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Posts Tagged ‘Zeitgeist’

Der 18. Klimagipfel in Doha ist erwartungsgemäß gescheitert. Oder sagen wir lieber plangemäß, denn ein Weltklimavertrag war ohnehin erst für 2015 vorgesehen. Mal abgesehen von ein paar verzweifelten Inselstaaten und Entwicklungsländern gab es auch sonst kein Interesse an irgendwelchen Fortschritten. Die Nach-mir-die-Sintflut- Politik der vergangenen Jahre ist inzwischen zum Standard geworden. EU-Klimakommisarin Hedegaard nennt es „Kontinuität“. Das Umweltbundesamt spricht sogar von „wichtigen Weichenstellungen“. Ein deutliches Zeichen, dass die Erwartungen an die UN-Klimadiplomatie inzwischen so mager sind wie ein somalisches Rindviech.

Immerhin, das Kyoto-Protokoll wurde verlängert, was irgendwie besser ist als nichts. Zumindest für die Optimisten und Naiven. Ansonsten eher belanglos im Sinne des Klimaschutzes. Leidensverlängerung für ein klinisch totes Abkommen, mit dessen Legitimierung die Fossilindustrie sich ein paar weitere Jahre entspannen kann. Und es wird munter weiter gebohrt, gebaggert und gefrackt. Ganz nebenbei stellt man die Klima-Uhr endgültig auf 5 nach zwölf.

Um all die verdorrenden und absaufenden Länder nicht völlig zu ignorieren, beschloss man außerdem ein paar Finanzspritzen für die am stärksten betroffenen Länder.  Damit kann dann zum Beispiel Kiribati seinen Umzug nach Fiji bezahlen, während die Industrieländer mit geringstem Einsatz  ihr schlechtes Gewissen los sind. Toll, wie dieser Ablasshandel immer wieder funktioniert. Und das alles aus der Portokasse!

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Kiribati: Säuft zwar ab, aber alles halb so wild. Deutschland hilft ja beim Umzug. (Bildquelle: Google Images)

Für akute Klimafolgen wie Naturkatastrophen soll außerdem zukünftig ein separater Geldtopf bereitstehen. „Loss-and-Damage“ nennt sich die entsprechende Verhandlungsrunde. Das ist ein ganz besonders cleveres Geschäftsmodell. Denn Dürren und Überschwemmungen richten nicht nur Schaden an, sondern schaffen auch neue Märkte. Ganze Industrien profitieren, wenn es irgendwo kracht und siecht,  zum Beispiel durch Lebensmittelexporte in Hungergebiete, durch den Wiederaufbau zerstörter Infrastruktur oder generell durch die Beseitigung struktureller Marktbarrieren in Folge eines Desasters. Das besonders „Schöne“ daran – finanziert wird dies vom globalen Steuerzahler, nicht vom Verursacher. Das kennt man doch schon irgendwo her…

Nur um nicht falsch verstanden zu werden. Auch ich halte es für moralisch geboten und dringend notwendig, armen Länder bei der Bewältigung von Klimaschäden beizustehen. Aber ohne eine gleichzeitige Trendwende bei den Emissionen und die konsequente Dekarbonisierung der Weltwirtschaft wird ein entfesselter Klimawandel ohnehin alles in Frage stellen. Und dann wird das Motto sein: Rette sich, wer es selbst bezahlen kann.

M.S.

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Der UN-Klimavertrag von Rio erweist sich als zahnloser Papiertiger mit fatalen Folgen für die Menschheit. Ob fahrlässige Fehlkonstruktion oder perfide Absicht – er ist die Ursache für die Malaise internationaler Klimapolitik. Jetzt hilft nur noch ein kompletter Neustart. Und ein Ende des Klimagipfelzirkus.

Eine Klimakonferenz im OPEC-Land Katar wirkt ungefähr so deplaziert wie eine Erotikmesse im Petersdom. Gläserne Wolkenkratzer, künstliche Inseln und die gigantische Infrastruktur der Ölindustrie – bräuchte es noch Sinnbilder für die Verschwendungssucht der Menschheit und der Macht der Petrodollars, so fände man sie hier. Und wer schon mal ein Blick die Welt von morgen werfen möchte, der braucht nur ein paar Kilometer aus der Stadt rausfahren. 40° C im Schatten, wobei es nirgends Schatten gibt. Ausgedörrte Einöde so weit das Auge reicht.

Tolle Kulisse für großes Kino also. Und genau der richtige Zeitpunkt für einen allerletzten Klimagipfel.

https://i1.wp.com/www.conservapedia.com/images/1/11/Industrial_Gas_Oil_Qatar.jpgClick for the original image

(Quelle: Google Images)

Vor genau 20 Jahren unterschrieb die Weltgemeinschaft die Klimarahmenkonvention, vor 15 Jahren wurde das Kyoto-Protokoll beschlossen, in diesem Jahr endet es. Was wurde bis dato erreicht? Nichts oder sogar noch weniger. Die Emissionen sind trotz Wirtschaftsflaute auf einem Rekordniveau, Klimaschutz gilt weitläufig als teure Ökospinnerei, ein verbindlicher Klimavertrag steht in den Sternen. Selbst ambitionierte Länder wie Deutschland und Brasilien fallen derweil zurück in egoistische Interessenpolitik, während die Blockierer mehr und stärker werden. So wundert es auch nicht, dass selbst kleine Fortschritte  inzwischen wieder kassiert werden. Gleichzeitig schwindet die letzte Hoffnung auf eine Trendwende, während sich die schlimmsten Befürchtungen zur Gewissheit verdichten. Ein Temperaturanstieg  von 4° C gilt inzwischen als wahrscheinlich. Kaum vorstellbar, was dies wirklich bedeutet. Schon jetzt schmilzt die Arktis dahin. Bei derzeit 0,8 °C über dem Durchschnitt.

Fazit: “Total defeat, no moral victories.” , wie es Bill McKibben¹ ausdrückte.

Deswegen mein Vorschlag, auch wenn es nach Häresie klingt: In Doha sollte man die UN-Klimapolitik in Würde beerdigen. Die Klimarahmenkonvention war von Anfang an zu vage, zu unverbindlich und zu unambitioniert. Zu viele „Strickfehler“. Der eigentliche „Killer“ war jedoch das Konsensprinzip. 193 Staaten sollten einstimmig das Ende von Öl und Kohle beschließen! Die OPEC, Russland, die Vereinigten Staaten inklusive. Wer hat eigentlich je an diesen Unsinn geglaubt? Das wäre dasselbe, als wollte man McDonalds das Bulettenbraten verbieten.

Dann also lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Um dieser historischen Niederlage einen würdigen Rahmen zu verleihen, könnte man den Klimavertrag von Rio zum Beispiel an der Gasfackel einer Ölplattform verbrennen. Und der Emir von Katar könnte dazu eine Trauerrede halten. Das wäre von seiner Seite nicht einmal zynisch, denn auch er müßte traurig sein. Zu schön war „business-as-usual“, legitimiert durch eine wirkungslose Klimadiplomatie und die fatale Naivität der Klimaschutzbewegung.

