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Posts Tagged ‘Klimalügen’

Klimaschutz nervt – zumindest die Anhänger freier Märkte. Denn inzwischen wird immer klarer, dass das bisherige neoliberale Wirtschafsmodell direkt in die Klimakatastrophe führt. Klimaschutz braucht Marktregeln. Das kapiert eigentlich jeder, wenn er es denn kapieren will. Es gibt aber auch durchaus Interessen, das Gegenteil zu glauben oder noch konsequenter, gleich den ganzen Klimawandel als Unsinn, Schwindel oder kommunistische Verschwörung zu verteufeln. Vertreter dieser Weltsicht nennt man Klimaleugner oder Klimaskeptiker.

Die „Zeit“ publizierte am  28.11.12 einen vielbeachteten Artikel über professionelle Klimaleugner. Titel: „Die Klimakrieger“[1]. Guardian-Kolumnist George Monbiot spricht in dem Zusammenhang von der „denial industry“ (der Leugner-Industrie).

Ein brandneue Studie australischer Wissenschaftler, publiziert in „Psychological Science“[2] konnte nun belegen, dass das Phänomen Klimaleugnung – neben anderen Verschwörungstheorien –  signifikant häufiger bei Vertretern neoliberaler Überzeugungen auftritt. Klassischer FDP-Klientel also.

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Liberale Politiker- ein Fall für den Psychologen ??? [3]

Ideologische Borniertheit gegen atmosphärische Gesetzmäßigkeiten, einzig, weil diese im „feindlichen“ Lager bei Grünen, Greenpeace und Co. verortet werden? Freilich! Gerade in Wahlkampfzeiten braucht es schließlich Abgrenzung, Profil, Sündenböcke. Destruktive Klimapolitik ist daher ein schlagkräftiges Thema im Kampf um öko-gestresste Wähler und Parteispenden von leidgeprüften deutschen Großkonzernen.

Frontalpolitik gegen die wissenschaftlichen Fakten traut sich die FDP-Spitze dennoch bisher nicht. Zu erdrückend ist die Beweislage, um sich ganz offiziell auf die Seite der Klimaleugner zu schlagen. FDP Fraktionschef Rainer Brüderle argumentiert daher lieber aus ökonomischer Sicht. Klimaschutz soll doch bitte der Markt selbst regeln, auf jeden Fall darf es nichts kosten. Vor EU-Kollegen riet er zu einer „sinnvollen Pause in der Klimapolitik“ und zum “Vorrang wirtschaftlicher Konsolidierung“.

Die Distanz zu waschechten Klimakriegern hält Herr Brüderle dennoch nicht immer ein, wie bei der gemeinsamen Buchvorstellung mit Günter Ederer in Hamburg[4]. Ederer ist Journalist, Autor und Lobbyist und machte einst Schlagzeilen, indem er den „grünen“ Ex-US Vizepräsident Al Gore mit Adolf Hitler verglich. Bei anderer Gelegenheit moderierte Ederer eine Podiumsrunde, bei der Fred Singer, ein Superstar der Klimaleugnerszene, Öl- und Tabaklobbyist,  seine Überzeugungen zu Treibhauseffekt und Ökosteuern zum Besten geben durfte. Ort der Veranstaltung: Der deutsche Bundestag! Eingefädelt hatte die Veranstaltung Paul Friedhoff, MdB der FDP. Normalerweise organisiert die FDP ihre ideologisch-propagandistische Schlacht ums Klima eher aus der 2. Reihe, zum Beispiel mit Hilfe von Holger Krahmer [5], FDP-Mitglied der liberalen Fraktion im EU Parlament. Er ist ausgerechnet umweltpolitischer Sprecher der Fraktion und gleichzeitig ein besonders aktiver Klimakrieger. Seine Homepage[6]  wimmelt nur so von Thesen und Vorschlägen, die ohne Abstriche aus den Federn der Fossilindustrie stammen könnten. So feiert er auf seiner Webseite die Aufweichung der Emissionsgrenzwerte für PKW als „vernünftige Entscheidung“, wettert gegen das Verbot von Glühlampen und warnt vor einer Verschärfung des Emissionshandels. Und vieles mehr. Ein Sammelsurium gängiger Klimaleugner-Argumente. Schizophrenie á la FDP.

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Holger Krahmer, FDP: Rächer der Glühbirne [7]

bulb Kopie

Argumentationshilfe holt sich der gelernte Bankkaufmann Krahmer bei einschlägig bekannten Klimaleugnern wie Benny Peiser vom berüchtigten US-Lobbykartell „Heartland Institute[8]. Er und Peiser gaben erst kürzlich eine Broschüre heraus. Titel: „Unbequeme Wahrheiten über die Klimapolitik und ihre wissenschaftlichen Grundlagen“. Eine handliche Gebrauchsanweisung für den Klimakrieg.

Die FDP mit Krahmer als Strippenzieher organisierte außerdem diverse Veranstaltungen mit eindeutiger Zielstellung, unter anderem am 3. Juli 2012 im EU Parlament. Unter dem Titel „Klimaschutz: die politische Überforderung“ referierten dort Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning über ihr umstrittenes Buch „Die kalte Sonne“

Am Juni 2012 richtete Krahmer zusammen mit der FDP Sachsen eine „alternative“ Klimakonferenz in Dresden aus. Bei der Veranstaltung unter dem düsteren Titel „Sind wir noch zu retten? Zwischen Klimakatastrophe und Ökohysterie“ sollte geklärt werden, „ob es denn überhaupt einen Klimawandel, eine globale Erderwärmung gibt, und falls ja, ob diese dann auch tatsächlich durch uns Menschen verursacht wird.“. Um gar nicht erst mit dem wissenschaftlichen Konsens in Berührung zu kommen, lud man denn als Redner auch keinen einzigen Klimawissenschaftler ein, dafür eine  Handvoll der üblichen Verdächtigen aus der organisierten Leugnerszene wie bereits erwähnten Benny Peiser oder den Zoologen Josef Reichholf, der bei CFACT unter Vertrag ist [9] [10]. CFACT ist ein rechtskonservativer US Think Tank, der durch besonders aggressive Antiklima-Rhetorik auffällt und sich großzügiger Finanzierung durch Exxon Mobil & Co. erfreut.

Ebenfalls bei CFACT „unter Vertrag“ ist Steffen Hentrich, hauptamtlich verantwortlich für Umwelt- und Energiepolitik bei der FDP-nahen „Stiftung für die Freiheit“ (ehem. Friedrich-Naumann-Stiftung). Er ist außerdem Mitarbeiter beim Berliner Institut für Unternehmerische Freiheit (IUF) und Autor zahlreicher neoliberaler und klimaskeptischer Blogs wie „Ökowatch“ und „Freie Welt“. Sein 2011 publiziertes Buch „Realitätscheck für den Klimaschutz –Globale Klimapolitik zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Vorschläge für neue liberale Ansätze“ ist Klimabelletristik vom Feinsten. Mitherausgeber des Buches: Holger Krahmer, unser Klimakrieger von den EU Liberalen. Die Kreise schließen sich….doch der Filz wird noch dicker.

Seit 5 Jahren, zuletzt im November 2012 in München, findet regelmäßig eine „Klimakonferenz“ der ganz besonderen Art statt. In gemütlichen Ambiente eines schicken Hotels trifft sich die Elite der deutschen und internationalen Klimaleugnerszene. Die Redner – ein Panoptikum einschlägig bekannter Lobbyisten, Laienprediger und korrupter Wissenschaftler – rekrutieren sich größtenteils aus den Reihen der Veranstalter selbst. Man bleibt gerne unter sich.[12]

cfact1 KopieDie Organisatoren sind die üblichen Lobbybuden wie Heartland Institute und CFACT, das unternehmensnahe Berlin Manhattan Institute (BMI) sowie EIKE [13], ein Jenaer Briefkasten-Verein und bekannteste Adresse der deutschen „denial industry“. Die FDP-„Stiftung für die Freiheit“ war zumindest bis 2011 Sponsor der Veranstaltung.

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CFACT Propaganda [11]

EIKE-Chef Holger Thuss, Mitglied der CDU Jena ist gleichzeitig Europachef von CFACT und Verleger [14] klimaskeptischer Bücher mit martialischen Titeln wie „Öko-Nihilismus“ von Edgar Gärtner oder „Öko-Imperialismus. Grüne Politik mit tödlichen Folgen“ von Paul K. Driessen. Beide Autoren sind ebenfalls auf der Gehaltsliste von CFACT. Holger Thuss´ Aktivitäten sind inzwischen selbst seiner eignen Partei (der CDU) nicht mehr geheuer. Die Jenaer CDU Gruppe jedenfalls distanzierte öffentlich von ihm.

Um so mehr dürfte er sich über den Besuch von Thüringer FDP Prominenz an seinem Stand (Thuss van Riess Verlag) auf Leipziger Buchmesse 2010 gefreut haben. Medienwirksam hält FDP-Mann Patrick Kurth ein Buch des Verlages in die Kamera. Titel des Buches: „Klimahysterie-was ist dran“, Autor: Michael Limburg, „Berater“ bei CFACT, Vize von EIKE.

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Holger Thuss (2.v.l.) mit seinen Freunden von der FDP, Buchmesse Leipzig 2010

Die Pressemitteilung der FDP am folgenden Tag: „Der TvR Medienverlag veröffentlicht im politischen Bereich mit z.T. gesellschaftskritischen Titeln. Kurth konnte sich dabei von dem tollen Einsatz und den interessanten Themen des Verlags überzeugen“ . Alles klar..?

Am Ende bleiben 3 Erkenntnisse:

  1. Klimaleugnung ist keine zufällige Verwirrung, sondern ein lukratives Geschäftsmodell.
  2. Gerade für FDP-Hinterbänkler bietet ein entsprechendes „gesellschaftliches“ Engagement Zukunftschancen in der Lobbyindustrie und federt zudem gegen die Risiken volatiler Wähler und politischer Umschwünge ab.
  3. Es ist unmöglich, dass der ganze Lobbyfilz aus FDP-Stiftung, CFACT, EIKE, Heartland Institute und einzelnen FDP-Funktionären ohne den Segen der Parteiführung existiert.

Insofern bleibt die FDP ihrem Image treu – als randständige Lobbypartei der Konzerne und Bosse.

Ein Klimakiller eben.









[2] Lewandowsky; Oberauer; Gignac: NASA Faked the Moon Landing—Therefore, (Climate) Science Is a Hoax:

An Anatomy of the Motivated Rejection of Science. March26 2013; online

http://pss.sagepub.com/content/early/2013/03/25/0956797612457686.abstract

[3] Quelle: Facebookseite von P. Rösler

[4] Vorstellung des Buches „Träum weiter Deutschland“; mehr dazu auf klimaretter: http://www.klimaretter.info/politik/nachricht/8163-bruederle-hofiert-klimaskeptiker

[8] Lobbyismus im Dienst der Tabak-, Chemie-, Energiekonzerne

[9] Abk. für Committee for a Constructive Tomorrow

[10] weitere Redner der Konferenz: Prof. Dr. Knut Löschke, Leipzig; Prof. Dr. Joseph Reichholf, München, Prof. Dr. Bodo Sturm, HTWK Leipzig; Dr. Benny Peiser, London; Michael Miersch, München. (Quelle: http://www.fdp-fraktion-dresden.de/termine-1026.html)

[12] wie z.B.  H.J. Lüdecke (EIKE), H. Thuss (EIKE, CFACT), C. Monckton (CFACT), F.-K.Ewert (CFACT, EIKE), W. Müller (CFACT, EIKE, IUF, Ex-F. Naumann Stiftung)

[13] Europäisches Institut für Klima und Energie; mehr Infos zu EIKE: https://michaelsclimate.wordpress.com/2011/03/07/eike-ein-institut-stellt-sich-vor/

[14] TvR Verlag Jena

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Nachdem ich schon ein paar Artikel über EIKE geschrieben habe und mir deren Vize nett für die „kostenlose Internetwerbung“ gedankt hat, ist es Zeit für einen etwas grundsätzlicheren Artikel über dieses angebliche Institut.

Das Europäische Institut für Klima und Energie (EIKE) ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Jena/Thüringen. Auch wenn der Name etwas anderes suggeriert, EIKE ist weder ein wissenschaftliches Institut noch hat es eine derartige Infrastruktur. Es gibt weder ein Gebäude noch eine Postanschrift. Allerdings ein Postfach, dass sich EIKE mit der Europafiliale der US-Lobbyorganisation Commitee for a Constructive Tomorrow (CFACT) und dem Thuss & van Riesen Verlag (TvR) teilt. Vorsitzender von CFACT Europe und TvR ist EIKE-Chef Holger Thuss.

Das Postfach 110 111. Da passt ´ne Menge rein!

Laut eigner Aussage hat EIKE weniger als 100 Mitglieder [1], größtenteils ältere Ingenieure und Professoren im Ruhestand [2]. Eine Ausnahme ist der Vereinsvorsitzende selbst. Holger Thuss ist promovierter Historiker.

Vorraussetzung zur Vereinsmitgliedschaft ist der „Vollbesitz geistiger und seelischer Kräfte“ (laut Vereinssatzung).

Die klimatologische Expertise von EIKE beschränkt sich auf einige pensionierte Meteorologen im „Fachbeirat“.

Anerkannte wissenschaftliche Publikationen von EIKE gibt es nicht.

Die Mission

Die Mission von EIKE ist der Kampf gegen Klimaschutz und die Anzweiflung des menschengemachten Klimawandels. Innerhalb der Skeptikerszene profiliert sich EIKE -leicht größenwahnsinnig- gerne als Alternative zur „Mainstream“-Forschung (wie z.B. NASA, PIK Potsdam, Max Planck Institute, AWI Bremerhaven).

Offizielles Motto: „Nicht das Klima ist bedroht, sondern unsere Freiheit. Umweltschutz ja! Klimaschutz nein!“

EIKE gehört damit klar zur sogenannten „denial industry“ [3], professionellen Lobbyorganisationen, die von der „Fossilindustrie“ in den Kampf gegen Klimaschutz geschickt werden. Strategie dieser Lobbygruppen ist die systematische Verbreitung von Fehlinformationen in der Öffentlichkeit, um Zweifel am anthropogenen Klimawandel zu streuen. Dazu gehört auch die Diffamierung von Forschungsinstituten und Wissenschaftlern, von Umweltverbänden und Medien, die Pro-Klimaschutz agieren. Der Klimawandel wird als „Religion“ bezeichnet, Klimaschützer als „Ökofaschisten“ und „Hysteriker“ etc. betitelt.

Man selbst bezeichnet sich gerne als „Klimarealisten“.

Ideologische Ausrichtung

Allein die Rhetorik vieler EIKE Artikel zeugt von einer hohen Affinität zu neoliberalem  Gedankengut.

Die Angst vor Marktregulierung, „grünem Kommunismus“ und der Untergang der deutschen Industrie durch Klimaschutz sind häufige Konnotationen. Das typische Feindbild von EIKE sind Wissenschaftler wie Stefan Rahmsdorf  vom PIK Potsdam [4], Journale wie „Nature“, die UNO, „Alt-linke“ Journalisten und NGO´s wie Greenpeace. [5]

Viele EIKE-Autoren zeigen durch ihre Äußerungen außerdem eine auffällige Affinität zu Atomkraft und fossiler Großtechnologie und gleichzeitig eine geradezu phobische Abneigung gegenüber Windkraft und Photovoltaik.

Ausreichend Anhängerschaft ist mit dieser Rhetorik garantiert, da sie prächtig mit der Geiz- und Hysteriebereitschaft von „Grünenhassern“, Autofetischisten, Windkraftgegnern und Verschwörungsanhängern korreliert.

In ihrem missionarischen Eifer und der Bereitschaft zu extremer Polarisierung erinnert EIKE an US-amerikanische Vorbilder wie die Tea-Party oder den rechten US-Senator von Oklahoma, James Inhofe.

Finanzierung/ Lobbyismus

„Der Verein EIKE verfolgt seinen satzungsmäßigen Vereinszweck unabhängig von politischen Parteien, Religionsgemeinschaften, sonstigen Verbänden, Vereinen und Organisationen.“

So steht es in der Satzung, die neuerdings nicht mehr auf der Webseite zugänglich ist [6]. Vermutlich aus gutem Grund, denn die personellen Verflechtungen von EIKE Mitgliedern mit anderen Organisationen zeichnen ein völlig anderes Bild als die angebliche Unabhängigkeit.

 

Holger Thuss ist die zentrale Schaltstelle dieses Netzwerkes, in dem wirtschaftliche Interessen, politische Seilschaften und persönliche Verbindungen eng miteinander verfilzt sind. Er ist der Vorsitzende von EIKE, Inhaber des Thuss & van Riesen-Verlages (TvR) und Europachef von CFACT (Commitee for a Constructive Tomorrow), nebenbei noch Mitglied der CDU Jena und Thüringer Chef der „Paneuropa-Union“.

Die entscheidende Schnittstelle ist die enge Verflechtung von EIKE mit CFACT, einer US-amerikanischen Lobbyorganisation, die von US-Öl- und Minenkonzernen gesponsert wird. Außer dem Chef selbst sind nahezu alle wichtigen EIKE Mitglieder gleichzeitig bei CFACT „unter Vertrag“ [7]. Die Doppelmitgliedschaften sowie zahlreiche gemeinsame Aktivitäten sind derart auffällig, dass man EIKE getrost als eine Tochterorganisation von CFACT ansehen kann.

CFACT wurde für seinen Kampf gegen Klimaschutz in den vergangenen Jahren u.a. von Exxon Mobil mit 587.000  US$,  von der Sarah Scaife Foundation mit 175.000 US$, von der Carthage Foundation 1,105 Mio. US$ (beides Stiftungen der Öl-, Uran- und Aluminiumindustrie) „belohnt“ [8]. Und dies sind nur die offiziell bekannten Spenden, die nach amerikanischen Gesetz offengelegt werden müssen.

