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Der US-Wahlkampf ist vorbei, Obama hat gewonnen und alle Klimaschützer atmen auf. Das ist falsch! Denn das Siechtum internationaler Klimapolitik und die Illusion eines „grünen“ Kapitalismus werden damit weitergehen.

Ein kontroverser Beitrag zur Klimadebatte:

Amerika ist ein Albtraum für Klimaschützer. Das Land hat die dritthöchsten CO2 Emissionen pro Kopf, international agiert es als Blockierer von Klimaabkommen. Tonnenschwere Allradfahrzeuge, fleischlastige Ernährung und Konsumwahn gelten als „way of life“. Und keine Besserung in Sicht, im Gegenteil. Die Klimadebatte in den USA ist festgefahren in ideologischer Erstarrung und Ignoranz. Klimaschutz gilt weitläufig als kommunistische Verschwörung und als Vernichter von Arbeitsplätzen.

Mit Romney wäre alles nur noch schlimmer geworden, so die Meinung unter Klimaschützern. Kurzfristig ja-langfristig nein, behaupte ich. Man mag mich für diese Gedanken für verrückt erklären, aber die bittere Wahrheit ist doch die folgende:

Klar, Romney hätte die Blockade der Klimaverhandlungen verschärft, er hätte die amerikanische Umweltbehörde EPA abgeschafft, die Pipeline zur Ausbeutung kanadischer Ölsande genehmigt, die Entstehung grüner Industrien zugunsten der Öl- und Kohlelobby unterdrückt etc.. Kurz, das Thema nationaler wie internationaler Klimapolitik wäre für mindestens 4 weitere Jahre auf Eis gelegt und die Emissionen der USA wie global weiter ungebremst angestiegen.

Aber was war und ist an Obama´s Klimaschutzpolitik wirklich besser? Auch Obama steht für die Verschwendungssucht und den Ölhunger des „American Way of Life“. Auch er ist letztendlich ein Produkt der Wallstreet. Auch er hat den Klimaschutz klammheimlich beerdigt. Er schürt lediglich die Hoffnung auf eine schleichende „grüne“ industrielle Revolution und tendenziell größere Kompromissbereitschaft zugunsten eines internationalen Klimaabkommens.

Dennoch oder gerade deswegen- das Siechtum internationaler Klimapolitik wird einfach weitergehen. Der Unterschied zwischen den beiden Kandidaten: Obama ist Pflegestufe 3 , Romney ist Palliativstation.

Dabei braucht es eine Politik ganz anderer Dimension, um die kommende Megakrise eines sich selbst beschleunigenden Klimawandels noch irgendwie im Zaum zu halten. Dringend nötig wäre eine rasche Dekarbonisierung der Wirtschaft, die Abkehr vom neoliberalen Wachstumszwang, die Aufgabe nationaler Interessen- und Klientelpolitik zugunsten globaler Gerechtigkeitspolitik. Und Amerika als dessen Vorreiter.

Die Realität ist business-as-usual, während die Klimabombe tickt.

Deswegen braucht es dringend ein radikales Umdenken und das Ende zweier großer Illusionen.

1. Das Ende der Illusion, dass es jemals eine globale und ambitionierte Klimapolitik geben wird, die der Dynamik und den Folgen des Klimawandels gerecht wird.  

2. Und es braucht das Ende des neoliberalen Wirtschaftsmodells, für das insbesondere die USA als zweifelhaftes Vorbild dienen.

Diese Einsicht wird sich weder durch kollektive Vernunft, noch durch die Warnungen einer kritischen Minderheit und schon gar nicht durch eine moderate Politik á la Obama durchsetzen.  Zu groß ist die Macht von Big Oil & Co., der Einfluss von Marketing und Medien und die Gewohnheit der Konsumenten. Und zu groß die Versuchung der Umweltorganisationen, auf eine Wende der kleinen Schritte zu hoffen und weitere Jahre für Systemkosmetik zu vertrödeln.

Was es braucht, ist ein radikaler Wandel, ein neues Gesellschaftsmodell auf der Basis eines konsequenten Humanismus, globaler Gerechtigkeit und ökologischer Nachhaltigkeit. Oder als Umkehrschluss, es braucht den  Kollaps des neoliberalen Modells als Verursachers der Klimakrise.

Warum aber sollte in diesem Sinne nun ausgerechnet Romney die bessere Wahl sein?

Das „alte“ Amerika ist ein zerrissenes, an sich selbst krankendes Land. Gigantische Militärausgaben, ein dramatisches Defizit öffentlicher Finanzen, ein drohender Handelskrieg mit China, eine aufgeblähte Finanzindustrie, ideologischen Grabenkämpfe, extreme Ungleichheit von Einkommen und Eigentum, demokratische Institutionen in den Händen von Lobbyisten und Wall Street, eine bedrohliche Schieflage seiner Handelsbilanz etc. Die Krise ist systembedingt und wird definitiv schlimmer, fraglich ist nur der Zeitpunkt des Kollapses. Romney hätte den ökonomischen und sozialen Selbstmord Amerikas höchstwahrscheinlich um einiges beschleunigt. Und damit das Ende an den Glauben der neoliberalen Wachstumsideologie.

Auch wenn es zynisch klingt- im Sinne der Klimakrise ist dies eine große Chance. Je schneller der Ruin, um so schneller die Chance zur radikalen Reform. Dieses Land, wie auch der Rest der Welt,  braucht nicht nur eine Reform seiner Institutionen und politischen Kultur, es braucht eine komplette Generalüberholung seiner Werte, eine kulturelle Revolution. Ob die USA dabei endgültig als ökonomische Supermacht untergehen oder als Vorreiter einer postkapitalistischen Gesellschaft wiedergeboren werden, steht in den Sternen. So oder so, es wird dem Rest der Welt eine unmissverständliche Botschaft vermitteln.

Die Frage ist nur, ob es für Klima und Ökosysteme bis dahin noch nicht zu spät ist.

Und deshalb hätte das Klima lieber Romney gewählt.

M. Schwarz

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Hier ein exzellenter Artikel des 350.org-Gründers Bill McKibben, publiziert am 4.8.10 bei TomDispatch.com

We’re Hot as Hell and We’re Not Going to Take It Any More

Three Steps to Establish a Politics of Global Warming
By Bill McKibben

Try to fit these facts together:

According to the National Oceanic and Atmospheric Administration, the planet has just come through the warmest decade, the warmest 12 months, the warmest six months, and the warmest April, May, and June on record.

* A “staggering” new study from Canadian researchers has shown that warmer seawater has reduced phytoplankton, the base of the marine food chain, by 40% since 1950.

Nine nations have so far set their all-time temperature records in 2010, including Russia (111 degrees), Niger (118), Sudan (121), Saudi Arabia and Iraq (126 apiece), and Pakistan, which also set the new all-time Asia record in May: a hair under 130 degrees. I can turn my oven to 130 degrees.