Die Lehre aus der Geschichte?

Im besten Fall bleibt die Erinnerung an 20 schicke Klimakonferenzen mit teilweise hohem Urlaubswert. Bali, Cancún, Marrakesch.…Wer nicht dabei war, sieht wohl eher 20 verschwendete Jahre im Glauben an eine schöne Illusion. Doch noch bitterer wäre es, sollte folgende Vermutung wahr sein: Die Klimarahmenkonvention war nicht nur ein Dokument mit ein paar fahrlässigen Mängeln, sondern ein von vornherein bewusst kalkuliertes Blockadeinstrument jener Länder, die ihre Interessen von Klimaschutz bedroht sahen. Und bis heute hat das niemand gemerkt. Ein ungeheuerlicher Verdacht, aber was spricht eigentlich dagegen?

So oder so, bitte macht einfach Schluß mit Klimagipfeln!

¹ Bill McKibben ist Gründer der Organisation 350.org.

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Nachdem ich schon ein paar Artikel über EIKE geschrieben habe und mir deren Vize nett für die „kostenlose Internetwerbung“ gedankt hat, ist es Zeit für einen etwas grundsätzlicheren Artikel über dieses angebliche Institut.

Das Europäische Institut für Klima und Energie (EIKE) ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Jena/Thüringen. Auch wenn der Name etwas anderes suggeriert, EIKE ist weder ein wissenschaftliches Institut noch hat es eine derartige Infrastruktur. Es gibt weder ein Gebäude noch eine Postanschrift. Allerdings ein Postfach, dass sich EIKE mit der Europafiliale der US-Lobbyorganisation Commitee for a Constructive Tomorrow (CFACT) und dem Thuss & van Riesen Verlag (TvR) teilt. Vorsitzender von CFACT Europe und TvR ist EIKE-Chef Holger Thuss.

Das Postfach 110 111. Da passt ´ne Menge rein!

Laut eigner Aussage hat EIKE weniger als 100 Mitglieder [1], größtenteils ältere Ingenieure und Professoren im Ruhestand [2]. Eine Ausnahme ist der Vereinsvorsitzende selbst. Holger Thuss ist promovierter Historiker.

Vorraussetzung zur Vereinsmitgliedschaft ist der „Vollbesitz geistiger und seelischer Kräfte“ (laut Vereinssatzung).

Die klimatologische Expertise von EIKE beschränkt sich auf einige pensionierte Meteorologen im „Fachbeirat“.

Anerkannte wissenschaftliche Publikationen von EIKE gibt es nicht.

Die Mission

Die Mission von EIKE ist der Kampf gegen Klimaschutz und die Anzweiflung des menschengemachten Klimawandels. Innerhalb der Skeptikerszene profiliert sich EIKE -leicht größenwahnsinnig- gerne als Alternative zur „Mainstream“-Forschung (wie z.B. NASA, PIK Potsdam, Max Planck Institute, AWI Bremerhaven).

Offizielles Motto: „Nicht das Klima ist bedroht, sondern unsere Freiheit. Umweltschutz ja! Klimaschutz nein!“

EIKE gehört damit klar zur sogenannten „denial industry“ [3], professionellen Lobbyorganisationen, die von der „Fossilindustrie“ in den Kampf gegen Klimaschutz geschickt werden. Strategie dieser Lobbygruppen ist die systematische Verbreitung von Fehlinformationen in der Öffentlichkeit, um Zweifel am anthropogenen Klimawandel zu streuen. Dazu gehört auch die Diffamierung von Forschungsinstituten und Wissenschaftlern, von Umweltverbänden und Medien, die Pro-Klimaschutz agieren. Der Klimawandel wird als „Religion“ bezeichnet, Klimaschützer als „Ökofaschisten“ und „Hysteriker“ etc. betitelt.

Man selbst bezeichnet sich gerne als „Klimarealisten“.

Ideologische Ausrichtung

Allein die Rhetorik vieler EIKE Artikel zeugt von einer hohen Affinität zu neoliberalem  Gedankengut.

Die Angst vor Marktregulierung, „grünem Kommunismus“ und der Untergang der deutschen Industrie durch Klimaschutz sind häufige Konnotationen. Das typische Feindbild von EIKE sind Wissenschaftler wie Stefan Rahmsdorf  vom PIK Potsdam [4], Journale wie „Nature“, die UNO, „Alt-linke“ Journalisten und NGO´s wie Greenpeace. [5]

Viele EIKE-Autoren zeigen durch ihre Äußerungen außerdem eine auffällige Affinität zu Atomkraft und fossiler Großtechnologie und gleichzeitig eine geradezu phobische Abneigung gegenüber Windkraft und Photovoltaik.

Ausreichend Anhängerschaft ist mit dieser Rhetorik garantiert, da sie prächtig mit der Geiz- und Hysteriebereitschaft von „Grünenhassern“, Autofetischisten, Windkraftgegnern und Verschwörungsanhängern korreliert.

In ihrem missionarischen Eifer und der Bereitschaft zu extremer Polarisierung erinnert EIKE an US-amerikanische Vorbilder wie die Tea-Party oder den rechten US-Senator von Oklahoma, James Inhofe.

Finanzierung/ Lobbyismus

„Der Verein EIKE verfolgt seinen satzungsmäßigen Vereinszweck unabhängig von politischen Parteien, Religionsgemeinschaften, sonstigen Verbänden, Vereinen und Organisationen.“

So steht es in der Satzung, die neuerdings nicht mehr auf der Webseite zugänglich ist [6]. Vermutlich aus gutem Grund, denn die personellen Verflechtungen von EIKE Mitgliedern mit anderen Organisationen zeichnen ein völlig anderes Bild als die angebliche Unabhängigkeit.

 

Holger Thuss ist die zentrale Schaltstelle dieses Netzwerkes, in dem wirtschaftliche Interessen, politische Seilschaften und persönliche Verbindungen eng miteinander verfilzt sind. Er ist der Vorsitzende von EIKE, Inhaber des Thuss & van Riesen-Verlages (TvR) und Europachef von CFACT (Commitee for a Constructive Tomorrow), nebenbei noch Mitglied der CDU Jena und Thüringer Chef der „Paneuropa-Union“.

Die entscheidende Schnittstelle ist die enge Verflechtung von EIKE mit CFACT, einer US-amerikanischen Lobbyorganisation, die von US-Öl- und Minenkonzernen gesponsert wird. Außer dem Chef selbst sind nahezu alle wichtigen EIKE Mitglieder gleichzeitig bei CFACT „unter Vertrag“ [7]. Die Doppelmitgliedschaften sowie zahlreiche gemeinsame Aktivitäten sind derart auffällig, dass man EIKE getrost als eine Tochterorganisation von CFACT ansehen kann.

