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Posts Tagged ‘Braunkohle’

Wenn Geiz schon geil ist, dann Braunkohle erst recht. Und zwar in ganz verschiedener Hinsicht….

Es ist einfach nicht abzustreiten: Aus Tagebauen werden wunderschöne Baggerseen. Kein Kohlekumpel schwitzt mehr von schwerer Arbeit. Er schwitzt schon eher im Angesicht baggerfähiger Badeschönheiten….


Ehemaliger Tagebau: Cospuder See bei Leipzig

Bärbel aus Markleeberg hofft auf heisse Nächte…

Und nicht nur das. Auch sonst bietet das Revier atemberaubende Hügellandschaften und pittoreske Denkmäler der Bergbaugeschichte.

Bildquelle: Bundesverband Braunkohle

Fast scheint es wie ein glücklicher Zufall, dass Braunkohleverstromung zusätzlich einen wichtigen Beitrag zur Klimaerwärmung leistet. So ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis man von März bis Oktober baden kann.

Zufall? Um Himmels willen,  kein Zufall: Der wahre Hintergrund ist ein sensationelles langfristiges und integriertes Tourismuskonzept des Deutschen Braunkohleforum.

Die Idee ist so simpel wie genial!!!:

Mehr Tagebaue + Klimaerwärmung = Mehr Baggerseen und Sex im Freien! Urlaub in der Heimat! Bye, bye Malle! Und das alles auch noch bezahlbar!

Noch hält sich die Branche  mit dieser trendigen Idee etwas  zurück (die im übrigens auch in China stark im Kommen ist).  Ausser auf einigen doppelseitigen Anzeigen in diversen deutschen Wochenzeitschriften (Spiegel etc.) wird noch etwas schüchtern mit dem innovativen Konzept umgegangen.

Anders kann man es sonst nicht erklären, das in der Linksammlung des deutschen Braunkohleforums das Wort „Klima“ überhaupt nicht vorkommt.

Dennoch. Die Genialität des Konzepts liegt nicht nur in den Effekten, sondern im langfristigen Verändern der Ursachen!

Nur ein Anstieg des CO2 Gehalts der Atmosphäre sichert uns tausende Jahre wohlige Wärme, da das Gas sehr stabil ist und quasi nicht abgebaut wird.

Im Glossar des deutschen Braunkohlenforum findet man weitere Informationen zu Kohlendioxid:

Da Kohlendioxid aus natürlichen Prozessen  im Kreislaufsystem der Natur von der Vegetation wieder „geschluckt“ wird (Dynamisches Gleichgewicht) sowie ein gewisser Teil auch endgültig aus der Atmosphäre entfernt wird (Kohlenstoffsenken), will die deutsche Braunkohleindustrie diesem unerwünschten Effekt entgegensteuern. Schon durch eine klitzekleine Steigerung des CO2 Gehalts der Luft von 0.04 auf 0.08 % (400/800ppm) könnte man nämlich eine durchschnittliche Erwärmung um ca. 6°C erreichen!

Deshalb ist man besonders stolz auf den niedrigen Wirkungsgrad (36%) der Kraftwerke, wie man im Glossar unter Wirkungsgrad nachlesen kann.

Mit modernen Gaskraftwerken würde man zwar auch CO2 emmittieren. Die Klimawirkung wäre allerdings viel geringer, zumal man mittels KWK (Kraft-Wärme-Kopplung) bis auf 95 Wirkungsgrad käme. So kriegt man keine Klimaerwärmung hin!

Weiterhin ist auch zu befürchten, dass durch unvermeidliche Effizienzsteigerungen weniger Kohle gefördert wird und damit die Zahl zukünftiger Baggerseen zurück geht..

Dieser Gefahr will man energisch entgegensteuern. Das Zauberwort heisst CCS (Carbon Capture and Storage ). Diese Technik ist schlicht genial!

Man verflüssigt einfach die Abgase des Kraftwerkes und pumpt sie  in den Untergrund.  Die Gesteinsschichten wirken wie eine riesige poröse Membran, durch die das CO2 langsam, aber kontinuierlich und dosiert wieder in die Atmosphäre gelangt. Wie gesagt, man denkt langfristig!

Noch genialer: Durch CCS sinkt der Wirkungsgrad der Kraftwerke beträchtlich. Für dieselbe Leistung muss bis zu 25% mehr Brennstoff eingesetzt werden. Allein dieser Zusatzbedarf entspricht ca. drei Viertel der Kohleförderung der gesamten Lausitz! (Quelle: http://www.kohlenstatistik.de/home.htm, 2008: Lausitz 57,9 Mio to/Dt 175,3 Mio to )

Noch mehr Baggerseen durch CCS!!!


Arbeiten am zukünftigen Naherholungsgebiet…

Aber auch volkswirtschaftlich lohnt sich das Ganze, wie uns der Braunkohleverband aufklärt:

Denn CCS ist unwahrscheinlich billig. Nur schlappe 50 bis 100 US$ kostet jede Tonne CO2 Speicherung (Quelle: Factsheet CCS der IEA (international Energy Agency). Das sind gerade mal 5 bis 10 Cent pro Kilo. So billig kriegt man doch heutzutage gar nichts mehr. Und damit es noch billiger wird, schiesst unsere liebe EU z.Z. 2 Milliarden an Forschungssubventionen zu. Bis 2015 kommen weitere 9 Milliarden dazu. (Quelle: Wikipedia )

Auch sonst sollte der Staat nicht kleinlich sein. Denn schliesslich ist Klima ein „common good“. Das heisst, jeder profitiert davon, wenn es wärmer und geiler wird. Und Gemeinwohl sollte auch gemeinsam bezahlt und gefördert werden. Daher werden die zukünftigen Naherholungsgebiete vom Staat subventioniert, wie das Umweltbundesamt 2004 veröffentlichte:

„Dazu gehören Steuerbegünstigungen gegenüber anderen Energieträgern – wie Gas und Öl – oder Freistellungen vom Wasserentnahmeentgelt und der Förderabgabe auf Bodenschätze. Zusammen mit den Subventionen für die Modernisierung der ostdeutschen Braunkohlewirtschaft in Höhe von jährlich rund 150 Millionen Euro belaufen sich die Subventionen – vorsichtig geschätzt – auf knapp eine Milliarde Euro pro Jahr.“

Ach wie schön wird doch die Welt von morgen… Schön braun gebräunt von Braunkohle.

Lasst uns baggern wie die Weltmeister!!!!

Tschüss Michael

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