen wie in Kopenhagen, Bonn, Cancun. [9]

Der TvR-Verlag ergänzt die Interessen- und Personalunion von EIKE/CFACT durch die Publikation klimaskeptischer Bücher, deren Autoren – wie soll es anders sein- selbst Mitglieder von EIKE und/oder CFACT  sind. Zusätzlich werden die meisten dieser Bücher „mit freundlicher Unterstützung von CFACT“ gedruckt [10] und können praktischerweise gleich über die EIKE-Webseite erworben werden. Sicher eine clevere Marketingstrategie, denn schließlich ist die EIKE Homepage die zentrale Plattform der deutschen Klimaskeptikerszene [11].

Insgesamt also eine clevere Aufgabenteilung. CFACT sorgt für die Petrodollars, EIKE für die Publicity und TvR bedient den Markt mit dubiosen Werken, die sonst eher zum Ladenhüter würden.

Klimabelletristik des TvR-Verlages auf der Leipziger Buchmesse (mit Holger Thuss, 2.v.l. und Vertretern der FDP Jena)

Weitere Verbindungen von EIKE/CFACT bestehen häufig zu industrienahen Stiftungen und Lobbyorganisationen, u.a. zum neoliberalen Berlin Manhattan Institut“ (BMI). Das BMI steht politisch der FDP nahe und co-sponsert und organisiert seit 2008 die jährliche „Internationale Klimakonferenz“ von EIKE und CFACT in Berlin. Die meisten der Redner rekrutieren sich aus EIKE/CFACT Kreisen. Anerkannte Klimawissenschaftler sind auf den Konferenzen nicht vertreten [12], dafür aber Interessenvertreter der Schwerindustrie, wie z.B. 2010 Lutz Peters, u.a. Mitglied des Aufsichtsrats der Choren Industries Freiberg (Petrochemie) oder Dieter Ameling, Ex-Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl.

Unter den politischen Parteien hat die FDP die größte Affinität zu EIKE Positionen.  So wurde EIKE Pressesprecher Ewert am 15.09.10 vom FDP Mann P. Friedhoff in den Bundestag eingeladen, um dort über die angebliche  CO2-Lüge referieren.  Die FDP-nahe Stiftung für die Freiheit unterstützt klimaskeptische Positionen durch Publikationen und Veranstaltungen (link, link).

Etliche EIKE/CFACT Mitglieder sind oder waren bei der Stahl-, Kohle- und Energiewirtschaft unter Vertrag (siehe Kapitel „Wichtige Leute bei EIKE“)

Hier das EIKE/CFACT Kartell in der Übersicht:

„ EIKE ... unabhängig von politischen Parteien, Religionsgemeinschaften, sonstigen Verbänden, Vereinen und Organisationen.“??????

EIKE-“Wissenschaft“

„Wissenschaftliche“ Artikel sind der „Markenkern“ von EIKE. Dabei handelt es sich durchweg um pseudowissenschaftliche Abhandlungen, die keiner Überprüfung durch einen Experten standhalten würden. Durch eine Fülle von Grafiken und Formeln schafft man jedoch ein „Gefühl“ von Seriosität, auf die ein Laie leicht reinfallen kann. In der Skeptikerszene werden die Artikel deshalb gern und häufig zitiert.

Qualitätskriterien, wie peer-review (durch anonyme Gutachter), empirische Datenerhebung, Aktualität und statistische Absicherung, wie sie bei echten wissenschaftlichen Publikationen üblich sind, werden bei EIKE nicht eingehalten.

Eigne Forschung betreibt EIKE gar nicht, denn schließlich fehlt jegliche Forschungs-Infrastruktur.

Durch verschiedene Methoden schafft man es, den Artikeln eine gewisse Plausibilität einzuhauchen. Die gängigsten Tricks sind Datenselektion, Vergleich ungleicher Zeitskalen, Mißinterpretationen, falsche Statistikanwendung, Verwendung irrelevanter Fakten . Hier einige im Einzelnen (Beispiele in Klammern):

  • „Gefühlte“ Argumente statt harte Daten (CO2-Anteil „nur“ 0,039 %)
  • Falsche räumliche u./o. zeitliche Skala (lokale Wettereffekte wie kalte Winter in Europa)
  • Irrelevante Aussagen (CO2 Gehalt vor 250 Mio. Millionen Jahren zehnmal so hoch wie heute)
  • Selektive Überbewertung bzw. Unterschlagung kausaler Zusammenhänge (Anteil Sonnenaktivität/Treibhausgase am Klimawandel)
  • Vergleich unterschiedlicher Zeitskalen (natürliche Warmzeiten vs heutiger Klimawandel)
  • Gezielte Überbetonung wissenschaftlicher Kontroversen (Wolkenbildung in Klimamodellen)
  • Selektive Zeitskalen („Abkühlung seit 1998“)
  • Suggerieren unzulässiger kausaler Zusammenhänge (Die Eisbärenpopulation wächst =keine arktische Erwärmung??)
  • Benutzung punktueller Daten (Wachstum einzelner Gletscher)

 

Eine sehr gute Zusammenfassung zu den klassischen Leugnerargumenten gibt es beim Umweltbundesamt, link

EIKE-Mitgliedern „verhilft“ offensichtlich schon die Zugehörigkeit zum Verein zu klimatologischer Expertise. So redete der Elektroingenieur M. Limburg (EIKE-Vize) in einer Talkshow von „den Kollegen“ vom IPCC [13]. Und Lord Monckton (EIKE-Fachbeirat) rechnet sogar eigne „Klimamodelle“ auf seinem Home-PC! [14]. Monckton ist ohnehin ein Profilneurotiker und Profi-Hochstapler. Er „erfand“ sogar ein Wundermittel gegen AIDS, Multiple Sklerose, Basedow und Schnupfen!!! (link)

Top 10 der skurrilsten EIKE-Artikel

 

Neben pseudowissenschaftlichen Beiträgen veröffentlicht EIKE eine Fülle   völlig obskurer Pamphlete und Verschwörungstheorien.