* And then, in late July, the U.S. Senate decided to do exactly nothing about climate change. They didn’t do less than they could have — they did nothing, preserving a perfect two-decade bipartisan record of no action. Senate majority leader Harry Reid decided not even to schedule a vote on legislation that would have capped carbon emissions.

I wrote the first book for a general audience on global warming back in 1989, and I’ve spent the subsequent 21 years working on the issue. I’m a mild-mannered guy, a Methodist Sunday School teacher. Not quick to anger. So what I want to say is: this is fucked up. The time has come to get mad, and then to get busy.

For many years, the lobbying fight for climate legislation on Capitol Hill has been led by a collection of the most corporate and moderate environmental groups, outfits like the Environmental Defense Fund. We owe them a great debt, and not just for their hard work. We owe them a debt because they did everything the way you’re supposed to: they wore nice clothes, lobbied tirelessly, and compromised at every turn.

By the time they were done, they had a bill that only capped carbon emissions from electric utilities (not factories or cars) and was so laden with gifts for industry that if you listened closely you could actually hear the oinking. They bent over backwards like Soviet gymnasts.  Senator John Kerry, the legislator they worked most closely with, issued this rallying cry as the final negotiations began: „We believe we have compromised significantly, and we’re prepared to compromise further.”

And even that was not enough. They were left out to dry by everyone — not just Reid, not just the Republicans. Even President Obama wouldn’t lend a hand, investing not a penny of his political capital in the fight.

The result: total defeat, no moral victories.

Now What?

So now we know what we didn’t before: making nice doesn’t work. It was worth a try, and I’m completely serious when I say I’m grateful they made the effort, but it didn’t even come close to working. So we better try something else.

Step one involves actually talking about global warming.  For years now, the accepted wisdom in the best green circles was: talk about anything else — energy independence, oil security, beating the Chinese to renewable technology. I was at a session convened by the White House early in the Obama administration where some polling guru solemnly explained that “green jobs” polled better than “cutting carbon.”

No, really?  In the end, though, all these focus-group favorites are secondary.  The task at hand is keeping the planet from melting. We need everyone — beginning with the president — to start explaining that basic fact at every turn.

It is the heat, and also the humidity.  Since warm air holds more water than cold, the atmosphere is about 5% moister than it was 40 years ago, which explains the freak downpours that seem to happen someplace on this continent every few days.

It is the carbon — that’s why the seas are turning acid, a point Obama could have made with ease while standing on the shores of the Gulf of Mexico. “It’s bad that it’s black out there,” he might have said, “but even if that oil had made it safely ashore and been burned in our cars, it would still be wrecking the oceans.” Energy independence is nice, but you need a planet to be energy independent on.

Mysteriously enough, this seems to be a particularly hard point for smart people to grasp. Even in the wake of the disastrous Senate non-vote, the Nature Conservancy’s climate expert told New York Times columnist Tom Friedman, “We have to take climate change out of the atmosphere, bring it down to earth, and show how it matters in people’s everyday lives.” Translation: ordinary average people can’t possibly recognize the real stakes here, so let’s put it in language they can understand, which is about their most immediate interests. It’s both untrue, as I’ll show below, and incredibly patronizing. It is, however, exactly what we’ve been doing for a decade and clearly, It Does Not Work.

Step two, we have to ask for what we actually need, not what we calculate we might possibly be able to get. If we’re going to slow global warming in the very short time available to us, then we don’t actually need an incredibly complicated legislative scheme that gives door prizes to every interested industry and turns the whole operation over to Goldman Sachs to run.  We need a stiff price on carbon, set by the scientific understanding that we can’t still be burning black rocks a couple of decades hence. That undoubtedly means upending the future business plans of Exxon and BP, Peabody Coal and Duke Energy, not to speak of everyone else who’s made a fortune by treating the atmosphere as an open sewer for the byproducts of their main business.

Instead they should pay through the nose for that sewer, and here’s the crucial thing: most of the money raised in the process should be returned directly to American pockets. The monthly check sent to Americans would help fortify us against the rise in energy costs, and we’d still be getting the price signal at the pump to stop driving that SUV and start insulating the house. We also need to make real federal investments in energy research and development, to help drive down the price of alternatives — the Breakthrough Institute points out, quite rightly, that we’re crazy to spend more of our tax dollars on research into new drone aircraft and Mars orbiters than we do on photovoltaics.

Yes, these things are politically hard, but they’re not impossible. A politician who really cared could certainly use, say, the platform offered by the White House to sell a plan that taxed BP and actually gave the money to ordinary Americans. (So far they haven’t even used the platform offered by the White House to reinstall the rooftop solar panels that Jimmy Carter put there in the 1970s and Ronald Reagan took down in his term.)

Asking for what you need doesn’t mean you’ll get all of it.  Compromise still happens. But as David Brower, the greatest environmentalist of the late twentieth century, explained amid the fight to save the Grand Canyon: “We are to hold fast to what we believe is right, fight for it, and find allies and adduce all possible arguments for our cause. If we cannot find enough vigor in us or them to win, then let someone else propose the compromise. We thereupon work hard to coax it our way. We become a nucleus around which the strongest force can build and function.”

Which leads to the third step in this process. If we’re going to get any of this done, we’re going to need a movement, the one thing we haven’t had. For 20 years environmentalists have operated on the notion that we’d get action if we simply had scientists explain to politicians and CEOs that our current ways were ending the Holocene, the current geological epoch. That turns out, quite conclusively, not to work. We need to be able to explain that their current ways will end something they actually care about, i.e. their careers. And since we’ll never have the cash to compete with Exxon, we better work in the currencies we can muster: bodies, spirit, passion.

Movement Time

As Tom Friedman put it in a strong column the day after the Senate punt, the problem was that the public “never got mobilized.” Is it possible to get people out in the streets demanding action about climate change? Last year, with almost no money, our scruffy little outfit, 350.org, managed to organize what Foreign Policy called the “largest ever coordinated global rally of any kind” on any issue — 5,200 demonstrations in 181 countries, 2,000 of them in the U.S.A.

People were rallying not just about climate change, but around a remarkably wonky scientific data point, 350 parts per million carbon dioxide, which NASA’s James Hansen and his colleagues have demonstrated is the most we can have in the atmosphere if we want a planet “similar to the one on which civilization developed and to which life on earth is adapted.” Which, come to think of it, we do. And the “we,” in this case, was not rich white folks. If you look at the 25,000 pictures in our Flickr account, you’ll see that most of them were poor, black, brown, Asian, and young — because that’s what most of the world is. No need for vice-presidents of big conservation groups to patronize them: shrimpers in Louisiana and women in burqas and priests in Orthodox churches and slumdwellers in Mombasa turned out to be completely capable of understanding the threat to the future.

Those demonstrations were just a start (one we should have made long ago). We’re following up in October — on 10-10-10 — with a Global Work Party. All around the country and the world people will be putting up solar panels and digging community gardens and laying out bike paths. Not because we can stop climate change one bike path at a time, but because we need to make a sharp political point to our leaders: we’re getting to work, what about you?

