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Posts Tagged ‘Erneuerbare Energien’

—-  Ein Artikel von Peter Hartmann und mir. —–

Unter dem Titel „Energiepolitischer Appell“ veröffentlichte Mitte August eine Allianz aus Vertretern der deutschen Atomwirtschaft und anderen Großkonzernen eine großangelegte Anzeigenkampagne in diversen deutschen Tageszeitungen. Offiziell ging es um „eine sichere, saubere und bezahlbare Energieversorgung“ und „die Sicherung der Lebensgrundlagen von morgen“. Um nicht den Eindruck zu erwecken, es ginge ausschließlich um die „Lebensgrundlagen“ von RWE & Co., wurde zeitgleich mit dem Atomappell eine Online-Unterschriftenaktion gestartet. Man wollte offensichtlich beweisen, dass es auch in der Bevölkerung eine breite Unterstützung für Laufzeitverlängerungen gibt.

Hier das Link ….

Auch wenn ein roter Liveticker auf der Webseite des Atomappelles  suggeriert, dass es  einen steten und mächtigen Zustrom neuer Unterstützer gibt, so ist die tatsächliche Zahl von Unterschriften doch recht überschaubar. Seit Tagen dümpelt der Wert um die 16.000 rum.

Noch schmalbrüstiger wird diese PRO-Atompetition, wenn man genau hinschaut, wo die Unterstützerszene denn so herkommt und was sie antreibt. Ist es „Mut und Realismus für Deutschlands Energiezukunft“?

Oder was sonst treibt die PRO-Atombewegung an?

Ein erster Hinweis ist ein Spiegel-Artikel vom 18.9.10. Titel: „Biblis feiert den Atomdeal“ (pdf)

Alles nur ein Haufen Opportunisten, die um ihren gutbezahlten Job im AKW fürchten?

Hierzu eine kleine statistische Auswertung (Stand: 15.09.10)

Insgesamt hatten bis zum 15.September 13510 Menschen den Atomappell unterschrieben.

Die Auswertung der regionalen Verteilung (auf Basis von PLZ-Bereichen) ergibt folgende Ergebnisse:

1. Bei der absoluten Anzahl von Unterschriften liegt Essen auf Platz 1 (662 Unterschriften), gefolgt von Karlsruhe (252) , Düsseldorf (250), Hamburg (245) und Dortmund (225).

Nicht wirklich überraschend, denn die 4 Atomkonzerne haben eben genau dort ihre Firmensitze bzw. große Niederlassungen.

  • Essen: RWE AG Hauptsitz,  EO.N Ruhrgas AG
  • Karlsruhe: ENBW AG Hauptsitz
  • Düsseldorf: EO.N AG Hauptsitz
  • Hamburg: Vattenfall Europe Distribution und andere Konzernteile
  • Dortmund: RWE Vertrieb, RWE Dienstleistungen, RWE Netzservice u.a.

Fazit: Allein mehr als 10 % der PRO-Atomunterschriften kommt aus 5 Städten, in denen die 4 Atomkonzerne ihren Sitz oder mindestens eine große Zweigstelle haben.

———–

2. Nimmt man die relative Anzahl von Unterschriften im Vergleich zur Einwohnerzahl als Grundlage, ergibt sich folgendes Ergebnis:

Unterstützerdichte (Unterschriften pro 100.000 Einwohner), Rangfolge:

  1. Grundremmingen (1850) – AKW Standort
  2. Brokdorf (1262) – AKW Standort
  3. Bedburg (825) – RWE Gewerbepark & Braunkohleindustrie
  4. Neckarwestheim (813) – AKW Standort
  5. Biblis (737) – AKW Standort
  6. Niederaichbach (703) – AKW Isar
  7. Beidenfleth (631 )- Nachbarschaft zu AKW Brokdorf
  8. Neunkirchen (608) – Nachbarschaft zu AKW Obrigheim (abgeschaltet)
  9. Inden (573 ) – RWE Braunkohle
  10. ….
  11. Brunsbüttel (468 ) – AKW Standort
  12. Grafenrheinfeld (449 ) – AKW Standort

—————–

3. Nicht nur AKW Standorte selbst zeigen hohe Unterstützerdichten, sondern auch Gemeinden in deren Umgebung.

Errechnet man den durchschnittlichen Anteil von PRO-Atom Unterzeichnern im Umkreis von 5 bis 30 km Entfernung von einem AKW, dann ergibt sich folgende Statistik:

Entfernung vom AKW

durchschnittl. Unterstützerdichte

Unterschriften pro 100.000 Einw.

