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Posts Tagged ‘Kopenhagen’

Als Kommentar auf meinen Artikel über die Klimaleugner von EIKE hat mir Hans-Jürgen geschrieben und um eine Antwort gebeten. Da diese Debatte in diversen Foren teilweise äusserst unsachlich und persönlich geführt wird, möchte ich hiermit mal das freundliche und sachliche Gegenstück zeigen.  Ich hoffe, Hans Jürgen führt den Dialog weiter mit. Ich werde den Artikel in diesem Sinne regelmässig updaten und lade zu Kommentaren ein.

Hier unser Briefwechsel:

4.12.09:

Lieber Michael,

umgekehrt wird ein Schuh daraus: Der ganze Rummel um den „Klimawandel“ ist eine ausgekügelte Ideologisierung und Volksmanipulierung (siehe Hackerskandal in England) durch einen Filz von Politikern, Wirtschaft, Finanzkapital und Medien zur Befriedigung ihres Strebens nach Profit, Macht und Profilierung. Zusätzlich soll die Bevölkerung von wahren gesellschaftlichen Problemen (z.B. soziale Ungerechtigkeiten, Arbeitslosigkeit, Armut, Hunger…..) abgelenkt werden.
Dabei wird die Tatsache ausgenutzt, dass nun einmal die Masse der Bevölkerung über begrenzte naturwissenschaftliche Kenntnisse verfügt.

Plöhdes Folg läsd siech äben laicht rekieren!!

Übrigens bin ich auch gegen Umweltverschmutzung, Regenwaldrodung und stinkende Chemiefabriken (habe zu DDR-Zeiten über 8 Jahre in Bitterfeld gearbeitet).

Ich werde niemals politisch-ideologischen Verbänden beitreten und bewahre damit meine Position als frei denkender und handelnder Bürger.

Persönlich kann mir ich Ihre Einstellung hauptsächlich damit erklären, dass Sie sich auf diese Weise zu einem beträchtlichen Anteil Ihre berufliche Existenz sichern wollen, was ich ja sogar verstehen kann!

Über eine Rückmail wäre ich Ihnen dankbar.

Beste Grüße
Dr. Hans-Jürgen Gläsel

PS: Ich bin übrigens nicht Mitglied von EIKE und habe dies auch nicht vor (es sind mir dort zu viele rechtslastig eingestellte Personen aktiv)

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4.12.09:

Lieber Hans-Jürgen,

nur kurz ein paar Fragen, bevor ich ausführlich in den nächsten Tagen antworte. Denkst du, es gibt keinen Klimawandel? Wenn doch, was ist für dich die Ursache? Und was wären für dich die notwendigen Konsequenzen aus deiner Ansicht?
Ich gehe gerne auf alle Details ein. Aber so können wir die Diskussion schon mal eingrenzen.

Tschüss Michael

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5.12.09:

Lieber Hans-jürgen,

ich will dir hiermit antworten ohne genau zu wissen, was du nun eigentlich zum Klimawandel denkst.

Ich fange mal am Ende deiner mail an.

Wenn du glaubst, dass ich mir berufliche Vorteile mit meiner Meinung verschaffe, dann liegst du 100% falsch. Ich wüsste ehrlich gesagt gar nicht, wie das gehen soll. Ich bin Freiberufler und arbeite in einen Umfeld, wo Ansichten zum Klimawandel keine Bedeutung haben und persönliche statements eher als unprofessionell gelten. Und ich werde mich schön hüten, in einer Bewerbung (falls ich mich denn je mal irgendwo bewerben sollte???) auf meinen blog zu verweisen. Meine journalistischen Qualitäten sind dafür einfach zu limitiert. Und ich hoffe auch, du selbst bist nicht einer dieser Menschen, deren Meinung sich aus persönlichen Kosten-Nutzen-Rechnungen bildet und die das grosse Gejammer anstimmen, weil sie für ihre 200 PS Schwanzverlängerung ein bisschen mehr zahlen sollen. Keine Sorge, ich bin keine müslifressende Spassbremse. Wenn du´s nicht glaubst, dann lass uns ein Bier trinken gehen….

Nun zu deinen Argumenten. Völlig richtig, es gibt diese „ausgekügelte Ideologisierung und Volksmanipulierung….. durch einen Filz von Politikern, Wirtschaft, Finanzkapital und Medien zur Befriedigung ihres Strebens nach Profit, Macht und Profilierung.“ Und es soll tatsächlich „die Bevölkerung von wahren gesellschaftlichen Problemen (z.B. soziale Ungerechtigkeiten, Arbeitslosigkeit, Armut, Hunger…..) abgelenkt werden.“. Völlig korrekte Einschätzung. Nur komisch, dass du diese Absichten der Klimaschutzbewegung anlastest. Genau das Gegenteil ist der Fall!