Auch sonst gibt es jede Menge Kungelei. So veranstalten EIKE und CFACT gemeinsam eine jährliche „Klimakonferenz“ in Berlin ( siehe unten) und man teilt sich regelmäßig einen Stand bei Klimakonferenzen wie in Kopenhagen, Bonn, Cancun. [9]

Der TvR-Verlag ergänzt die Interessen- und Personalunion von EIKE/CFACT durch die Publikation klimaskeptischer Bücher, deren Autoren – wie soll es anders sein- selbst Mitglieder von EIKE und/oder CFACT  sind. Zusätzlich werden die meisten dieser Bücher „mit freundlicher Unterstützung von CFACT“ gedruckt [10] und können praktischerweise gleich über die EIKE-Webseite erworben werden. Sicher eine clevere Marketingstrategie, denn schließlich ist die EIKE Homepage die zentrale Plattform der deutschen Klimaskeptikerszene [11].

Insgesamt also eine clevere Aufgabenteilung. CFACT sorgt für die Petrodollars, EIKE für die Publicity und TvR bedient den Markt mit dubiosen Werken, die sonst eher zum Ladenhüter würden.

Klimabelletristik des TvR-Verlages auf der Leipziger Buchmesse (mit Holger Thuss, 2.v.l. und Vertretern der FDP Jena)

Weitere Verbindungen von EIKE/CFACT bestehen häufig zu industrienahen Stiftungen und Lobbyorganisationen, u.a. zum neoliberalen Berlin Manhattan Institut“ (BMI). Das BMI steht politisch der FDP nahe und co-sponsert und organisiert seit 2008 die jährliche „Internationale Klimakonferenz“ von EIKE und CFACT in Berlin. Die meisten der Redner rekrutieren sich aus EIKE/CFACT Kreisen. Anerkannte Klimawissenschaftler sind auf den Konferenzen nicht vertreten [12], dafür aber Interessenvertreter der Schwerindustrie, wie z.B. 2010 Lutz Peters, u.a. Mitglied des Aufsichtsrats der Choren Industries Freiberg (Petrochemie) oder Dieter Ameling, Ex-Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl.

Unter den politischen Parteien hat die FDP die größte Affinität zu EIKE Positionen.  So wurde EIKE Pressesprecher Ewert am 15.09.10 vom FDP Mann P. Friedhoff in den Bundestag eingeladen, um dort über die angebliche  CO2-Lüge referieren.  Die FDP-nahe Stiftung für die Freiheit unterstützt klimaskeptische Positionen durch Publikationen und Veranstaltungen (link, link).

Etliche EIKE/CFACT Mitglieder sind oder waren bei der Stahl-, Kohle- und Energiewirtschaft unter Vertrag (siehe Kapitel „Wichtige Leute bei EIKE“)

Hier das EIKE/CFACT Kartell in der Übersicht:

„ EIKE ... unabhängig von politischen Parteien, Religionsgemeinschaften, sonstigen Verbänden, Vereinen und Organisationen.“??????

EIKE-“Wissenschaft“

„Wissenschaftliche“ Artikel sind der „Markenkern“ von EIKE. Dabei handelt es sich durchweg um pseudowissenschaftliche Abhandlungen, die keiner Überprüfung durch einen Experten standhalten würden. Durch eine Fülle von Grafiken und Formeln schafft man jedoch ein „Gefühl“ von Seriosität, auf die ein Laie leicht reinfallen kann. In der Skeptikerszene werden die Artikel deshalb gern und häufig zitiert.

Qualitätskriterien, wie peer-review (durch anonyme Gutachter), empirische Datenerhebung, Aktualität und statistische Absicherung, wie sie bei echten wissenschaftlichen Publikationen üblich sind, werden bei EIKE nicht eingehalten.

Eigne Forschung betreibt EIKE gar nicht, denn schließlich fehlt jegliche Forschungs-Infrastruktur.

Durch verschiedene Methoden schafft man es, den Artikeln eine gewisse Plausibilität einzuhauchen. Die gängigsten Tricks sind Datenselektion, Vergleich ungleicher Zeitskalen, Mißinterpretationen, falsche Statistikanwendung, Verwendung irrelevanter Fakten . Hier einige im Einzelnen (Beispiele in Klammern):

  • „Gefühlte“ Argumente statt harte Daten (CO2-Anteil „nur“ 0,039 %)
  • Falsche räumliche u./o. zeitliche Skala (lokale Wettereffekte wie kalte Winter in Europa)
  • Irrelevante Aussagen (CO2 Gehalt vor 250 Mio. Millionen Jahren zehnmal so hoch wie heute)
  • Selektive Überbewertung bzw. Unterschlagung kausaler Zusammenhänge (Anteil Sonnenaktivität/Treibhausgase am Klimawandel)
  • Vergleich unterschiedlicher Zeitskalen (natürliche Warmzeiten vs heutiger Klimawandel)
  • Gezielte Überbetonung wissenschaftlicher Kontroversen (Wolkenbildung in Klimamodellen)
  • Selektive Zeitskalen („Abkühlung seit 1998“)
  • Suggerieren unzulässiger kausaler Zusammenhänge (Die Eisbärenpopulation wächst =keine arktische Erwärmung??)
  • Benutzung punktueller Daten (Wachstum einzelner Gletscher)

 

Eine sehr gute Zusammenfassung zu den klassischen Leugnerargumenten gibt es beim Umweltbundesamt, link

EIKE-Mitgliedern „verhilft“ offensichtlich schon die Zugehörigkeit zum Verein zu klimatologischer Expertise. So redete der Elektroingenieur M. Limburg (EIKE-Vize) in einer Talkshow von „den Kollegen“ vom IPCC [13]. Und Lord Monckton (EIKE-Fachbeirat) rechnet sogar eigne „Klimamodelle“ auf seinem Home-PC! [14]. Monckton ist ohnehin ein Profilneurotiker und Profi-Hochstapler. Er „erfand“ sogar ein Wundermittel gegen AIDS, Multiple Sklerose, Basedow und Schnupfen!!! (link)

Top 10 der skurrilsten EIKE-Artikel

 

Neben pseudowissenschaftlichen Beiträgen veröffentlicht EIKE eine Fülle   völlig obskurer Pamphlete und Verschwörungstheorien.

Der einzige gemeinsame Nenner ist der Kampf gegen etablierte Klimaforschung, gegen Klimaschutz und erneuerbare Energien, aber auch gegen Wärmedämmung, Elektromobilität und intelligente Stromnetze.

Zum Thema Umweltschutz findet sich trotz des offiziellen Mottos so gut wie nichts.

Hier eine kleine Auswahl. Anbei ein kurzes Zitat aus dem jeweiligen Text als „Appetithäppchen“

1. Lutz Niemann: Wie viele Menschenleben kostet erneuerbare Energie?

„Vollends harmlos erscheint auf den ersten Blick die Nutzung von Biomasse. Tatsächlich ist jedoch der gefährlichste Beruf hierzulande derjenige des Forstarbeiters.“

2. NZZ: Der Golf von Mexiko wird nicht sterben!

„Die ökologischen Folgen von Ölunfällen werden systematisch überschätzt.“

3. Kowatsch: Angeblich immer heissere Sommer!

„Ich habe nun die Grafik eigenhändig um 6 Jahre erweitert und dabei versucht, die einzelnen Jahre einzutragen. Auch der Laie erkennt nun den starken Temperaturrückgang in diesem letzten Jahrzehnt.“

4. Jansen: Teures Wohnen in der Thermoskanne!

„Die Gelassenheit durch Einsicht in das Unvermeidbare, das Herunterregeln der Raumtemperatur um ein paar Grad und die Investition in wärmende Socken, Unterhosen und Pullover sind nicht nur viel billiger sondern auch gesünder als jeder … Umbau des eigenen Hauses…“

5. Kipp: Wird in Kopenhagen die Gründung einer Weltregierung beschlossen?

„Also letztendlich haben jene Kommunisten, die sich durch die Berliner Mauer direkt in die Umweltschutzbewegung gedrängt haben, die Greenpeace übernommen haben,…. jetzt die Zügel in der Hand. Sie werden der Welt eine kommunistische Weltregierung aufzwingen.“

6. Bronik: Kohle: Eine großartige natürliche Ressource!

„Diese Woche gab es noch deutlichere Rauchzeichen aus Washington, welche den Himmel der Umweltschützer und Klimaretter deutlich verdunkeln dürften.“

7. Frey: Große Windparks: Ihr Einfluss auf das Klima und ihre Verlässlichkeit!

„Der Übersetzer ist Diplom-Meteorologe, Fachrichtung Synoptik. Er hat sich in seiner Studienzeit auch näher mit Klimatologie befasst.“

8. M. Limburg: Globale Erwärmung? Rekord- Schneefall in Las Vegas

Es war der schlimmste Sturm seit 30 Jahren. Knapp 8 cm Schnee wurden vorhergesagt und der würde sich auf die Palmen und Kasinos des berühmten Las Vegas Strip legen.“

9. Lüdecke: Renaissance der Kernenergie, Teil I

Bündnis90/Die Grünen … Das Grundcredo und der Gründungsauftrag dieser Partei ist die rückwärtsgewandte Verneinung als konsequente und mit demagogischen Mitteln betriebenen Verteufelung der sichersten, wirtschaftlichsten und nachhaltigsten Energiequelle [der Kernenergie], die der Menschheit jemals zur Verfügung stand.“

10. Beck: Kippt die CO2-Kurve auf Mauna Loa?

Die CO2 Konzentration gemessen auf Mauna Loa ( Keelingkurve) zeigt mit den Daten bis März 2008 einen deutlichen Abfall.

Aktivitäten

Das zentrale Forum von EIKE ist ihre Webseite, auf der mehrmals wöchentlich diverse Artikel von Vereinsmitgliedern oder Gastautoren veröffentlicht werden. Es gibt zwei Sparten: Klima und Energie.

Kommentare zu den Artikeln werden üblicherweise von Michael Limburg (Kürzel: M.L.) betreut. Kritische Kommentare werden häufig nicht zugelassen oder nicht beantwortet. (selbst getestet).

Im Internet werden EIKE Artikel häufig über andere klimaskeptische blogs weiterverbreitet bzw. dort zitiert, u.a. vom Meissner Neonazi Heubaum auf seinem blog „Widerhall“.[16]

In letzter Zeit schafft es EIKE immer häufiger ins Fernsehen wie z.B. H. J. Lüdecke am 11.1.2010 in eine MDR Sendung und Michael Limburg am 9.12.2010 in eine Talkshow bei Phoenix.

EIKE Pressesprecher Ewert tingelt recht aktiv durch Deutschland und hält Vorträge zum „Klimaschwindel“, meist bei CDU- und FDP Ortsgruppen.

Am 26.07.2009 veröffentlichte EIKE einen offenen Brief an Angela Merkel, in dem sie aufgefordert wird, ihre klimapolitische Position zu überdenken und sich von ihrem Klimaberater Schellnhuber zu trennen. Hier einige Zitate aus dem dubiosen Text:

„…aus der Geschichte können wir lernen, dass oft der Zeitgeist die Entwicklung der Gesellschaften bestimmt hat; mancher hatte schlimme oder gar schreckliche Auswirkungen.“

„Politiker suchen zu Beginn ihrer Laufbahn ein Thema, mit dem sie sich profilieren können. Als Umweltministerin haben Sie das verständlicherweise auch getan. Sie haben den Klimawandel entdeckt, und er wurde Ihnen zur Herzensangelegenheit. Dabei ist Ihnen ein folgenschwerer Fehler unterlaufen, was angesichts dieses Metiers gerade Ihnen als Physikerin nicht hätte passieren dürfen.“

Der Brief wurde von H. Thuss und F.K Ewert verfasst und von 417 Unterstützern unterzeichnet (link). Die Liste der Unterstützer ist in 77 „Wissenschaftler“ und 338 „Besorgte engagierte Bürger“ unterteilt.  Für den Status als „Wissenschaftler“ reicht es offensichtlich aus, ein Uni-Diplom zu besitzen. In späteren statements (link) „mutierten“ auf wundersame Weise dann auch noch die „besorgten Bürger“ zu Wissenschaftlern, darunter Schüler, Beamte, KFZ-Sachverständige etc.

Wichtige Personen bei EIKE

 

Holger Thuss:

  • Historiker, Verleger, Netzwerker, Profi-Lobbyist, schreibt wenig eigne Artikel
  • übersetzte “Eco-Imperialism: Green power – black death” von  Paul Driessen ins Deutsche
  • Mitgliedschaften: EIKE (Vorsitz), CFACT Europe (Vorsitz), TvR-Verlag (Eigentümer), Paneuropaunion (Vorsitz Landesgruppe Thüringen), CDU Jena
  • Zitat: „Es ist praktisch irrelevant, ob in der Antarktis der Temperaturdurchschnitt um zwei Grad steigt oder sinkt. Es ist immer noch weit unter Null. Ja, das ist dem Pinguin egal und das ist der grönländischen Bevölkerung wahrscheinlich auch egal.“ (in ZDF „Frontal 21“, 7.12.10)

Michael Limburg:

  • Elektroingenieur i. R.
  • Administrator und Moderator der EIKE-Webseite, v.a. der Kommentare, selbst aktiver Autor
  • Mitgliedschaften: EIKE (Vize), CFACT (senior advisor), International Climate Science Coalition (klimaskeptische Lobbyorganisation )
  • Autor von „Klimahysterie-was ist dran?“, TvR Verlag Jena
  • Zitat: „Es muss ihnen viel Freude machen, Mitbürger, die bei Öl-,Strom- Kohle …Firmen in Lohn und Brot stehen…, zu verunglimpfen“. (Kommentar als Reaktion auf meinem Blogpost „Klimaleugner in Jena“)

„Lord“ Christopher Walter Monckton :

  • Kolumnist, Puzzle-Erfinder, Profi-Hochstapler, Politclown
  • Mitgliedschaften: EIKE (Fachbeirat), CFACT (Senior Advisor), Science and Public Policy Institute, International Climate Science Coalition (beides klimaskeptische Lobbyorganisationen)
  • Fälschlicherweise von EIKE unter Cambridge University geführt. Dort hat er früher studiert.
  • Deklarierte sich selbst zum Nobelpreisträger (link) und „erfand“ ein Mittel gegen AIDS, Multiple Sklerose u.a. (link).
  • Zitat: zum Absturz eines NASA-Satelliten am 2.2.10 : ‚‚Not greatly to my surprise – indeed I predicted it – the satellite crashed on take-off because the last thing they want is real world hard data“ = „Nicht zu meiner großen Überraschung-tatsächlich hab ich es vorrausgesehen- der Satellit ist abgestürzt, weil es das letzte ist was sie [die NASA] wollen, nämlich echte harte Daten“ [link]
  • weitere links: Sourcewatch , Wikipedia

Prof. Dr. Dieter Ameling:

  • Dipl.-Ing., Technische Universität Clausthal, Stahl-Lobbyist
  • arbeitete in leitenden Positionen bei Krupp, Thyssen, Saarstahl
  • Mitgliedschaften: EIKE (Fachbeirat), CFACT (Senior Advisor), bis 2008: Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Vorsitzender des Stahlinstitut VDEh , Bundesverband der Deutschen Industrie (Repräsentant NRW)
  • weitere links: Wikipedia , Handelsblatt

Friedrich Karl Ewert:

  • emeritierter Prof. für Geologie, Kernenergie-Lobbyist
  • sehr aktiv, hält Vorträge in Schulen und öffentlichen Veranstaltungen
  • Mitgliedschaften: EIKE (Fachbeirat), CFACT (Senior Advisor), Rotary Club Bad Driburg
  • bestes Zitat: „Denken Sie meinetwegen an die Kreuzfahrer, denken Sie an die Hexenverbrennungen, denken Sie an die Judenvergiftungen [sic], und so was alles, das ist auch immer von Wissenschaftlern bestätigt, sagen wir mal verteidigt worden, nicht?“ (zu einem ZDF Reporter, Sendung „Frontal 21“ vom 7.12.10, link )

Hans Labohm:

  • Ökonom, freier Autor, Profi-Lobbyist
  • selbsternannter (!) „IPCC Expert Reviewer“ ohne jegliche wissenschaftliche Qualifikation (link)
  • arbeitete früher bei der OECD und für Tech Central Station (Lobbyorganisation, u.a. finanziert von Exxon Mobil)
  • Mitgliedschaften: EIKE (Fachbeirat), CFACT (Senior Advisor), VVD (Hollands rechtsliberale Partei)

Richard S. Courtney

  • Professor für Geologie, Kohlelobbyist
  • Mit-Herausgeber von „CoalTrans International“ (wichtigstes Journal der Kohleindustrie)
  • Mitgliedschaften: EIKE (Fachbeirat), CFACT (Senior Advisor), Sprecher der British Association of Colliery Management (Gesellschaft für Grubenmanagement), Mitgründer der European Science and Environment Forum (Tochterorganisation von TASSC, amerikanische Tabaklobby)
  • links: Sourcewatch

Robert „Bob“ Carter:

  • Professor für Marine Geophysik
  • Mitgliedschaften: EIKE (Fachbeirat), Gründungsmitglied New Zealand Climate Science Coalition (klimaskeptische Lobbyorganisation)
  • Artikelschreiber für Tech Central Station (Lobbyorganisation, u.a. finanziert von Exxon Mobil)
  • Zitat: „I don’t think it is the point whether or not you are paid by the coal or petroleum industry“. („Ich denke nicht, dass es der Punkt ist, ob man von der Kohle- oder Ölindustrie bezahlt wird oder nicht”) . [Quelle:   Sourcewatch]
  • links: ExxonSectrets