5 km

135

10 km

97

20 km

57

30 km

40

Vergleich: Deutschland

16

4. Auch eine geostatistische Cluster-Analyse (ArcGIS Hotspot Analysis Algorithmus) zeigt einen deutlichen Zusammenhang von PRO Atom Ballungszentren in der Nähe von Kernkraftwerken, aber auch in den Braunkohlerevieren im Rheinland und in der Lausitz.

Unterzeichnerdichte: Hotspots (rot) & Coldspots (blau)

Unterzeichnerdichte: Hotspots rot & Coldspots blau (zum Vergößern auf das Bild klicken, als PDF)

4. Noch deutlicher wird der Zusammenhang am Beispiel der Kernkraftwerke Brokdorf und Brunsbüttel.

(zum Vergößern auf das Bild klicken, als PDF)

Schön zu sehen. Die meiste Unterstützung gibt es in Brokdorf und Brunsbüttel selbst sowie in den angrenzenden Orten rechts der Elbe. Auf dem anderen Elbufer und damit verkehrstechnisch von den AKW´s weit entfernt-kaum eine Handvoll Unterschriften.

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Fazit: Alles deutet darauf hin, dass die Mehrheit der Unterstützer aus den Reihen der Atomkonzerne selbst kommt. Insofern geht es den Unterzeichnern mitnichten um  „die Sicherung der Lebensgrundlagen von morgen und die Zukunftsfähigkeit des Standortes Deutschland“, wohl aber um die Sicherung hoher Profite und Gehälter sowie die „Zukunftsfähigkeit“ der Strommonopolisten selbst.

Als repräsentatives Stimmungsbild aus der Mitte der Gesellschaft ist die Petition ganz klar ein Schuss in den Ofen. Oder einfach nur peinlich…..


P.S. Um Mißverständnissen vorzubeugen – Opportunismus ist verständlich und legitim, wenn es um den eignen Job geht. Aber wenn  milliardenschwere Konzerne politische Entscheidungen in ihrem Interesse beeinflussen können, dann sind wir am Ende von dessen, was wir Demokratie nennen.

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Ist EIKE ein Verein von Don Quichottes?

Wikipedia Sichwort „Don Quijote“: Kampf gegen die Windmühlen

„Heute ist Don Quijotes Kampf gegen die Windmühle(n) die bekannteste Episode des Romans. …. Einer häufigen Interpretation zufolge war das 17. Jahrhundert von diesem ausweglosen Kampf des gnädigen Herrn gegen die gnadenlose Maschine fasziniert, weil der rasante technische Fortschritt damals den Machtverlust der Aristokratie vorantrieb. Die lächerliche Auflehnung des Junkers gegen Windmühlen war dafür das ideale Symbol.“

———————————-

Die letzten Wochen waren sicher nicht so nach dem Geschmack unseres Kohle-, Öl- und Kernkraft-Fördervereins EIKE („Europäisches Institut für Klima und Energie“). Erst die Nachricht vom anhaltenden globalen Erwärmungstrend (2009 zweitwärmstes Jahr seit 1880 *),  das Ende von „Climategate“, die erstarkende Anti-Atombewegung,  die  Serienproduktion von Elektroautos bei Opel u.v.a.

Und  dann auch noch „Alpha Ventus“ ! Schon wie das klingt. Wie ein feindliches Raumschiff.

(Bildquelle: Alpha Ventus)

Wurde doch tatsächlich diese „völlig veraltete Windmühlentechnik“ ( Prof. Lüdecke, EIKE) in Form des ersten deutschen  Off-Shore Windparks in Betrieb genommen.

Unerhört!!!

Schon wieder hatte man die „Expertise“  von EIKE ignoriert, obwohl man erst kürzlich zwei wirklich lesenswerte Artikel zum Thema veröffentlicht hatte. An der Windkraft-Phobie der EIkianer hat sich zwar nichts geändert, wohl aber finden sich darin ein paar brisante Widersprüche zur  sonstigen Skeptikerrhetorik.

Artikel 1 vom 26.4.10,  Titel:

Große Windparks: Ihr Einfluss auf das Klima und ihre Verlässlichkeit!