We need to shame them, starting now. And we need everyone working together. This movement is starting to emerge on many fronts. In September, for instance, opponents of mountaintop removal are converging on DC to demand an end to the coal trade. That same month, Tim DeChristopher goes on trial in Salt Lake City for monkey-wrenching oil and gas auctions by submitting phony bids.  (Naomi Klein and Terry Tempest Williams have called for folks to gather at the courthouse.)

The big environmental groups are starting to wake up, too.  The Sierra Club has a dynamic new leader, Mike Brune, who’s working hard with stalwarts like Greenpeace and Friends of the Earth. (Note to enviro groups: working together is fun and useful). Churches are getting involved, as well as mosques and synagogues. Kids are leading the fight, all over the world — they have to live on this planet for another 70 years or so, and they have every right to be pissed off.

But no one will come out to fight for watered down and weak legislation. That’s not how it works. You don’t get a movement unless you take the other two steps I’ve described.

And in any event it won’t work overnight.  We’re not going to get the Senate to act next week, or maybe even next year. It took a decade after the Montgomery bus boycott to get the Voting Rights Act. But if there hadn’t been a movement, then the Voting Rights Act would have passed in… never. We may need to get arrested.  We definitely need art, and music, and disciplined, nonviolent, but very real anger.

Mostly, we need to tell the truth, resolutely and constantly. Fossil fuel is wrecking the one earth we’ve got. It’s not going to go away because we ask politely. If we want a world that works, we’re going to have to raise our voices.

Bill McKibben is founder of 350.org and the author, most recently, of Eaarth: Making a Life on a Tough New Planet. Earlier this year the Boston Globe called him “probably the country’s leading environmentalist” and Time described him as “the planet’s best green journalist.” He’s a scholar in residence at Middlebury College. To hear him discuss why the public needs to lead the fight against global warming in Timothy MacBain’s latest TomCast audio interview, click here or, to download it to your iPod, here.

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—-  Ein Artikel von Peter Hartmann und mir. —–

Unter dem Titel „Energiepolitischer Appell“ veröffentlichte Mitte August eine Allianz aus Vertretern der deutschen Atomwirtschaft und anderen Großkonzernen eine großangelegte Anzeigenkampagne in diversen deutschen Tageszeitungen. Offiziell ging es um „eine sichere, saubere und bezahlbare Energieversorgung“ und „die Sicherung der Lebensgrundlagen von morgen“. Um nicht den Eindruck zu erwecken, es ginge ausschließlich um die „Lebensgrundlagen“ von RWE & Co., wurde zeitgleich mit dem Atomappell eine Online-Unterschriftenaktion gestartet. Man wollte offensichtlich beweisen, dass es auch in der Bevölkerung eine breite Unterstützung für Laufzeitverlängerungen gibt.

Hier das Link ….

Auch wenn ein roter Liveticker auf der Webseite des Atomappelles  suggeriert, dass es  einen steten und mächtigen Zustrom neuer Unterstützer gibt, so ist die tatsächliche Zahl von Unterschriften doch recht überschaubar. Seit Tagen dümpelt der Wert um die 16.000 rum.

Noch schmalbrüstiger wird diese PRO-Atompetition, wenn man genau hinschaut, wo die Unterstützerszene denn so herkommt und was sie antreibt. Ist es „Mut und Realismus für Deutschlands Energiezukunft“?

Oder was sonst treibt die PRO-Atombewegung an?

Ein erster Hinweis ist ein Spiegel-Artikel vom 18.9.10. Titel: „Biblis feiert den Atomdeal“ (pdf)

Alles nur ein Haufen Opportunisten, die um ihren gutbezahlten Job im AKW fürchten?

Hierzu eine kleine statistische Auswertung (Stand: 15.09.10)

Insgesamt hatten bis zum 15.September 13510 Menschen den Atomappell unterschrieben.

Die Auswertung der regionalen Verteilung (auf Basis von PLZ-Bereichen) ergibt folgende Ergebnisse:

1. Bei der absoluten Anzahl von Unterschriften liegt Essen auf Platz 1 (662 Unterschriften), gefolgt von Karlsruhe (252) , Düsseldorf (250), Hamburg (245) und Dortmund (225).

Nicht wirklich überraschend, denn die 4 Atomkonzerne haben eben genau dort ihre Firmensitze bzw. große Niederlassungen.

  • Essen: RWE AG Hauptsitz,  EO.N Ruhrgas AG
  • Karlsruhe: ENBW AG Hauptsitz
  • Düsseldorf: EO.N AG Hauptsitz
  • Hamburg: Vattenfall Europe Distribution und andere Konzernteile
  • Dortmund: RWE Vertrieb, RWE Dienstleistungen, RWE Netzservice u.a.

Fazit: Allein mehr als 10 % der PRO-Atomunterschriften kommt aus 5 Städten, in denen die 4 Atomkonzerne ihren Sitz oder mindestens eine große Zweigstelle haben.

———–

2. Nimmt man die relative Anzahl von Unterschriften im Vergleich zur Einwohnerzahl als Grundlage, ergibt sich folgendes Ergebnis:

Unterstützerdichte (Unterschriften pro 100.000 Einwohner), Rangfolge:

  1. Grundremmingen (1850) – AKW Standort
  2. Brokdorf (1262) – AKW Standort
  3. Bedburg (825) – RWE Gewerbepark & Braunkohleindustrie
  4. Neckarwestheim (813) – AKW Standort
  5. Biblis (737) – AKW Standort
  6. Niederaichbach (703) – AKW Isar
  7. Beidenfleth (631 )- Nachbarschaft zu AKW Brokdorf
  8. Neunkirchen (608) – Nachbarschaft zu AKW Obrigheim (abgeschaltet)
  9. Inden (573 ) – RWE Braunkohle
  10. ….
  11. Brunsbüttel (468 ) – AKW Standort
  12. Grafenrheinfeld (449 ) – AKW Standort

—————–

3. Nicht nur AKW Standorte selbst zeigen hohe Unterstützerdichten, sondern auch Gemeinden in deren Umgebung.

Errechnet man den durchschnittlichen Anteil von PRO-Atom Unterzeichnern im Umkreis von 5 bis 30 km Entfernung von einem AKW, dann ergibt sich folgende Statistik:

Entfernung vom AKW

durchschnittl. Unterstützerdichte

Unterschriften pro 100.000 Einw.

5 km

135

10 km

97

20 km

57

30 km

40

Vergleich: Deutschland

16

4. Auch eine geostatistische Cluster-Analyse (ArcGIS Hotspot Analysis Algorithmus) zeigt einen deutlichen Zusammenhang von PRO Atom Ballungszentren in der Nähe von Kernkraftwerken, aber auch in den Braunkohlerevieren im Rheinland und in der Lausitz.