Hans Joachim Lüdecke:

  • emeritierter Professor für Informatik und Physik
  • Mitgliedschaften: EIKE (Pressesprecher), CFACT (Senior Advisor)
  • Autor des Buches: „CO2 und Klimaschutz“

Klaus-Eckart Puls

  • Dipl. Meteorologe i.R.
  • Ex-Chef des Wetteramtes Leipzig
  • Mitgliedschaften: EIKE (2. Pressesprecher)

Helmut Alt:

  • emeritierter Prof. für Elektrotechnik, FH Aachen
  • arbeitete lange für RWE
  • Mitgliedschaften: EIKE (Fachbeirat), Kerntechnische Gesellschaft e.V.(Ehrenmitglied), Bürger für Technik (Pro-Atom-Verein, Mitgliedschaft unklar, schreibt jedenfalls viele Artikel), Autor bei Energiefakten (Webseite, größtenteils Pro-Klimaschutz??!!)
  • eher ein Kernkraftbefürworter und Windkraftgegner als ein „echter“ Klimaleugner

Edgar Gärtner:

  • Hydrobiologe, freier Autor,
  • Mitgliedschaften: EIKE (Fachbeirat), CFACT (Senior Advisor), bis 2007: Direktor des Centre for the New Europe (marktliberale Lobbyorganisation, erhielt Spenden von Exxon Mobil [Quelle: Sourcewatch , ExxonSecrets ]
  • Autor von „Öko-Nihilismus. Eine Kritik der Politischen Ökologie“, erschienen beim TvR-Verlag

Sonstige Artikel und Quellen zu EIKE

Quellen/Erklärungen

1 „Die Zeit“ vom 26.11.2010, link

2 z.B. Mitglieder des Fachbeirates,  i.R. bedeutet in Rente, link

3 Der Begriff stammt von George Monbiot, Kolumnist beim „Guardian“, link

4 Stefan Rahmsdorf, Ozeanologe am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, in Wikipedia. Er betreibt den blog „Klimalounge“

5 EIKE über Greenpeace, link, link, link

6 Jedoch auf der alten, link

7 gelistet bei  CFACT Europe: Limburg, Labohm ;   gelistet bei  CFACT (US, mother organisation): Thuss, Courtney;   als „senior advisers“ von CFACT bei der UNFCCC Klimakonferenz (S. 70): Monckton, Ewert, Ameling, Lüdecke, Gaertner

8 Quelle: Sourcewatch zu CFACT

9 link zur UNFCCC Teilnehmerliste: Bonn 2010, S. 57, Cancun 2010, S. 22

10 z.B. Michael Limburg: „Klimahysterie-was ist dran“, Edgar Gärtner: „Ökonihilismus-Eine Kritik der politischen Ökologie“, Argus: „Die Klimakatastrophe – was ist wirklich dran?“ ; siehe Webseite TvR-Verlag

11  laut Umfrage des Blogs „Die Klimazwiebel“, link

12  Henrik Svensmark kann man evtl. noch als anerkannten Klimatologen gelten lassen, obwohl die meisten Klimaforscher seine Thesen nicht akzeptieren.

13 in der Phoenix  Sendung am 9.12.10; IPCC= International Panel for Climate Change

14 in einem Gespräch mit mir bei der Klimakonferenz in Bonn 2010, hier mein Artikel dazu

15 link ;  als pdf Letter_to_McCain,  S. 3, unterer Abschnitt: “His contribution to the IPCC’s Fourth Assessment Report in 2007 – the correction of a table inserted by IPCC bureaucrats that had overstated tenfold the observed contribution of the Greenland and West Antarctic ice sheets to sea-level rise – earned him the status of Nobel Peace Laureate.“

16  link zu Heubaums Blog.  Er veröffentlichte auf seinem blog „Widerhall“ den EIKE-Aufruf an Merkel. Der Brief wurde ihm „zugeschickt“ (O-Ton)

 

 

 

 

 

 

 

 

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Hier ein Artikel der „Zeit“ vom 26.11: ( als pdf)

Klimagipfel in Cancún Die Gehilfen des Zweifels

Vor dem Klimagipfel in Cancún: Vor allem die Leugner des Klimawandels spürten im vergangenen Jahr Aufwind. Die Wissenschaft muss mehr denn je überzeugen.

© Reto Stöckli/Goddard Space Flight/Nasa

Satellitenbild der ErdeSatellitenbild der Erde

An einem frostigen Herbstabend erreicht der Kampf um den Klimawandel Neustadt an der Waldnaab. Die Gemeinde nahe der tschechischen Grenze schmückt ein schönes Barockschloss und eine weniger schöne Stadthalle. Dort auf der Bühne steht Horst-Joachim Lüdecke und nippt an einem Glas Sprudel. »CO2, ein Schmutzgas?«, fragt er lächelnd. »Von wegen, ich trinke das gerade.« Erste Gluckser im Saal. Angekündigt wurde Lüdecke als »unabhängige Stimme«, eingeladen hat ihn der Wirtschaftsclub Nordoberpfalz.

Seit vor einem Jahr der Klimagipfel von Kopenhagen scheiterte und gehackte E-Mails von Klimaforschern mit vermeintlichen Fälschungsbelegen durch die Medien rauschten, spüren Leugner und Skeptiker der Erderwärmung Aufwind. Vor allem im Internet sind sie allgegenwärtig – und treffen offenbar einen Nerv bei Leuten, die die Nase voll haben vom Klimagerede; oder bei jenen, die wegen der sich erwärmenden Erde ihr Leben nicht ändern mögen.

Es ist paradox: 2010 häuften sich besorgniserregende Forschungsergebnisse zum Klimawandel, die Experten werden immer sicherer in ihren Vorhersagen. Doch immer weniger Menschen hören ihnen zu. In den USA glauben laut einer Umfrage des Pew Research Center nur noch 59 Prozent der Bevölkerung, dass sich die Erde erwärmt – und bloße 34 Prozent teilen den wissenschaftlichen Konsens, dass der Mensch die Ursache ist (vor vier Jahren lagen die Werte noch bei 79 beziehungsweise 50 Prozent).

Und nur zwei Drittel der Deutschen halten die Prognosen von Klimaforschern noch für verlässlich. Das sehen nicht nur Forscher und Umweltverbände mit Sorge, selbst die Deutsche Bank veröffentlichte im September eine Broschüre mit Argumenten gegen den »zunehmenden Lärm« der Skeptiker.

In den USA gehört das Leugnen der menschengemachten Erderwärmung in manchen Kreisen zum guten Ton, die Republikaner boten bei den Senatswahlen im November bis auf eine Ausnahme nur Kandidaten auf, die den wissenschaftlichen Konsens bestritten. Von so viel Abwehr ist Deutschland weit entfernt, aber Zweifel am Klimawandel machen sich auch hier breit, sogar in den schwarz-gelben Regierungsfraktionen.

An der Verbreitung des Zweifels arbeitet auch Horst-Joachim Lüdecke. Der Gastredner im oberpfälzischen Neustadt ist emeritierter Professor für Physik und Informatik, seinen Zuhörern stellt er sich aber als »Klimaforscher« vor. Lüdeckes geistige Heimat ist das 2007 gegründete Europäische Institut für Klima und Energie (kurz: Eike) in Jena. Dahinter verbirgt sich ein Verein mit Postfachadresse und einer Internetseite. Motto: »Nicht das Klima ist bedroht, sondern unsere Freiheit«. Wissenschaftliche Angestellte hat Eike nicht, dafür aber einen Präsidenten, laut Satzung bis zu zwanzig Vizepräsidenten und zwei Pressesprecher – einer davon ist Lüdecke.

Er und andere Eike-Leute ziehen über Land, putzen Klinken bei FDP- und CDU-Ortsgruppen, bei Rotariern, dem Verband Deutscher Ingenieure, bei Thyssen-Krupp – oder eben beim Wirtschaftsclub Nordoberpfalz. Was er an diesem Abend vortrage, behauptet der Emeritus, seien wissenschaftliche Fakten darüber, warum Mensch und Klimawandel nichts miteinander zu tun hätten. So verweist Lüdecke auf den winzigen CO2-Anteil in der Atmosphäre. 0,038 Prozent könnten ja wohl keine große Wirkung haben. Er sagt, dass sich das Klima auch ohne Menschen immer gewandelt habe. Seine Sätze enden mit: »Ich kann sie beruhigen« oder »Die Ungewissheiten sind unglaublich«.

Im Publikum sitzen Unternehmer, Bürgermeister, lokale Honoratioren im Janker und ein mit Orden behängter Oberstleutnant. Kaum jemand merkt, dass Lüdecke veraltete Berichte zitiert, dass er Unsicherheiten behauptet, die es nicht mehr gibt, und Fakten unterschlägt, die ihm nicht passen. So präsentiert der Professor eine Grafik zur Eisschmelze am Nordpol, die stabile Verhältnisse suggeriert. Lüdeckes Kniff: Er zeigt die Sommer- und Winterschwankungen erst seit dem Jahr 2002. Dass im Langzeittrend das Eis drastisch abschmilzt, sagt er nicht.

Gegen Ende bricht Lüdeckes missionarischer Eifer durch, als er gegen ein angebliches Verschwörungskartell zu Felde zieht. Die Medien seien »selbstgleichgeschaltet« und »links-grün-besetzt«, die Wissenschaft bekomme Forschungsgelder, wenn sie Beweise für die »Klimakatastrophe« liefere, die Forscher wiederum berieten die Politik, und die beschere den Stromversorgern prächtige Einnahmen durch die Förderung grüner Energien. Als der Bürgermeister von Weiden mit den Worten »so ein Schmarrn« türenknallend den Saal verlässt, kommt kurz Unruhe auf. Doch die Mehrheit der Anwesenden beklatscht den Redner. Man lobt den »klaren Vortrag des Professors« – und dass man endlich mal gehört habe, was einem das Kartell der Großkopferten in Medien und Politik vorenthalte.

In Potsdam, im Einstein-Wissenschaftspark auf dem Telegrafenberg, sitzt der Klimaforscher Stefan Rahmstorf vor seinem Rechner und seufzt. »Im Internet gibt es inzwischen eine Vorherrschaft der Klimaskeptiker«, sagt er. »Dort kann ein Laie kaum noch vernünftig recherchieren.« Skeptiker gebe es zwar, seit er Klimaforschung mache, »aber im letzten Jahr sind sie in die seriösen Medien durchgebrochen.« Dass dies just zur Klimakonferenz in Kopenhagen geschah, sei kein Zufall, meint Rahmstorf. Der Professor am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) zählt zu den weltweit führenden Ozeanografen. Gemeinsam mit einigen Kollegen kontert er im Internetblog KlimaLounge Skeptikerthesen und fehlerhafte Medienberichte, manche halten ihn deshalb für übereifrig. Spaß mache ihm das nicht, sagt Rahmstorf, aber er sehe keine Alternative; egal, wohin er komme, in Behörden, der Politik, den Führungsetagen der Wirtschaft – überall kursierten Skeptikerargumente.

Tatsächlich kann das Bezweifeln der Erderwärmung für Unternehmen mit klimaschädlichen Produkten ein bequemer Ausweg aus der Rechtfertigungsfalle sein. Mitarbeiter von E.on, Bayer und BASF in den USA haben in diesem Jahr mindestens 70.000 Dollar an klimaskeptische Politiker gespendet. BASF lud kürzlich zu einer Führungskräfteschulung Björn Lomborg ein, jenen dänischen Statistiker, der die Risiken des Klimawandels für übertrieben hält, über dessen unseriösen Umgang mit Fakten aber inzwischen dicke Bücher geschrieben wurden (The Lomborg Deception, Yale University Press 2010).

Auch ein Spitzenmanager des Stromriesen RWE ließ sich kürzlich auf einem Kongress von Bergbauingenieuren über »die durchaus fundierten Zweifel« am menschengemachten Klimawandel aus. Vor allem aber die Kohlelobby schürt Zweifel an der Erderwärmung: Im Jahresbericht 2009 des Gesamtverbands Steinkohle liest man, der Klimawandel sei schon gebremst. Als Beleg zitiert der Verband aus einem US-Fachjournal: »Beobachtungen zeigen, dass der globale Temperaturanstieg sich in der letzten Dekade verlangsamt hat.« Das Zitat ist korrekt – doch im Original folgt eine wissenschaftliche Erklärung, warum diese Daten eben kein Ende des Klimawandels bedeuten.

Sieben Argumente der Skeptiker

1. Das Klima hat sich immer geändert Stimmt, aber frühere Klimaänderungen beruhten auf natürlichen Ursachen, etwa Verschiebungen der Erdachse, und sie gingen viel langsamer vonstatten als heute. Den Temperaturanstieg der letzten Jahrzehnte können Wissenschaftler nur durch menschliche Einflüsse erklären: So führte etwa die massenhafte Verbrennung fossiler Rohstoffe zur Freisetzung großer Mengen CO, die in der Atmosphäre den natürlichen Treibhauseffekt verstärken. 

2.
2. Die Sonne ist schuld am Klimawandel Falsch. Zwar schlagen sich Veränderungen der Sonnenaktivität tatsächlich im Erdklima nieder. Nach Ansicht von Forschern ist aber nur etwa ein Zehntel der heutigen Erderwärmung auf die Sonne zurückzuführen, anderslautende Behauptungen halten einer Prüfung nicht stand. Mindestens während der vergangenen fünfzig Jahre wurde dieser natürliche Faktor durch menschliche Einflüsse überlagert. 

3.
3. Seit 1998 erwärmt sich die Erde nicht mehr, der Klimawandel hat gestoppt Ein Trugschluss. Temperaturschwankungen zwischen einzelnen Jahren sind nur natürlich. Doch das Klima ist, salopp gesagt, der 30-jährige Durchschnitt des Wetters ­ und die Durchschnittswerte zeigen weiter nach oben. Das vergangene Jahrzehnt wirkt nur deshalb relativ kühl, weil 1998 das El-Niño-Phänomen die langfristige Erwärmung noch verstärkte und dies ein außergewöhnlich heißes Jahr war. Die folgenden fielen dahinter etwas zurück, aber insgesamt betrachtet war die vergangene Dekade erneut wärmer als das vorherige Jahrzehnt ­ und sie war die wärmste jemals registrierte! 

4.
4. Die berühmte »Hockeystick«-Kurve war eine Fälschung Nein. 1998 veröffentlichte der US-Forscher Michael Mann eine erste Version dieser Grafik zum Temperaturverlauf der letzten Jahrhunderte. Die zugrunde liegende statistische Methode hatte aber Defizite, der Griff des Hockeyschlägers erschien zu flach. Eine überarbeitete Fassung (siehe unten) ­ und viele andere Berechnungen ­ bestätigen jedoch Manns Grundaussage: Temperaturdaten lassen darauf schließen, dass es niemals in den vergangenen tausend Jahren so warm war wie heute. 

5.
5. Selbst eine Verdoppelung von CO in der Atmosphäre hätte nur eine Erwärmung um etwa ein Grad Celsius zur Folge Eine geschickte Untertreibung. Die direkte Wirkung von zusätzlichem Kohlendioxid in der Atmosphäre ist zwar in der Tat begrenzt. Doch sein Anstieg löst zahlreiche indirekte Wirkungen (»Feedbacks«) aus. So steigt durch CO der Gehalt von Wasserdampf in der Atmosphäre, was starke, weitere Erwärmung bedeutet. Es wird auch mehr Wolken geben. Deren Wirkungen aufs Klima sind komplex. Wolken haben sowohl kühlende als auch wärmende Effekte, und Skeptiker betonen die Kühlwirkung. Doch die starken Klimaschwankungen der Erdgeschichte deuten darauf hin, dass die Feedback-Effekte insgesamt stark sind ­ und die Klimaskeptiker falschliegen. 

6.
6. Hohe CO-Konzentrationen in der Atmosphäre traten früher nach einer Erwärmung auf; Kohlendioxid ist also Folge, nicht Ursache von Klimawandel Dieses Argument beruht auf einer Vermischung urzeitlicher und moderner Phänomene. In Zyklen von Zehntausenden von Jahren erwärmte sich die Erde infolge orbitaler Ver ände rungen, die so erwärmten Ozeane setzten mit einigen Hundert Jahren Verzögerung große Mengen CO frei ­ was den Klimawandel dann weiter beschleunigte. Die gegenwärtige Situation ist grundlegend anders: Die zusätzlichen Treibhausgase in der Atmosphäre sind nachweislich vom Menschen verursacht und nicht Resultat einer vorherigen Erwärmung. 

7.
7. Es gibt keinen wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel Falsch. Natürlich gibt es auch beim Thema Erderwärmung Akademiker mit abweichenden Meinungen. Die Klimaskeptiker jedoch kommen meist nicht aus der Klimaforschung, sondern aus fachfremden Gebieten. Im Jahr 2009 ergab eine Umfrage der University of Illinois unter mehr als 3000 Geowissenschaftlern, dass rund 90 Prozent von ihnen sicher sind, dass der Mensch das Klima aufheizt. Besonders groß war übrigens die Zustimmung unter Klimatologen (bei Geologen aus der Erdölbranche betrug sie hingegen nur 47 Prozent). Allgemein gilt: Je informierter ein Forscher, desto besorgter ist er in der Regel über den Klimawandel. 

Dass solche Argumente auf offene Ohren stoßen, hat auch mit der Glaubwürdigkeitskrise zu tun, in die die Wissenschaft vor einem Jahr geschlittert ist. Nachdem der E-Mail-Verkehr der britischen Climate Research Unit (CRU) gehackt wurde, war in vielen Blättern von Fehlern in der Klimaforschung zu lesen. Auch der Weltklimarat IPCC, der 2007 noch den Friedensnobelpreis erhielt, geriet in die Kritik, als in einem seiner Reports ein peinlicher Fehler entdeckt wurde.