Der einzige gemeinsame Nenner ist der Kampf gegen etablierte Klimaforschung, gegen Klimaschutz und erneuerbare Energien, aber auch gegen Wärmedämmung, Elektromobilität und intelligente Stromnetze.

Zum Thema Umweltschutz findet sich trotz des offiziellen Mottos so gut wie nichts.

Hier eine kleine Auswahl. Anbei ein kurzes Zitat aus dem jeweiligen Text als „Appetithäppchen“

1. Lutz Niemann: Wie viele Menschenleben kostet erneuerbare Energie?

„Vollends harmlos erscheint auf den ersten Blick die Nutzung von Biomasse. Tatsächlich ist jedoch der gefährlichste Beruf hierzulande derjenige des Forstarbeiters.“

2. NZZ: Der Golf von Mexiko wird nicht sterben!

„Die ökologischen Folgen von Ölunfällen werden systematisch überschätzt.“

3. Kowatsch: Angeblich immer heissere Sommer!

„Ich habe nun die Grafik eigenhändig um 6 Jahre erweitert und dabei versucht, die einzelnen Jahre einzutragen. Auch der Laie erkennt nun den starken Temperaturrückgang in diesem letzten Jahrzehnt.“

4. Jansen: Teures Wohnen in der Thermoskanne!

„Die Gelassenheit durch Einsicht in das Unvermeidbare, das Herunterregeln der Raumtemperatur um ein paar Grad und die Investition in wärmende Socken, Unterhosen und Pullover sind nicht nur viel billiger sondern auch gesünder als jeder … Umbau des eigenen Hauses…“

5. Kipp: Wird in Kopenhagen die Gründung einer Weltregierung beschlossen?

„Also letztendlich haben jene Kommunisten, die sich durch die Berliner Mauer direkt in die Umweltschutzbewegung gedrängt haben, die Greenpeace übernommen haben,…. jetzt die Zügel in der Hand. Sie werden der Welt eine kommunistische Weltregierung aufzwingen.“

6. Bronik: Kohle: Eine großartige natürliche Ressource!

„Diese Woche gab es noch deutlichere Rauchzeichen aus Washington, welche den Himmel der Umweltschützer und Klimaretter deutlich verdunkeln dürften.“

7. Frey: Große Windparks: Ihr Einfluss auf das Klima und ihre Verlässlichkeit!

„Der Übersetzer ist Diplom-Meteorologe, Fachrichtung Synoptik. Er hat sich in seiner Studienzeit auch näher mit Klimatologie befasst.“

8. M. Limburg: Globale Erwärmung? Rekord- Schneefall in Las Vegas

Es war der schlimmste Sturm seit 30 Jahren. Knapp 8 cm Schnee wurden vorhergesagt und der würde sich auf die Palmen und Kasinos des berühmten Las Vegas Strip legen.“

9. Lüdecke: Renaissance der Kernenergie, Teil I

Bündnis90/Die Grünen … Das Grundcredo und der Gründungsauftrag dieser Partei ist die rückwärtsgewandte Verneinung als konsequente und mit demagogischen Mitteln betriebenen Verteufelung der sichersten, wirtschaftlichsten und nachhaltigsten Energiequelle [der Kernenergie], die der Menschheit jemals zur Verfügung stand.“

10. Beck: Kippt die CO2-Kurve auf Mauna Loa?

Die CO2 Konzentration gemessen auf Mauna Loa ( Keelingkurve) zeigt mit den Daten bis März 2008 einen deutlichen Abfall.

Aktivitäten

Das zentrale Forum von EIKE ist ihre Webseite, auf der mehrmals wöchentlich diverse Artikel von Vereinsmitgliedern oder Gastautoren veröffentlicht werden. Es gibt zwei Sparten: Klima und Energie.

Kommentare zu den Artikeln werden üblicherweise von Michael Limburg (Kürzel: M.L.) betreut. Kritische Kommentare werden häufig nicht zugelassen oder nicht beantwortet. (selbst getestet).

Im Internet werden EIKE Artikel häufig über andere klimaskeptische blogs weiterverbreitet bzw. dort zitiert, u.a. vom Meissner Neonazi Heubaum auf seinem blog „Widerhall“.[16]

In letzter Zeit schafft es EIKE immer häufiger ins Fernsehen wie z.B. H. J. Lüdecke am 11.1.2010 in eine MDR Sendung und Michael Limburg am 9.12.2010 in eine Talkshow bei Phoenix.

EIKE Pressesprecher Ewert tingelt recht aktiv durch Deutschland und hält Vorträge zum „Klimaschwindel“, meist bei CDU- und FDP Ortsgruppen.

Am 26.07.2009 veröffentlichte EIKE einen offenen Brief an Angela Merkel, in dem sie aufgefordert wird, ihre klimapolitische Position zu überdenken und sich von ihrem Klimaberater Schellnhuber zu trennen. Hier einige Zitate aus dem dubiosen Text:

„…aus der Geschichte können wir lernen, dass oft der Zeitgeist die Entwicklung der Gesellschaften bestimmt hat; mancher hatte schlimme oder gar schreckliche Auswirkungen.“

„Politiker suchen zu Beginn ihrer Laufbahn ein Thema, mit dem sie sich profilieren können. Als Umweltministerin haben Sie das verständlicherweise auch getan. Sie haben den Klimawandel entdeckt, und er wurde Ihnen zur Herzensangelegenheit. Dabei ist Ihnen ein folgenschwerer Fehler unterlaufen, was angesichts dieses Metiers gerade Ihnen als Physikerin nicht hätte passieren dürfen.“

Der Brief wurde von H. Thuss und F.K Ewert verfasst und von 417 Unterstützern unterzeichnet (link). Die Liste der Unterstützer ist in 77 „Wissenschaftler“ und 338 „Besorgte engagierte Bürger“ unterteilt.  Für den Status als „Wissenschaftler“ reicht es offensichtlich aus, ein Uni-Diplom zu besitzen. In späteren statements (link) „mutierten“ auf wundersame Weise dann auch noch die „besorgten Bürger“ zu Wissenschaftlern, darunter Schüler, Beamte, KFZ-Sachverständige etc.