Unterzeichnerdichte: Hotspots (rot) & Coldspots (blau)

Unterzeichnerdichte: Hotspots rot & Coldspots blau (zum Vergößern auf das Bild klicken, als PDF)

4. Noch deutlicher wird der Zusammenhang am Beispiel der Kernkraftwerke Brokdorf und Brunsbüttel.

(zum Vergößern auf das Bild klicken, als PDF)

Schön zu sehen. Die meiste Unterstützung gibt es in Brokdorf und Brunsbüttel selbst sowie in den angrenzenden Orten rechts der Elbe. Auf dem anderen Elbufer und damit verkehrstechnisch von den AKW´s weit entfernt-kaum eine Handvoll Unterschriften.

—–

Fazit: Alles deutet darauf hin, dass die Mehrheit der Unterstützer aus den Reihen der Atomkonzerne selbst kommt. Insofern geht es den Unterzeichnern mitnichten um  „die Sicherung der Lebensgrundlagen von morgen und die Zukunftsfähigkeit des Standortes Deutschland“, wohl aber um die Sicherung hoher Profite und Gehälter sowie die „Zukunftsfähigkeit“ der Strommonopolisten selbst.

Als repräsentatives Stimmungsbild aus der Mitte der Gesellschaft ist die Petition ganz klar ein Schuss in den Ofen. Oder einfach nur peinlich…..


P.S. Um Mißverständnissen vorzubeugen – Opportunismus ist verständlich und legitim, wenn es um den eignen Job geht. Aber wenn  milliardenschwere Konzerne politische Entscheidungen in ihrem Interesse beeinflussen können, dann sind wir am Ende von dessen, was wir Demokratie nennen.

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„Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“ (§1 EIKE Satzung)


Pünktlich zum Winterschlussverkauf hab ich mal wieder in der Klamottenkiste des klimaskeptischen Instituts EIKE („Europäisches Institut für Klima und Energie“) gewühlt. Da findet man noch viele Sachen, die entweder nicht mehr ganz so im Trend sind oder es vielleicht irgendwann noch werden. Aber ist auch egal, wie zeitgemäß das Angebot ist, es gibt doch immer Käufer, die in die Wühlkiste greifen, weil es einfach billig ist und zu den sonstigen Klamotten passt….

So, wie die Datenanalysen des EIKE „Klimaforschers“ Ernst Georg Beck, veröffentlicht vom Pressesprecher Limburg…

Diese sollten jedem modebewussten „Klimarealisten“ als Lehrstück postmoderner Statistikinterpretation dienen:

Titel: Ist auch der Trend des stetig steigenden CO2 am Ende?

Limburg: „Wissenschaftler von EIKE beobachten Anzeichen für eine Trendumkehr beim CO2 -Anstieg, verzögert, aber ähnlich wie bei Methan. Letzteres steigt schon länger nicht mehr.“

„E.G. Beck schreibt dazu in seiner Arbeit:“

Während der letzten beiden Jahre zeigen die CO2 -Daten der Messstationen von WDCGG (World Data Center of Greenhouse gases) and NOAA vornehmlich auf der Nordhemisphäre einen Trendwechsel.“

Und hier die langersehnte Trendwende beim CO2:

Aber leider, leider, hat der EIKE-„Wissenschaftler“ Beck, im Nebenberuf auch Biologie- und Chemielehrer in Freiburg, wohl die letzte Weiterbildung geschwänzt….Und die Trendwende der Trendwende verpasst. Wie gesagt, jede Mode wird mal wieder aktuell.

Hier die aktuelle Kurve vom NOAA (Quelle):

Fazit 1: Ich empfehle Herrn Limburg, die Chemiestunden beim Herrn Dipl. Biol. Beck zu schwänzen.

Fazit 2: Ich empfehle Herrn Dipl. Biol. Beck eine Weiterbildung und Neuauffrischung in Klimatologie.

Fazit 3: Ich empfehle beiden eine Nachhilfestunde in Statistik. Denn Trendanalysen sollten immer die größtmögliche Stichprobenmenge berücksichtigen, gelle?.

Das sieht dann so aus:

CO2-Kurven seit Beginn der Aufzeichnungen am Mauna Loa (Quelle).

Die rote Linie in der Mitte zeigt übrigens die kumulierten industriellen CO2 Emissionen. Eine sogenannte „Korrelation“ (Kor-re-la-tion).

Dazu mehr bei der nächsten Nachhilfestunde in Statistik….

Dipl. Biol.  Michael Schwarz

(Nicht-offizieller nicht-wissenschaftlicher Klimaskepsis-Skeptiker und Nicht-EIKE-Fachbeirats-Berater)

P.S: Mehr aus der EIKE-Klamottenkiste: hier

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Nach dem ganzen hämischen Getöse um „Climategate“  beim klimaskeptischen Institut EIKE, hier mal  ein Beispiel zu deren Umgang  mit Daten und Fakten- nämlich gezielter Mißinformation:

In einem Artikel von Klaus Puls geht es um die angebliche Abkühlung der Antarktis. Dabei wird auf einen Bericht des Alfred-Wegner Instituts für Polarforschung (AWI) in Bremerhaven verwiesen.

Puls: „Nun ist es „amtlich“: In der Antarktis wird nicht nur der wachsende(!) Eispanzer seit 1979 kälter (Details), sondern auch die antarktischen Meere, wie aus einer Pressemitteilung des AWI hervorgeht“:

Klickt man auf das link, landet man bei der NASA und einem Bericht, der etwas völlig anderes aussagt.  Offensichtlich setzt man darauf, dass niemand den englischen Artikel durchliest.

Der Nasa- Bericht sagt Folgendes (Auszüge-nicht ideologisch selektiert):

NASA: „But this big continent can produce a surprisingly dynamic range of conditions. One example of this range is temperature trends. Although Antarctica warmed around the perimeter from 1982 to 2004, where huge icebergs calved and some ice shelves disintegrated, it cooled closer to the pole.“…

„Why is Antarctica getting colder in the middle when it’s warming up around the edge? One possible explanation is that the warmer temperatures in the surrounding ocean have produced more precipitation in the continent’s interior, and this increased snowfall has cooled the high-altitude region around the pole. Another possible explanation involves ozone. Ozone in the Earth’s stratosphere absorbs ultraviolet radiation, and absorbing this energy warms the stratosphere. Loss of UV-absorbing ozone may have cooled the stratosphere and strengthened the polar vortex….“

Also nichts über eine generelle Abkühlung der Antarktis, sondern nur über eine Abkühlung + Eiszunahme in  Polnähe. Und das auch noch durch das Ozonloch, einer anderen menschengemachten Umweltsünde,  verursacht. An der Peripherie gibt es klar eine Erwärmung + abbrechende Gletscher. Und eben gerade dort wird es die meisten Auswirkungen auf die Meeresfauna haben.