Weniger ausführlich wurde über die Aufklärung dieser Vorwürfe berichtet. So hat sich nach diversen Untersuchungen die »Climategate«-Affäre in Luft aufgelöst. Verschiedene Gremien bemängelten zwar eine Wagenburgmentalität einzelner Wissenschaftler oder lasche Kontrolle und Ineffizienz in den IPCC-Gremien. Die jeweiligen Forschungsergebnisse selbst wurden jedoch nicht beanstandet.

Am Ende blieben von vielen Vorwürfen lediglich zwei: eine falsche Jahreszahl im IPCC-Bericht zum möglichen Schmelzen der Himalaya-Gletscher (2035 statt 2350) sowie eine fehlerhafte Prozentangabe zu überflutungsbedrohten Gebieten in Holland (die von der niederländischen Regierung falsch zugeliefert worden war).

Der Internationale Rat der Wissenschaftsakademien (IAC) hat inzwischen Verbesserungen an den Arbeitsroutinen des IPCC vorgeschlagen, und die britische Wetterbehörde will künftig alle Klimadaten öffentlich zugänglich machen. Keiner der Vorwürfe berührte die Kernaussagen des IPCC. Trotzdem kursieren die vermeintlichen Skandale bis heute tausendfach in Internetblogs.

In einem Punkt haben Skeptiker recht: Nicht alle Details der Erderwärmung sind geklärt. Doch ein hochkomplexes System wie das Klima wird wohl niemals zu hundert Prozent verstanden sein. Der Weltklimarat IPCC oder auch die britische Royal Society benennen in ihren Reports ausdrücklich, worüber »breite Übereinstimmung« der Forscher besteht und was »wichtige Unsicherheiten« sind: Zum Beispiel weiß die Wissenschaft noch zu wenig über den Einfluss der Wolkenbildung.

Üblicherweise wogen solche Debatten jahrelang durch die Fachjournale, ehe sie geklärt sind. »Dieses Hin- und Herrütteln findet inzwischen im grellen Licht der Öffentlichkeit statt«, sagt Hartmut Grassl, der 71-jährige Doyen der deutschen Klimaforschung. Die Skeptiker picken sich aus solchen Debatten die Unsicherheiten heraus. Mit der wissenschaftlichen Grundtugend der Skepsis, mit sachlicher Kritik und Prüfung, hat das wenig zu tun.

Der Hamburger Klimaforscher Hans von Storch hat in einer Internetumfrage in die Szene hineingehorcht. Zwei Drittel der Skeptiker erklärten da, sie hielten den Stand der Forschung für nicht ausreichend, um irgendwelche Klimaschutzmaßnahmen zu beschließen – sie lehnen also eigentlich die Klimapolitik ab. Damit, sagt Storch, seien sie die »Speerspitze eines allgemeinen Unwohlseins«. Verständlicherweise scheuten viele Menschen die tiefen Einschnitte in den gewohnten Lebensstil, die wegen des Klimawandels anstünden.

Dieses Unwohlsein wird in den USA von einer professionellen Kampagnenmaschinerie gefördert. Als Anfang der neunziger Jahre die Beweise für den Klimawandel deutlicher wurden, gründeten Auto-, Erdöl- und Kohlekonzerne Organisationen mit wohlklingenden Namen wie Global Climate Coalition oder Information Council on the Environment. Sie machten sich in Zeitungsanzeigen über Klimaforscher lustig: »Manche sagen, die Erde erwärmt sich. Manche sagten auch, die Erde sei eine Scheibe.« Über Jahre finanzierte der Ölriese Exxon mit Millionensummen konservative Thinktanks wie das Heartland Institute, die mit scheinobjektiven Publikationen Zweifel an der Erderwärmung schürten.

Die Strategie sei alt und bewährt, schreibt die kalifornische Wissenschaftshistorikerin Naomi Oreskes in ihrem neuen Buch Merchants of Doubt (Bloomsbury Press 2010). »Wenn Leute glauben, die Wissenschaft streite sich noch, dann werden sie keine Politik unterstützen, die auf dieser Wissenschaft basiert.« Nach diesem Muster hätten Firmen schon den Zusammenhang von Zigarettenrauch und Krebs bestritten, die Ursachen des Ozonlochs, die Risiken des Pestizids DDT oder eben heute den Klimawandel. »Zweifel ist unser Produkt«, beschrieb 1969 ein Tabakmanager in einem internen Memo den Kern der Strategie.

Eines der effektivsten Mittel sei, so Oreskes, irgendwelche Akademiker aufzubieten, die vom Mainstream abweichende Meinungen vertreten. Fast automatisch gelange man damit in die Medien, weil es eine der Grundregeln des angelsächsischen Journalismus sei, immer auch die Gegenseite zu präsentieren. Detailliert zeichnet Oreskes in ihrem Buch nach, wie zu verschiedenen Themen dieselben »Experten« – etwa der prominente US-Klimaskeptiker Fred Singer – als Zeugen der Industrieposition auftraten.

Dank Holger Thuss sind ein paar Tropfen dieser Welle auch nach Deutschland geschwappt. Der Präsident und Gründer von Eike arbeitete vor Jahren für die US-Lobbygruppe Cfact. Von dort, sagt CDU-Mitglied Thuss, habe er die Idee für Eike mitgebracht. Anders als Cfact bekomme Eike aber kein Geld von Konzernen. Es gebe nur private Kleinspender und weniger als hundert Mitglieder. Das Geld reiche gerade, um einmal im Jahr eine Konferenz auszurichten. 2009 kam das Buffet noch aus dem Supermarkt, dieses Jahr kann man sich erstmals einen Caterer leisten.

Die Tagung, die kommende Woche im Berliner Maritim-Hotel stattfindet, zeigt, dass Eike trotz obskurer Thesen erfolgreich an einem Netzwerk baut. Auf der Rednerliste steht mit Dieter Ameling der ehemalige Präsident des deutschen Stahlindustrie-Verbandes. Mitveranstalter der Tagung ist das marktradikale Berlin Manhattan Institut für unternehmerische Freiheit – das hat zwar auch nur ein Ein-Mann-Büro, sein Beirat voller Wirtschaftsprofessoren vermittelt aber Seriosität. Auf der Einladung wird zudem die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung genannt (die aber auf Anfrage betont, die Tagung nicht aktiv zu unterstützen).

Vor allem in der FDP gibt es eine Affinität zum Thema. Die Naumann-Stiftung war bereits mehrfach Mitveranstalter von Skeptikerkonferenzen. »Es ist ein grundliberales Prinzip, wirklich alles zu hinterfragen«, erklärt Michael Kauch, der umweltpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, und setzt gleich hinzu: »Die Klimaskeptiker haben in der FDP aber jede Abstimmung zur Klimapolitik haushoch verloren.« Wenn er über seine Parteigenossen spricht, klingt Kauch etwas amüsiert. »Libertäre – nicht Liberale! –neigen zu Klimaskeptizismus, weil sie eine kollektivistische Verschwörung vermuten.«

So meinen manche FDP-Wirtschaftspolitiker, auf Basis des bisherigen Wissensstandes dürfe man die Industrie nicht allzu sehr belasten. Als die Bundesregierung vor ein paar Wochen die Ökosteuerprivilegien der energieintensiven Industrie kürzen wollte, lud ein FDP-Abgeordneter Eike-Leute und den US-Amerikaner Fred Singer zum Fachvortrag ein. In einträchtiger Runde saßen nicht nur Lobbyisten der Gießerei- und der Aluminiumbranche dabei, sondern auch Marie-Luise Dött, die umweltpolitische Sprecherin der CDU/CSU. Statt den Klimaskeptikern zu widersprechen, lobte sie Singers Vortrag als »sehr, sehr einleuchtend«.

Spricht man mit ihr über den Abend, erzählt sie freimütig, dass sie seit 30 Jahren mit einem der Wortführer von Eike, dem pensionierten Geologie-Professor Friedrich-Karl Ewert, befreundet sei. Und je länger sie redet, desto mehr klingt sie selbst wie jemand von Eike. Klimawandel habe es immer gegeben, sagt sie, aber »aus irgendwelchen Gründen« laufe er jetzt schneller ab. Klar, »CO2 spielt eine Rolle, aber auch viele andere Dinge, Sonnenflecken zum Beispiel«. Sie finde es auch »verdächtig, wenn sich alle immer nur auf den IPCC berufen«. Ihr Fachreferent ist im Laufe des Gespräches blass geworden, jetzt schaltet er sich ein: »Der IPCC ist für unsere Politik schon der Maßstab.« Dött schüttelt den Kopf. Sie vertraut offenbar eher ihrem Freund von Eike.

Wie kann die Klimaforschung auf diese sich verbreitende Skeptikerhaltung reagieren? »Wir müssen unsere Erkenntnisse besser erklären«, sagt der Klimaforscher Hans von Storch. Die Forscher dürften nicht beleidigt sein, wenn man ihnen Vertrauen entziehe, sondern müssten aktiv an dessen Wiedergewinnung arbeiten. So schlägt von Storch vor, zu wichtigen Streitpunkten gemeinsam mit Kritikern Experimente zu definieren – deren Ausgang dann beide Seiten anerkennen müssten.

Von Storch, den viele Skeptiker wegen solcher Vorschläge für einen der ihren halten, macht sich jedoch über die Erfolgschancen seiner Idee keine Illusionen. Zweimal habe er sich Skeptikertagungen angesehen, »das Niveau war größtenteils katastrophal«. Vielen dort gehe es vor allem ums Verbreiten vorgefasster Meinungen. »Ein wirkliches Interesse an einer Diskussion war nicht zu erkennen.«

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TAZ-Artikel vom 26.11.10:

Klimawissenschaftler wehren sich

Schwur gegen Verschwörer

Seit Jahren werden Klimaforscher mit absurden Behauptungen diskreditiert – oft ist dabei Politik im Spiel. Jetzt fangen die Wissenschaftler an, sich zu wehren. VON BERNHARD PÖTTER

Hinter dieser Himmelsfassade in Peking steckt ein ganz normales Kraftwerk. Hinter Berichten über Klimawandellügen steckt oft Blödsinn. Foto: dapd

Vier Wochen vor dem Klimagipfel von Kopenhagen schlug die Nachricht im November 2009 ein wie eine Bombe: Interne E-Mails führender Klimawissenschaftler zeigten angeblich, wie diese ihre Daten manipulierten, Informationen verweigerten und missliebige Kritiker mundtot machten. Schnell entstand der Name „Climategate“, ein angeblicher Beweis, dass übel gesinnte Wissenschaftler mit schlechten Daten unnötigen Klimaschutz durchboxen wollten. Dann musste auch noch der UN-Klimarat IPCC einen peinlichen Zahlendreher in seinem 4. Klimabericht einräumen, der das Abschmelzen der Himalajagletscher bis 2035 statt korrekt bis 2350 voraussagte.

Ende 2009 war die Klimakonferenz in Kopenhagen gescheitert und der gute Ruf der Klimawissenschaften ruiniert. Ein Jahr später, vor dem wichtigen Gipfel im mexikanischen Cancún, sind die Anschuldigungen aus „Climategate“ vollständig widerlegt. Daten sind nicht manipuliert worden, die Forschungsergebnisse nicht zu beanstanden, haben voneinander unabhängige Studien des britischen Parlaments, der University of East Anglia, der Penn State University und die internationalen Dachorganisation der Wissenschaftsakademien herausgefunden. Diese Freisprüche waren den Medien höchstens Randnotizen wert. Nach dem Kalkül der Klimaskeptiker: Ein Skandal wird entdeckt und mit viel medialem Theaterdonner verkündet, der politische Schaden ist erreicht.

Doch jetzt wehren sich die Wissenschaftler. Sie wollen sich nicht mehr von einer Allianz aus Journalisten, selbst ernannten Experten und abweichenden Meinungsführern als Verschwörer und Versager beschimpfen lassen. So meldeten sich Ende Oktober 700 Klimaexperten auf den Aufruf der „American Geophysical Union“, für Experteninterviews mit Medien zur Verfügung zu stehen. An der St.-Thomas-Universität im US-Staat Minnesota wird eine Art schnelle Eingreiftruppe von Wissenschaftlern geplant, die extra in klimaskeptischen Sendungen und konservativen Shows auftreten sollen. Die Blogosphäre war bisher beherrscht von den teilweise absurden Behauptungen der Skeptiker. Hier haben unter anderem der WWF zusammen mit der UN-Foundation das „Project on Climate Science“ gestartet: Die Website listet seriöse wissenschaftliche Papiere und Kontakte auf, die Klimaschützer nehmen selbst Kontakt mit Journalisten auf.

Im Frühjahr sprachen 225 US-Wissenschaftler, unter ihnen elf Nobelpreisträger, in der Zeitschrift Science von einer „McCarthy-artigen Verfolgung unserer Kollegen, basierend auf Unterstellungen und unsinnigen Verallgemeinerungen, der Belästigung durch Politiker, die ablenken wollen, um vom Handeln abzuhalten, und der unverblümten Lügen, die über Wissenschaftler verbreitet werden“.

In Deutschland wandten sich Wissenschaftler um den Chef des „Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung“, Hans Joachim Schellnhuber, gegen „haltlose und verlogene Angriffe auf den Klimaschutz“. Explizit nannten sie den Artikel „Die Wolkenschieber“, im März dieses Jahres im Spiegel erschienen. Der Text habe „kompletten Unfug“ enthalten und „einen der staubigsten Ladenhüter im Diskreditierungsgeschäft hervorgekramt“. In Frankreich forderten im April über 400 Klimaexperten von der Wissenschaftsministerin ein Machtwort gegen „Anschuldigungen und Lügen“, mit denen ihre Arbeit in der letzten Zeit überzogen worden sei.

„Die Wissenschaftler haben gemerkt, dass das keine rein wissenschaftliche Debatte ist“, sagt Bob Ward von der London School of Economics, „sondern dass hier auch viel Politik im Spiel ist.“ Ward forderte bereits 2006 für die altehrwürdige britische Royal Society den Ölmulti Exxon auf, die Finanzierung von Klimaskeptikern einzustellen. Denn die führen seit den achtziger Jahren eine Rufmordkampagne, zu der sich mächtige wirtschaftliche und politische Interessen, journalistische Fehlleistungen und drittklassige Wissenschaft verbündet haben. Bereits 2007 wies die US-Organisation „Union of Concerned Scientists“ in einem umfangreichen Report anhand interner Dokumente und Mails nach, dass die Skeptiker in den USA einer konzertierten Strategie der weltgrößten Ölfirma ExxonMobil und konservativen Thinktanks folgten, in Verbund mit der Bush-Regierung.

Wie wenig Skrupel manche kennen, demonstriert auch der ehemalige französische Forschungsministers und Skeptiker-Guru Claude Allègre. Sein neues Buch enthält eine lange Liste von Rechenfehlern, falschen Bezügen und schlichtem Nonsens. Das Schmähwerk gehörte 2010 zu den Bestsellern in Frankreich.

Das neueste Buch der Historikerin und Expertin für die Skeptikerszene, Naomi Oreskes von der University of San Diego, bestätigt: Nach dem Vorbild der Tabakindustrie wurden unerwünschte Forschungsergebnisse und kritische Wissenschaftler systematisch bekämpft. Eine „Klimaverschwörung“, wie es vor allem Republikaner in den USA den Wissenschaftlern und dem IPCC vorhalten, gibt es tatsächlich – aber aufseiten der Skeptiker. „Man hat den Eindruck, dass es da eine Menge psychologische Projektion gibt“, sagt Naomi Oreskes, „denn vieles, was die Skeptiker den Wissenschaftler vorwerfen, praktizieren sie selbst.“

Schon der Ort der Auseinandersetzung ist ein Pluspunkt für die Skeptiker. Sie bringen ihre Thesen nicht in der wissenschaftlichen Literatur mit ihren strengen Prüfkriterien unter, sondern in den Medien. Die spielen in der Debatte oft eine unrühmliche Rolle. Es fehlt an Zeit und Sachverstand, viele Wissenschaftsredaktionen wurden ausgedünnt oder abgeschafft. Vor allem in den USA, so zeigen Studien, ist der Eindruck erweckt worden, es gebe keinen Konsens unter den Wissenschaftlern zum Klimawandel. In Wirklichkeit gab und gibt es eine fast völlige Übereinstimmung über die Erderwärmung, diskutiert wird nur noch das Ausmaß.

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Was würde herauskommen, wenn man Baron Münchhausen und Mr Bean kreuzen könnte? – Lord Monckton!

Klima-und HIV-Experte: Lord Monckton

Hier eine kleine Einleitung für Laien: Für die Klimaleugnerszene ist Lord Monckton so eine Art Galionsfigur, ein Scharfmacher und Populist, der mit ziemlich pathologischer Gehässigkeit vorzugsweise auf Klimawissenschaftler und Nature-Redakteure eindrischt. Jugendliche Klimaaktivisten in Kopenhagen bezeichnete er auch schon mal als „Hitlerjugend“ (link), „Nature“-Redakteure als „jammernde Idioten“. Bis jetzt konnte ich mir Monckton´s Popularität nur damit erklären kann, dass seine Anhänger seine Beiträge zur „Klimadebatte“ entweder nie lesen oder einfach kein ordentliches Englisch verstehen. EIKE-Autor Rudolf Kipp lobhudelt über ihn: „Kaum eine Persönlichkeit in den Reihen der Kritiker an der Wissenschaft und Politik,…., ist in der Lage seine Argumente ähnlich überzeugend, elegant und eloquent auf den Punkt zu bringen.“

Ich hatte im Mai die überaus amüsante Gelegenheit, ihn am CFACT-Stand auf der Bonner Klimakonferenz ein bisschen zu interviewen. Neben viel komödiantischem Unterhaltungswert bekam ich etliche neue „Erkenntnisse“ aus der Wunderwelt des alten Lords….