Wichtige Personen bei EIKE

 

Holger Thuss:

  • Historiker, Verleger, Netzwerker, Profi-Lobbyist, schreibt wenig eigne Artikel
  • übersetzte “Eco-Imperialism: Green power – black death” von  Paul Driessen ins Deutsche
  • Mitgliedschaften: EIKE (Vorsitz), CFACT Europe (Vorsitz), TvR-Verlag (Eigentümer), Paneuropaunion (Vorsitz Landesgruppe Thüringen), CDU Jena
  • Zitat: „Es ist praktisch irrelevant, ob in der Antarktis der Temperaturdurchschnitt um zwei Grad steigt oder sinkt. Es ist immer noch weit unter Null. Ja, das ist dem Pinguin egal und das ist der grönländischen Bevölkerung wahrscheinlich auch egal.“ (in ZDF „Frontal 21“, 7.12.10)

Michael Limburg:

  • Elektroingenieur i. R.
  • Administrator und Moderator der EIKE-Webseite, v.a. der Kommentare, selbst aktiver Autor
  • Mitgliedschaften: EIKE (Vize), CFACT (senior advisor), International Climate Science Coalition (klimaskeptische Lobbyorganisation )
  • Autor von „Klimahysterie-was ist dran?“, TvR Verlag Jena
  • Zitat: „Es muss ihnen viel Freude machen, Mitbürger, die bei Öl-,Strom- Kohle …Firmen in Lohn und Brot stehen…, zu verunglimpfen“. (Kommentar als Reaktion auf meinem Blogpost „Klimaleugner in Jena“)

„Lord“ Christopher Walter Monckton :

  • Kolumnist, Puzzle-Erfinder, Profi-Hochstapler, Politclown
  • Mitgliedschaften: EIKE (Fachbeirat), CFACT (Senior Advisor), Science and Public Policy Institute, International Climate Science Coalition (beides klimaskeptische Lobbyorganisationen)
  • Fälschlicherweise von EIKE unter Cambridge University geführt. Dort hat er früher studiert.
  • Deklarierte sich selbst zum Nobelpreisträger (link) und „erfand“ ein Mittel gegen AIDS, Multiple Sklerose u.a. (link).
  • Zitat: zum Absturz eines NASA-Satelliten am 2.2.10 : ‚‚Not greatly to my surprise – indeed I predicted it – the satellite crashed on take-off because the last thing they want is real world hard data“ = „Nicht zu meiner großen Überraschung-tatsächlich hab ich es vorrausgesehen- der Satellit ist abgestürzt, weil es das letzte ist was sie [die NASA] wollen, nämlich echte harte Daten“ [link]
  • weitere links: Sourcewatch , Wikipedia

Prof. Dr. Dieter Ameling:

  • Dipl.-Ing., Technische Universität Clausthal, Stahl-Lobbyist
  • arbeitete in leitenden Positionen bei Krupp, Thyssen, Saarstahl
  • Mitgliedschaften: EIKE (Fachbeirat), CFACT (Senior Advisor), bis 2008: Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Vorsitzender des Stahlinstitut VDEh , Bundesverband der Deutschen Industrie (Repräsentant NRW)
  • weitere links: Wikipedia , Handelsblatt

Friedrich Karl Ewert:

  • emeritierter Prof. für Geologie, Kernenergie-Lobbyist
  • sehr aktiv, hält Vorträge in Schulen und öffentlichen Veranstaltungen
  • Mitgliedschaften: EIKE (Fachbeirat), CFACT (Senior Advisor), Rotary Club Bad Driburg
  • bestes Zitat: „Denken Sie meinetwegen an die Kreuzfahrer, denken Sie an die Hexenverbrennungen, denken Sie an die Judenvergiftungen [sic], und so was alles, das ist auch immer von Wissenschaftlern bestätigt, sagen wir mal verteidigt worden, nicht?“ (zu einem ZDF Reporter, Sendung „Frontal 21“ vom 7.12.10, link )

Hans Labohm:

  • Ökonom, freier Autor, Profi-Lobbyist
  • selbsternannter (!) „IPCC Expert Reviewer“ ohne jegliche wissenschaftliche Qualifikation (link)
  • arbeitete früher bei der OECD und für Tech Central Station (Lobbyorganisation, u.a. finanziert von Exxon Mobil)
  • Mitgliedschaften: EIKE (Fachbeirat), CFACT (Senior Advisor), VVD (Hollands rechtsliberale Partei)

Richard S. Courtney

  • Professor für Geologie, Kohlelobbyist
  • Mit-Herausgeber von „CoalTrans International“ (wichtigstes Journal der Kohleindustrie)
  • Mitgliedschaften: EIKE (Fachbeirat), CFACT (Senior Advisor), Sprecher der British Association of Colliery Management (Gesellschaft für Grubenmanagement), Mitgründer der European Science and Environment Forum (Tochterorganisation von TASSC, amerikanische Tabaklobby)
  • links: Sourcewatch

Robert „Bob“ Carter:

  • Professor für Marine Geophysik
  • Mitgliedschaften: EIKE (Fachbeirat), Gründungsmitglied New Zealand Climate Science Coalition (klimaskeptische Lobbyorganisation)
  • Artikelschreiber für Tech Central Station (Lobbyorganisation, u.a. finanziert von Exxon Mobil)
  • Zitat: „I don’t think it is the point whether or not you are paid by the coal or petroleum industry“. („Ich denke nicht, dass es der Punkt ist, ob man von der Kohle- oder Ölindustrie bezahlt wird oder nicht”) . [Quelle:   Sourcewatch]
  • links: ExxonSectrets

Hans Joachim Lüdecke:

  • emeritierter Professor für Informatik und Physik
  • Mitgliedschaften: EIKE (Pressesprecher), CFACT (Senior Advisor)
  • Autor des Buches: „CO2 und Klimaschutz“

Klaus-Eckart Puls

  • Dipl. Meteorologe i.R.
  • Ex-Chef des Wetteramtes Leipzig
  • Mitgliedschaften: EIKE (2. Pressesprecher)

Helmut Alt:

  • emeritierter Prof. für Elektrotechnik, FH Aachen
  • arbeitete lange für RWE
  • Mitgliedschaften: EIKE (Fachbeirat), Kerntechnische Gesellschaft e.V.(Ehrenmitglied), Bürger für Technik (Pro-Atom-Verein, Mitgliedschaft unklar, schreibt jedenfalls viele Artikel), Autor bei Energiefakten (Webseite, größtenteils Pro-Klimaschutz??!!)
  • eher ein Kernkraftbefürworter und Windkraftgegner als ein „echter“ Klimaleugner

Edgar Gärtner:

  • Hydrobiologe, freier Autor,
  • Mitgliedschaften: EIKE (Fachbeirat), CFACT (Senior Advisor), bis 2007: Direktor des Centre for the New Europe (marktliberale Lobbyorganisation, erhielt Spenden von Exxon Mobil [Quelle: Sourcewatch , ExxonSecrets ]
  • Autor von „Öko-Nihilismus. Eine Kritik der Politischen Ökologie“, erschienen beim TvR-Verlag

Sonstige Artikel und Quellen zu EIKE

Quellen/Erklärungen

1 „Die Zeit“ vom 26.11.2010, link

2 z.B. Mitglieder des Fachbeirates,  i.R. bedeutet in Rente, link

3 Der Begriff stammt von George Monbiot, Kolumnist beim „Guardian“, link

4 Stefan Rahmsdorf, Ozeanologe am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, in Wikipedia. Er betreibt den blog „Klimalounge“

5 EIKE über Greenpeace, link, link, link

6 Jedoch auf der alten, link

7 gelistet bei  CFACT Europe: Limburg, Labohm ;   gelistet bei  CFACT (US, mother organisation): Thuss, Courtney;   als „senior advisers“ von CFACT bei der UNFCCC Klimakonferenz (S. 70): Monckton, Ewert, Ameling, Lüdecke, Gaertner

8 Quelle: Sourcewatch zu CFACT

9 link zur UNFCCC Teilnehmerliste: Bonn 2010, S. 57, Cancun 2010, S. 22

10 z.B. Michael Limburg: „Klimahysterie-was ist dran“, Edgar Gärtner: „Ökonihilismus-Eine Kritik der politischen Ökologie“, Argus: „Die Klimakatastrophe – was ist wirklich dran?“ ; siehe Webseite TvR-Verlag

11  laut Umfrage des Blogs „Die Klimazwiebel“, link

12  Henrik Svensmark kann man evtl. noch als anerkannten Klimatologen gelten lassen, obwohl die meisten Klimaforscher seine Thesen nicht akzeptieren.

13 in der Phoenix  Sendung am 9.12.10; IPCC= International Panel for Climate Change

14 in einem Gespräch mit mir bei der Klimakonferenz in Bonn 2010, hier mein Artikel dazu

15 link ;  als pdf Letter_to_McCain,  S. 3, unterer Abschnitt: “His contribution to the IPCC’s Fourth Assessment Report in 2007 – the correction of a table inserted by IPCC bureaucrats that had overstated tenfold the observed contribution of the Greenland and West Antarctic ice sheets to sea-level rise – earned him the status of Nobel Peace Laureate.“

16  link zu Heubaums Blog.  Er veröffentlichte auf seinem blog „Widerhall“ den EIKE-Aufruf an Merkel. Der Brief wurde ihm „zugeschickt“ (O-Ton)

 

 

 

 

 

 

 

 

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Hier ein Artikel der „Zeit“ vom 26.11: ( als pdf)

Klimagipfel in Cancún Die Gehilfen des Zweifels

Vor dem Klimagipfel in Cancún: Vor allem die Leugner des Klimawandels spürten im vergangenen Jahr Aufwind. Die Wissenschaft muss mehr denn je überzeugen.

© Reto Stöckli/Goddard Space Flight/Nasa

Satellitenbild der ErdeSatellitenbild der Erde

An einem frostigen Herbstabend erreicht der Kampf um den Klimawandel Neustadt an der Waldnaab. Die Gemeinde nahe der tschechischen Grenze schmückt ein schönes Barockschloss und eine weniger schöne Stadthalle. Dort auf der Bühne steht Horst-Joachim Lüdecke und nippt an einem Glas Sprudel. »CO2, ein Schmutzgas?«, fragt er lächelnd. »Von wegen, ich trinke das gerade.« Erste Gluckser im Saal. Angekündigt wurde Lüdecke als »unabhängige Stimme«, eingeladen hat ihn der Wirtschaftsclub Nordoberpfalz.