Der EIKE-Artikel ist die Übersetzung und Zusammenfassung einer Publikation von  C. Wang and R. G. PrinnC. Wang und R. G. Prinn, erschienen in Atmos. Chem. Phys., 10, 2053–2061, 2010

Die Kernaussage des Artikels ist, daß Windanlagen an sich zu einer Klimaerwärmung von 1 K führen können, sofern sie in einem Umfang installiert werden, daß sie 10 % der globalen Stromerzeugung abdecken. Allerdings auch nur über Land (gleichzeitig Abkühlung über dem Meer) und wenn sie gleichmäßig verteilt werden, statt lokal konzentriert. Nun gut…Mal abgesehen davon, dass im Hause EIKE gern behauptet wird, Windkraft könne „niemals einen maßgeblichen Beitrag zur elektrischen Stromerzeugung“ leisten, steckt die eigentliche Überraschung an anderer Stelle :

EIKE: „Die Autoren befassen sich damit, inwiefern die Installationen sehr umfangreicher Windparks Einfluss auf das Klima haben könnten…Für diese Abschätzung wurde ein dreidimensionales Klimamodell benutzt.“

Mir stockt der Atem! KLIMAMODELL…Kli-ma-mo-dell!!!!

Toll! Unfassbar, eine Sensation….

Nachdem die gesamte Skeptikerszene behauptet, man könne ein „chaotisches, nichtlineares“ System wie das Klima überhaupt nicht modellieren, nun diese geistige Wende in der Führungsriege! Unfassbar…Geht tatsächlich der „ausweglose Kampf des gnädigen Herrn gegen die gnadenlose Maschine“ zu Ende?  Obwohl eher unwahrscheinlich, so gibt es noch weitere hoffnungsvolle Signale. Hier der Windkraftartikel vom13.5.10 .

Titel: „Windkraft ist eine völlige Katastrophe“

Der Orginalartikel stammt von Michael J. Trebilcock, „Professor für Recht und Ökonimie, Universität von Toronto.

Und hier der entscheidende Ausschnitt:

EIKE: „Die Zeitschrift The Economist stellt kürzlich in einem Leitartikel …. fest, dass jede Tonne an Emissionen, die durch Subventionen in Erneuerbare Energien wie die Windkraft vermieden wurde, zwischen 69 $ und 137 $ kostet, wohingegen unter einem cap-and-trade-Modell (Emissionshandel) dieser Preis geringer als 15 $ wäre.“…“Sowohl eine Kohlenstoffsteuer als auch ein cap-and-trade-System schafft Anreize für Konsumenten und Hersteller mit Tausenden von Spielräumen für die Reduzierung von Energieverbrauch und Emissionen, die – wie diese Zahlen zeigen – bezüglich ihrer Kosteneffizient alle Subventionen in Erneuerbare geradezu überwältigen.“

Cap-und-Trade? Emissionshandel ? Kohlenstoffsteuer? Energieverbrauch senken?

Pfui, das ganze Teufelszeug! Und das alles auf der EIKE-Webseite. Da kann doch was nicht stimmen. Wurde die Seite von „Klimahysterikern“ gekapert? Schlägt die „große Verschwörung“ zurück…?

Oder war es schlicht fehlende „peer-review“ der englischen Orginalpublikationen durch den EIKE-„Fachbeirat“? Schlichter Dilettantismus?

Dafür spricht folgende skurrile Erklärung am Ende des Artikels vom 26.04:

„Der Übersetzer ist Diplom-Meteorologe, Fachrichtung Synoptik. Er hat sich in seiner Studienzeit auch näher mit Klimatologie befasst. Diese Untersuchung geht jedoch in gewisser Weise über sein Fachwissen hinaus, so dass keine Gewähr übernommen werden kann, ob die fachlichen Aussagen der Autoren korrekt wiedergegeben sind. Der oben stehende Text ist eine Zusammenfassung eines hoch wissenschaftlichen Artikels, den zu bewerten Wissenschaftlern vorbehalten bleiben muss, die von Energie viel mehr verstehen.“

Respekt. Problem erkannt. Man sollte lieber Ahnung vom dem haben, was man so bekämpft. Wie Don Quichotte damals eben….äh nicht.

Aber dann gäbe es ja auch kein EIKE mehr und ich hätte weniger Spass am bloggen.