CFACT wurde für seinen Kampf gegen Klimaschutz in den vergangenen Jahren u.a. von Exxon Mobil mit 587.000  US$,  von der Sarah Scaife Foundation mit 175.000 US$, von der Carthage Foundation 1,105 Mio. US$ (beides Stiftungen der Öl-, Uran- und Aluminiumindustrie) „belohnt“ [8]. Und dies sind nur die offiziell bekannten Spenden, die nach amerikanischen Gesetz offengelegt werden müssen.

Auch sonst gibt es jede Menge Kungelei. So veranstalten EIKE und CFACT gemeinsam eine jährliche „Klimakonferenz“ in Berlin ( siehe unten) und man teilt sich regelmäßig einen Stand bei Klimakonferenzen wie in Kopenhagen, Bonn, Cancun. [9]

Der TvR-Verlag ergänzt die Interessen- und Personalunion von EIKE/CFACT durch die Publikation klimaskeptischer Bücher, deren Autoren – wie soll es anders sein- selbst Mitglieder von EIKE und/oder CFACT  sind. Zusätzlich werden die meisten dieser Bücher „mit freundlicher Unterstützung von CFACT“ gedruckt [10] und können praktischerweise gleich über die EIKE-Webseite erworben werden. Sicher eine clevere Marketingstrategie, denn schließlich ist die EIKE Homepage die zentrale Plattform der deutschen Klimaskeptikerszene [11].

Insgesamt also eine clevere Aufgabenteilung. CFACT sorgt für die Petrodollars, EIKE für die Publicity und TvR bedient den Markt mit dubiosen Werken, die sonst eher zum Ladenhüter würden.

Klimabelletristik des TvR-Verlages auf der Leipziger Buchmesse (mit Holger Thuss, 2.v.l. und Vertretern der FDP Jena)

Weitere Verbindungen von EIKE/CFACT bestehen häufig zu industrienahen Stiftungen und Lobbyorganisationen, u.a. zum neoliberalen Berlin Manhattan Institut“ (BMI). Das BMI steht politisch der FDP nahe und co-sponsert und organisiert seit 2008 die jährliche „Internationale Klimakonferenz“ von EIKE und CFACT in Berlin. Die meisten der Redner rekrutieren sich aus EIKE/CFACT Kreisen. Anerkannte Klimawissenschaftler sind auf den Konferenzen nicht vertreten [12], dafür aber Interessenvertreter der Schwerindustrie, wie z.B. 2010 Lutz Peters, u.a. Mitglied des Aufsichtsrats der Choren Industries Freiberg (Petrochemie) oder Dieter Ameling, Ex-Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl.

Unter den politischen Parteien hat die FDP die größte Affinität zu EIKE Positionen.  So wurde EIKE Pressesprecher Ewert am 15.09.10 vom FDP Mann P. Friedhoff in den Bundestag eingeladen, um dort über die angebliche  CO2-Lüge referieren.  Die FDP-nahe Stiftung für die Freiheit unterstützt klimaskeptische Positionen durch Publikationen und Veranstaltungen (link, link).

Etliche EIKE/CFACT Mitglieder sind oder waren bei der Stahl-, Kohle- und Energiewirtschaft unter Vertrag (siehe Kapitel „Wichtige Leute bei EIKE“)

Hier das EIKE/CFACT Kartell in der Übersicht:

„ EIKE ... unabhängig von politischen Parteien, Religionsgemeinschaften, sonstigen Verbänden, Vereinen und Organisationen.“??????

EIKE-“Wissenschaft“

„Wissenschaftliche“ Artikel sind der „Markenkern“ von EIKE. Dabei handelt es sich durchweg um pseudowissenschaftliche Abhandlungen, die keiner Überprüfung durch einen Experten standhalten würden. Durch eine Fülle von Grafiken und Formeln schafft man jedoch ein „Gefühl“ von Seriosität, auf die ein Laie leicht reinfallen kann. In der Skeptikerszene werden die Artikel deshalb gern und häufig zitiert.

Qualitätskriterien, wie peer-review (durch anonyme Gutachter), empirische Datenerhebung, Aktualität und statistische Absicherung, wie sie bei echten wissenschaftlichen Publikationen üblich sind, werden bei EIKE nicht eingehalten.

Eigne Forschung betreibt EIKE gar nicht, denn schließlich fehlt jegliche Forschungs-Infrastruktur.

Durch verschiedene Methoden schafft man es, den Artikeln eine gewisse Plausibilität einzuhauchen. Die gängigsten Tricks sind Datenselektion, Vergleich ungleicher Zeitskalen, Mißinterpretationen, falsche Statistikanwendung, Verwendung irrelevanter Fakten . Hier einige im Einzelnen (Beispiele in Klammern):

  • „Gefühlte“ Argumente statt harte Daten (CO2-Anteil „nur“ 0,039 %)
  • Falsche räumliche u./o. zeitliche Skala (lokale Wettereffekte wie kalte Winter in Europa)
  • Irrelevante Aussagen (CO2 Gehalt vor 250 Mio. Millionen Jahren zehnmal so hoch wie heute)
  • Selektive Überbewertung bzw. Unterschlagung kausaler Zusammenhänge (Anteil Sonnenaktivität/Treibhausgase am Klimawandel)
  • Vergleich unterschiedlicher Zeitskalen (natürliche Warmzeiten vs heutiger Klimawandel)
  • Gezielte Überbetonung wissenschaftlicher Kontroversen (Wolkenbildung in Klimamodellen)
  • Selektive Zeitskalen („Abkühlung seit 1998“)
  • Suggerieren unzulässiger kausaler Zusammenhänge (Die Eisbärenpopulation wächst =keine arktische Erwärmung??)
  • Benutzung punktueller Daten (Wachstum einzelner Gletscher)

 

Eine sehr gute Zusammenfassung zu den klassischen Leugnerargumenten gibt es beim Umweltbundesamt, link

EIKE-Mitgliedern „verhilft“ offensichtlich schon die Zugehörigkeit zum Verein zu klimatologischer Expertise. So redete der Elektroingenieur M. Limburg (EIKE-Vize) in einer Talkshow von „den Kollegen“ vom IPCC [13]. Und Lord Monckton (EIKE-Fachbeirat) rechnet sogar eigne „Klimamodelle“ auf seinem Home-PC! [14]. Monckton ist ohnehin ein Profilneurotiker und Profi-Hochstapler. Er „erfand“ sogar ein Wundermittel gegen AIDS, Multiple Sklerose, Basedow und Schnupfen!!! (link)

Top 10 der skurrilsten EIKE-Artikel

 

Neben pseudowissenschaftlichen Beiträgen veröffentlicht EIKE eine Fülle   völlig obskurer Pamphlete und Verschwörungstheorien.

Der einzige gemeinsame Nenner ist der Kampf gegen etablierte Klimaforschung, gegen Klimaschutz und erneuerbare Energien, aber auch gegen Wärmedämmung, Elektromobilität und intelligente Stromnetze.

Zum Thema Umweltschutz findet sich trotz des offiziellen Mottos so gut wie nichts.