Klimakonferenz Bonn 2010: Monckton erklärt mir seine wundersame Welt

Hier nur ein paar Auszüge aus unserem „Gespräch“:

  1. Monckton bezeichnet sich selbst als Wissenschaftler. Ich fragte ihn nach seiner Profession. Er sagte, er ist Mathematiker. Ich fragte: „…by training“? Monckton: “No, by experience. I´m architect”.  (In sonstigen Quellen wird er als Journalist gehandelt..???)
  2. Monckton behauptete weiterhin, er könnte alle seine Thesen selbst beweisen. Er betreibt laut eigner Aussage quasi eigne Klimaforschung und rechnet sogar eigne Klimamodelle auf seinem Rechner! Anstatt teuerer Supercomputer reicht ihm ein PC und sein selbsterfundener Algorithmus!
  3. Dann kam noch ein ganz wilde These: Er behauptete tatsächlich, die Erde würde sich seit 1698 konstant erwärmen. Also irgendwie ganz natürlich. „Exakt seit 1698?“, frage ich. Monckton: „Ja exakt“. Er hat nämlich die Temperaturaufzeichnungen eines englischen Klosters ausgewertet (ho ho!!!). Ich (schon sehr amüsiert) frage ein bisschen naiv nach: „ Und damit lassen sich die Globaltemperaturen der letzten 312 Jahre belegen?“. Monckton: „Ja, ich kann das beweisen.“
  4. Er behauptet auch- man höre und staune-, er vertraue nur auf peer-reviewte (also echt wissenschaftliche) Literatur. Als ich um ein paar Literaturhinweise bat-nichts. Als ich fragte, ob er „Nature“ für seriös hält, bejahte er. Auf Nachfrage konnte er sich nicht erinnern, dass er noch neulich die Todesstrafe für „Nature“- Redakteure gefordert hatte.
  5. Als er schon etwas genervt war, verwies er auf seine Publikationen. Ich hakte nach und wollte wissen, wo und wann und was er denn publiziert habe. Er gab mir ein paar Hinweise und tatsächlich gibt es ein paar Zeitungsartikel von ihm- allerdings nichts davon peer-reviewt. – Neben jeder Menge Klimaleugnung schrieb er u.a. einen Artikel zur Übertragung von HIV durch Küssen….!!! (link)

Fakt ist: Der Kerl hat nicht alle Tassen im Schrank. Ein von Wahnvorstellungen getriebener Aufschneider und Hochstapler, dessen einzige wirkliche Expertise im endlosen Schwafeln und dem Verteilen von Beleidigungen besteht.

Mein aufrichtiges Mitleid mit jedem, der diesem Mega-Spinner nur ein einziges Wort glaubt oder sogar mit ihm zusammenarbeitet. Sorry EIKE!

Michael

P.S.: Wikipedia zu Lord Monckton

P.S.S.: Mein früherer Blogpost zu L.M.

P.S.S. Weitere Artikel zu EIKE

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Hier mein “Schlagabtausch” mit dem fleissigen (klimaskeptischen) Kommentator Doc Mabuse.

Es ging anfangs um EIKE, das Jenaer (klimaskeptische) “Institut”, welches im Wesentlichen aus einem Postfach in Jena besteht. Danach hat sich eine -wie ich denke- lesenswerte Diskussion entsponnen, die symptomatisch für die gängige Klimadebatte ist….. Demnächst gehts weiter….

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Hallo Doc,

Noch ein kleines Rechercheergebnis zu unserer amüsant-sinnlosen Postfachdebatte bzw. dem Besitzer diesselben. Das Postfach wird gleichzeitig vom Jenaer Verlag TvR benutzt. Dessen Eigentümer ist Holger Thuss, gleichzeitig Chef von EIKE. Der wiederum verlegt die ganzen “Klimaschwindel”-Bücher von anderen EIKE-Mitgliedern, für die er auf der EIKE-Webseite wiederum Werbung macht. Thuss ist auch sonst anscheinend ein ganz ordentlicher Vereinsmeier, denn gleichzeitig Mitglied der CDU in Jena, Europachef von CFACT, einer rechtskonservativen US-Lobbybude, weiterhin Vizechef eines dubiosen “Paneuropa-Thüringen”-Vereins. Früher war er Jena-Chef des “Rings christlich-demokratischer Studenten” (RCDS) . Man muss da freilich keine Interessenkonflikte und ideologische Verfilzungen vermuten, aber nur ein Spinner glaubt doch im Ernst, dass es EIKE um sachliche und konstruktive Meinungsbildung geht. EIKE ist eine von der Industrie geschmierte Lobbybude und nichts weiter.
…Schlimmer noch, als sie die “Gegenseite” als Nutzniesser der angeblichen Klimapanik bezeichnen bzw. sich selbst politische/ökonomische/ideologische Unabhängigkeit (Satzung: “Der Verein EIKE verfolgt seinen satzungsmäßigen Vereinszweck unabhängig von politischen Parteien, Religionsgemeinschaften, sonstigen Verbänden, Vereinen und Organisationen.”) bescheinigen.
Wer´s glaubt wird selig. Genauso wie jemand der glaubt, EIKE wäre ein wirkliches Institut (im Sinne einer real existierenden Infrastruktur).

Anyway, auch dir schöne Ostern
Michael

P.S. Wie krieg ich denn solche Smileys in den Text reingebaut?

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Doc Mabuse:

Na ja, Lobbydenken gibt es doch überall und erst recht unter den Klimahysterieschützern.

Alles muss irgendwie finanziert werden, alleine daraus kann man also wohl niemandem einen Strick drehen. Konzentriert man sich auf die Fakten braucht EIKE sich nicht zu verstecken.

Klar, es sind eindeutig Skeptiker-Seiten – und damit ein wichtiger Gegenpol zu der Vielzahl anderer Seiten, die ideologisch nämlich genauso stark beeinflusst sind, nur meist eher unauffällig nach außen hin.

Ich denke das liegt daran, dass Skeptiker wie EIKE halt ein wenig Lärm machen müssen um Gehör zu finden, denn die Gegenseite hat sich in ihrem auf Sand gebauten Elfenbeinturm lange Zeit sehr erfolgreich vor jeder Kritik verschanzt. Vermutlich ist man den Vorschlägen von Futerra’s RulesOfTheGame.pdf gefolgt, sich nicht auf Diskussion mit Skeptikern einzulassen, damit Zweifel in der Bevölkerung gar nicht erst entstehen.

Niemand schreibt wirklich neutral und unabhängig. In der Klimadebatte wohl auch gerade deshalb nicht, weil dieses Thema mehr und mehr zu einer Glaubensbewegung mutiert ist.
Jeder wird von Ideologien geleitet. Ein und dieselbe Pressemitteilung von verschiedenen Journalisten interpretiert bzw. abgeschrieben und mit eigenen Worten ausgeschmückt, verkehrt die Gesamtaussage bekanntermaßen manchmal bis ins Gegenteil. Dass auch Wissenschaftler sich nicht von Ideologien freimachen können, wissen wir ja spätestens seit Climategate.

Eine real existierende Infrastruktur wie ein eigenes Instituts-Gebäude hat EIKE nicht? Nun, wenn das so ist, dann können die “Schmiergelder” ja wohl doch nicht so hoch sein… Offenbar also überhaupt kein Vergleich zu den Milliarden Euro an Forschungsgeldern für all diejenigen, die dem IPCC-Klimakonsens zuzurechnen sind.

Gruß vom Doc

p.s. Die Smileys wurden automatisch generiert aus Semikolon und Klammer zu. Ich teste für Dich mal ein paar Variationen mit und ohne Nase: ,) ,-) 😀

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Hallo Doc Mabuse,

auch wenn du mir die Zeit „raubst“, bist du doch eine Quelle der Inspiration und häufigen Kopfschüttelns….

zu 1. Klar gibt es Lobbydenken überall dort, wo es um Geld geht. Warum „erst recht“ bei den „Klimahysterieschützern“ kapier ich leider nicht, sobald ich mal kurz nachdenke, wie denn diese Welt so im Allgemeinen tickt und wo die Kohle sitzt. Es ist mir wohl entgangen, was für kleine, arme Würstchen die Waffen,- Öl-, Atom-, Ärzte-, Bauern-, Banken-, usw…….Lobbies derweil geworden sind, während die globale Solar- und Windkraft-Mafia wohl die Weltherrschaft übernommen hat… .??? ,-)

Zu2. „Alles muß irgendwie finanziert werden“. Alles und irgendwie? Sorry, aber das ist ein echtes „DrMabuse-Gate“…
Welche Fakten bei EIKE? Ich suche schon dauernd verzweifelt danach!

Zu 4. Lärm macht nicht glaubwürdig, allenfalls populär (siehe Bildzeitung). Ich gebe dir aber recht, dass es in der Wissenschaft auch viele eitle Vögel gibt, die um Posten und Ruhm schachern. Allerdings schützt das die nicht vor Kritik, im Gegenteil. Eine schlechte wissenschaftliche Arbeit abzuliefern kann jederzeit die Karriere beenden, wenn es denn überhaupt publiziert wird. Denn die Konkurrenz sitzt im eignen Lager. Umgekehrt: Wer heutzutage gross rauskommen will, der muss nur das Gegenteil vom Klimawandel beweisen. Das wäre eine echte Sensation. Das Problem: Es gibt den Klimawandel. Das hat man schon vor 1992 festgestellt und deshalb die Klimarahmenkonvention (UNFCC) unterschrieben, zu Zeiten, als es weder das PIK Potsdam, noch ein IPPC noch „Klimahysteriker“ gab….

Zu 4. Vorsicht mit diesen Verallgemeinerungen: Ich schreibe nämlich unabhängig und neutral, habe aber freilich eine Meinung.
Das Wort „Glaubensbewegung“ trifft ja wohl eher auf die Skeptiker zu, denn sie können ihre Meinung durch nichts belegen (Wenn ja, wie und wo?). Die einzige Grundlage ihrer Argumentation sind Verweise auf wissenschaftliche Fehler oder offene Debatten, die eine unbestrittene Realität und Normalität der Forschung sind. Insbesondere Prognosen sind nie 100 % richtig. Aber das behaupten die ja nicht mal selber. Die Klimamodelle beinhalten Szenarien mit verschiedenen Wahrscheinlichkeiten und es gibt noch viele Unsicherheiten, weil die Klimarückkopplungen sehr komplex sind. Dennoch haben sich ältere Modelle bis jetzt sogar als erstaunlich robust erwiesen, auch wenn man nicht das Badewetter vom 3. Juli 2023 berechnen kann. Die physikalischen Grundlagen dieser Modelle kann man jedoch nicht bestreiten, denn man kann sie beobachten, messen bzw. im Labor nachweisen. Dazu gehört nun mal der Treibhauseffekt, die Veränderungen in der Natur, die CO2 Konzentration, die Temperaturen etc.
Was politische Entscheidungen angeht, da geht es um Risikomanagement und deswegen kann man nicht erst handeln, wenn die Kacke am dampfen ist. Man glaubt ja auch nicht erst an Lungenkrebs durch Rauchen, wenn man am Verrecken ist….
Dass die Medien von Übertreibungen und Katastrophen leben, ist leider wahr. Die werden allerdings von beiden Seiten genutzt. Derzeit ist allerdings eher Mode, den Untergang der freien Wirtschaft zu prophezeien, von denselben Leuten, die sich über „Alarmismus“ und „Klimahysterie“ beklagen. EIKE feiert sich übrigens auch selbst, wenn sie mal in einer Zeitung auftauchen, während sie dieselben Zeitungen schmähen, wenn’s mal nicht in den Kram passt .

Zu5. Aha, ich liebe deine inverse Logik. Ich dachte bisher, gerade Schmiergelder lieben Briefkastenfirmen. Und: Ein Gebäude brauchen die gar nicht, weil sie ja nichts weiter machen, als irgendwelche Unsinn auf ihrem Schlafzimmer-PC zusammenzuschreiben und auf ihre Webseite hochzuladen. Das einzig konsistente an deren Artikeln ist, dass sie inflationsartig mit Attributen wie „berühmter Forscher“ und „sensationeller Artikel“ um sich werfen. Einfach lächerlich…..
Ich glaube zwar durchaus, dass es gerade Mode ist, Geld für Klimaforschung zu beantragen bzw. dadurch seine Chancen zu erhöhen . Aber das die Klimawissenschaft reihenweise mit Forschungsgeldern geschmiert wird, ist eine der klassischen Verschwörungstheorien der Skeptikerszene. Das glaubt der Bürger gerne, weil er sich eh dauernd beschissen fühlt….
Die Realität ist: Ein Prof am PIK kriegt sein Gehalt nach irgendeinem Bundestarif, genauso wie der BWL’er oder Kunsthistoriker -und nicht vom IPCC.
Nach derselben Verschwörungslogik hätte es in den USA unter G. W. Bush nur klimakritische Forschung nebst entsprechender Ergebnisse geben dürfen….

Machs gut. michael

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Doc Mabuse:

Meinst Du wirklich, die Basis der Klimaforschung beruht zum größten Teil auf physikalisch gesicherten Erkenntnissen!?

Dann liegst Du ganz klar daneben, denn es handelt sich noch immer lediglich um Theorien, Hypothesen, Modelle, Projektionen (zum Treibhauseffekt komme ich gleich noch).

Es gibt ja noch nicht einmal den viel beschworenen “Konsens” unter Klimaforschern in der dargestellten Form. Eine repräsentative Studie von Kepplinger & Post (googlen) unter deutschen Klimaforschern zeigt deutliche Unterschiede auf.
Wofür benötigt man überhaupt einen solchen Konsens, wenn doch alles wissenschaftlich abgesichert ist? Die Antwort ist: Eben gerade weil es keine unanfechtbaren physikalisch eindeutigen Grundlagen gibt, sondern nur verschiedene immer wieder aufs neue modifizierte Theorien (ich sage hier nur: Wasserstoffrückkopplung).

Du schreibst: “Wer heutzutage gross rauskommen will, der muss nur das Gegenteil vom Klimawandel beweisen. Das Problem: Es gibt den Klimawandel”

Moment, es geht überhaupt nicht um den Klimawandel. Es geht um den noch immer nicht erbrachten wissenschaftlichen Beweis eines anthropogenen Einflusses auf das Klima durch CO2, und um die angeblich daraus resultierenden Katastrophen.

Hier mal ein paar der bekannten Katastrophen-Prognosen:

– Stürme und Hurrikane nehmen bei Erderwärmung zu?
Nein. Sie nehmen ab, und zwar aufgrund sinkender Temperaturunterschiede zwischen Äquator- und Polregionen. Ursächlich für höhere Versicherungsschäden sind: Höhere Versicherungswerte als damals, mehr Menschen die an den Küsten leben. Außerdem werden heute weit mehr Schäden erfasst und in den Medien kommuniziert als damals.

– Der Meeresspiegel steigt besorgniserregend schnell?
Nein. Er steigt bereits seit dem Ende der letzten Eiszeit, also seit bereits 6000-10000 Jahren, um durchschnittlich 1-3mm pro Jahr, dh. ein natürlicher Prozess.

– Die jetzige Erwärmung ist ungewöhnlich schnell?
Nein. Mehrere Phasen mit exakt gleicher Steigungsrate sind für die jüngere Vergangenheit nachweisbar (Phil Jones!). Sehr alte Proxydaten können leider nicht fein genug aufgelöst werden, so dass Vergleichsmöglichkeiten mit der entfernten Vergangenheit nur schwer bis gar nicht möglich sind.

– Das Jahr 1998 war das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen?
Nein. Es war das Jahr 1934.

– Tuvalu und die Malediven versinken?
Nein. Koralleninseln wie die Malediven wachsen mit, wenn der Meeresspiegel steigt. Zudem ist der Meeresspiegel bei Tuvalu seit Jahrzehnten konstant, bei den Malediven sogar gesunken(!) (der Meeresspiegel verhält sich regional unterschiedlich)

– Inseln versanken bereits im Gangesdelta wegen dem Klimawandel?
Nein. Verschiedene geomorphologische Prozesse in dieser Extremregion sind dafür verantwortlich. Inseln wie z.B. “Lohachara” (die als erste Insel galt die aufgrund des Klimawandels versunken ist), stieg bereits 2 Jahre später wieder empor! Insgesamt entsteht im Gangesdelta sogar mehr neues Land.

– Artensterben durch höhere Temperaturen?
Nein. Das Gegenteil ist wahrscheinlicher, da die Artenvielfalt bei Erwärmung zunimmt.

– Der Eisbär stirbt durch Erderwärmung aus?
Nein. Es gibt ca. heute 5x mehr Eisbären als damals, zudem hat der Eisbär bereits mehrere Warmzeiten überlebt.

– Die Arktis schmilzt “vor unseren Augen”?
Die Arktis nimmt seit 2008 wieder an Größe zu. Sie ist zur Zeit (Angang April) sogar wieder genau so gross wie vor 30 Jahren wie die Satelliten-Vergleichsbilder bei University of Illinois zeigen. Sogar die Konzentration hat deutlich zugenommen. Die Antarktis wird sogar seit Beginn der Messungen 1979 stetig größer.

D.h.: Schon allein diese og. Katastrophen (vom Himalaya-2035-Irrtum und den ganzen IPCC-Fehlern mal ganz zu schweigen) haben sich inzwischen als unhaltbar und sogar gegenteilig erwiesen. Endlich berichten auch Medien wie (Welt, Spiegel, Sueddeutsche und andere). Die Skeptiker waren allerdings schneller…

Zum Punkt: “Alles muss irgendwie finanziert werden”
Ja klar, “Irgendwie” bedeutet natürlich nicht, dass Terror, Betrug, etc. dazugehören. Aber DAS müsste ja wohl selbstredend ganz klar sein!