Tschüss Michael

* Mitteilung der NASA

P.S.:  Weitere Artikel zu EIKE

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Mein Beifall zu dieser außerordentlich ehrlichen Selbsteinschätzung!

EIKE, das (klimaskeptische) „Institut für Klima und Energie“ aus Jena hat das Wort „Smart“ zum Unwort des Jahres gekürt!

Begründung: „Smart“ wird  üblicherweise mit „Klug“ oder „Intelligent“ übersetzt. Igitt….damit will man bei EIKE  nun wirklich nicht in Verbindung gebracht werden..

Als Umkehrschluss sollte das EIKE –Wort des Jahres „Stupid“ lauten. Denn tatsächlich trifft dieses Attribut auf die meisten Beiträge der EIKE-„Klimaexperten“ zu.

Obwohl es mir viel Spass machen würde, jeden einzelnen Artikel zu „rezensieren“- ich schaff es einfach nicht. Die Rate an Veröffentlichungen ist beachtlich.  Respekt!

Allerdings scheint es auch kein allzugrosser Aufwand, massenhaft populistische Ausschußware statt eines wohldurchdachten, mit Quellen und Belegen versehenen Berichts zu produzieren…..

Hier einige Titel und Auszüge der letzten Zeit. Die meisten sprechen für sich, manchmal habe ich erklärende Kommentare angefügt:

Artikel von EIKE-Pressesprecher Horst Joachim Lüdecke in der „Wiener Zeitung“ vom 27.09.08

Lüdecke im Artikel: „Unter kompletter Missachtung wirtschaftlicher Kriterien wird insbesondere in Deutschland mit dem Klima-Argument die völlig veraltete Windmühlen-Technologie vorangetrieben. Auch die modernsten Windräder können niemals einen maßgeblichen Beitrag zur elektrischen Stromerzeugung einer modernen Volkswirtschaft leisten.“

(2009: Windanteil Stromerzeugung in Deutschland: 6 %, Prognose 2020: 20 %)

Dann eine plausible Erklärung für Herrn Lüdeckes Windkraft-Phobie:

„Die politischen Auswirkungen dieser Berichte [über Klimawandel] sind massiv. Insbesondere die Schuldgefühle des Einzelnen, die Umwelt durch Energieverbrauch, Auto, Flugzeug, ja seine schiere Existenz zu schädigen, spielen eine maßgebende Rolle. Niemand mag sich vorhalten lassen, die Demontage unseres Planeten zu betreiben, und ist daher zu Bußeopfern und Ablasshandel bereit. „…


2. Auch sonst sind die psychologischen Folgen der „Klimahysterie“ bei EIKE ein großes Thema: Hier ein Ausschnitt aus einem Artikel von 31.12.09, Autor R. Kipp über einen Artikel „Die Welt“, Titel: „Horror Alarm….Das wärmste Jahrzehnt seit 200.000 Jahren“

Der eigentliche Horror ist die Angst vor der Zukunft. Die Unsicherheit.  Angeblich solls wärmer werde, dabei ist es draussen saukalt. Was soll man glauben?


3. Dr. Borchert (Quelle ), „Klimaexperte“ von EIKE gibt eine klare Antwort!

So wie dieser „harte und frühe Winter“ wird es bald immer sein. „Die aktuelle Wärmeperiode endet“!

Schade eigentlich, denn so ein bisschen wärmer kann doch niemals schaden.

Dazu Lüdecke in der „Wiener Zeitung“ : „Ist die Klimaerwärmung also schädlich oder nützlich? Bei ausreichend verfügbarem Wasser nehmen bei steigenden Temperaturen Ernteerträge und Biodiversität zu. Die Völkerwanderungen verliefen stets in Richtung wärmerer Klimazonen. Erwärmung ist somit überwiegend nützlich, nicht schädlich!“ (siehe dazu auch meinen blogpost „Braunkohle ist geil“)


4. Aber es besteht noch Hoffnung auf weitere warme Jahre, denn auch bei EIKE gibt es trotz „hartem und frühen Winter“ einen Verfechter der Erwärmungshypothese, nämlich Herrn Prof. Mahlberg vom 3.09.2008 . Sein Aufsatz „El Nino, Vulkane und die globale Erwärmung seit 1980“ bestreitet lediglich die Treibhausgastheorie, nicht aber die Erwärmung:

Wer jetzt verwirrt ist, wird von Herrn Lüdecke (1.) aufgeklärt, dass jede beliebige Annahme erlaubt ist, solange man die Prognose mit dem Rechenschieber ermittelt! Denn:  „Kein Computer dieser Welt kann zur Zeit die Klimaentwicklung zuverlässig berechnen .“

5. Aber bei EIKE wird nicht nur Klimaforschung betrieben. Man kümmert sich auch die ethischen und sozialen Auswirkungen der „Klimaschutzhysterie“. Dazu hat Lutz Niemann am 12.11.09 auf der EIKE-Webseite einen aufwühlenden Bericht geschrieben. Enthüllungsjournalismus vom Feinsten! Titel: „Wieviele Menschenleben kostet erneuerbare Energie“

(siehe auch mein blogpost „EIKE-updated„):


Antwort:  Eine Viertel Millionen ! Unbedingt lesen!

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Nicht nur dieser Beitrag – Fakt ist, die meisten EIKE-Artikel strotzen nur so von Unsinn.  Ich frage mich, welche Demütigungen und Frustrationen manche dieser EIKE-Autoren wohl erlebt haben müssen, um sich zu derartigen geistigen Verirrungen verleiten zu lassen. Als Kind in den Keller gesperrt? Oder mal ein Professoren-Pöstchen verfehlt?

Oder geht es einfach nur um Petrodollars und Karriere innerhalb der „denial industry“ ?

Die Verstrickungen und Mitgliedschaften einiger EIKE-Leute legen das nahe….. (siehe auch meinen blogpost „Klimaleugner in Jena“)

Jedenfalls geht es auffällig oft ums Geld, insbesondere um die Herrgott so schrecklichen Kosten von erneuerbaren Energien.  Diese und ähnliche  Behauptungen und Halbwahrheiten decken sich jedenfalls äusserst gut mit den Interessen „fossiler“ Industrieverbände und neoliberaler bis rechtskonservativer Politiker.

Hier ein paar Beispiele:

Fazit: Insgesamt bietet EIKE eine verwirrende Vielfalt von  widersprüchlichen Aussagen,  fragwürdigen Pseudo-Theorien und „Alles- wird- teuerer“ Parolen.

Den eignen Anspruch auf strikte Sachlichkeit“ jedenfalls erfüllt EIKE ungefähr genauso gut, wie ein Waffenlobbyist den Anspruch auf Menschlichkeit. Nämlich gar nicht.

Michael

P.S.: P.S.: Weitere blogposts zu EIKE: Neuer sensationeller Schwachsinn , EIKE-Klimaleugner in Jena

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Wenn Geiz schon geil ist, dann Braunkohle erst recht. Und zwar in ganz verschiedener Hinsicht….

Es ist einfach nicht abzustreiten: Aus Tagebauen werden wunderschöne Baggerseen. Kein Kohlekumpel schwitzt mehr von schwerer Arbeit. Er schwitzt schon eher im Angesicht baggerfähiger Badeschönheiten….


Ehemaliger Tagebau: Cospuder See bei Leipzig

Bärbel aus Markleeberg hofft auf heisse Nächte…

Und nicht nur das. Auch sonst bietet das Revier atemberaubende Hügellandschaften und pittoreske Denkmäler der Bergbaugeschichte.

Bildquelle: Bundesverband Braunkohle

Fast scheint es wie ein glücklicher Zufall, dass Braunkohleverstromung zusätzlich einen wichtigen Beitrag zur Klimaerwärmung leistet. So ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis man von März bis Oktober baden kann.

Zufall? Um Himmels willen,  kein Zufall: Der wahre Hintergrund ist ein sensationelles langfristiges und integriertes Tourismuskonzept des Deutschen Braunkohleforum.

Die Idee ist so simpel wie genial!!!:

Mehr Tagebaue + Klimaerwärmung = Mehr Baggerseen und Sex im Freien! Urlaub in der Heimat! Bye, bye Malle! Und das alles auch noch bezahlbar!

Noch hält sich die Branche  mit dieser trendigen Idee etwas  zurück (die im übrigens auch in China stark im Kommen ist).  Ausser auf einigen doppelseitigen Anzeigen in diversen deutschen Wochenzeitschriften (Spiegel etc.) wird noch etwas schüchtern mit dem innovativen Konzept umgegangen.