Seit vor einem Jahr der Klimagipfel von Kopenhagen scheiterte und gehackte E-Mails von Klimaforschern mit vermeintlichen Fälschungsbelegen durch die Medien rauschten, spüren Leugner und Skeptiker der Erderwärmung Aufwind. Vor allem im Internet sind sie allgegenwärtig – und treffen offenbar einen Nerv bei Leuten, die die Nase voll haben vom Klimagerede; oder bei jenen, die wegen der sich erwärmenden Erde ihr Leben nicht ändern mögen.

Es ist paradox: 2010 häuften sich besorgniserregende Forschungsergebnisse zum Klimawandel, die Experten werden immer sicherer in ihren Vorhersagen. Doch immer weniger Menschen hören ihnen zu. In den USA glauben laut einer Umfrage des Pew Research Center nur noch 59 Prozent der Bevölkerung, dass sich die Erde erwärmt – und bloße 34 Prozent teilen den wissenschaftlichen Konsens, dass der Mensch die Ursache ist (vor vier Jahren lagen die Werte noch bei 79 beziehungsweise 50 Prozent).

Und nur zwei Drittel der Deutschen halten die Prognosen von Klimaforschern noch für verlässlich. Das sehen nicht nur Forscher und Umweltverbände mit Sorge, selbst die Deutsche Bank veröffentlichte im September eine Broschüre mit Argumenten gegen den »zunehmenden Lärm« der Skeptiker.

In den USA gehört das Leugnen der menschengemachten Erderwärmung in manchen Kreisen zum guten Ton, die Republikaner boten bei den Senatswahlen im November bis auf eine Ausnahme nur Kandidaten auf, die den wissenschaftlichen Konsens bestritten. Von so viel Abwehr ist Deutschland weit entfernt, aber Zweifel am Klimawandel machen sich auch hier breit, sogar in den schwarz-gelben Regierungsfraktionen.

An der Verbreitung des Zweifels arbeitet auch Horst-Joachim Lüdecke. Der Gastredner im oberpfälzischen Neustadt ist emeritierter Professor für Physik und Informatik, seinen Zuhörern stellt er sich aber als »Klimaforscher« vor. Lüdeckes geistige Heimat ist das 2007 gegründete Europäische Institut für Klima und Energie (kurz: Eike) in Jena. Dahinter verbirgt sich ein Verein mit Postfachadresse und einer Internetseite. Motto: »Nicht das Klima ist bedroht, sondern unsere Freiheit«. Wissenschaftliche Angestellte hat Eike nicht, dafür aber einen Präsidenten, laut Satzung bis zu zwanzig Vizepräsidenten und zwei Pressesprecher – einer davon ist Lüdecke.

Er und andere Eike-Leute ziehen über Land, putzen Klinken bei FDP- und CDU-Ortsgruppen, bei Rotariern, dem Verband Deutscher Ingenieure, bei Thyssen-Krupp – oder eben beim Wirtschaftsclub Nordoberpfalz. Was er an diesem Abend vortrage, behauptet der Emeritus, seien wissenschaftliche Fakten darüber, warum Mensch und Klimawandel nichts miteinander zu tun hätten. So verweist Lüdecke auf den winzigen CO2-Anteil in der Atmosphäre. 0,038 Prozent könnten ja wohl keine große Wirkung haben. Er sagt, dass sich das Klima auch ohne Menschen immer gewandelt habe. Seine Sätze enden mit: »Ich kann sie beruhigen« oder »Die Ungewissheiten sind unglaublich«.

Im Publikum sitzen Unternehmer, Bürgermeister, lokale Honoratioren im Janker und ein mit Orden behängter Oberstleutnant. Kaum jemand merkt, dass Lüdecke veraltete Berichte zitiert, dass er Unsicherheiten behauptet, die es nicht mehr gibt, und Fakten unterschlägt, die ihm nicht passen. So präsentiert der Professor eine Grafik zur Eisschmelze am Nordpol, die stabile Verhältnisse suggeriert. Lüdeckes Kniff: Er zeigt die Sommer- und Winterschwankungen erst seit dem Jahr 2002. Dass im Langzeittrend das Eis drastisch abschmilzt, sagt er nicht.

Gegen Ende bricht Lüdeckes missionarischer Eifer durch, als er gegen ein angebliches Verschwörungskartell zu Felde zieht. Die Medien seien »selbstgleichgeschaltet« und »links-grün-besetzt«, die Wissenschaft bekomme Forschungsgelder, wenn sie Beweise für die »Klimakatastrophe« liefere, die Forscher wiederum berieten die Politik, und die beschere den Stromversorgern prächtige Einnahmen durch die Förderung grüner Energien. Als der Bürgermeister von Weiden mit den Worten »so ein Schmarrn« türenknallend den Saal verlässt, kommt kurz Unruhe auf. Doch die Mehrheit der Anwesenden beklatscht den Redner. Man lobt den »klaren Vortrag des Professors« – und dass man endlich mal gehört habe, was einem das Kartell der Großkopferten in Medien und Politik vorenthalte.

In Potsdam, im Einstein-Wissenschaftspark auf dem Telegrafenberg, sitzt der Klimaforscher Stefan Rahmstorf vor seinem Rechner und seufzt. »Im Internet gibt es inzwischen eine Vorherrschaft der Klimaskeptiker«, sagt er. »Dort kann ein Laie kaum noch vernünftig recherchieren.« Skeptiker gebe es zwar, seit er Klimaforschung mache, »aber im letzten Jahr sind sie in die seriösen Medien durchgebrochen.« Dass dies just zur Klimakonferenz in Kopenhagen geschah, sei kein Zufall, meint Rahmstorf. Der Professor am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) zählt zu den weltweit führenden Ozeanografen. Gemeinsam mit einigen Kollegen kontert er im Internetblog KlimaLounge Skeptikerthesen und fehlerhafte Medienberichte, manche halten ihn deshalb für übereifrig. Spaß mache ihm das nicht, sagt Rahmstorf, aber er sehe keine Alternative; egal, wohin er komme, in Behörden, der Politik, den Führungsetagen der Wirtschaft – überall kursierten Skeptikerargumente.