Zum Punkt: “Welche Fakten bei EIKE?”:
Du Schelm, soll ich jetzt alle möglichen Seiten dort aufzählen? Ich glaube kaum, dass das irgendwas bringt, da du in Bezug auf EIKE einfach viel zu skeptisch bist (hey dann bist Du ja doch ein Skeptiker, irgendwie…)

Zum Punkt, die Skeptiker könnten ihre Meinung durch nichts belegen:

Unsinn. Es gibt mittlerweile allein über 500 peer-reviewed skeptische Studien konträr zur aktuellen Ansicht (kann ich hier Links posten? Ich lasse vorsichtshalber http, dot, slash mal weg: tinyurl com y9jrjaf).
In der Beweispflicht befinden sich allerdings üblicherweise immer diejenigen, die irgendwelche neuen theoretischen Klima-Vorhersagen…Verzeihung: “Projektionen” auf der Basis unbewiesener Grundlagen präsentieren.

Ja, und die wichtigste Grundlage der Klimahysteriker ist der CO2-verstärkte Treibhauseffekt, und gerade der kann im Labor eben nicht(!) nachgewiesen werden. Lediglich eine generelle IR-Aktivität von CO2 lässt sich exerimentell bestätigen. Dies allein hat mit dem Treibhauseffekt insgesamt aber nicht zwangsläufig etwas zu tun, was bei seriösen (Schul-,Uni-)-Experimenten aber normalerweise auch kommuniziert wird.

Für einen wissenschaftlich gültigen Beweis eines CO2 verstärkten Treibhauseffektes würde man mindestens benötigen: eine mehrere km lange Luftsäule mit nach unten hin ansteigenden Druckverhältnissen und Temperaturen, Konvektion Luftverwirbelung usw.
Ohne all das ist ein Beweis eines CO2-getriebenen Treibhauseffektes nicht möglich. Ich zitiere die Deutsche Meteorologische Gesellschaft: “Es ist unstrittig, daß der anthropogene Treibhauseffekt noch nicht unzweifelhaft nachgewiesen werden konnte.”

Zum Punkt: “Ein Prof am PIK kriegt sein Gehalt nach irgendeinem Bundestarif, genauso wie der BWL’er oder Kunsthistoriker – und nicht vom IPCC”:

Natürlich kommen die Forschungsgelder nicht vom Klimarat selbst (obwohl Pachauri eigentlich ja ein paar Kröten locker machen könnte LOL). Mit “dem IPCC-Klimakonsens zuzurechnen” versuchte ich auszudrücken, dass Forscher als Nutznießer der IPCC-Hysterie-Bewegung mit auf das Trittbrett der staatlichen Finanzierung aufspringen. Das gab es auch schon beim Waldsterben, die Analogien zum Klima-Alarmismus sind überwältigend.

Ich denke, Du bist anscheinend sehr engagiert was ich wirklich positiv finde, doch leider nicht richtig informiert. Schade, denn mit Deinem Enthusiasmus wärst Du bei “den Skeptikern” sicherlich sehr willkommen…

Gruß vom doc

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Hi Dr Mabuse,

da hast du aber schön aus irgendeiner Skeptiker-Bibel rezitiert….Alles bekannter kalter Kaffee und größtenteils falsch, irrelevant, aus dem Zusammenhang gerissen bzw. veraltet. Ich kann aus Zeitgründen nicht auf jedes deiner Argumente eingehen, aber schon an ein paar von deinen Beispielen wirst du merken, wie sehr es sich lohnt, skeptischer gegenüber Klimaskeptikern zu sein!

So finde ich es schon mal eine schöne Vorlage, dass du eine altehrwürdige und seriöse Institution wie die Deutsche Meteorologische Gesellschaft (DGM) zitierst. Aber bitte doch nicht ein Statement von 1999!, sondern das aktuellste von 2007. DGM:„Es ist wissenschaftlich gesichert, dass der Mensch in zunehmendem Maß das Klima beeinflusst. Hauptursache ist die Freisetzung langlebiger, klimawirksamer Spurengase…“ ( link)
Damit hake ich mal das Kapitel anthropogener Klimawandel ab.
Jetzt kannst du freilich wieder die große Verschwörungskeule schwingen, aber das widerspricht ja deiner eignen Aussage, dass es gar keinen „viel beschworenen Konsens unter Klimaforschern“ gibt. Eine Verschwörung würde ja nun mal eben jenen Konsens erfordern, nicht wahr? Tatsache ist, es gibt einen wissenschaftlichen Diskurs, wo manche Dinge umstritten sind, andere gelten als eher sicher, manche als bewiesen. Und ständig gibt es neue Erkenntnisse, wie in jeder anderen Wissenschaft auch.
Die Verleumdungsstrategie der Skeptikerlobby hat es leider geschafft, differenziertes Denken abzuschaffen und das (oft berechtigte) Misstrauen der Bevölkerung in jedwede Institution explizit auf die Klimaforschung zu kanalisieren. Und auch klar: Es gibt Fälle von Machtmissbrauch, Betrug, Fälschung. Aber deswegen sind doch nicht tausende unabhängige Publikationen alle falsch!

· Was ist „Wasserstoffrückkopplung“? ???

· „Stürme nehmen ab“:? „Aufgrund sinkender Temperaturunterschiede zwischen Äquator und Pol“? Wo steht so was?

· „Koralleninseln wachsen mit“: Willst du mich veräppeln? Die Riffe draussen um die Inseln rum wachsen freilich und sind eh schon unter Wasser. Aber die Inseln stehen auf toten Kalkgerippen, oben drauf noch eine Schicht Humus, Kokospalmen und Beton. Wie zum Teufel soll das wachsen? Korallen sind Lebewesen!

· Malediven. Meeresspiegel sinkt: ??? Oder hebt sich die Insel? Egal, gibt eine schöne Webseite der University of Colorado, wo die Pegelstände abrufbar sind. Malediven: 75° LONG, 0° LAT. Auch nicht schlecht, die NASA Seite. (link, link)

· „Gangesdelta …neues Land entsteht“: Freilich, wie in den meisten Deltas. Wegen Sedimentation. Was hat das mit Klimawandel und dessen Folgen in der Zukunft zu tun?

· „Kein Aussterben von Arten“: Erstens, Artenbildung verläuft viel langsamer als der derzeitige Klimawandel. Zweitens ist unsere Umwelt ohnehin schon so geschädigt, dass man mit den Verweis auf prähistorische Zeiten und natürliche Bedingungen nicht weiter kommt. Das Artensterben läuft schon derzeit rasend schnell. Klimawandel ist nur noch ein zusätzlicher Faktor.

· „Eisbären, 5x so viele“….: Im Vergleich zu wann? Wo hast du diese Information her? Abgesehen davon-keine natürliche Population von Säugetieren kann sich verfünffachen, es sei denn, sie wurde vorher extrem dezimiert. Und: Der Verweis auf eine vergangene Positiventwicklung besagt gar nichts über befürchtete Bedrohungen in der Zukunft.

· „Die Arktis nimmt seit 2008 wieder zu“: Wieder so eine „Ente“. Du solltest lieber keine Forschungsinstitute als Quelle angegeben. Wenn ich bei der Uni Illinois nachschaue, steht da folgendes: „Sea ice extent averaged over the Northern Hemisphere has decreased correspondingly over the past 50 years.” Es gibt auch ein paar schöne Grafiken. Hier das link.

Ich hoffe, das reicht erst mal…hab einfach nicht genug Zeit. Ich würde gerne unseren Dialog als blogpost verarbeiten. OK?
Und: Bleib mal schön bei deiner Klimabelletristik von EIKE & Co.
Du kannst sie ja ruhig als Fakten ansehen. Und ich kann weitere Geheimnisse aus der Wunderwelt der „Klimarealisten“ erfahren, ohne sie selbst recherchieren zu müssen.

Tschüss Michael

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HI Michael,

ich antworte schonmal kurz auf ein paar Punkte, zum Rest komme ich später. Keine Angst, ich werde Dir nicht Deine Zeit stehlen… antworte einfach wenn Du Zeit & Lust hast!

1. WasserDAMPF-Rückkopplung wollte ich sagen: Durch höhere Temperaturen kann Luft mehr Wasserdampf aufnehmen, was zu einem Rückkopplungs-Effekt führt. Wie hoch jedoch der Effekt genau ist, da wird halt mal wieder spekuliert ohne Ende. Aus 1°C möglicher Erwärmung werden so mal eben ganz schnell 4°C zusätzliche Erwärmung gemacht… oder mehr. Und daher eine extreme Ungenauigkeit in den Klimamodellen.

2. Zur Abnahme von Stürmen (Aquätor-Polregionen) habe ich hier etwas aus dem aktuellen Spiegel vom 1.4.2010 (“Die Wolkenschieber”), es gibt aber auch weitere Quellen:

“Physikalisch ist es leicht zu erklären, dass den meisten Weltgegenden gar keine stürmischeren Zeiten bevorstehen. Denn nach den Modellen erwärmen sich die hohen Breiten stärker als die Regionen rund um den Äquator (was auch erklärt, warum der Klimawandel in der Arktis schon so deutlich sichtbar ist). Unterm Strich nehmen die Temperaturunterschiede auf der Planetenoberfläche damit ab – wodurch die Winde sogar schwächer wehen.”

(…)publizierte Landsea gemeinsam mit den Top-Hurrikan-Forschern der USA eine Untersuchung, die endgültig die Luft rauslässt. Ihr Fazit: “Tropische Stürme werden in der Zukunft eher in ihrer Häufigkeit abnehmen oder aber auf einem praktisch gleichen Niveau bleiben.” Die Windspitzen könnten zwar etwas zunehmen; doch das seien “keine wirklich substanziellen Veränderungen”

( Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,686437-5,00.html )

3. Zu den Malediven:
Aus einem Artikel von Wissenschaft.de mit dem Titel “Warum die Malediven nicht verschwinden werden”:

“Korallen-Inseln wachsen mit, wenn der Meeresspiegel steigt. Inselgruppen wie die Malediven im Indischen Ozean brauchen den Meeresspiegelanstieg womöglich nicht zu fürchten: Die Korallen-Atolle wachsen einfach mit, wenn das Wasser steigt, berichten Paul Kench von der University of Auckland in Neuseeland und seine Kollegen in der Fachzeitschrift Geology.

Die Malediven, so fanden Kench und seine Kollegen durch Bohrungen und Altersdatierungen heraus, wuchsen vor 5.000 Jahren auf einem untergetauchten Korallenriff bis über die Wasseroberfläche. Seitdem ist der Meeresspiegel bereits um 2,50 Meter gestiegen, ohne dass die Inseln wieder verschwunden wären.

Gerade solche Ereignisse, die die kleinen Tropeninseln zu gefährden scheinen, tragen wesentlich zu ihrer Rettung bei: Tsunamis und Stürme nagen nicht am Fundament der Inseln, sondern schwemmen Sand und Geröll aus dem Riff aufs Land. Aus diesem Grund ragen Korallenriffe nie höher als etwa 1,50 Meter aus dem Meer heraus – so hoch, wie die höchsten Sturmwellen reichen.”

( Quelle: http://www.wissenschaft.de/sixcms/detail.php?id=249034 )

Und hier aus einem anderen Artikel:
“Die Malediven werden nicht untergehen: Der Meeresspiegel steigt weltweit seit längerem, ausser in einigen wenigen Gebieten – darunter die Malediven. Daten deuten darauf hin, dass der Meersspiegel um die Malediven in den vergangenen 50 Jahren sogar um bis zu 30 Zentimeter gesunken ist. “Das war definitiv unerwartet”, sagt Jonathan Overpeck, Direktor des Instituts für die Erforschung des Planeten Erde an der Universität Arizona. Verantwortlich seien vermutlich lokale Faktoren wie Strömungen und Meerestemperatur.”

Allerdings mit einem Manko:
“Kench warnt allerdings, dass sich einige Inseln nicht an den steigenden Meeresspiegel anpassen könnten – ausgerechnet die, auf denen die meisten Menschen leben: Male mit der Hauptstadt und Hulule. Ihre Bewohner müssten wahrscheinlich umsiedeln.”

( Quelle: http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/23692660 )

4. Dass es sich um eine “große Verschwörung” handelt, bei der quasi “alle Klimaforscher” ganz bewusst mitmachen, denke ich übrigens nicht! Denn DAS wäre einfach viel zu unwahrscheinlich, ja VÖLLIG unmöglich. Nein, das ganze System hat sich, absolut vergleichbar mit der Situation beim Waldsterben, mehr oder weniger selbst aufeinander eingespielt, bzw. selbstorganisiert. Forschungsgelder können mächtiger sein als manche Lobby! Einige Forscher wie bei der CRU als harter Kern, die als Fachkollegen stets zusammenhalten und bedingt durch den politischen Auftrag kein Interesse an sinkenden Temperaturen haben, quasi eine Art “ungeschriebenes Gesetz”.
Keith Briffa schrieb in einer der gehackten eMails: “I know there is pressure to present a nice tidy story as regards ‘apparent unprecedented warming in a thousand years or more in the proxy data’ but in reality the situation is not quite so simple.”.

5. Zum Artensterben:
Ja, WENN der Klimawandel sich tatsächlich so dramatisch schnell vollziehen WÜRDE (das es hier allerdings große Probleme aufgrund von zusätzlichen Umweltschäden geben könnte, dem stimme ich zu). In den letzten 15 Jahren stieg die Temperatur nur unsignifikant (Phil Jones, http://news.bbc.co.uk/2/hi/science/nature/8511670.stm). Nach einem außergewöhnlich schnellen Klimawandel sieht das für mich ehrlich gesagt nicht aus. Zudem gab es wie bereits erwähnt auch schon Phasen mit gleicher Steigerungsrate. Die Zukunfts-Projektionen halte ich für viel zu variabel, unglaubwürdig und deshalb wenig hilfreich.

Artikel dazu: http://www.welt.de/debatte/article6692778/Der-Klimawandel-ist-Tieren-und-Pflanzen-schnuppe.html

6. Zum Treibhauseffekt:
Du hast aus der “Stellungnahme der DMG zur Klimaproblematik” von 2007 zitiert. Darin geht es überhaupt nicht um den Treibhauseffekt. Dieses Schreiben ist zudem “aufbauend auf Aussagen des IPCC” entstanden, so wie offenbar sämtliche weiteren Schriftstücke der DMG nach 1999. Es enthält alarmistische Aussagen wie “Anstieg des Meeresspiegels um 7m durch komplettes Abschmelzen des Grönlandeises” (dies würde mindestens mehrere Jahrhunderte bis ein Jahrtausend dauern) sowie “da nur unzureichend bekannt ist, wo die kritischen Schwellen liegen, müssen wir den weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Ende des Jahrhunderts drastisch reduzieren” (nichts genaues weiss man nicht, aber handeln müssen wir trotzdem und dazu noch drastisch), d.h.: Die IPCC-typischen Übertreibungen & politische Aussagen von einem nicht-politischen Verein wie der DMG! Dazu brauche ich also noch nichtmal die “große Verschwörungskeule” rausholen, denn es ist schlicht eine politische Stellungnahme.

Das Wort “Treibhauseffekt” wird darin nicht 1x erwähnt. Zum Treibhauseffekt selbst existiert bei der DMG noch immer lediglich die von mir zitierte Stellungnahme aus dem Jahr 1999. Warum das? Die Antwort ist: Weil der Treibhauseffekt im Ganzen wissenschaftlich noch immer nicht bewiesen werden konnte! Inwieweit IR-aktive Gase tatsächlich einen bedeutenden Einfluss auf die bodennahen Temperaturen in einem komplexen, nichtlinearen System haben, ist nämlich nach wie vor völlig unklar! Inwieweit der anthropogene Anteil tatsächlich zur Temperaturerhöhung beträgt, und ob daraus Katastrophenszenarien abgeleitet werden können, ist nicht geklärt.

Du machst es Dir ja sehr leicht den Punkt “anthropogener Klimawandel durch CO2″ einfach mal eben als Tatsache abzuhaken. Wie wohl die meisten Forscher, die sich sich mit dieser entscheidenden Grundsatzfrage (verständlicherweise) nicht auch noch zusätzlich belasten wollen. “The science is settled” sagen diejenigen, die der Frage aus dem Weg gehen möchten. Ironisches Zitat hierzu: “Doch doch, gesicherte Erkenntnisse gibt’s haufenweise in der Klimaforschung! Die meisten sind sogar ein paar Jahre gültig…”

7. Zum Gangesdelta:
Was das Beispiel mit dem Klimawandel zu tun hat, habe ich anhand von “Lohachara” bereits beschrieben: Nichts, das ist ja gerade der Witz! Es ist wie Du auch sagst: Inseln entstehen dort z.T. durch Sedimentation. Dieselben Inseln verschwinden z.T. durch Erosionseffekte. Erzähl das aber bitte mal der Presse, denn alle Jahre wieder versinken solche Inseln im Gangesdelta angeblich “wegen des Klimawandels”. Es ist ein Running-Gag! Es wurde sogar schon eine sog. “Lohachara-Skulptur” an Oskar-Preisträger verliehen, als Symbol gegen den Klimawandel. Nur zwei Jahre später stieg Lohachara auf einmal wieder empor und befindet sich nun wieder bis zu 90cm über dem Meeresspiegel!

Erst kürzlich “versank” dort eine weitere Insel namens “New Moore Island” (auch “South Talpatti” genannt), und abermals wurde berichtet, schuld daran habe wohl der Anstieg des Meeresspiegels durch den Klimawandel. “South Talpatti” entstand übrigens erst 1970, nach einem Zyklon!