Anders kann man es sonst nicht erklären, das in der Linksammlung des deutschen Braunkohleforums das Wort „Klima“ überhaupt nicht vorkommt.

Dennoch. Die Genialität des Konzepts liegt nicht nur in den Effekten, sondern im langfristigen Verändern der Ursachen!

Nur ein Anstieg des CO2 Gehalts der Atmosphäre sichert uns tausende Jahre wohlige Wärme, da das Gas sehr stabil ist und quasi nicht abgebaut wird.

Im Glossar des deutschen Braunkohlenforum findet man weitere Informationen zu Kohlendioxid:

Da Kohlendioxid aus natürlichen Prozessen  im Kreislaufsystem der Natur von der Vegetation wieder „geschluckt“ wird (Dynamisches Gleichgewicht) sowie ein gewisser Teil auch endgültig aus der Atmosphäre entfernt wird (Kohlenstoffsenken), will die deutsche Braunkohleindustrie diesem unerwünschten Effekt entgegensteuern. Schon durch eine klitzekleine Steigerung des CO2 Gehalts der Luft von 0.04 auf 0.08 % (400/800ppm) könnte man nämlich eine durchschnittliche Erwärmung um ca. 6°C erreichen!

Deshalb ist man besonders stolz auf den niedrigen Wirkungsgrad (36%) der Kraftwerke, wie man im Glossar unter Wirkungsgrad nachlesen kann.

Mit modernen Gaskraftwerken würde man zwar auch CO2 emmittieren. Die Klimawirkung wäre allerdings viel geringer, zumal man mittels KWK (Kraft-Wärme-Kopplung) bis auf 95 Wirkungsgrad käme. So kriegt man keine Klimaerwärmung hin!

Weiterhin ist auch zu befürchten, dass durch unvermeidliche Effizienzsteigerungen weniger Kohle gefördert wird und damit die Zahl zukünftiger Baggerseen zurück geht..

Dieser Gefahr will man energisch entgegensteuern. Das Zauberwort heisst CCS (Carbon Capture and Storage ). Diese Technik ist schlicht genial!

Man verflüssigt einfach die Abgase des Kraftwerkes und pumpt sie  in den Untergrund.  Die Gesteinsschichten wirken wie eine riesige poröse Membran, durch die das CO2 langsam, aber kontinuierlich und dosiert wieder in die Atmosphäre gelangt. Wie gesagt, man denkt langfristig!

Noch genialer: Durch CCS sinkt der Wirkungsgrad der Kraftwerke beträchtlich. Für dieselbe Leistung muss bis zu 25% mehr Brennstoff eingesetzt werden. Allein dieser Zusatzbedarf entspricht ca. drei Viertel der Kohleförderung der gesamten Lausitz! (Quelle: http://www.kohlenstatistik.de/home.htm, 2008: Lausitz 57,9 Mio to/Dt 175,3 Mio to )

Noch mehr Baggerseen durch CCS!!!


Arbeiten am zukünftigen Naherholungsgebiet…

Aber auch volkswirtschaftlich lohnt sich das Ganze, wie uns der Braunkohleverband aufklärt:

Denn CCS ist unwahrscheinlich billig. Nur schlappe 50 bis 100 US$ kostet jede Tonne CO2 Speicherung (Quelle: Factsheet CCS der IEA (international Energy Agency). Das sind gerade mal 5 bis 10 Cent pro Kilo. So billig kriegt man doch heutzutage gar nichts mehr. Und damit es noch billiger wird, schiesst unsere liebe EU z.Z. 2 Milliarden an Forschungssubventionen zu. Bis 2015 kommen weitere 9 Milliarden dazu. (Quelle: Wikipedia )

Auch sonst sollte der Staat nicht kleinlich sein. Denn schliesslich ist Klima ein „common good“. Das heisst, jeder profitiert davon, wenn es wärmer und geiler wird. Und Gemeinwohl sollte auch gemeinsam bezahlt und gefördert werden. Daher werden die zukünftigen Naherholungsgebiete vom Staat subventioniert, wie das Umweltbundesamt 2004 veröffentlichte:

„Dazu gehören Steuerbegünstigungen gegenüber anderen Energieträgern – wie Gas und Öl – oder Freistellungen vom Wasserentnahmeentgelt und der Förderabgabe auf Bodenschätze. Zusammen mit den Subventionen für die Modernisierung der ostdeutschen Braunkohlewirtschaft in Höhe von jährlich rund 150 Millionen Euro belaufen sich die Subventionen – vorsichtig geschätzt – auf knapp eine Milliarde Euro pro Jahr.“

Ach wie schön wird doch die Welt von morgen… Schön braun gebräunt von Braunkohle.