Ist das die Art von EIKE, „strikte Sachlichkeit“ (Eigenwerbung) walten zu lassen?

Noch interessanter ist eine neuere Pressemitteilung des AWI vom 30.11.09:

Darin findet man die glasklare Bestätigung des Erwärmungstrends in der Antarktis. Das Ozonloch verzögert die Entwicklung nur. Hier Auszüge aus der Pressemitteilung:

AWI: „Der Bericht fasst die neuesten Erkenntnisse von mehr als 100 weltweit führenden Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen aus 13 Ländern zusammen.“

Dr. Colin Summerhayes, Geschäftsführender Direktor von SCAR, sagte: „Die Antarktis ist eine einzigartige Informationsquelle über unseren Planeten. Dieser Bericht beschreibt, was wir heute wissen, und illustriert, wie menschliche Aktivität den raschen Klimawandel vorantreibt….Die Arbeit ist besonders wichtig, weil sie den Klimawandel in der Antarktis in einen globalen Zusammenhang stellt und die Auswirkungen auf den Rest des Planeten zeigt.“

Professor John Turner vom British Antarctic Survey, leitender Redakteur des Berichts: „Für mich ist das Erstaunlichste der Nachweis, dass ein menschlicher Umwelteinfluss – das Ozonloch – den Großteil der Antarktis vor der globalen Erwärmung geschützt hat…

Eine Zusammenfassung des Berichts in zehn wichtigen Punkten:

1. Das Ozonloch hat den Großteil der Antarktis in den letzten 30 Jahren vor der globalen Erwärmung geschützt.

2. Die Erwärmung des Südlichen Ozeans führt zu Änderungen im antarktischen Ökosystem.

3. Rasche Zunahme der Pflanzengesellschaften auf der antarktischen Halbinsel

4. Schneller Eisverlust in Teilen der Antarktis

5. Zehnprozentige Zunahme des Meereises rund um die Antarktis

[Kommentar: Diese Information wird häufig als „Beweis“ für die angebliche  „Klimalüge“ benutzt!]

6. Steigerung der Kohlendioxidgehalte so schnell wie noch nie seit 800.000 Jahren

7. Rückgang des Meereises westlich der antarktischen Halbinsel beeinflusst unmittelbar Krillvorkommen und Pinguinkolonien.

8. Die Antarktis könnte sich im Laufe dieses Jahrhunderts um etwa 3 ° C erwärmen.

9. Verluste am Westantarktischen Eisschild könnten den Meeresspiegelanstieg beschleunigen.

10. Verbesserte Modellierung der polaren Prozesse ist für genauere Vorhersagen erforderlich.

Immerhin: Der EIKE-Artikel ist nirgends auf der neueren Webseite von EIKE zu finden. Einsicht? Es wäre zu hoffen!

Tschüss Michael

Weitere posts zu EIKE: hier hier hier



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Wenn Geiz schon geil ist, dann Braunkohle erst recht. Und zwar in ganz verschiedener Hinsicht….

Es ist einfach nicht abzustreiten: Aus Tagebauen werden wunderschöne Baggerseen. Kein Kohlekumpel schwitzt mehr von schwerer Arbeit. Er schwitzt schon eher im Angesicht baggerfähiger Badeschönheiten….


Ehemaliger Tagebau: Cospuder See bei Leipzig

Bärbel aus Markleeberg hofft auf heisse Nächte…

Und nicht nur das. Auch sonst bietet das Revier atemberaubende Hügellandschaften und pittoreske Denkmäler der Bergbaugeschichte.

Bildquelle: Bundesverband Braunkohle

Fast scheint es wie ein glücklicher Zufall, dass Braunkohleverstromung zusätzlich einen wichtigen Beitrag zur Klimaerwärmung leistet. So ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis man von März bis Oktober baden kann.

Zufall? Um Himmels willen,  kein Zufall: Der wahre Hintergrund ist ein sensationelles langfristiges und integriertes Tourismuskonzept des Deutschen Braunkohleforum.

Die Idee ist so simpel wie genial!!!:

Mehr Tagebaue + Klimaerwärmung = Mehr Baggerseen und Sex im Freien! Urlaub in der Heimat! Bye, bye Malle! Und das alles auch noch bezahlbar!

Noch hält sich die Branche  mit dieser trendigen Idee etwas  zurück (die im übrigens auch in China stark im Kommen ist).  Ausser auf einigen doppelseitigen Anzeigen in diversen deutschen Wochenzeitschriften (Spiegel etc.) wird noch etwas schüchtern mit dem innovativen Konzept umgegangen.

Anders kann man es sonst nicht erklären, das in der Linksammlung des deutschen Braunkohleforums das Wort „Klima“ überhaupt nicht vorkommt.

Dennoch. Die Genialität des Konzepts liegt nicht nur in den Effekten, sondern im langfristigen Verändern der Ursachen!

Nur ein Anstieg des CO2 Gehalts der Atmosphäre sichert uns tausende Jahre wohlige Wärme, da das Gas sehr stabil ist und quasi nicht abgebaut wird.

Im Glossar des deutschen Braunkohlenforum findet man weitere Informationen zu Kohlendioxid:

Da Kohlendioxid aus natürlichen Prozessen  im Kreislaufsystem der Natur von der Vegetation wieder „geschluckt“ wird (Dynamisches Gleichgewicht) sowie ein gewisser Teil auch endgültig aus der Atmosphäre entfernt wird (Kohlenstoffsenken), will die deutsche Braunkohleindustrie diesem unerwünschten Effekt entgegensteuern. Schon durch eine klitzekleine Steigerung des CO2 Gehalts der Luft von 0.04 auf 0.08 % (400/800ppm) könnte man nämlich eine durchschnittliche Erwärmung um ca. 6°C erreichen!

Deshalb ist man besonders stolz auf den niedrigen Wirkungsgrad (36%) der Kraftwerke, wie man im Glossar unter Wirkungsgrad nachlesen kann.

Mit modernen Gaskraftwerken würde man zwar auch CO2 emmittieren. Die Klimawirkung wäre allerdings viel geringer, zumal man mittels KWK (Kraft-Wärme-Kopplung) bis auf 95 Wirkungsgrad käme. So kriegt man keine Klimaerwärmung hin!

Weiterhin ist auch zu befürchten, dass durch unvermeidliche Effizienzsteigerungen weniger Kohle gefördert wird und damit die Zahl zukünftiger Baggerseen zurück geht..

Dieser Gefahr will man energisch entgegensteuern. Das Zauberwort heisst CCS (Carbon Capture and Storage ). Diese Technik ist schlicht genial!

Man verflüssigt einfach die Abgase des Kraftwerkes und pumpt sie  in den Untergrund.  Die Gesteinsschichten wirken wie eine riesige poröse Membran, durch die das CO2 langsam, aber kontinuierlich und dosiert wieder in die Atmosphäre gelangt. Wie gesagt, man denkt langfristig!