Hier eine kleine Auswahl. Anbei ein kurzes Zitat aus dem jeweiligen Text als „Appetithäppchen“

1. Lutz Niemann: Wie viele Menschenleben kostet erneuerbare Energie?

„Vollends harmlos erscheint auf den ersten Blick die Nutzung von Biomasse. Tatsächlich ist jedoch der gefährlichste Beruf hierzulande derjenige des Forstarbeiters.“

2. NZZ: Der Golf von Mexiko wird nicht sterben!

„Die ökologischen Folgen von Ölunfällen werden systematisch überschätzt.“

3. Kowatsch: Angeblich immer heissere Sommer!

„Ich habe nun die Grafik eigenhändig um 6 Jahre erweitert und dabei versucht, die einzelnen Jahre einzutragen. Auch der Laie erkennt nun den starken Temperaturrückgang in diesem letzten Jahrzehnt.“

4. Jansen: Teures Wohnen in der Thermoskanne!

„Die Gelassenheit durch Einsicht in das Unvermeidbare, das Herunterregeln der Raumtemperatur um ein paar Grad und die Investition in wärmende Socken, Unterhosen und Pullover sind nicht nur viel billiger sondern auch gesünder als jeder … Umbau des eigenen Hauses…“

5. Kipp: Wird in Kopenhagen die Gründung einer Weltregierung beschlossen?

„Also letztendlich haben jene Kommunisten, die sich durch die Berliner Mauer direkt in die Umweltschutzbewegung gedrängt haben, die Greenpeace übernommen haben,…. jetzt die Zügel in der Hand. Sie werden der Welt eine kommunistische Weltregierung aufzwingen.“

6. Bronik: Kohle: Eine großartige natürliche Ressource!

„Diese Woche gab es noch deutlichere Rauchzeichen aus Washington, welche den Himmel der Umweltschützer und Klimaretter deutlich verdunkeln dürften.“

7. Frey: Große Windparks: Ihr Einfluss auf das Klima und ihre Verlässlichkeit!

„Der Übersetzer ist Diplom-Meteorologe, Fachrichtung Synoptik. Er hat sich in seiner Studienzeit auch näher mit Klimatologie befasst.“

8. M. Limburg: Globale Erwärmung? Rekord- Schneefall in Las Vegas

Es war der schlimmste Sturm seit 30 Jahren. Knapp 8 cm Schnee wurden vorhergesagt und der würde sich auf die Palmen und Kasinos des berühmten Las Vegas Strip legen.“

9. Lüdecke: Renaissance der Kernenergie, Teil I

Bündnis90/Die Grünen … Das Grundcredo und der Gründungsauftrag dieser Partei ist die rückwärtsgewandte Verneinung als konsequente und mit demagogischen Mitteln betriebenen Verteufelung der sichersten, wirtschaftlichsten und nachhaltigsten Energiequelle [der Kernenergie], die der Menschheit jemals zur Verfügung stand.“

10. Beck: Kippt die CO2-Kurve auf Mauna Loa?

Die CO2 Konzentration gemessen auf Mauna Loa ( Keelingkurve) zeigt mit den Daten bis März 2008 einen deutlichen Abfall.

Aktivitäten

Das zentrale Forum von EIKE ist ihre Webseite, auf der mehrmals wöchentlich diverse Artikel von Vereinsmitgliedern oder Gastautoren veröffentlicht werden. Es gibt zwei Sparten: Klima und Energie.

Kommentare zu den Artikeln werden üblicherweise von Michael Limburg (Kürzel: M.L.) betreut. Kritische Kommentare werden häufig nicht zugelassen oder nicht beantwortet. (selbst getestet).

Im Internet werden EIKE Artikel häufig über andere klimaskeptische blogs weiterverbreitet bzw. dort zitiert, u.a. vom Meissner Neonazi Heubaum auf seinem blog „Widerhall“.[16]

In letzter Zeit schafft es EIKE immer häufiger ins Fernsehen wie z.B. H. J. Lüdecke am 11.1.2010 in eine MDR Sendung und Michael Limburg am 9.12.2010 in eine Talkshow bei Phoenix.

EIKE Pressesprecher Ewert tingelt recht aktiv durch Deutschland und hält Vorträge zum „Klimaschwindel“, meist bei CDU- und FDP Ortsgruppen.

Am 26.07.2009 veröffentlichte EIKE einen offenen Brief an Angela Merkel, in dem sie aufgefordert wird, ihre klimapolitische Position zu überdenken und sich von ihrem Klimaberater Schellnhuber zu trennen. Hier einige Zitate aus dem dubiosen Text:

„…aus der Geschichte können wir lernen, dass oft der Zeitgeist die Entwicklung der Gesellschaften bestimmt hat; mancher hatte schlimme oder gar schreckliche Auswirkungen.“

„Politiker suchen zu Beginn ihrer Laufbahn ein Thema, mit dem sie sich profilieren können. Als Umweltministerin haben Sie das verständlicherweise auch getan. Sie haben den Klimawandel entdeckt, und er wurde Ihnen zur Herzensangelegenheit. Dabei ist Ihnen ein folgenschwerer Fehler unterlaufen, was angesichts dieses Metiers gerade Ihnen als Physikerin nicht hätte passieren dürfen.“

Der Brief wurde von H. Thuss und F.K Ewert verfasst und von 417 Unterstützern unterzeichnet (link). Die Liste der Unterstützer ist in 77 „Wissenschaftler“ und 338 „Besorgte engagierte Bürger“ unterteilt.  Für den Status als „Wissenschaftler“ reicht es offensichtlich aus, ein Uni-Diplom zu besitzen. In späteren statements (link) „mutierten“ auf wundersame Weise dann auch noch die „besorgten Bürger“ zu Wissenschaftlern, darunter Schüler, Beamte, KFZ-Sachverständige etc.

Wichtige Personen bei EIKE

 

Holger Thuss:

  • Historiker, Verleger, Netzwerker, Profi-Lobbyist, schreibt wenig eigne Artikel
  • übersetzte “Eco-Imperialism: Green power – black death” von  Paul Driessen ins Deutsche
  • Mitgliedschaften: EIKE (Vorsitz), CFACT Europe (Vorsitz), TvR-Verlag (Eigentümer), Paneuropaunion (Vorsitz Landesgruppe Thüringen), CDU Jena
  • Zitat: „Es ist praktisch irrelevant, ob in der Antarktis der Temperaturdurchschnitt um zwei Grad steigt oder sinkt. Es ist immer noch weit unter Null. Ja, das ist dem Pinguin egal und das ist der grönländischen Bevölkerung wahrscheinlich auch egal.“ (in ZDF „Frontal 21“, 7.12.10)

Michael Limburg:

  • Elektroingenieur i. R.
  • Administrator und Moderator der EIKE-Webseite, v.a. der Kommentare, selbst aktiver Autor
  • Mitgliedschaften: EIKE (Vize), CFACT (senior advisor), International Climate Science Coalition (klimaskeptische Lobbyorganisation )
  • Autor von „Klimahysterie-was ist dran?“, TvR Verlag Jena
  • Zitat: „Es muss ihnen viel Freude machen, Mitbürger, die bei Öl-,Strom- Kohle …Firmen in Lohn und Brot stehen…, zu verunglimpfen“. (Kommentar als Reaktion auf meinem Blogpost „Klimaleugner in Jena“)

„Lord“ Christopher Walter Monckton :

  • Kolumnist, Puzzle-Erfinder, Profi-Hochstapler, Politclown
  • Mitgliedschaften: EIKE (Fachbeirat), CFACT (Senior Advisor), Science and Public Policy Institute, International Climate Science Coalition (beides klimaskeptische Lobbyorganisationen)
  • Fälschlicherweise von EIKE unter Cambridge University geführt. Dort hat er früher studiert.
  • Deklarierte sich selbst zum Nobelpreisträger (link) und „erfand“ ein Mittel gegen AIDS, Multiple Sklerose u.a. (link).
  • Zitat: zum Absturz eines NASA-Satelliten am 2.2.10 : ‚‚Not greatly to my surprise – indeed I predicted it – the satellite crashed on take-off because the last thing they want is real world hard data“ = „Nicht zu meiner großen Überraschung-tatsächlich hab ich es vorrausgesehen- der Satellit ist abgestürzt, weil es das letzte ist was sie [die NASA] wollen, nämlich echte harte Daten“ [link]
  • weitere links: Sourcewatch , Wikipedia

Prof. Dr. Dieter Ameling:

  • Dipl.-Ing., Technische Universität Clausthal, Stahl-Lobbyist
  • arbeitete in leitenden Positionen bei Krupp, Thyssen, Saarstahl
  • Mitgliedschaften: EIKE (Fachbeirat), CFACT (Senior Advisor), bis 2008: Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Vorsitzender des Stahlinstitut VDEh , Bundesverband der Deutschen Industrie (Repräsentant NRW)
  • weitere links: Wikipedia , Handelsblatt

Friedrich Karl Ewert:

  • emeritierter Prof. für Geologie, Kernenergie-Lobbyist
  • sehr aktiv, hält Vorträge in Schulen und öffentlichen Veranstaltungen
  • Mitgliedschaften: EIKE (Fachbeirat), CFACT (Senior Advisor), Rotary Club Bad Driburg
  • bestes Zitat: „Denken Sie meinetwegen an die Kreuzfahrer, denken Sie an die Hexenverbrennungen, denken Sie an die Judenvergiftungen [sic], und so was alles, das ist auch immer von Wissenschaftlern bestätigt, sagen wir mal verteidigt worden, nicht?“ (zu einem ZDF Reporter, Sendung „Frontal 21“ vom 7.12.10, link )

Hans Labohm:

  • Ökonom, freier Autor, Profi-Lobbyist
  • selbsternannter (!) „IPCC Expert Reviewer“ ohne jegliche wissenschaftliche Qualifikation (link)
  • arbeitete früher bei der OECD und für Tech Central Station (Lobbyorganisation, u.a. finanziert von Exxon Mobil)
  • Mitgliedschaften: EIKE (Fachbeirat), CFACT (Senior Advisor), VVD (Hollands rechtsliberale Partei)

Richard S. Courtney

  • Professor für Geologie, Kohlelobbyist
  • Mit-Herausgeber von „CoalTrans International“ (wichtigstes Journal der Kohleindustrie)
  • Mitgliedschaften: EIKE (Fachbeirat), CFACT (Senior Advisor), Sprecher der British Association of Colliery Management (Gesellschaft für Grubenmanagement), Mitgründer der European Science and Environment Forum (Tochterorganisation von TASSC, amerikanische Tabaklobby)
  • links: Sourcewatch

Robert „Bob“ Carter:

  • Professor für Marine Geophysik
  • Mitgliedschaften: EIKE (Fachbeirat), Gründungsmitglied New Zealand Climate Science Coalition (klimaskeptische Lobbyorganisation)
  • Artikelschreiber für Tech Central Station (Lobbyorganisation, u.a. finanziert von Exxon Mobil)
  • Zitat: „I don’t think it is the point whether or not you are paid by the coal or petroleum industry“. („Ich denke nicht, dass es der Punkt ist, ob man von der Kohle- oder Ölindustrie bezahlt wird oder nicht”) . [Quelle:   Sourcewatch]
  • links: ExxonSectrets

Hans Joachim Lüdecke:

  • emeritierter Professor für Informatik und Physik
  • Mitgliedschaften: EIKE (Pressesprecher), CFACT (Senior Advisor)
  • Autor des Buches: „CO2 und Klimaschutz“

Klaus-Eckart Puls

  • Dipl. Meteorologe i.R.
  • Ex-Chef des Wetteramtes Leipzig
  • Mitgliedschaften: EIKE (2. Pressesprecher)

Helmut Alt:

  • emeritierter Prof. für Elektrotechnik, FH Aachen
  • arbeitete lange für RWE
  • Mitgliedschaften: EIKE (Fachbeirat), Kerntechnische Gesellschaft e.V.(Ehrenmitglied), Bürger für Technik (Pro-Atom-Verein, Mitgliedschaft unklar, schreibt jedenfalls viele Artikel), Autor bei Energiefakten (Webseite, größtenteils Pro-Klimaschutz??!!)
  • eher ein Kernkraftbefürworter und Windkraftgegner als ein „echter“ Klimaleugner

Edgar Gärtner:

  • Hydrobiologe, freier Autor,
  • Mitgliedschaften: EIKE (Fachbeirat), CFACT (Senior Advisor), bis 2007: Direktor des Centre for the New Europe (marktliberale Lobbyorganisation, erhielt Spenden von Exxon Mobil [Quelle: Sourcewatch , ExxonSecrets ]
  • Autor von „Öko-Nihilismus. Eine Kritik der Politischen Ökologie“, erschienen beim TvR-Verlag

Sonstige Artikel und Quellen zu EIKE

Quellen/Erklärungen

1 „Die Zeit“ vom 26.11.2010, link

2 z.B. Mitglieder des Fachbeirates,  i.R. bedeutet in Rente, link

3 Der Begriff stammt von George Monbiot, Kolumnist beim „Guardian“, link

4 Stefan Rahmsdorf, Ozeanologe am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, in Wikipedia. Er betreibt den blog „Klimalounge“

5 EIKE über Greenpeace, link, link, link

6 Jedoch auf der alten, link

7 gelistet bei  CFACT Europe: Limburg, Labohm ;   gelistet bei  CFACT (US, mother organisation): Thuss, Courtney;   als „senior advisers“ von CFACT bei der UNFCCC Klimakonferenz (S. 70): Monckton, Ewert, Ameling, Lüdecke, Gaertner

8 Quelle: Sourcewatch zu CFACT

9 link zur UNFCCC Teilnehmerliste: Bonn 2010, S. 57, Cancun 2010, S. 22

10 z.B. Michael Limburg: „Klimahysterie-was ist dran“, Edgar Gärtner: „Ökonihilismus-Eine Kritik der politischen Ökologie“, Argus: „Die Klimakatastrophe – was ist wirklich dran?“ ; siehe Webseite TvR-Verlag

11  laut Umfrage des Blogs „Die Klimazwiebel“, link

12  Henrik Svensmark kann man evtl. noch als anerkannten Klimatologen gelten lassen, obwohl die meisten Klimaforscher seine Thesen nicht akzeptieren.