Es ist dieser Filz von milliardenschweren Öl- und Kohlemonopolisten, globalen Finanzkapital, konservativen Medienmogulen, manipulierten Staatsmedien und neoliberalen Politikern, die den Klimawandel leugnen und mittels ihrer geballten Finanzkraft und Meinungsmaschinerie jede Art der Einigung für ein Klimaabkommen massiv torpedieren. Es sind genau diese Leute, die für Umweltverschmutzung, Raubbau, Hunger- und eben auch den Klimawandel verantwortlich sind. Und das sind genau die Leute, die Geld, Konsum und Wirtschaftswachstum als die alleinige Glückseligkeit propagieren, während sie uns nebenbei mit dümmster Werbung und billigen Rummel zu verblöden versuchen. Immer schön kaufen und wegwerfen, wenn nicht für dich selbst, dann wenigstens für die Binnenkonjunktur. Nur kein Tempolimit, denn Rasen macht so frei. Und immer schön buckeln, denn der Job ist ja herrgott so unsicher, das Leben teuer und die Rente gibts bald gar nicht mehr…..Und dieser ganze sinnentleerte Wahnsinn ist von billigem Öl geschmiert!

Ich wundere mich, dass du diese simple Logik nicht erkennst. Man braucht doch nicht viel kognitive Leistung aufzubringen, um zu erkennen, wer hier welche Interessen verteidigt und wer die Macht dazu hat.

Schau dir doch nur die Realität an.

Wer gehört denn zu den Klimaleugnern und Klimaschutzboykotteuren? Hier eine kleine Auswahl, die man endlos weiterführen könnte :

–         Ölmultis: 7 der 10 grössten Konzerne der Welt verdienen ihr Geld mit Öl. Und da sind grosse staatliche Firmen mangels Daten noch nichtmal dazugezählt. (Quelle: Wikipedia

–         Dick Cheney,Vizepräsident unter Bush Junior, CEO von Halliburton (Ölfirma)

–         In Deutschland: Eon, Vattenfall & Co., die Braunkohleindustrie, die Autobranche

–         Länder die keine Klimaverpflichtungen wollen: USA (zweitgrösster Verschmutzer, zweitgrösster Kohleförderer), China (grösster Verschmutzer, grösster Kohleförderer), OPEC-Staaten (79% der globalen Ölresereven, Australien (grösster Kohleexporteur), Kanada (Ölsande)

–         grösste Bremser in der EU: Polen und Tschechien (kohlebasierte Energiewirtschaft, rechtslastige Regierung)

–         Rupert Murdoch: weltweit 4.grösster Medienunternehmer,  Anti-Klimalobbyist, Bush-Anhänger, Tabaklobbyist, Irak-Befürworter…

–         schlimmstes Beispiel der Gegenwart: Kanada lehnt die Erfüllung des Kyoto-Protokolls ab, um Ölsande in Alberta abzubauen.

Ölsandabbau in Kanada: Hier standen mal Urwälder und wohnten indigene Bewohner. Ein Gebiet von der Grösse Englands soll dieser Art Raubbau zum Opfer fallen.

Es sind diese Sorte Menschen, die die Welt ruinieren. Waffen-, Öl-, Finanzkapital. Alles das ist doch der eigentliche korrupte Filz von neoliberalen Ideologen und Profitgeiern, die ohne Rücksicht auf Mensch und Natur die letzten Ressourcen aus der Erde saugen, korrupte Diktaturen schmieren und Kriege am Laufen halten.

Dagegen ist es doch eine Lachnummer, dass Phil Jones (der „gehackte“ Klimaforscher) anscheinend ein paar Daten manipuliert hat, die aber abgesehen davon in anderen Studien bestätigt werden (z.B. NASA). Trotzdem ist es völlig korrekt, das der Typ zurücktritt und die Ergebnisse überprüft werden. Aber das ist ein Fall und immer noch kein Vergleich zu den Unmengen bewusster Fälschungen von gekauften „Klimaexperten“ und den unsachlichen Schmähungen der Klimaleugnerszene gegen alles und alle, die unseren Planeten und unsere Zukunft schützen wollen. Ich möchte mir nicht vorstellen, was rauskommt, würde man deren emails hacken…Ein Beispiel: Bush hat die Veröffentlichung  seiner eignen Umweltbehörde (EPA 2004) über Monate verhindert, weil darin vor dem Klimawandel gewarnt wird. Man führt halt lieber Krieg um Ölquellen….