Noch genialer: Durch CCS sinkt der Wirkungsgrad der Kraftwerke beträchtlich. Für dieselbe Leistung muss bis zu 25% mehr Brennstoff eingesetzt werden. Allein dieser Zusatzbedarf entspricht ca. drei Viertel der Kohleförderung der gesamten Lausitz! (Quelle: http://www.kohlenstatistik.de/home.htm, 2008: Lausitz 57,9 Mio to/Dt 175,3 Mio to )

Noch mehr Baggerseen durch CCS!!!


Arbeiten am zukünftigen Naherholungsgebiet…

Aber auch volkswirtschaftlich lohnt sich das Ganze, wie uns der Braunkohleverband aufklärt:

Denn CCS ist unwahrscheinlich billig. Nur schlappe 50 bis 100 US$ kostet jede Tonne CO2 Speicherung (Quelle: Factsheet CCS der IEA (international Energy Agency). Das sind gerade mal 5 bis 10 Cent pro Kilo. So billig kriegt man doch heutzutage gar nichts mehr. Und damit es noch billiger wird, schiesst unsere liebe EU z.Z. 2 Milliarden an Forschungssubventionen zu. Bis 2015 kommen weitere 9 Milliarden dazu. (Quelle: Wikipedia )

Auch sonst sollte der Staat nicht kleinlich sein. Denn schliesslich ist Klima ein „common good“. Das heisst, jeder profitiert davon, wenn es wärmer und geiler wird. Und Gemeinwohl sollte auch gemeinsam bezahlt und gefördert werden. Daher werden die zukünftigen Naherholungsgebiete vom Staat subventioniert, wie das Umweltbundesamt 2004 veröffentlichte:

„Dazu gehören Steuerbegünstigungen gegenüber anderen Energieträgern – wie Gas und Öl – oder Freistellungen vom Wasserentnahmeentgelt und der Förderabgabe auf Bodenschätze. Zusammen mit den Subventionen für die Modernisierung der ostdeutschen Braunkohlewirtschaft in Höhe von jährlich rund 150 Millionen Euro belaufen sich die Subventionen – vorsichtig geschätzt – auf knapp eine Milliarde Euro pro Jahr.“

Ach wie schön wird doch die Welt von morgen… Schön braun gebräunt von Braunkohle.

Lasst uns baggern wie die Weltmeister!!!!

Tschüss Michael

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Als Kommentar auf meinen Artikel über die Klimaleugner von EIKE hat mir Hans-Jürgen geschrieben und um eine Antwort gebeten. Da diese Debatte in diversen Foren teilweise äusserst unsachlich und persönlich geführt wird, möchte ich hiermit mal das freundliche und sachliche Gegenstück zeigen.  Ich hoffe, Hans Jürgen führt den Dialog weiter mit. Ich werde den Artikel in diesem Sinne regelmässig updaten und lade zu Kommentaren ein.

Hier unser Briefwechsel:

4.12.09:

Lieber Michael,

umgekehrt wird ein Schuh daraus: Der ganze Rummel um den „Klimawandel“ ist eine ausgekügelte Ideologisierung und Volksmanipulierung (siehe Hackerskandal in England) durch einen Filz von Politikern, Wirtschaft, Finanzkapital und Medien zur Befriedigung ihres Strebens nach Profit, Macht und Profilierung. Zusätzlich soll die Bevölkerung von wahren gesellschaftlichen Problemen (z.B. soziale Ungerechtigkeiten, Arbeitslosigkeit, Armut, Hunger…..) abgelenkt werden.
Dabei wird die Tatsache ausgenutzt, dass nun einmal die Masse der Bevölkerung über begrenzte naturwissenschaftliche Kenntnisse verfügt.

Plöhdes Folg läsd siech äben laicht rekieren!!

Übrigens bin ich auch gegen Umweltverschmutzung, Regenwaldrodung und stinkende Chemiefabriken (habe zu DDR-Zeiten über 8 Jahre in Bitterfeld gearbeitet).

Ich werde niemals politisch-ideologischen Verbänden beitreten und bewahre damit meine Position als frei denkender und handelnder Bürger.

Persönlich kann mir ich Ihre Einstellung hauptsächlich damit erklären, dass Sie sich auf diese Weise zu einem beträchtlichen Anteil Ihre berufliche Existenz sichern wollen, was ich ja sogar verstehen kann!

Über eine Rückmail wäre ich Ihnen dankbar.

Beste Grüße
Dr. Hans-Jürgen Gläsel

PS: Ich bin übrigens nicht Mitglied von EIKE und habe dies auch nicht vor (es sind mir dort zu viele rechtslastig eingestellte Personen aktiv)

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4.12.09:

Lieber Hans-Jürgen,

nur kurz ein paar Fragen, bevor ich ausführlich in den nächsten Tagen antworte. Denkst du, es gibt keinen Klimawandel? Wenn doch, was ist für dich die Ursache? Und was wären für dich die notwendigen Konsequenzen aus deiner Ansicht?
Ich gehe gerne auf alle Details ein. Aber so können wir die Diskussion schon mal eingrenzen.

Tschüss Michael

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5.12.09:

Lieber Hans-jürgen,

ich will dir hiermit antworten ohne genau zu wissen, was du nun eigentlich zum Klimawandel denkst.

Ich fange mal am Ende deiner mail an.

Wenn du glaubst, dass ich mir berufliche Vorteile mit meiner Meinung verschaffe, dann liegst du 100% falsch. Ich wüsste ehrlich gesagt gar nicht, wie das gehen soll. Ich bin Freiberufler und arbeite in einen Umfeld, wo Ansichten zum Klimawandel keine Bedeutung haben und persönliche statements eher als unprofessionell gelten. Und ich werde mich schön hüten, in einer Bewerbung (falls ich mich denn je mal irgendwo bewerben sollte???) auf meinen blog zu verweisen. Meine journalistischen Qualitäten sind dafür einfach zu limitiert. Und ich hoffe auch, du selbst bist nicht einer dieser Menschen, deren Meinung sich aus persönlichen Kosten-Nutzen-Rechnungen bildet und die das grosse Gejammer anstimmen, weil sie für ihre 200 PS Schwanzverlängerung ein bisschen mehr zahlen sollen. Keine Sorge, ich bin keine müslifressende Spassbremse. Wenn du´s nicht glaubst, dann lass uns ein Bier trinken gehen….

Nun zu deinen Argumenten. Völlig richtig, es gibt diese „ausgekügelte Ideologisierung und Volksmanipulierung….. durch einen Filz von Politikern, Wirtschaft, Finanzkapital und Medien zur Befriedigung ihres Strebens nach Profit, Macht und Profilierung.“ Und es soll tatsächlich „die Bevölkerung von wahren gesellschaftlichen Problemen (z.B. soziale Ungerechtigkeiten, Arbeitslosigkeit, Armut, Hunger…..) abgelenkt werden.“. Völlig korrekte Einschätzung. Nur komisch, dass du diese Absichten der Klimaschutzbewegung anlastest. Genau das Gegenteil ist der Fall!