Lasst uns baggern wie die Weltmeister!!!!

Tschüss Michael

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Wieder wurde von der Klimaleugner-Bastion EIKE  (Europäisches Institut für Klima und Energie) in Jena ein haarstäubender, aber auch irgendwie witziger Artikel ins Netz gestellt.

Der neue Bericht auf der EIKE-Webseite ist nicht wirklich neu. Er wurde am 19.12.2008 in der WELT veröffentlicht. Autor ist Lutz Niemann, ehemaliger Nukleartechniker und Mitinitiator des Vereins „Bürger für Technik“.

Titel: Wie viele Menschenleben kostet erneuerbare Energie?

(siehe auch mein früheres blogpost zu EIKE: Klimaleugner in Jena)

Schon der Titel verspricht Sensationelles: Erneuerbare Energien als tödliches Risiko!

Zu den Fakten (zitiert nach Niemann): Durch geborstene Staudämme kamen weltweit seit 1943 zwischen 5524 und ca. 250.000 Menschen ums Leben. Diese reichlich ungenaue Angabe verteilt sich wie folgt:

  • „2.12.1959 brach der Malpasset-Staudamm bei Frejus (Frankreich), 421 Menschen starben“
  • „9.10.1963 brachte in Longarone (Italien) ein Erdrutsch den Stausee zum Überlaufen, die Flutwelle forderte etwa 2500 Tote“
  • „11.8.1979 brach der Machhu-Staudamm in Indien, die Stadt Morvi wurde überflutet. Die Zahl der Todesopfer wird oft mit mehr als 1000 angegeben, eine zuverlässig erscheinende Quelle spricht sogar von 15.000 Opfern“
  • „Die Münchner Rück schrieb im Jahre 1997: Seit 1950 ereigneten sich weltweit rund 100 größere Dammbrüche; die meisten dieser Dämme sind vor 1930 erbaut worden (und daher vermutlich Erdwälle). 1975 sollen bei einem Staudammbruch am Huai-Fluss in China 26.000 bzw. mehr als 230.000 Menschen ums Leben gekommen sein“
  • „Es gibt auch in Deutschland ein Ereignis, dass die Gefahren eines berstenden Staudammes deutlich werden ließ: die Bombardierung der Staumauer des Edersees durch britische Bomber im Mai 1943. Damals fanden über 2000 Menschen den Tod durch die Flutwelle“

Fassen wir die Studie zusammen. Es gab weltweit sehr viele Todesopfer durch brechende Staudämme. Mit ein bisschen Denk-Akrobatik lässt sich ein Zusammenhang zur Wasserkraftnutzung herstellen. Das ist für sich schon lächerlich genug, aber im Detail wird die „Beweisführung“ von EIKE noch dünner.

Nehmen wir mal alle Maximalannahmen zusammen, dann gehen 92 % aller genannten Opfer auf das Konto des Staudammbruchs in China 1975.  Und dieser war ja nunmal  ein Erdwall und auch noch allerfeinste chinesische Ingenieurskunst des vorletzten Jahrhunderts. Was das mit erneuerbaren Energien zu tun hat, weiss vermutlich noch nicht mal Autor…..

Die Logik ist sogar genau umgekehrt. Dammbrüche werden wahrscheinlicher, je mehr Wetterextreme es gibt (z.B.  2002 an der Elbe oder 2005 in New Orleans). Und genau das wird passieren, wenn wir nicht endlich auf saubere Energie setzen.

(Hurrikan Kathrina 2005, 1800 Tote)

Weiter gehts. Der Staudamm in Frankreich war ein reines Wasserreservoir (Quelle: Wikipedia). Hat also auch nichts mit EE zu tun. Wenn doch, müsste man nach dieser Logik sämtliche Trinkwasserspeicher abschaffen.

Den Stausee in Italien könnte man als „echtes“ EE-Desaster gelten lassen. Endlich mal was mit Substanz. Das es zur Katastrophe kam, lag allerdings an Behördenschlamperei. Es gab schon vorher Schwierigkeiten beim Bau und mit Erdstürzen, auf die man allerdings nicht reagiert hatte (Quelle:Wikipedia).