8. Zur Arktis:
Mein Hinweis zur Arktis war korrekt. Ich habe die Satellitenbilder von Anfang April 2010 mit Anfang April 1980 verglichen. Da gibt es kaum einen Unterschied, aber…sieh doch selbst: http://igloo.atmos.uiuc.edu/cgi-bin/test/print.sh?fm=04&fd=07&fy=1980&sm=04&sd=07&sy=2010

Natürlich zeigt dieser Vergleich nur einen aktuellen Schnappschuß. Jedoch zweifellos ein positiver Trend, der zudem offenbar von den Modellen nicht vorhergesagt wurde (wie auch manches andere nicht). Ich vermute allerdings, dass die Arktis im Sommer 2010 wieder kleiner sein wird als im Sommer 1980. Doch wirklich wissen kann das niemand. Den Start von Cryosat-2 habe ich live verfolgt. Drei bis max. fünf Jahre soll die “fliegende Hundehütte” ja nun die Pole vermessen. Länger wäre besser, aber dann müsste wohl jemand rauf zum Nachtanken für die Manövrierdüsen….

9. Eisbären:
Die Population stieg von ca. 5.000 Exemplaren in den 50er Jahren auf mittlerweile ca. 25.000. (viele Quellen, u.a. Wikipedia: Eisbär). In den 1950er-60er Jahren waren sie allerdings durch Jagd stark dezimiert, wie Du richtig angedeutet hast.
Sie werden auch heute noch geschossen und dennoch sind es z.Zt. etwa 25.000 Exemplare. Sie sterben durch Patronenkugeln, nicht durch den Klimawandel. Zu Deiner Bemerkung, dass sie durch Eisschmelze in der Zukunft evtl. bedroht seien: Das ist ja genau der Punkt. Sämtliche Prognosen sind immer nur in die Zukunft gerichtet und gehen dabei von den üblichen zweifelhaften Klimamodellen aus. Außer den Jägern gibt es real und aktuell meines Wissens keine Probleme für die Eisbären.

Ich hoffe, Du merkst inzwischen, dass ich sehr wohl des Diffenzierens fähig bin. Eine “Skeptikerbibel” o.ä. wie Du schreibst benutze ich nicht. Auch lese ich nicht nur die einschlägigen Skeptikerseiten. Ja, ich bin sogar skeptisch gegenüber manchen Skeptikern, so wie sich das für einen waschechten Skeptiker einfach gehört!
Noch sehr viel skeptischer bin ich allerdings gegenüber denjenigen, die behaupten “es gibt keine Zweifel-CO2 ist schuld!”,”die Wissenschaft ist sich einig” oder “die Modelle sind zuverlässig”. Für ein chaotisches, komplexes und nichtlineares System sind solche Aussagen falsch und unseriös. Durch sie entstand ja überhaupt erst die breite Skepsis gegenüber der Klimaforschung – das Problem ist also hausgemacht!

Die Klimaforschung hat ja eine Daseinsberechtigung, aber längst nicht in ihrem heutigen völlig überzogenen Ausmaß. Dass sich das Klima ständig wandelt, und zwar auch ganz ohne anthropogenen CO2-Anteil (siehe Mittelalterliche Wärmeperiode), ist klar. Dass wir unsere Umwelt nicht weiter überstrapazieren, überfischen, den Regenwald nicht weiter abholzen dürfen, etc. ist auch klar. Das aber WIR uns an das Klima anpassen müssen und nicht umgekehrt, DAS halte ich für den entscheidenden Punkt. Maßnahmen wie z.B. Deichbau sind natürlich immer sinnvoll, denn der Meeresspiegel steigt bekanntlich seit dem Ende der letzten Eiszeit. Jedoch der Kampf gegen CO2 und die Warnungen vor angeblichen schweren Klimakatastrophen, DAS ist alles bloss (politischer) Unsinn, sowie reine Panikmache, aus verschiedenen Gründen.

Gruß vom Doc

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Hallo Doc,

danke für die Recherchearbeit. Langsam wird es spannend.

zu 1. Du hast völlig recht, die Wasserdampfrückkopplung + Wolkenbildung ist die größte Unsicherheit aller Modelle. Jedoch ist genau das eine wissenschaftliche Erkenntnis, die jeder akzeptiert und ein Beleg dafür, dass die Klimawissenschaft eben ihre Schwächen und Grenzen kennt und diese nicht aus ideologischen Gründen „versteckt“. Auch genau deswegen liegen die Szenarien zwischen 1.5 und 4 °C. Deswegen ist es auch populistisch zu sagen, „Aus 1°C möglicher Erwärmung werden so mal eben ganz schnell 4°C zusätzliche Erwärmung gemacht“.
Es gibt einfach ein Risiko, mit dem man umgehen muß. Und da das Klimasystem träge reagiert, können wir nicht erst warten, bis wir genau Bescheid wissen. Im übrigen: Die Modelle sind sogar eher konservativ, also möglicherweise untertrieben statt übertrieben. Denn aufgrund der großen Unsicherheiten hat man ein paar „schnelle“ Rückkopplungen (tipping points) wie Methanausgasung von Permafrostböden, Austrocknung des Amazonas etc. gar nicht mitberechnet. Jedoch könnten gerade diese den Klimawandel drastisch beschleunigen. Wäre die Wissenschaft „alarmistisch“, dann würden die das alles in die Modelle reinpacken.

zu 2. Stürme:
Darüber gibt es eine wissenschaftliche Kontroverse. C. Landsea wurde von Kerry (Nature 436, 2005) und Webster (Science 309, 2005) widersprochen. Ich glaube also erst mal gar nichts und warte ab.
Der “Spiegel” ist einfach auf die derzeitige klimaskeptische Modewelle aufgesprungen.
Deshalb: Grundsätzlich erst mal Vorsicht, wenn du aus irgendwelchen Zeitungen der Tagespresse zitierst, zumal nur selektiv. Der Spiegel hat auch haufenweise Artikel pro Klimawandel. Wie du ja selbst gesagt hast, „Ein und dieselbe Pressemitteilung von verschiedenen Journalisten interpretiert bzw. abgeschrieben und mit eigenen Worten ausgeschmückt“.

zu 3. Inseln: Na das ist eine schöne Nachricht, dass die kleinen Atolle nicht absaufen. Jetzt ist mir auch klar, wie das funktionieren soll. Tatsache bleibt aber, dass der Meeresspiegel steigt und wohl kaum alle Küstenlinien so schön mitwachsen werden, genauso wenig wie die ganze menschliche Infrastruktur an den Küste. Dieses kleine „Manko“ ist halt das eigentliche Problem.
Hierzu auch noch etwas grundsätzliches zu unserer Debatte. Wir sollten irgendwelche Beispiele punktueller, lokaler oder kurzfristiger Natur aus dem „Verkehr“ ziehen. Die werden zu oft für „Alarmismus“ auf der einen Seite bzw. „Klimaleugnung“ (doofes Wort) missbraucht. Das geht an der Thematik komplett vorbei und kommt zudem oft aus der „Krautpresse“. You agree?

zu 4. Artensterben: Dazu meine ganz persönliche Meinung als Biologe. Ich denke auch, das derzeitige Artensterben geht auf Kosten der “klassischen” Umweltzerstörung. Ob und welche Klimaeffekte es gibt oder geben wird, ist schwer abschätzbar. Mein Verstand sagt mir, dass Ökosysteme, die sehr komplex und sensibel sind, wohl durchaus sehr gefährtet sind. Z.B. Korallenriffe und Regenwälder. Der Ausfall nur weniger Arten kann dort in einer Art Kettenreaktionen viele andere mit sich reissen. Um den deutschen Wald mach ich mir keine Sorgen.
P.S. Habe das link zu Phil Jones nicht aufgekriegt. Bin allerdings auch etwas „entsetzt“, dass du ausgerechnet denjenigen zitierst, der doch angeblich nur gefälscht hat….Sorry, aber das ist die typische Logik der Klimaskeptiker. Man beruft sich wahlweise auf Forschungsergebnisse, wenn sie passen und verdammt sie als Ideologie, wenn sie nicht passen.
P.S.S. Artikel aus der „Welt“ ignoriere ich grundsätzlich wg. Springer-Verlag ….

zu 6. Treibhauseffekt. Das ist der eigentliche Knackpunkt. Weder du noch ich können wirklich beweisen, was nun stimmt. Wir sind also dazu verdammt, etwas zu „glauben“. Insofern sind wir alle irgendwie „Gläubige“ der einen oder anderen Seite der Klimadebatte.
Ich halte die Treibhaustheorie deswegen für plausibel, weil sie a) von einer Mehrheit der Wissenschaft anerkannt wird b) weil die Meinung von Forschungsinstituten vertreten wird, die auch schon vor der Klimadebatte als seriös und professionell galten c) weil diese Meinung in qualitativ hochwertigen und anerkannten Journalen (wie Nature und Science) publiziert wird d) weil es keinen seriösen, gegenteiligen Beweis gibt e) weil ich es für unwahrscheinlich halte, dass die derzeitigen Klimaveränderungen „rein zufällig“ und natürlich ablaufen, zumal so schnell und vor dem Hintergrund des messbaren CO2-Anstiegs f) weil viele Klimaskeptiker-„Wissenschaftler“ offen oder verdeckt von der „Fossilindustrie“ gesponsert werden und damit einen viel stärkeren Interessenskonflikt unterliegen als die „normale“ Wissenschaft, die allenfalls untereinander um Forschungsgelder rangeln und deren Geldgeber ja oftmals auf einer politisch völlig anderen Seite stehen (z.B. Bush-Regierung vs. NASA). Zumal es durch deren Konkurrenz + anonyme peer-review einen quasi „natürlichen“ Kontrollmechanismus gibt, dem sich die Skeptikerseite selten aussetzen muss g) weil die meisten Klimaskeptiker überhaupt keine Expertise als Klimatologen o.ä.haben, sondern aus der Wirtschaft kommen und ökonomischen Paradigmen folgen h) weil es mir einfach auch logisch erscheint, dass es nicht ohne Effekte bleibt, wenn die Menschheit in 100 Jahren in die Luft pustet, was über Jahrmillionen in die Erde versenkt wurde.

Und selbst wenn die ganze Treibhaustheorie falsch sein sollte- die geforderten Klimaschutzmaßnahmen sind auch im Sinne von klassischen Umweltschutz sinnvoll (z.B. Konsum reduzieren, Wälder schützen, Energie sparen, Öl-/Kohleförderung aufgeben etc.). Das „Risiko“, Klimaschutz zu betreiben, obwohl es doch keinen anthropogen Klimawandel gibt, ist doch viel geringer als das Risiko, es zu unterlassen und dann doch die Kacke am Dampfen zu haben.
Zusätzlich macht es auch ökonomisch/strategisch Sinn, Technologien zu verwenden, die nicht auf begrenzten Ressourcen basieren, aus korrupten und instabilen Ländern kommen und endlos Milliarden für Importe zu verschwenden, statt mit lokaler und unbegrenzt verfügbarer Energie lokale Jobs zu schaffen, energetisch autark zu sein und zeitgemäße Technologien zu verwenden.

zu 7. Gangesdelta + “Lohachara“: Irrelevant im Sinne der Klimadebatte. Wahrscheinlich die Sorte Informationen, die “Alarmismus” schürt. Halt aus der Presse. Einig sind wir uns ja beide, dass der Meeresspiegel steigt. Je nachdem wie hoch und wie schnell, wird das Konsequenzen haben oder halt nicht. Ist ja ganz simple Logik. Eine einzelne Insel ist –wie schön in deinem Beispiel gezeigt- kein Beleg für gar nichts.

zu 8. Arktis. Leider nicht korrekt. Du hast deinen entscheidenden Fehler selbst gesagt: „Aktueller Schnappschuss“. Und demnach mitnichten ein „zweifellos positiver Trend“. Hier noch mal das link , sowie die Erklärung: „The largest change has been observed in the summer months with decreases exceeding 30%. Decreases observed in winter are more modest. Der Rückgang des Sommereises ist das Problem, nicht der Winter. Und nicht nur die Fläche,sondern auch die Eisdicke (also das Volumen).

zu 9. Eisbären. Klar werden vermutlich die meisten schlicht abgeknallt. Das schliesst jedoch nicht aus, dass sie durch Eisrückgang ihr Habitat verlieren bzw. hungern, weil das Eis zu dünn zum Jagen ist. Dadurch werden sie vermutlich nicht Austerben, aber es ist halt ein trauriges Symbol dessen, was uns noch so bevorsteht.

Sehr schön, dass du auch dafür bist, die Umwelt nicht überzustrapazieren. Im grundsätzlichen Ziel sind wir uns also einig!

Das wir uns an das Klima anpassen müssen ist wohl wahr. Die Frage ist, ob wir es überhaupt können, wenn es so schnell geht, wie prognostiziert. Es ist der irrige Gedanke des modernen Menschen, wir hätten alles technisch im Griff und haben uns von unseren natürlichen Lebensgrundlagen unabhängig gemacht. Aber wenn wichtige Ökosysteme kollabieren, die Wetterextreme sich verstärken, die Landwirtschaft in gossen Erzeugerländern nicht mehr genug Erträge bringt, wenn das Meer tatsächlich stärker ansteigt….was zum Henker wollen wir dann machen? Deiche um ganz Asien rumbauen? Vermeiden von Klimawandel ist billiger und auch ethisch korrekter, weil er zuerst die trifft, die sich eben nicht anpassen können.
Ok, das war wieder ein hartes Stück Arbeit. Vielleicht sollten wir die eine oder andere Minimaldebatte wie die Eisbären oder die Inseln einfach beenden. Zuviel Worte für wenig Inhalt. Wie du willst, ist nur ein Vorschlag….
Tschüss Michael :.)

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HI Michael,

alles auf einmal schaffe ich zeitlich nicht so schnell zu beantworten. Aber hier schon mal zu den Punkten 1-4:

1. Wasserdampfrückkopplung:
Du schreibst: “(…)können wir nicht erst warten, bis wir genau Bescheid wissen” und “…populistisch zu sagen, „Aus 1°C möglicher Erwärmung werden so mal eben ganz schnell 4°C zusätzliche Erwärmung gemacht“.

Gerade auf solche unwahrscheinlichen Worst-Case Szenarien stürzen sich aber bekanntlich die Medien, und leider auch die Politik. Unrealistische Darstellungen wie der “Kölner Dom unter Wasser” bleiben bevorzugt in den Köpfen hängen. Besonders Schellnhuber sorgt gerne für eine Manifestierung solcher Eindrücke, sowie maßlos überzeichnete lächerliche Videos wie Kopenhagen COP15 “Please help the world” (YouTube). Wir dürfen unsere Entscheidungen aber nicht nur auf theoretisch mögliche aber äußerst unwahrscheinliche Katastrophenszenarien ausrichten, denn an dieser Stelle vorschnell investiertes Geld, Zeit, Energie und Ressourcen fehlen sofort und spürbar an wichtigerer Stelle (u.a. auch beim direkten, echten Umweltschutz)

Ob die aktuellen Naturkatastrophen tatsächlich auf dem Klimawandel beruhen, scheint mir anhand Meldungen wie dieser hier mehr als fraglich:

“(…)dass diese Untersuchung damals noch gar nicht begutachtet und publiziert worden war, als das IPCC sie übernahm…Denn ein Jahr später erschien die besagte Studie – allerdings mit einem diametral entgegengesetzten Ergebnis. “Wir finden nur unzureichende Belege für einen statistischen Zusammenhang zwischen steigenden Temperaturen und wachsenden Verlusten durch Katastrophen”…”

Quelle: http://www.wissenschaft-online.de/artikel/1020270

Du schreibst, die Modelle seien eher “sogar noch zu konservativ”.
Klares Nein. Das Gegenteil ist der Fall: Die Prognosen der Vergangenheit mussten meist wieder nach unten korrigiert werden. Und: Sobald auch nur der Hauch einer Chance auf eine alarmistischere Darstellung besteht, wird das so schnell wie möglich gemacht. Wie zuletzt bei der zurückgezogenen und neu erstellten Studie zum möglichen Anstieg des Meeresspiegels. Die Fehler im IPCC-Bericht der WGII tendieren allesamt zum Alarmismus. Hier ist also klar ein System erkennbar.

Du schreibst: “…(tipping points) wie Methanausgasung von Permafrostböden, Austrocknung des Amazonas etc. gar nicht mitberechnet.”

Unbekannte Größen haben in einer ernstzunehmenden Berechnung nichts verloren. Anderenfalls wäre Alarmismus ja sogar systemimmanent, da man es schliesslich IMMER mit irgendwelchen unbekannten Faktoren zu tun hat! Es bleibt also nur eine vernünftige Alternative: Das entsprechende Wissen erlangen!

Zu den Permafrost-Böden in Sibirien gibt’s hier ein kleines Video: http://www.youtube.com/watch?v=EZ9JWhJ13W8

2. Stürme:
Du schreibt: “Ich glaube also erst mal gar nichts(…)”

Ok, eine skeptische -und zugleich wissenschaftliche- Grundeinstellung. Aber…wie lange genau willst Du warten? Landsea-Studie: Dass Stürme durch den Kontrast von warmen und kalten Zonen entstehen ist physikalisch jedenfalls plausibel. Aber jeder neuen nicht-alarmistischen Klimastudie wird anscheinend möglichst schnell wenigstens 1x widersprochen. Auf diese Weise will man unliebsame Studien aus dem IPCC-Report heraus halten. Neue Theorien und Erkenntnisse wie z.B. “Wolkenbildung durch kosmische Strahlung” von Henrik Svensmark versuchte man jahrelang auf Krampf rauszuhalten (Arte: Das Geheimnis der Wolken), da sie den behaupteten anthropogenen Anteil enorm schmälern würden.