Mag auch sein, dass Wissenschaftler ihre eigne Karriere durch Arbeit am Klimawandel befördern. Aber das trifft ja nun genauso für klimaskeptische Wisenschaftler zu. Die werden garantiert ein bisschen grosszügiger  gesponsert als die Leute vom PIK & Co. Mit der öffentlichen Reputation von Klimaskeptikern hapert es auch nur in den Ländern, wo es eine halbwegs aufgeklärte und informierte Öffentlichkeit gibt (wie z.B. in Deutschland). Ausserdem- richtig berühmt (und reich) würde heutzutage derjenige, der das Gegenteil vom Klimawandel beweisen kann. So wird „ein Schuh draus“!

Und wenn du immernoch nicht überzeugt bist, dann schau dir doch einfach mal an, wer für eine fortschrittliche Klimapolitik trommelt:

Die meisten Akteure kommen aus der Zivilgesellschaft und NGO´s.

Schau doch nurmal drauf, wer z.B. in der „Klimaallianz“ mitmacht:  Das sind ein Haufen Non-Profit Organisationen und Freiwillige, denen der Rest der Welt noch nicht völlig am Arsch vorbei geht, die aber wohl kaum grossartige Vorteile aus einer Klimahysterie ziehen. Und wenn doch, in welcher Relation zu den Interessen der Klimaleugner. Das sind doch peanuts im Vergleich zu den Ölmilliarden. Schon aus Erfahrung solltest du wissen, dass solche Leute die wirklichen Freidenker sind und nicht irgendwelche Witschaftsbosse und alte Betonköpfe, deren Freiheitsbgriff sich auf die Freiheit globaler Ausbeutung, freier Finanzströme und ungehemmter Verdreckung der Umwelt erschöpft. Hast ja selber gesagt, die von EIKE sind dir zu rechtslastig. Genau wie Bush, Cheney, Murdoch, Berlusconi & Co.

Und glaub mir, jeder von den Klimaaktivisten und sonstigen kritischen und engagierten Mitmenschen (ich inklusive) wäre heilfroh, wenn es keinen Klimawandel gäbe.

Ich könnte dir jetzt noch aufzählen, warum auch ohne Klimawandel eine Dekarbonisierung der Wirtschaft, Waldschutz, Energieeffizienz und weniger Konsum gut wäre . Aber das kannst du dir als freidenkender Bürger vermutlich selber zusammenreimen.

Ich freue mich auf jeden Fall über eine Antwort.

Tschüss Michael

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Nachtrag vom 17.12.09: Lesenswerter Artikel in SPIEGEL ONLINE über den Auftritt des republikanischen US-Senators Inhofe in Kopenhagen. Willst du wirklich dieser Ausgeburt der Arroganz  Recht geben?

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23.02.10

Lieber Michael,

nach langer Zeit möchte ich mich mal wieder melden und ein paar Gedankensplitter zum Besten geben:

Abgesehen davon, dass es zur Zeit keine konkreten Beweise dafür gibt, dass sich das Klima global stetig und dauerhaft erwärmt sowie dem Faktum, dass man mit Modellrechnungen den längerfristigen Klimaverlauf nicht vorhersehen kann (zusätzlich ist und bleibt CO2 ein Spurengas), halte ich noch folgendes für bedenklich:

Bin ja noch alter DDR-Bürger und habe die ganzen ideologischen Kampagnen noch in sehr guter sensibilisierter Erinnerung, die ganze Klimadiskussion ähnelt diesen in vieler Hinsicht.

Aktionistische Kampagnen, zu denen der Mensch jedoch zu neigen scheint, haben der Gemeinschaft immer geschadet (z.B. China: Großer Sprung nach vorn, Kulturrevolution), sachlicher Pragmatismus (auch wieder China: Deng Tsiao Ping) war jedoch grundsätzlich (wenn auch mit partiell gegenläufigen Effekten) nutzbringend.

Ich bin immer mehr davon überzeugt, dass die ganze Klimadiskussion eine typisch kapitalistische Inszenierung ist und nur einem sehr begrenzten Teil der Bevölkerung nützt, der Masse jedoch schadet. Geradezu tragisch erscheint mir dabei, dass gerade politisch Linksgerichtete besonders intensiv die landläufig bekannten Thesen verfechten. An die Möglichkeit, das die vermeintlich grüne Ideologie nun die (gescheiterte) realsozialistische Idee abgelöst hat, wage ich gar nicht zu denken.

Als Naturwissenschaftler sind für mich nur wissenschaftlich nachprüfbare und nachvollziehbare Experimente mit signifikant gesicherten Ergebnissen relevant.