Es ist dieser Filz von milliardenschweren Öl- und Kohlemonopolisten, globalen Finanzkapital, konservativen Medienmogulen, manipulierten Staatsmedien und neoliberalen Politikern, die den Klimawandel leugnen und mittels ihrer geballten Finanzkraft und Meinungsmaschinerie jede Art der Einigung für ein Klimaabkommen massiv torpedieren. Es sind genau diese Leute, die für Umweltverschmutzung, Raubbau, Hunger- und eben auch den Klimawandel verantwortlich sind. Und das sind genau die Leute, die Geld, Konsum und Wirtschaftswachstum als die alleinige Glückseligkeit propagieren, während sie uns nebenbei mit dümmster Werbung und billigen Rummel zu verblöden versuchen. Immer schön kaufen und wegwerfen, wenn nicht für dich selbst, dann wenigstens für die Binnenkonjunktur. Nur kein Tempolimit, denn Rasen macht so frei. Und immer schön buckeln, denn der Job ist ja herrgott so unsicher, das Leben teuer und die Rente gibts bald gar nicht mehr…..Und dieser ganze sinnentleerte Wahnsinn ist von billigem Öl geschmiert!

Ich wundere mich, dass du diese simple Logik nicht erkennst. Man braucht doch nicht viel kognitive Leistung aufzubringen, um zu erkennen, wer hier welche Interessen verteidigt und wer die Macht dazu hat.

Schau dir doch nur die Realität an.

Wer gehört denn zu den Klimaleugnern und Klimaschutzboykotteuren? Hier eine kleine Auswahl, die man endlos weiterführen könnte :

–         Ölmultis: 7 der 10 grössten Konzerne der Welt verdienen ihr Geld mit Öl. Und da sind grosse staatliche Firmen mangels Daten noch nichtmal dazugezählt. (Quelle: Wikipedia

–         Dick Cheney,Vizepräsident unter Bush Junior, CEO von Halliburton (Ölfirma)

–         In Deutschland: Eon, Vattenfall & Co., die Braunkohleindustrie, die Autobranche

–         Länder die keine Klimaverpflichtungen wollen: USA (zweitgrösster Verschmutzer, zweitgrösster Kohleförderer), China (grösster Verschmutzer, grösster Kohleförderer), OPEC-Staaten (79% der globalen Ölresereven, Australien (grösster Kohleexporteur), Kanada (Ölsande)

–         grösste Bremser in der EU: Polen und Tschechien (kohlebasierte Energiewirtschaft, rechtslastige Regierung)

–         Rupert Murdoch: weltweit 4.grösster Medienunternehmer,  Anti-Klimalobbyist, Bush-Anhänger, Tabaklobbyist, Irak-Befürworter…

–         schlimmstes Beispiel der Gegenwart: Kanada lehnt die Erfüllung des Kyoto-Protokolls ab, um Ölsande in Alberta abzubauen.

Ölsandabbau in Kanada: Hier standen mal Urwälder und wohnten indigene Bewohner. Ein Gebiet von der Grösse Englands soll dieser Art Raubbau zum Opfer fallen.

Es sind diese Sorte Menschen, die die Welt ruinieren. Waffen-, Öl-, Finanzkapital. Alles das ist doch der eigentliche korrupte Filz von neoliberalen Ideologen und Profitgeiern, die ohne Rücksicht auf Mensch und Natur die letzten Ressourcen aus der Erde saugen, korrupte Diktaturen schmieren und Kriege am Laufen halten.

Dagegen ist es doch eine Lachnummer, dass Phil Jones (der „gehackte“ Klimaforscher) anscheinend ein paar Daten manipuliert hat, die aber abgesehen davon in anderen Studien bestätigt werden (z.B. NASA). Trotzdem ist es völlig korrekt, das der Typ zurücktritt und die Ergebnisse überprüft werden. Aber das ist ein Fall und immer noch kein Vergleich zu den Unmengen bewusster Fälschungen von gekauften „Klimaexperten“ und den unsachlichen Schmähungen der Klimaleugnerszene gegen alles und alle, die unseren Planeten und unsere Zukunft schützen wollen. Ich möchte mir nicht vorstellen, was rauskommt, würde man deren emails hacken…Ein Beispiel: Bush hat die Veröffentlichung  seiner eignen Umweltbehörde (EPA 2004) über Monate verhindert, weil darin vor dem Klimawandel gewarnt wird. Man führt halt lieber Krieg um Ölquellen….

Mag auch sein, dass Wissenschaftler ihre eigne Karriere durch Arbeit am Klimawandel befördern. Aber das trifft ja nun genauso für klimaskeptische Wisenschaftler zu. Die werden garantiert ein bisschen grosszügiger  gesponsert als die Leute vom PIK & Co. Mit der öffentlichen Reputation von Klimaskeptikern hapert es auch nur in den Ländern, wo es eine halbwegs aufgeklärte und informierte Öffentlichkeit gibt (wie z.B. in Deutschland). Ausserdem- richtig berühmt (und reich) würde heutzutage derjenige, der das Gegenteil vom Klimawandel beweisen kann. So wird „ein Schuh draus“!

Und wenn du immernoch nicht überzeugt bist, dann schau dir doch einfach mal an, wer für eine fortschrittliche Klimapolitik trommelt:

Die meisten Akteure kommen aus der Zivilgesellschaft und NGO´s.

Schau doch nurmal drauf, wer z.B. in der „Klimaallianz“ mitmacht:  Das sind ein Haufen Non-Profit Organisationen und Freiwillige, denen der Rest der Welt noch nicht völlig am Arsch vorbei geht, die aber wohl kaum grossartige Vorteile aus einer Klimahysterie ziehen. Und wenn doch, in welcher Relation zu den Interessen der Klimaleugner. Das sind doch peanuts im Vergleich zu den Ölmilliarden. Schon aus Erfahrung solltest du wissen, dass solche Leute die wirklichen Freidenker sind und nicht irgendwelche Witschaftsbosse und alte Betonköpfe, deren Freiheitsbgriff sich auf die Freiheit globaler Ausbeutung, freier Finanzströme und ungehemmter Verdreckung der Umwelt erschöpft. Hast ja selber gesagt, die von EIKE sind dir zu rechtslastig. Genau wie Bush, Cheney, Murdoch, Berlusconi & Co.

Und glaub mir, jeder von den Klimaaktivisten und sonstigen kritischen und engagierten Mitmenschen (ich inklusive) wäre heilfroh, wenn es keinen Klimawandel gäbe.

Ich könnte dir jetzt noch aufzählen, warum auch ohne Klimawandel eine Dekarbonisierung der Wirtschaft, Waldschutz, Energieeffizienz und weniger Konsum gut wäre . Aber das kannst du dir als freidenkender Bürger vermutlich selber zusammenreimen.