13 in der Phoenix  Sendung am 9.12.10; IPCC= International Panel for Climate Change

14 in einem Gespräch mit mir bei der Klimakonferenz in Bonn 2010, hier mein Artikel dazu

15 link ;  als pdf Letter_to_McCain,  S. 3, unterer Abschnitt: “His contribution to the IPCC’s Fourth Assessment Report in 2007 – the correction of a table inserted by IPCC bureaucrats that had overstated tenfold the observed contribution of the Greenland and West Antarctic ice sheets to sea-level rise – earned him the status of Nobel Peace Laureate.“

16  link zu Heubaums Blog.  Er veröffentlichte auf seinem blog „Widerhall“ den EIKE-Aufruf an Merkel. Der Brief wurde ihm „zugeschickt“ (O-Ton)

 

 

 

 

 

 

 

 

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—-  Ein Artikel von Peter Hartmann und mir. —–

Unter dem Titel „Energiepolitischer Appell“ veröffentlichte Mitte August eine Allianz aus Vertretern der deutschen Atomwirtschaft und anderen Großkonzernen eine großangelegte Anzeigenkampagne in diversen deutschen Tageszeitungen. Offiziell ging es um „eine sichere, saubere und bezahlbare Energieversorgung“ und „die Sicherung der Lebensgrundlagen von morgen“. Um nicht den Eindruck zu erwecken, es ginge ausschließlich um die „Lebensgrundlagen“ von RWE & Co., wurde zeitgleich mit dem Atomappell eine Online-Unterschriftenaktion gestartet. Man wollte offensichtlich beweisen, dass es auch in der Bevölkerung eine breite Unterstützung für Laufzeitverlängerungen gibt.

Hier das Link ….

Auch wenn ein roter Liveticker auf der Webseite des Atomappelles  suggeriert, dass es  einen steten und mächtigen Zustrom neuer Unterstützer gibt, so ist die tatsächliche Zahl von Unterschriften doch recht überschaubar. Seit Tagen dümpelt der Wert um die 16.000 rum.

Noch schmalbrüstiger wird diese PRO-Atompetition, wenn man genau hinschaut, wo die Unterstützerszene denn so herkommt und was sie antreibt. Ist es „Mut und Realismus für Deutschlands Energiezukunft“?

Oder was sonst treibt die PRO-Atombewegung an?

Ein erster Hinweis ist ein Spiegel-Artikel vom 18.9.10. Titel: „Biblis feiert den Atomdeal“ (pdf)

Alles nur ein Haufen Opportunisten, die um ihren gutbezahlten Job im AKW fürchten?

Hierzu eine kleine statistische Auswertung (Stand: 15.09.10)

Insgesamt hatten bis zum 15.September 13510 Menschen den Atomappell unterschrieben.

Die Auswertung der regionalen Verteilung (auf Basis von PLZ-Bereichen) ergibt folgende Ergebnisse:

1. Bei der absoluten Anzahl von Unterschriften liegt Essen auf Platz 1 (662 Unterschriften), gefolgt von Karlsruhe (252) , Düsseldorf (250), Hamburg (245) und Dortmund (225).

Nicht wirklich überraschend, denn die 4 Atomkonzerne haben eben genau dort ihre Firmensitze bzw. große Niederlassungen.

  • Essen: RWE AG Hauptsitz,  EO.N Ruhrgas AG
  • Karlsruhe: ENBW AG Hauptsitz
  • Düsseldorf: EO.N AG Hauptsitz
  • Hamburg: Vattenfall Europe Distribution und andere Konzernteile
  • Dortmund: RWE Vertrieb, RWE Dienstleistungen, RWE Netzservice u.a.

Fazit: Allein mehr als 10 % der PRO-Atomunterschriften kommt aus 5 Städten, in denen die 4 Atomkonzerne ihren Sitz oder mindestens eine große Zweigstelle haben.

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2. Nimmt man die relative Anzahl von Unterschriften im Vergleich zur Einwohnerzahl als Grundlage, ergibt sich folgendes Ergebnis:

Unterstützerdichte (Unterschriften pro 100.000 Einwohner), Rangfolge:

  1. Grundremmingen (1850) – AKW Standort
  2. Brokdorf (1262) – AKW Standort
  3. Bedburg (825) – RWE Gewerbepark & Braunkohleindustrie
  4. Neckarwestheim (813) – AKW Standort
  5. Biblis (737) – AKW Standort
  6. Niederaichbach (703) – AKW Isar
  7. Beidenfleth (631 )- Nachbarschaft zu AKW Brokdorf
  8. Neunkirchen (608) – Nachbarschaft zu AKW Obrigheim (abgeschaltet)
  9. Inden (573 ) – RWE Braunkohle
  10. ….
  11. Brunsbüttel (468 ) – AKW Standort
  12. Grafenrheinfeld (449 ) – AKW Standort

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3. Nicht nur AKW Standorte selbst zeigen hohe Unterstützerdichten, sondern auch Gemeinden in deren Umgebung.

Errechnet man den durchschnittlichen Anteil von PRO-Atom Unterzeichnern im Umkreis von 5 bis 30 km Entfernung von einem AKW, dann ergibt sich folgende Statistik:

Entfernung vom AKW

durchschnittl. Unterstützerdichte

Unterschriften pro 100.000 Einw.

5 km

135

10 km

97

20 km

57

30 km

40

Vergleich: Deutschland

16

4. Auch eine geostatistische Cluster-Analyse (ArcGIS Hotspot Analysis Algorithmus) zeigt einen deutlichen Zusammenhang von PRO Atom Ballungszentren in der Nähe von Kernkraftwerken, aber auch in den Braunkohlerevieren im Rheinland und in der Lausitz.

Unterzeichnerdichte: Hotspots (rot) & Coldspots (blau)

Unterzeichnerdichte: Hotspots rot & Coldspots blau (zum Vergößern auf das Bild klicken, als PDF)

4. Noch deutlicher wird der Zusammenhang am Beispiel der Kernkraftwerke Brokdorf und Brunsbüttel.

(zum Vergößern auf das Bild klicken, als PDF)

Schön zu sehen. Die meiste Unterstützung gibt es in Brokdorf und Brunsbüttel selbst sowie in den angrenzenden Orten rechts der Elbe. Auf dem anderen Elbufer und damit verkehrstechnisch von den AKW´s weit entfernt-kaum eine Handvoll Unterschriften.