Ein im 2. Weltkrieg bombardierter Staudamm als Argument gegen erneuerbare Energien???

Weil der Zusammenhang kognitiv nicht so leicht herzustellen ist, schiebt der Autor ein erklärendes Beispiel nach:

„Betrachtet man die Situation der Bewohner des Zillertals in Österreich, die unterhalb von drei Staumauern leben, so kann man nur konstatieren, dass sie im Notfall ziemlich chancenlos wären. Der Bruch nur einer Mauer – durch ein Erdbeben oder einen Anschlag – würde das ganze Tal überschwemmen, es gäbe für Zehntausende Menschen kein Entrinnen aus der Flutwelle.“

Da hilft also nur noch beten (Österreicher)  oder ignorieren (Touristen)!

Wagemutige im Zillertal: Jederzeit kann der Damm brechen…

Noch vermisse ich Zahlen über die Opfer der Windkraft und Solarenergie, aber immerhin gibt schon Belege für die Gefahr von Biomasse: Den Tod im Wald!

Niemann: „Tatsächlich ist jedoch der gefährlichste Beruf hierzulande derjenige des Forstarbeiters. …In den Jahren 1991 bis 1994 gab es jedes Jahr in Deutschland rund 50 Unfalltote… Diese Zahlen werden heute nicht wesentlich anders sein, denn die Gefahren beim Umgang mit Kettensägen und durch fallende Bäume sind geblieben. …Will man diese Zahlen in Beziehung setzen zu denjenigen des Tschernobyl-Unfalls, so wäre eine Hochrechnung auf alle Länder der Welt und auf ca. 50 Jahre durchzuführen. Die Opferzahl ginge schnell in die Zehntausende. … „

Durch Klimaschutz bedroht – Die Könige der Nutzholzgewinnung!

Also warum soviele Menschenleben riskieren, wenn es doch eine ultimativ sichere Alternative gibt: Kernenergie!

Die ist laut EIKE nämlich wesentlich ungefährlicher, wie aus der Analyse eines SPIEGEL-Berichtes vom 19.11.2007 (Vor Kurzem hat der Spiegel…) hervorgeht:

„Die furchtbare, zerstörerische Wirkung der Atomenergie wurde 1945 beim Abwurf amerikanischer Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki deutlich, durch die mehr als 200.000 Menschen getötet wurden. Der Großteil fiel dabei der Explosion mit ihrer enormen Druck- und Hitzewelle  zum Opfer. Die Radioaktivität spielte eine nachgeordnete Rolle…

…Es hat bei der Nutzung und der Erforschung der Atomkraft wie in jedem anderen Technikbereich Unfälle gegeben, durch technisches oder menschliches Versagen. Die Zahl der Opfer war jedoch bisher gering….

Bezüglich Tschernobyl: „Der Spiegel nennt ca. 60 Todesopfer bis heute – das ist korrekt aus der Sicht des Strahlenschutzfachmanns. In den Medien waren auch schon oft viel höhere Zahlen zu lesen.“ (Aber diese sind vermutlich keine „zuverlässig erscheinende Quelle“.)

Es werden auch Risikostudien zur Kernkraft zitiert:

„….Ermittelt man nach dem gegenwärtigen Stand des Wissens – und dieses ist für die Kernkraft sehr umfassend – das tatsächliche Risiko, so stellt sich dieses als sehr gering heraus. Die für deutsche Kernkraftwerke durchgeführten Risikostudien haben für die Häufigkeit einer Kernschmelze Werte um 10 hoch minus 6 pro Jahr ergeben, d.h., in einer Million Jahren ist mit einem einzigen Schadensfall zu rechnen.“

Aha, dann hoffen wir mal, dass es keine Erdbeben und Anschläge wie im Zillertal gibt…

Am Ende des EIKE-Artikels kommt die argumentative Selbstzerstörung:

Niemann :„Es gibt nichts auf der Welt ohne Risiko. Wir lieben das Leben, obwohl es zu 100 Prozent tödlich endet….“

Alles klar?

Tschüss Michael

P.S.: Ich habe mir keine Mühe gegeben, die von EIKE zusammengetragenen Zahlen zu überprüfen.

P.S.S: Ich bin im übrigen auch gegen grosse Staudämme und Biokraftstoffe. Aus ökologischen Gründen.

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