Tatsächlich kann das Bezweifeln der Erderwärmung für Unternehmen mit klimaschädlichen Produkten ein bequemer Ausweg aus der Rechtfertigungsfalle sein. Mitarbeiter von E.on, Bayer und BASF in den USA haben in diesem Jahr mindestens 70.000 Dollar an klimaskeptische Politiker gespendet. BASF lud kürzlich zu einer Führungskräfteschulung Björn Lomborg ein, jenen dänischen Statistiker, der die Risiken des Klimawandels für übertrieben hält, über dessen unseriösen Umgang mit Fakten aber inzwischen dicke Bücher geschrieben wurden (The Lomborg Deception, Yale University Press 2010).

Auch ein Spitzenmanager des Stromriesen RWE ließ sich kürzlich auf einem Kongress von Bergbauingenieuren über »die durchaus fundierten Zweifel« am menschengemachten Klimawandel aus. Vor allem aber die Kohlelobby schürt Zweifel an der Erderwärmung: Im Jahresbericht 2009 des Gesamtverbands Steinkohle liest man, der Klimawandel sei schon gebremst. Als Beleg zitiert der Verband aus einem US-Fachjournal: »Beobachtungen zeigen, dass der globale Temperaturanstieg sich in der letzten Dekade verlangsamt hat.« Das Zitat ist korrekt – doch im Original folgt eine wissenschaftliche Erklärung, warum diese Daten eben kein Ende des Klimawandels bedeuten.

Sieben Argumente der Skeptiker

1. Das Klima hat sich immer geändert Stimmt, aber frühere Klimaänderungen beruhten auf natürlichen Ursachen, etwa Verschiebungen der Erdachse, und sie gingen viel langsamer vonstatten als heute. Den Temperaturanstieg der letzten Jahrzehnte können Wissenschaftler nur durch menschliche Einflüsse erklären: So führte etwa die massenhafte Verbrennung fossiler Rohstoffe zur Freisetzung großer Mengen CO, die in der Atmosphäre den natürlichen Treibhauseffekt verstärken. 

2.
2. Die Sonne ist schuld am Klimawandel Falsch. Zwar schlagen sich Veränderungen der Sonnenaktivität tatsächlich im Erdklima nieder. Nach Ansicht von Forschern ist aber nur etwa ein Zehntel der heutigen Erderwärmung auf die Sonne zurückzuführen, anderslautende Behauptungen halten einer Prüfung nicht stand. Mindestens während der vergangenen fünfzig Jahre wurde dieser natürliche Faktor durch menschliche Einflüsse überlagert. 

3.
3. Seit 1998 erwärmt sich die Erde nicht mehr, der Klimawandel hat gestoppt Ein Trugschluss. Temperaturschwankungen zwischen einzelnen Jahren sind nur natürlich. Doch das Klima ist, salopp gesagt, der 30-jährige Durchschnitt des Wetters ­ und die Durchschnittswerte zeigen weiter nach oben. Das vergangene Jahrzehnt wirkt nur deshalb relativ kühl, weil 1998 das El-Niño-Phänomen die langfristige Erwärmung noch verstärkte und dies ein außergewöhnlich heißes Jahr war. Die folgenden fielen dahinter etwas zurück, aber insgesamt betrachtet war die vergangene Dekade erneut wärmer als das vorherige Jahrzehnt ­ und sie war die wärmste jemals registrierte! 

4.
4. Die berühmte »Hockeystick«-Kurve war eine Fälschung Nein. 1998 veröffentlichte der US-Forscher Michael Mann eine erste Version dieser Grafik zum Temperaturverlauf der letzten Jahrhunderte. Die zugrunde liegende statistische Methode hatte aber Defizite, der Griff des Hockeyschlägers erschien zu flach. Eine überarbeitete Fassung (siehe unten) ­ und viele andere Berechnungen ­ bestätigen jedoch Manns Grundaussage: Temperaturdaten lassen darauf schließen, dass es niemals in den vergangenen tausend Jahren so warm war wie heute. 

5.
5. Selbst eine Verdoppelung von CO in der Atmosphäre hätte nur eine Erwärmung um etwa ein Grad Celsius zur Folge Eine geschickte Untertreibung. Die direkte Wirkung von zusätzlichem Kohlendioxid in der Atmosphäre ist zwar in der Tat begrenzt. Doch sein Anstieg löst zahlreiche indirekte Wirkungen (»Feedbacks«) aus. So steigt durch CO der Gehalt von Wasserdampf in der Atmosphäre, was starke, weitere Erwärmung bedeutet. Es wird auch mehr Wolken geben. Deren Wirkungen aufs Klima sind komplex. Wolken haben sowohl kühlende als auch wärmende Effekte, und Skeptiker betonen die Kühlwirkung. Doch die starken Klimaschwankungen der Erdgeschichte deuten darauf hin, dass die Feedback-Effekte insgesamt stark sind ­ und die Klimaskeptiker falschliegen. 

6.
6. Hohe CO-Konzentrationen in der Atmosphäre traten früher nach einer Erwärmung auf; Kohlendioxid ist also Folge, nicht Ursache von Klimawandel Dieses Argument beruht auf einer Vermischung urzeitlicher und moderner Phänomene. In Zyklen von Zehntausenden von Jahren erwärmte sich die Erde infolge orbitaler Ver ände rungen, die so erwärmten Ozeane setzten mit einigen Hundert Jahren Verzögerung große Mengen CO frei ­ was den Klimawandel dann weiter beschleunigte. Die gegenwärtige Situation ist grundlegend anders: Die zusätzlichen Treibhausgase in der Atmosphäre sind nachweislich vom Menschen verursacht und nicht Resultat einer vorherigen Erwärmung. 