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Fazit: Alles deutet darauf hin, dass die Mehrheit der Unterstützer aus den Reihen der Atomkonzerne selbst kommt. Insofern geht es den Unterzeichnern mitnichten um  „die Sicherung der Lebensgrundlagen von morgen und die Zukunftsfähigkeit des Standortes Deutschland“, wohl aber um die Sicherung hoher Profite und Gehälter sowie die „Zukunftsfähigkeit“ der Strommonopolisten selbst.

Als repräsentatives Stimmungsbild aus der Mitte der Gesellschaft ist die Petition ganz klar ein Schuss in den Ofen. Oder einfach nur peinlich…..


P.S. Um Mißverständnissen vorzubeugen – Opportunismus ist verständlich und legitim, wenn es um den eignen Job geht. Aber wenn  milliardenschwere Konzerne politische Entscheidungen in ihrem Interesse beeinflussen können, dann sind wir am Ende von dessen, was wir Demokratie nennen.

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Als Kommentar auf meinen Artikel über die Klimaleugner von EIKE hat mir Hans-Jürgen geschrieben und um eine Antwort gebeten. Da diese Debatte in diversen Foren teilweise äusserst unsachlich und persönlich geführt wird, möchte ich hiermit mal das freundliche und sachliche Gegenstück zeigen.  Ich hoffe, Hans Jürgen führt den Dialog weiter mit. Ich werde den Artikel in diesem Sinne regelmässig updaten und lade zu Kommentaren ein.

Hier unser Briefwechsel:

4.12.09:

Lieber Michael,

umgekehrt wird ein Schuh daraus: Der ganze Rummel um den „Klimawandel“ ist eine ausgekügelte Ideologisierung und Volksmanipulierung (siehe Hackerskandal in England) durch einen Filz von Politikern, Wirtschaft, Finanzkapital und Medien zur Befriedigung ihres Strebens nach Profit, Macht und Profilierung. Zusätzlich soll die Bevölkerung von wahren gesellschaftlichen Problemen (z.B. soziale Ungerechtigkeiten, Arbeitslosigkeit, Armut, Hunger…..) abgelenkt werden.
Dabei wird die Tatsache ausgenutzt, dass nun einmal die Masse der Bevölkerung über begrenzte naturwissenschaftliche Kenntnisse verfügt.

Plöhdes Folg läsd siech äben laicht rekieren!!

Übrigens bin ich auch gegen Umweltverschmutzung, Regenwaldrodung und stinkende Chemiefabriken (habe zu DDR-Zeiten über 8 Jahre in Bitterfeld gearbeitet).

Ich werde niemals politisch-ideologischen Verbänden beitreten und bewahre damit meine Position als frei denkender und handelnder Bürger.

Persönlich kann mir ich Ihre Einstellung hauptsächlich damit erklären, dass Sie sich auf diese Weise zu einem beträchtlichen Anteil Ihre berufliche Existenz sichern wollen, was ich ja sogar verstehen kann!

Über eine Rückmail wäre ich Ihnen dankbar.

Beste Grüße
Dr. Hans-Jürgen Gläsel

PS: Ich bin übrigens nicht Mitglied von EIKE und habe dies auch nicht vor (es sind mir dort zu viele rechtslastig eingestellte Personen aktiv)

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4.12.09:

Lieber Hans-Jürgen,

nur kurz ein paar Fragen, bevor ich ausführlich in den nächsten Tagen antworte. Denkst du, es gibt keinen Klimawandel? Wenn doch, was ist für dich die Ursache? Und was wären für dich die notwendigen Konsequenzen aus deiner Ansicht?
Ich gehe gerne auf alle Details ein. Aber so können wir die Diskussion schon mal eingrenzen.

Tschüss Michael

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5.12.09:

Lieber Hans-jürgen,

ich will dir hiermit antworten ohne genau zu wissen, was du nun eigentlich zum Klimawandel denkst.

Ich fange mal am Ende deiner mail an.

Wenn du glaubst, dass ich mir berufliche Vorteile mit meiner Meinung verschaffe, dann liegst du 100% falsch. Ich wüsste ehrlich gesagt gar nicht, wie das gehen soll. Ich bin Freiberufler und arbeite in einen Umfeld, wo Ansichten zum Klimawandel keine Bedeutung haben und persönliche statements eher als unprofessionell gelten. Und ich werde mich schön hüten, in einer Bewerbung (falls ich mich denn je mal irgendwo bewerben sollte???) auf meinen blog zu verweisen. Meine journalistischen Qualitäten sind dafür einfach zu limitiert. Und ich hoffe auch, du selbst bist nicht einer dieser Menschen, deren Meinung sich aus persönlichen Kosten-Nutzen-Rechnungen bildet und die das grosse Gejammer anstimmen, weil sie für ihre 200 PS Schwanzverlängerung ein bisschen mehr zahlen sollen. Keine Sorge, ich bin keine müslifressende Spassbremse. Wenn du´s nicht glaubst, dann lass uns ein Bier trinken gehen….

Nun zu deinen Argumenten. Völlig richtig, es gibt diese „ausgekügelte Ideologisierung und Volksmanipulierung….. durch einen Filz von Politikern, Wirtschaft, Finanzkapital und Medien zur Befriedigung ihres Strebens nach Profit, Macht und Profilierung.“ Und es soll tatsächlich „die Bevölkerung von wahren gesellschaftlichen Problemen (z.B. soziale Ungerechtigkeiten, Arbeitslosigkeit, Armut, Hunger…..) abgelenkt werden.“. Völlig korrekte Einschätzung. Nur komisch, dass du diese Absichten der Klimaschutzbewegung anlastest. Genau das Gegenteil ist der Fall!

Es ist dieser Filz von milliardenschweren Öl- und Kohlemonopolisten, globalen Finanzkapital, konservativen Medienmogulen, manipulierten Staatsmedien und neoliberalen Politikern, die den Klimawandel leugnen und mittels ihrer geballten Finanzkraft und Meinungsmaschinerie jede Art der Einigung für ein Klimaabkommen massiv torpedieren. Es sind genau diese Leute, die für Umweltverschmutzung, Raubbau, Hunger- und eben auch den Klimawandel verantwortlich sind. Und das sind genau die Leute, die Geld, Konsum und Wirtschaftswachstum als die alleinige Glückseligkeit propagieren, während sie uns nebenbei mit dümmster Werbung und billigen Rummel zu verblöden versuchen. Immer schön kaufen und wegwerfen, wenn nicht für dich selbst, dann wenigstens für die Binnenkonjunktur. Nur kein Tempolimit, denn Rasen macht so frei. Und immer schön buckeln, denn der Job ist ja herrgott so unsicher, das Leben teuer und die Rente gibts bald gar nicht mehr…..Und dieser ganze sinnentleerte Wahnsinn ist von billigem Öl geschmiert!

Ich wundere mich, dass du diese simple Logik nicht erkennst. Man braucht doch nicht viel kognitive Leistung aufzubringen, um zu erkennen, wer hier welche Interessen verteidigt und wer die Macht dazu hat.