Ich freue mich auf jeden Fall über eine Antwort.

Tschüss Michael

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Nachtrag vom 17.12.09: Lesenswerter Artikel in SPIEGEL ONLINE über den Auftritt des republikanischen US-Senators Inhofe in Kopenhagen. Willst du wirklich dieser Ausgeburt der Arroganz  Recht geben?

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23.02.10

Lieber Michael,

nach langer Zeit möchte ich mich mal wieder melden und ein paar Gedankensplitter zum Besten geben:

Abgesehen davon, dass es zur Zeit keine konkreten Beweise dafür gibt, dass sich das Klima global stetig und dauerhaft erwärmt sowie dem Faktum, dass man mit Modellrechnungen den längerfristigen Klimaverlauf nicht vorhersehen kann (zusätzlich ist und bleibt CO2 ein Spurengas), halte ich noch folgendes für bedenklich:

Bin ja noch alter DDR-Bürger und habe die ganzen ideologischen Kampagnen noch in sehr guter sensibilisierter Erinnerung, die ganze Klimadiskussion ähnelt diesen in vieler Hinsicht.

Aktionistische Kampagnen, zu denen der Mensch jedoch zu neigen scheint, haben der Gemeinschaft immer geschadet (z.B. China: Großer Sprung nach vorn, Kulturrevolution), sachlicher Pragmatismus (auch wieder China: Deng Tsiao Ping) war jedoch grundsätzlich (wenn auch mit partiell gegenläufigen Effekten) nutzbringend.

Ich bin immer mehr davon überzeugt, dass die ganze Klimadiskussion eine typisch kapitalistische Inszenierung ist und nur einem sehr begrenzten Teil der Bevölkerung nützt, der Masse jedoch schadet. Geradezu tragisch erscheint mir dabei, dass gerade politisch Linksgerichtete besonders intensiv die landläufig bekannten Thesen verfechten. An die Möglichkeit, das die vermeintlich grüne Ideologie nun die (gescheiterte) realsozialistische Idee abgelöst hat, wage ich gar nicht zu denken.

Als Naturwissenschaftler sind für mich nur wissenschaftlich nachprüfbare und nachvollziehbare Experimente mit signifikant gesicherten Ergebnissen relevant.

Ich halte mich für einen Sozialisten, in jüngster Zeit denke ich aber immer mehr folgendes:

Selbst wenn die sozialistische Idee nicht von Russland, sondern von Deutschland und/oder Frankreich ausgegangen wäre, sie wäre letztendlich doch gescheitert: Es ist nur eine Frage der Zeit, ab wann sich z.B. ein korrupter Politikklüngel mit all seinen Folgen ausbildet. Gleichwohl sollte die Entwicklung einer weniger ungerechten Gesellschaftsordnung als der jetzigen möglich sein.

In Bezug auf die Umwelt wären dabei für mich Maßnahmen hinsichtlich der Verhinderung von permanenter Umweltzerstörung (z.B. Bekämpfung von menschengemachten Umweltkatastrophen – Aralsee, tropische Regenwälder… – sowie der Aufbau von modernen Indutriebetrieben in weniger entwickelten Ländern) von besonderer Relevanz.

Beste Grüße
Hans-Jürgen

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12.04.10

Lieber Hans Jürgen,

langsam komme ich hinter deine Denkweise.
Dennoch muss ich dir in ein paar Punkten widersprechen.
Das Argument mit dem Spurengas bringt gar nichts. Es kommt halt nicht nur auf die Menge, sondern auch auf die Wirkung an. Die Treibhauswirkung von CO2, Methan, NOx etc. ist ja nunmal bekannt. Vom Ozonloch kennen wir ja schon einen anderen Fall, wo vergleichsweise winzige Mengen FCKW´s ein riesiges Ozonloch verursacht haben….
Anthropogener Klimawandel ist ein wissenschaftlich anerkannter Fakt, auch wenn massiver Lobbyismus geschafft hat, dies zu vernebeln und in Misskredit zu bringen. Will mich jetzt nicht ausführlich zu den albernen Verschwörungstheorien der Skeptiker äussern….
Modelle sind freilich nur Prognosen mit gewissen Wahrscheinlichkeiten. Sie dienen dem Risikomanagement, aber können freilich nicht dem Anspruch von absoluter Wahrheit/Beweisbarkeit genügen. Dennoch ist diese Unsicherheit kein Grund, sie komplett zu mobben. Theoretisch könnte die Unsicherheit der Modelle ja auch bedeuten, dass alles sogar noch schlimmer kommt! Deshalb gilt das “precautionary principle”. Im normalen Leben praktizieren wir das auch, ohne mit der Ungewissheit zu hadern. Wir zahlen in die Rente ein, ohne zu wissen, ob wir so alt werden, wir versichern Haus, Hof und Auto, obwohl nur mit geringer Wahrscheinlichkeit irgendwas passsiert usw….Dasselbe Prinzip ist die Daseinsberechigung von Klimaschutz. Eben nicht individuell, sondern global.

Sachlichen Pragmatismus fände ich auch viel besser. Aber leider macht ja v.a. die Klimaskeptikerszene so einen ideologischen Grabenkampf daraus. Ansonsten wüsste ich nicht, was gegen Energie sparen, erneuerbare Energien, weniger Konsum, weniger Individualverkehr und Waldschutz sprechen sollte. Denn genau das sind die Maßnahmen gegen Klimawandel. Leider passiert sowas nicht von alleine, deswegen braucht man finanzielle Instrumente wie Steuern oder Emissionshandel. Es geht schlicht um die längst überfällige “Internalisierung” von Umweltkosten. Ich bin auch kein Fan von bürokratischen Monstern wie carbon trade und mir wäre es auch lieber, das alles geht auch aus purer Einsicht in die Notwendigkeit. Aber dem steht unsere materielle Denkweise, unsere Definition von Wohlstand und Wachstumsfixierung entgegen.
Zudem unterliegen viele Leute dem Denkfehler, die schlimmsten Umweltschäden werden in den armen Ländern verursacht, weil sie kein Bewusstsein dafür haben, nicht die Technik oder das Geld. Wir sind sehr auf die Produzenten fixiert und kapieren nicht, dass unser Konsum hier die Krux ist. Wir kaufen doch die billigen Schnitzel aus brasilianischen Soja, während wir gleichzeitig die Abholzung der Regenwälder beklagen….
Aufbau einer modernen Industrie in Entwicklungsländern- na ja…. Das ist die klassische Weltbank- und IWF-Entwicklungsstrategie, die längst gescheitert ist. Freilich besser als eine dreckige Industrie. Aber noch besser ist die Rückkehr zu angepasster lokaler Wirtschaft mit kleinen Kreisläufen, kurzen Wertschöpfungsketten und grösstmöglicher Unabhängigkeit von globalen Märkten. Also das Gegenteil von dem, was die WTO und Neoliberale predigen.

Liebe Grüsse
Michael

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