7.
7. Es gibt keinen wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel Falsch. Natürlich gibt es auch beim Thema Erderwärmung Akademiker mit abweichenden Meinungen. Die Klimaskeptiker jedoch kommen meist nicht aus der Klimaforschung, sondern aus fachfremden Gebieten. Im Jahr 2009 ergab eine Umfrage der University of Illinois unter mehr als 3000 Geowissenschaftlern, dass rund 90 Prozent von ihnen sicher sind, dass der Mensch das Klima aufheizt. Besonders groß war übrigens die Zustimmung unter Klimatologen (bei Geologen aus der Erdölbranche betrug sie hingegen nur 47 Prozent). Allgemein gilt: Je informierter ein Forscher, desto besorgter ist er in der Regel über den Klimawandel. 

Dass solche Argumente auf offene Ohren stoßen, hat auch mit der Glaubwürdigkeitskrise zu tun, in die die Wissenschaft vor einem Jahr geschlittert ist. Nachdem der E-Mail-Verkehr der britischen Climate Research Unit (CRU) gehackt wurde, war in vielen Blättern von Fehlern in der Klimaforschung zu lesen. Auch der Weltklimarat IPCC, der 2007 noch den Friedensnobelpreis erhielt, geriet in die Kritik, als in einem seiner Reports ein peinlicher Fehler entdeckt wurde.

Weniger ausführlich wurde über die Aufklärung dieser Vorwürfe berichtet. So hat sich nach diversen Untersuchungen die »Climategate«-Affäre in Luft aufgelöst. Verschiedene Gremien bemängelten zwar eine Wagenburgmentalität einzelner Wissenschaftler oder lasche Kontrolle und Ineffizienz in den IPCC-Gremien. Die jeweiligen Forschungsergebnisse selbst wurden jedoch nicht beanstandet.

Am Ende blieben von vielen Vorwürfen lediglich zwei: eine falsche Jahreszahl im IPCC-Bericht zum möglichen Schmelzen der Himalaya-Gletscher (2035 statt 2350) sowie eine fehlerhafte Prozentangabe zu überflutungsbedrohten Gebieten in Holland (die von der niederländischen Regierung falsch zugeliefert worden war).

Der Internationale Rat der Wissenschaftsakademien (IAC) hat inzwischen Verbesserungen an den Arbeitsroutinen des IPCC vorgeschlagen, und die britische Wetterbehörde will künftig alle Klimadaten öffentlich zugänglich machen. Keiner der Vorwürfe berührte die Kernaussagen des IPCC. Trotzdem kursieren die vermeintlichen Skandale bis heute tausendfach in Internetblogs.

In einem Punkt haben Skeptiker recht: Nicht alle Details der Erderwärmung sind geklärt. Doch ein hochkomplexes System wie das Klima wird wohl niemals zu hundert Prozent verstanden sein. Der Weltklimarat IPCC oder auch die britische Royal Society benennen in ihren Reports ausdrücklich, worüber »breite Übereinstimmung« der Forscher besteht und was »wichtige Unsicherheiten« sind: Zum Beispiel weiß die Wissenschaft noch zu wenig über den Einfluss der Wolkenbildung.

Üblicherweise wogen solche Debatten jahrelang durch die Fachjournale, ehe sie geklärt sind. »Dieses Hin- und Herrütteln findet inzwischen im grellen Licht der Öffentlichkeit statt«, sagt Hartmut Grassl, der 71-jährige Doyen der deutschen Klimaforschung. Die Skeptiker picken sich aus solchen Debatten die Unsicherheiten heraus. Mit der wissenschaftlichen Grundtugend der Skepsis, mit sachlicher Kritik und Prüfung, hat das wenig zu tun.

Der Hamburger Klimaforscher Hans von Storch hat in einer Internetumfrage in die Szene hineingehorcht. Zwei Drittel der Skeptiker erklärten da, sie hielten den Stand der Forschung für nicht ausreichend, um irgendwelche Klimaschutzmaßnahmen zu beschließen – sie lehnen also eigentlich die Klimapolitik ab. Damit, sagt Storch, seien sie die »Speerspitze eines allgemeinen Unwohlseins«. Verständlicherweise scheuten viele Menschen die tiefen Einschnitte in den gewohnten Lebensstil, die wegen des Klimawandels anstünden.

Dieses Unwohlsein wird in den USA von einer professionellen Kampagnenmaschinerie gefördert. Als Anfang der neunziger Jahre die Beweise für den Klimawandel deutlicher wurden, gründeten Auto-, Erdöl- und Kohlekonzerne Organisationen mit wohlklingenden Namen wie Global Climate Coalition oder Information Council on the Environment. Sie machten sich in Zeitungsanzeigen über Klimaforscher lustig: »Manche sagen, die Erde erwärmt sich. Manche sagten auch, die Erde sei eine Scheibe.« Über Jahre finanzierte der Ölriese Exxon mit Millionensummen konservative Thinktanks wie das Heartland Institute, die mit scheinobjektiven Publikationen Zweifel an der Erderwärmung schürten.