Ich halte mich für einen Sozialisten, in jüngster Zeit denke ich aber immer mehr folgendes:

Selbst wenn die sozialistische Idee nicht von Russland, sondern von Deutschland und/oder Frankreich ausgegangen wäre, sie wäre letztendlich doch gescheitert: Es ist nur eine Frage der Zeit, ab wann sich z.B. ein korrupter Politikklüngel mit all seinen Folgen ausbildet. Gleichwohl sollte die Entwicklung einer weniger ungerechten Gesellschaftsordnung als der jetzigen möglich sein.

In Bezug auf die Umwelt wären dabei für mich Maßnahmen hinsichtlich der Verhinderung von permanenter Umweltzerstörung (z.B. Bekämpfung von menschengemachten Umweltkatastrophen – Aralsee, tropische Regenwälder… – sowie der Aufbau von modernen Indutriebetrieben in weniger entwickelten Ländern) von besonderer Relevanz.

Beste Grüße
Hans-Jürgen

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12.04.10

Lieber Hans Jürgen,

langsam komme ich hinter deine Denkweise.
Dennoch muss ich dir in ein paar Punkten widersprechen.
Das Argument mit dem Spurengas bringt gar nichts. Es kommt halt nicht nur auf die Menge, sondern auch auf die Wirkung an. Die Treibhauswirkung von CO2, Methan, NOx etc. ist ja nunmal bekannt. Vom Ozonloch kennen wir ja schon einen anderen Fall, wo vergleichsweise winzige Mengen FCKW´s ein riesiges Ozonloch verursacht haben….
Anthropogener Klimawandel ist ein wissenschaftlich anerkannter Fakt, auch wenn massiver Lobbyismus geschafft hat, dies zu vernebeln und in Misskredit zu bringen. Will mich jetzt nicht ausführlich zu den albernen Verschwörungstheorien der Skeptiker äussern….
Modelle sind freilich nur Prognosen mit gewissen Wahrscheinlichkeiten. Sie dienen dem Risikomanagement, aber können freilich nicht dem Anspruch von absoluter Wahrheit/Beweisbarkeit genügen. Dennoch ist diese Unsicherheit kein Grund, sie komplett zu mobben. Theoretisch könnte die Unsicherheit der Modelle ja auch bedeuten, dass alles sogar noch schlimmer kommt! Deshalb gilt das “precautionary principle”. Im normalen Leben praktizieren wir das auch, ohne mit der Ungewissheit zu hadern. Wir zahlen in die Rente ein, ohne zu wissen, ob wir so alt werden, wir versichern Haus, Hof und Auto, obwohl nur mit geringer Wahrscheinlichkeit irgendwas passsiert usw….Dasselbe Prinzip ist die Daseinsberechigung von Klimaschutz. Eben nicht individuell, sondern global.

Sachlichen Pragmatismus fände ich auch viel besser. Aber leider macht ja v.a. die Klimaskeptikerszene so einen ideologischen Grabenkampf daraus. Ansonsten wüsste ich nicht, was gegen Energie sparen, erneuerbare Energien, weniger Konsum, weniger Individualverkehr und Waldschutz sprechen sollte. Denn genau das sind die Maßnahmen gegen Klimawandel. Leider passiert sowas nicht von alleine, deswegen braucht man finanzielle Instrumente wie Steuern oder Emissionshandel. Es geht schlicht um die längst überfällige “Internalisierung” von Umweltkosten. Ich bin auch kein Fan von bürokratischen Monstern wie carbon trade und mir wäre es auch lieber, das alles geht auch aus purer Einsicht in die Notwendigkeit. Aber dem steht unsere materielle Denkweise, unsere Definition von Wohlstand und Wachstumsfixierung entgegen.
Zudem unterliegen viele Leute dem Denkfehler, die schlimmsten Umweltschäden werden in den armen Ländern verursacht, weil sie kein Bewusstsein dafür haben, nicht die Technik oder das Geld. Wir sind sehr auf die Produzenten fixiert und kapieren nicht, dass unser Konsum hier die Krux ist. Wir kaufen doch die billigen Schnitzel aus brasilianischen Soja, während wir gleichzeitig die Abholzung der Regenwälder beklagen….
Aufbau einer modernen Industrie in Entwicklungsländern- na ja…. Das ist die klassische Weltbank- und IWF-Entwicklungsstrategie, die längst gescheitert ist. Freilich besser als eine dreckige Industrie. Aber noch besser ist die Rückkehr zu angepasster lokaler Wirtschaft mit kleinen Kreisläufen, kurzen Wertschöpfungsketten und grösstmöglicher Unabhängigkeit von globalen Märkten. Also das Gegenteil von dem, was die WTO und Neoliberale predigen.

Liebe Grüsse
Michael

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