3. Inseln:
Du schreibst: “Wir sollten irgendwelche Beispiele punktueller, lokaler oder kurzfristiger Natur aus dem „Verkehr“ ziehen. Die werden zu oft für „Alarmismus“ auf der einen Seite bzw. „Klimaleugnung“ (doofes Wort) missbraucht. ”

Sich möglichst nicht auf Kleinkram und Sonderfälle zu konzentrieren, da stimme ich zu. Grundsätzlich aussperren lässt sich aus einer Diskussion gerade beim Thema Klima aber eher rein gar nichts. Insbesondere weigere ich mich beispielsweise, die “globale Durchschnittstemperatur” über den Stellenwert der einzelnen Klimazonen zu stellen, denn nur um die geht es ja letztlich.

4. Artensterben bzw. Phil Jones:
Du schreibst: “…”entsetzt”, dass du ausgerechnet denjenigen zitierst, der doch angeblich nur gefälscht hat…typische Logik der Klimaskeptiker. Man beruft sich wahlweise auf Forschungsergebnisse, wenn sie passen und verdammt sie als Ideologie, wenn sie nicht passen.”

Das mag in manchen Fällen sicher zutreffend sein. Jedoch geht es bei diesem Link auf das BBC-Interview mit Phil Jones ja zugleich darum aufzuzeigen, dass gerade ER als “Top-Alarmist” diese Aussagen zur Temperaturentwicklung gemacht hat! U.a. Aussagen, die schon länger bekanntes Skeptikerwissen sind. Außerdem: Da Jones “berufsbedingt” zum Alarmismus neigt, kann der Link nicht einfach mit dem Hinweis auf “Skeptiker-Meinung” o.ä. abgetan werden.

Beim defekten Link war bloss eine Klammer hinten mit rangerutscht. Hier nochmal der Link für das legendäre BBC-Interview mit Phil Jones:

http://news.bbc.co.uk/2/hi/science/nature/8511670.stm

6. Treibhauseffekt:
Du schreibst: “…sind wir alle irgendwie “Gläubige” der einen oder anderen Seite der Klimadebatte.”

Im Grunde der wichtigste Punkt. Auch die Forscher bilden da nämlich keine Ausnahme. Klimaforschung ist einfach viel zu komplex. In Bezug auf CO2 sprach Schellnhuber einmal (offenbar aus politischen Gründen) von “linearen Zusammenhängen”, dh. einem angeblichen direkten Einfluss auf die Temperatur. Aber: In einem nichtlinearen chaotischen System wie dem Klima ist die Wirkung eines Einzelfaktors in der Masse der sich gegenseitig beeinflussenden Faktoren letztlich immer nur relativ.

Du schreibst: “…halte die Treibhaustheorie deswegen für plausibel, weil…sie a) von einer Mehrheit der Wissenschaft anerkannt wird…von Forschungsinstituten vertreten wird, die auch schon vor der Klimadebatte als seriös und professionell galten…in qualitativ hochwertigen und anerkannten Journalen (wie Nature und Science) publiziert wird d) weil es keinen seriösen, gegenteiligen Beweis gibt…”

Mehrheiten bilden sich im Wissenschaftsbetrieb ja genau wie Anderswo, dh. aus sozioökonomischen Gründen, Suche nach Anerkennung, Gruppenzwang bzw. Herdentrieb, Lobbydenken, und auch aus politischen Gründen.

Parallelen in Bezug auf das Verhalten der ach so seriösen Wissenschaft sind insbesondere beim “Waldsterben” z.T. 1:1 vorhanden. Man erschreckt regelrecht beim Erkennen der vielen Gemeinsamkeiten in diesem Artikel: http://www.zeit.de/2004/51/N-Waldsterben

Wenn beispielsweise ein Geologe oder Ozeanograph Klimaforscher wird, kann er den Einfluss von CO2 auf die Temperaturen der Erde nur als vorgegebenes Grundwissen annehmen, obwohl dieser Zusammenhang tatsächlich nie bewiesen werden konnte. Wie bereits erwähnt: Lediglich eine IR-Aktivität von CO2 lässt sich experimentell beweisen. Wer auch immer behauptet, dies wäre bereits ein Beweis für den Treibhauseffekt, hat entweder keine Ahnung oder er lügt, dass sich die Balken biegen. An der Aufrechterhaltung des jetzigen Treibhausmodells haben mehr und mehr Berufsgruppen ein existenzielles Interesse, daher wird dieses Modell schon ganz unbewusst verteidigt.

Als Wissenschaftler muss man jedoch immer bereit sein Theorien über den Haufen zu werfen. Diese prinzipielle Bereitschaft erkenne ich bei der IPCC-nahen Klimaforschung nicht. Henrik Svensmark z.B. kann da ein Lied von singen. Lieber werden die Klima-Modelle an anderer Stelle angepasst, anstatt jemals die (unbewiesenen!) Grundlagen in Frage zu stellen.

Erscheint eine Arbeit wie die von Gerlich & Tscheuschner, die den Treibhauseffekt falsifiziert, oder wie die Arbeit von Svensmark, dann wird von Rahmstorf und Co. sogleich ein Sonderkommando zur Ausarbeitung eines Widerspruchs zusammengestellt: http://tinyurl.com/yfszmap

Hier ein kleiner FAZ Zeitungsausschnitt über Rahmstorf (PDF): http://tinyurl.com/y4o3t7b

Du schreibst: “..ich es für unwahrscheinlich halte, dass die derzeitigen Klimaveränderungen “rein zufällig” und natürlich ablaufen, zumal so schnell und vor dem Hintergrund des messbaren CO2-Anstiegs”

Ursächlich sind nach meiner Überzeugung natürliche, zyklische Phänomene. Ob die Steigerungsrate wirklich “schneller als früher” verläuft lässt sich erst sagen, wenn man die früheren Temperaturen auch wirklich ganz genau und fein genug aufgelöst kennt. Doch gerade hier wurde ja nachweislich viel vertuscht und manipuliert.

Die MWP z.B. war global sehr wahrscheinlich wärmer als heute. Dass die Hockeystick-Kurve von M.Mann manipuliert wurde, um die Zeit vor 1900 statistisch glatt zu bügeln, wurde von McIntyre längst nachgewiesen. Ja, und die Rohdaten für den Hockeystick hat Jones nach eigener Aussage “verschlampt”(!). Ja, wie glaubwürdig ist das denn, ich bitte Dich?

Fraglich ist auch die Korrektheit seiner Homogenisierung, hier gab es einige sonderbare Temperatursprünge, die zusammen mit anderen Daten innerhalb der nächsten Jahre von Grund auf überprüft werden sollen, um das Vertrauen in die Klimaforschung wiederherzustellen (Spiegel). Und ich erinnere in diesem Zusammenhang nochmals an das bereits erwähnte Zitat von Briffa…

Mit der folgenden Grafik zum Meeresspiegel-Anstieg an der Nordseeküste sollten sich ebenfalls Rückschlüsse auf die Temperatur ziehen lassen. Im unteren Bild erkennt man identische bis steilere Steigerungsraten für die Jahre 500-200 v.Chr., 0-250 n.Chr, sowie 1000-1300 n.Chr.: http://klimakatastrophe.files.wordpress.com/2008/10/nordseepegel.jpg

Du schreibst: “…viele Klimaskeptiker-”Wissenschaftler” offen oder verdeckt von der “Fossilindustrie” gesponsert werden und damit einen viel stärkeren Interessenskonflikt unterliegen…”

Vergiss nicht: Heute hat der Klimaschutz eine Riesenlobby, mit den entsprechenden Auswüchsen. Da es nun einmal für beinahe alles eine Lobby gibt, ist es doch im Grunde bedeutungslos wer denn nun von wem gesponsert wurde, sofern am Ende nachprüfbare Forschungsergebnisse dabei herauskommen. Nach mittlerweile 25jähriger Geschichte der Klimadebatte hat sich das Blatt inzwischen ohnehin längst gewendet.

Du schreibst: “…die meisten Klimaskeptiker überhaupt keine Expertise als Klimatologen o.ä.haben…”

Wie gesagt: Klimatologe ist ja kein Ausbildungsberuf. Ein Geologe oder Ozeanograph etwa der Klimatologe wird, hat von Physik immer noch keine Ahnung, um es mal überspitzt auszudrücken. Klimaforscher sind keine Übermenschen. Hoch- und sogar höherqualifizierte “nicht-amtliche” Klimaforscher wird es mittlerweile so einige geben.
Lubos Motl z.B. ist auch kein Klimaforscher, hat aber durchaus einiges zum Thema sagen: http://tinyurl.com/y6esnlz

Du schreibst: “…es mir einfach auch logisch erscheint, dass es nicht ohne Effekte bleibt, wenn die Menschheit in 100 Jahren in die Luft pustet, was über Jahrmillionen in die Erde versenkt wurde.”

Das klingt vielleicht plausibel, ist aber in Bezug auf die Temperatur keinesfalls “logisch”, da ein kausaler Zusammenhang hier ja überhaupt nicht bestehen muss. Kein wissenschaftliches Argument.

Du schreibst: “Das “Risiko”, Klimaschutz zu betreiben, obwohl es doch keinen anthropogen Klimawandel gibt, ist doch viel geringer als das Risiko, es zu unterlassen und dann doch die Kacke am Dampfen zu haben.”

Meine Überzeugung ist: Der Mensch kann zwar die Umwelt, aber nicht das Klima schützen. Ein “Risiko den Klimaschutz zu unterlassen” existiert daher nicht. Was denkst Du, was der Klimaschutz uns alle kostet? Die Kosten der Finanzkrise sind ein bescheidener Witz dagegen! Unsere Mittel sind begrenzt, wie bereits erwähnt. Das, was man in Klimaschutz investiert, ist für den Umweltschutz VERLOREN. Kannst Du als Biologe und Umweltschützer das verantworten?

Viele Umweltschützer haben vermutlich einfach Angst, den Klimaschutz-Gedanken fallen zu lassen weil sie befürchten, dass darunter der Umweltschutzgedanke leiden könnte. Doch das Gegenteil wäre der Fall, freiwerdende Mittel könnte man endlich in ECHTE Naturschutzprojekte investieren.

Du schreibst: “…macht es auch ökonomisch/strategisch Sinn, Technologien zu verwenden, die nicht auf begrenzten Ressourcen basieren…”

Dem stimme ich grundsätzlich voll zu, aber eben halt nicht kopflos und überstürzt! Wir sollten vielmehr sanft und mit Sinn und Verstand ins neue Energiezeitalter hinüber gleiten. Neue Technologien wie z.B private Solaranlagen müssen erst robust, bezahlbar und wirklich effizient sein. Das scheint leider noch immer bei weitem nicht der Fall zu sein: http://www.youtube.com/watch?v=gE25XJhWgbQ

7. Gangesdelta + “Lohachara”:
Du schreibst: “Irrelevant im Sinne der Klimadebatte…Informationen, die “Alarmismus” schürt..”

Ja genau, halt nur ein weiteres Beispiel dafür, wie von TV & Presse der Klimawandel pauschal für alles verantwortlich gemacht wird. Die tatsächlichen Gründe werden nicht recherchiert.

8. Arktis:
Du schreibst: “mitnichten ein “zweifellos positiver Trend”…”Der Rückgang des Sommereises ist das Problem, nicht der Winter. Und nicht nur die Fläche,sondern auch die Eisdicke (also das Volumen).”

Nicht nur die Fläche, auch die “Konzentration” hat laut den Satelliten-Vergleichsbildern stark zugenommen! Ein zumindest kurzfristiger Trend ist es ja wohl definitiv. Ob er sich langfristig halten kann ist allerdings zweifelhaft, aber man wird sehen. Der Sommer ist natürlich wichtiger. Beobachten wir also die kommende Entwicklung und warten wir auf die Daten von Cryosat-2…

9. Eisbären:
Du schreibst: “…ein trauriges Symbol dessen, was uns noch so bevorsteht…”

Die Eisbären haben mehrere Warmzeiten überstanden. Schon allein deshalb halte ich sie als Symbol für die “Gefahren des Klimawandels” völlig ungeeignet.

Du schreibst: “Sehr schön, dass du auch dafür bist, die Umwelt nicht überzustrapazieren. Im grundsätzlichen Ziel sind wir uns also einig!(…)”

Genau, Du kennst jetzt ja meine Meinung, und die ist: “Umweltschutz hat mit Klimaschutz nichts zu tun. Klimaschutz blockiert sogar den Umweltschutz, da für alles gleichzeitig die Mittel fehlen. Aus diesem Grunde könnte man sogar soweit gehen zu sagen: “Klimaschutz tötet Leben”! Doch vor allem: Klimaschutz durch CO2 Einsparung wird überhaupt nicht funktionieren.”

Ok, die Minimaldebatten Eisbär & Inseln können wir einstellen wie Du vorschlägst. Insgesamt mittlerweile zu viele Themen, zu viel Text. Treibhauseffekt wird auch langsam viel zu lang.

Meeresspiegelanstieg wäre vielleicht interessant. Ich sehe da nämlich keinen beschleunigten Anstieg, das sieht mir eher nach normalen Fluktuationen aus (siehe der Meeresspiegel-Link weiter oben). Der aktuelle Anstieg um durchschnittlich 1-3mm pro Jahr (können ja auch mal 0,5-5mm sein) ist nach einer Eiszeit jedenfalls ganz natürlich.

Gruß vom Doc!

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„Die deutschen Medien werden der Forderung von EIKE nach strikter Sachlichkeit …  in keiner Weise gerecht.“ (Zitat EIKE „Medienenten“)

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Ich wollte eigentlich ein gemütliches Feierabendbier trinken. Vorher habe ich zur Zerstreuung mal wieder einen Blick auf die Webseite meines „geschätzten“ Klima-Klamauk-Vereins EIKE (Europäisches Institut für Klima und Energie) geworfen. Volltreffer!

Wie zu erwarten war, konnte man nicht einfach hinnehmen, dass der britische Parlamentsausschuss über die „Climategate“-Affäre den „Hauptverdächtigen“  Phil Jones (der gehackte Klimaforscher) vom Vorwurf der Datenfälschung freispricht.

Man braucht solche „Skandale“, denn sie sind das Dopingmittel diverser Verschwörungstheorien  der sogenannten „Klimarealisten“.

Die erste Reaktion war ein Artikel vom 9.4.:

Was man da zu lesen bekommt, ist dann doch eine Nummer schlimmer als der übliche „Bild“-Zeitungsstil von EIKE. Man veröffentlichte die deutsche Übersetzung eines Pamphlets von Lord Monckton, einem bekannten Scharfmacher der Klimaskeptiker-Szene, der gegen das renommierte Wissenschaftsjournal  „Nature“ (*) giftete.

Prototyp eines "echten" Klimaskeptikers: Lord Christopher Monckton

Der konkrete Grund für Mockton´s Ausfälle gegen „Nature“ bleibt ein bisschen im Dunkeln: Beim Recherchieren habe ich 2 neuere Artikel in Bezug auf „Climategate“ gefunden, die eventuell der Auslöser waren….(link, link)

Hier einige Auszüge von Moncktons völlig paranoiden Tiraden:

„Das hirnlose Mantra, das jammernde Idioten wie bei „Nature“ immer wieder murmeln, ist, dass trotz eines, oder einigen, oder Hunderten, oder Tausenden von Pannen in den nun diskreditierten Klima-„Berichten“ des UNO-Klimarats die wissenschaftliche Erkenntnis gefestigt und die Debatte ausgestanden wäre. Aber die Debatte geht wie wild weiter – und man sage das nicht allzu laut –  die Skeptiker sind am Gewinnen.

„Den „Nature“-Redakteuren, die noch nicht einmal die intellektuelle Pubertät erreicht haben, geht die selbstkritische Fähigkeit zur eigenen Gewissensprüfung ab. Wenn sie erwachsen geworden sind, werden sie erkennen, dass es einen Grund gibt für den Sieg der Skeptiker.“

„Die blanke Schrillheit der Wahrheitsgläubigen, wie z. B. der pickligen Redakteure von „Nature“, hat den schlafenden Riesen der öffentlichen Meinung aufgeweckt und der Riese wird nicht wieder einschlafen, und wenn „Nature“ noch so oft weiter faselt über wissenschaftliche Grundtatsachen, die allseits anerkannt wären.“

„Ich weiß es: lasst uns die Redakteure von „Nature“ vor Gericht stellen wegen Hochverrats an der journalistischen Integrität und der wissenschaftlichen Wahrhaftigkeit. Die Todesstrafe ist noch viel zu gut für sie: lasst sie dazu verurteilt werden, einander ihre eigenen Artikel in alle Ewigkeit vorzulesen oder bis sie merken, wie töricht sie sind, je nachdem, was früher ist.

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Nun ja, klingt ganz schön nach propagandistischer „Front-Begradigung“. Bevor es mit dem „Endsieg“ schief geht, sollte Herr Monckton lieber mal einen Arzt aufsuchen- zum Beispiel einen Psychater…

Und wie gesagt, das Geschrei steht nicht auf einer Webseite von Al-Quaida oder von Sarah Palin. Es ist die Webseite von EIKE, dem „Europäischen Institut für Klima und Energie“ aus Jena/Thüringen.

Tschüss Michael

* „Nature“ ist in den bekanntesten Ranglisten wissenschaftlicher Journale zweimal die Nr. 1 , einmal Nr. 6  (Quelle: Wikipedia)

** Wikipedia zu Lord Monckton

P.S: Ich frage mich, was wohl rauskommen würde, wenn man Lord Moncktons Emails hacken würde….

P.S.S. Wikipedia über Paranoia. Lesenswert für alle Verschwörungstheoretiker!

P.S.S. Weitere Artikel zu EIKE

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