Die Strategie sei alt und bewährt, schreibt die kalifornische Wissenschaftshistorikerin Naomi Oreskes in ihrem neuen Buch Merchants of Doubt (Bloomsbury Press 2010). »Wenn Leute glauben, die Wissenschaft streite sich noch, dann werden sie keine Politik unterstützen, die auf dieser Wissenschaft basiert.« Nach diesem Muster hätten Firmen schon den Zusammenhang von Zigarettenrauch und Krebs bestritten, die Ursachen des Ozonlochs, die Risiken des Pestizids DDT oder eben heute den Klimawandel. »Zweifel ist unser Produkt«, beschrieb 1969 ein Tabakmanager in einem internen Memo den Kern der Strategie.

Eines der effektivsten Mittel sei, so Oreskes, irgendwelche Akademiker aufzubieten, die vom Mainstream abweichende Meinungen vertreten. Fast automatisch gelange man damit in die Medien, weil es eine der Grundregeln des angelsächsischen Journalismus sei, immer auch die Gegenseite zu präsentieren. Detailliert zeichnet Oreskes in ihrem Buch nach, wie zu verschiedenen Themen dieselben »Experten« – etwa der prominente US-Klimaskeptiker Fred Singer – als Zeugen der Industrieposition auftraten.

Dank Holger Thuss sind ein paar Tropfen dieser Welle auch nach Deutschland geschwappt. Der Präsident und Gründer von Eike arbeitete vor Jahren für die US-Lobbygruppe Cfact. Von dort, sagt CDU-Mitglied Thuss, habe er die Idee für Eike mitgebracht. Anders als Cfact bekomme Eike aber kein Geld von Konzernen. Es gebe nur private Kleinspender und weniger als hundert Mitglieder. Das Geld reiche gerade, um einmal im Jahr eine Konferenz auszurichten. 2009 kam das Buffet noch aus dem Supermarkt, dieses Jahr kann man sich erstmals einen Caterer leisten.

Die Tagung, die kommende Woche im Berliner Maritim-Hotel stattfindet, zeigt, dass Eike trotz obskurer Thesen erfolgreich an einem Netzwerk baut. Auf der Rednerliste steht mit Dieter Ameling der ehemalige Präsident des deutschen Stahlindustrie-Verbandes. Mitveranstalter der Tagung ist das marktradikale Berlin Manhattan Institut für unternehmerische Freiheit – das hat zwar auch nur ein Ein-Mann-Büro, sein Beirat voller Wirtschaftsprofessoren vermittelt aber Seriosität. Auf der Einladung wird zudem die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung genannt (die aber auf Anfrage betont, die Tagung nicht aktiv zu unterstützen).

Vor allem in der FDP gibt es eine Affinität zum Thema. Die Naumann-Stiftung war bereits mehrfach Mitveranstalter von Skeptikerkonferenzen. »Es ist ein grundliberales Prinzip, wirklich alles zu hinterfragen«, erklärt Michael Kauch, der umweltpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, und setzt gleich hinzu: »Die Klimaskeptiker haben in der FDP aber jede Abstimmung zur Klimapolitik haushoch verloren.« Wenn er über seine Parteigenossen spricht, klingt Kauch etwas amüsiert. »Libertäre – nicht Liberale! –neigen zu Klimaskeptizismus, weil sie eine kollektivistische Verschwörung vermuten.«

So meinen manche FDP-Wirtschaftspolitiker, auf Basis des bisherigen Wissensstandes dürfe man die Industrie nicht allzu sehr belasten. Als die Bundesregierung vor ein paar Wochen die Ökosteuerprivilegien der energieintensiven Industrie kürzen wollte, lud ein FDP-Abgeordneter Eike-Leute und den US-Amerikaner Fred Singer zum Fachvortrag ein. In einträchtiger Runde saßen nicht nur Lobbyisten der Gießerei- und der Aluminiumbranche dabei, sondern auch Marie-Luise Dött, die umweltpolitische Sprecherin der CDU/CSU. Statt den Klimaskeptikern zu widersprechen, lobte sie Singers Vortrag als »sehr, sehr einleuchtend«.

Spricht man mit ihr über den Abend, erzählt sie freimütig, dass sie seit 30 Jahren mit einem der Wortführer von Eike, dem pensionierten Geologie-Professor Friedrich-Karl Ewert, befreundet sei. Und je länger sie redet, desto mehr klingt sie selbst wie jemand von Eike. Klimawandel habe es immer gegeben, sagt sie, aber »aus irgendwelchen Gründen« laufe er jetzt schneller ab. Klar, »CO2 spielt eine Rolle, aber auch viele andere Dinge, Sonnenflecken zum Beispiel«. Sie finde es auch »verdächtig, wenn sich alle immer nur auf den IPCC berufen«. Ihr Fachreferent ist im Laufe des Gespräches blass geworden, jetzt schaltet er sich ein: »Der IPCC ist für unsere Politik schon der Maßstab.« Dött schüttelt den Kopf. Sie vertraut offenbar eher ihrem Freund von Eike.

Wie kann die Klimaforschung auf diese sich verbreitende Skeptikerhaltung reagieren? »Wir müssen unsere Erkenntnisse besser erklären«, sagt der Klimaforscher Hans von Storch. Die Forscher dürften nicht beleidigt sein, wenn man ihnen Vertrauen entziehe, sondern müssten aktiv an dessen Wiedergewinnung arbeiten. So schlägt von Storch vor, zu wichtigen Streitpunkten gemeinsam mit Kritikern Experimente zu definieren – deren Ausgang dann beide Seiten anerkennen müssten.

Von Storch, den viele Skeptiker wegen solcher Vorschläge für einen der ihren halten, macht sich jedoch über die Erfolgschancen seiner Idee keine Illusionen. Zweimal habe er sich Skeptikertagungen angesehen, »das Niveau war größtenteils katastrophal«. Vielen dort gehe es vor allem ums Verbreiten vorgefasster Meinungen. »Ein wirkliches Interesse an einer Diskussion war nicht zu erkennen.«

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