Schau dir doch nur die Realität an.

Wer gehört denn zu den Klimaleugnern und Klimaschutzboykotteuren? Hier eine kleine Auswahl, die man endlos weiterführen könnte :

–         Ölmultis: 7 der 10 grössten Konzerne der Welt verdienen ihr Geld mit Öl. Und da sind grosse staatliche Firmen mangels Daten noch nichtmal dazugezählt. (Quelle: Wikipedia

–         Dick Cheney,Vizepräsident unter Bush Junior, CEO von Halliburton (Ölfirma)

–         In Deutschland: Eon, Vattenfall & Co., die Braunkohleindustrie, die Autobranche

–         Länder die keine Klimaverpflichtungen wollen: USA (zweitgrösster Verschmutzer, zweitgrösster Kohleförderer), China (grösster Verschmutzer, grösster Kohleförderer), OPEC-Staaten (79% der globalen Ölresereven, Australien (grösster Kohleexporteur), Kanada (Ölsande)

–         grösste Bremser in der EU: Polen und Tschechien (kohlebasierte Energiewirtschaft, rechtslastige Regierung)

–         Rupert Murdoch: weltweit 4.grösster Medienunternehmer,  Anti-Klimalobbyist, Bush-Anhänger, Tabaklobbyist, Irak-Befürworter…

–         schlimmstes Beispiel der Gegenwart: Kanada lehnt die Erfüllung des Kyoto-Protokolls ab, um Ölsande in Alberta abzubauen.

Ölsandabbau in Kanada: Hier standen mal Urwälder und wohnten indigene Bewohner. Ein Gebiet von der Grösse Englands soll dieser Art Raubbau zum Opfer fallen.

Es sind diese Sorte Menschen, die die Welt ruinieren. Waffen-, Öl-, Finanzkapital. Alles das ist doch der eigentliche korrupte Filz von neoliberalen Ideologen und Profitgeiern, die ohne Rücksicht auf Mensch und Natur die letzten Ressourcen aus der Erde saugen, korrupte Diktaturen schmieren und Kriege am Laufen halten.

Dagegen ist es doch eine Lachnummer, dass Phil Jones (der „gehackte“ Klimaforscher) anscheinend ein paar Daten manipuliert hat, die aber abgesehen davon in anderen Studien bestätigt werden (z.B. NASA). Trotzdem ist es völlig korrekt, das der Typ zurücktritt und die Ergebnisse überprüft werden. Aber das ist ein Fall und immer noch kein Vergleich zu den Unmengen bewusster Fälschungen von gekauften „Klimaexperten“ und den unsachlichen Schmähungen der Klimaleugnerszene gegen alles und alle, die unseren Planeten und unsere Zukunft schützen wollen. Ich möchte mir nicht vorstellen, was rauskommt, würde man deren emails hacken…Ein Beispiel: Bush hat die Veröffentlichung  seiner eignen Umweltbehörde (EPA 2004) über Monate verhindert, weil darin vor dem Klimawandel gewarnt wird. Man führt halt lieber Krieg um Ölquellen….

Mag auch sein, dass Wissenschaftler ihre eigne Karriere durch Arbeit am Klimawandel befördern. Aber das trifft ja nun genauso für klimaskeptische Wisenschaftler zu. Die werden garantiert ein bisschen grosszügiger  gesponsert als die Leute vom PIK & Co. Mit der öffentlichen Reputation von Klimaskeptikern hapert es auch nur in den Ländern, wo es eine halbwegs aufgeklärte und informierte Öffentlichkeit gibt (wie z.B. in Deutschland). Ausserdem- richtig berühmt (und reich) würde heutzutage derjenige, der das Gegenteil vom Klimawandel beweisen kann. So wird „ein Schuh draus“!

Und wenn du immernoch nicht überzeugt bist, dann schau dir doch einfach mal an, wer für eine fortschrittliche Klimapolitik trommelt:

Die meisten Akteure kommen aus der Zivilgesellschaft und NGO´s.

Schau doch nurmal drauf, wer z.B. in der „Klimaallianz“ mitmacht:  Das sind ein Haufen Non-Profit Organisationen und Freiwillige, denen der Rest der Welt noch nicht völlig am Arsch vorbei geht, die aber wohl kaum grossartige Vorteile aus einer Klimahysterie ziehen. Und wenn doch, in welcher Relation zu den Interessen der Klimaleugner. Das sind doch peanuts im Vergleich zu den Ölmilliarden. Schon aus Erfahrung solltest du wissen, dass solche Leute die wirklichen Freidenker sind und nicht irgendwelche Witschaftsbosse und alte Betonköpfe, deren Freiheitsbgriff sich auf die Freiheit globaler Ausbeutung, freier Finanzströme und ungehemmter Verdreckung der Umwelt erschöpft. Hast ja selber gesagt, die von EIKE sind dir zu rechtslastig. Genau wie Bush, Cheney, Murdoch, Berlusconi & Co.

Und glaub mir, jeder von den Klimaaktivisten und sonstigen kritischen und engagierten Mitmenschen (ich inklusive) wäre heilfroh, wenn es keinen Klimawandel gäbe.

Ich könnte dir jetzt noch aufzählen, warum auch ohne Klimawandel eine Dekarbonisierung der Wirtschaft, Waldschutz, Energieeffizienz und weniger Konsum gut wäre . Aber das kannst du dir als freidenkender Bürger vermutlich selber zusammenreimen.

Ich freue mich auf jeden Fall über eine Antwort.

Tschüss Michael

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Nachtrag vom 17.12.09: Lesenswerter Artikel in SPIEGEL ONLINE über den Auftritt des republikanischen US-Senators Inhofe in Kopenhagen. Willst du wirklich dieser Ausgeburt der Arroganz  Recht geben?

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23.02.10

Lieber Michael,

nach langer Zeit möchte ich mich mal wieder melden und ein paar Gedankensplitter zum Besten geben:

Abgesehen davon, dass es zur Zeit keine konkreten Beweise dafür gibt, dass sich das Klima global stetig und dauerhaft erwärmt sowie dem Faktum, dass man mit Modellrechnungen den längerfristigen Klimaverlauf nicht vorhersehen kann (zusätzlich ist und bleibt CO2 ein Spurengas), halte ich noch folgendes für bedenklich:

Bin ja noch alter DDR-Bürger und habe die ganzen ideologischen Kampagnen noch in sehr guter sensibilisierter Erinnerung, die ganze Klimadiskussion ähnelt diesen in vieler Hinsicht.

Aktionistische Kampagnen, zu denen der Mensch jedoch zu neigen scheint, haben der Gemeinschaft immer geschadet (z.B. China: Großer Sprung nach vorn, Kulturrevolution), sachlicher Pragmatismus (auch wieder China: Deng Tsiao Ping) war jedoch grundsätzlich (wenn auch mit partiell gegenläufigen Effekten) nutzbringend.

Ich bin immer mehr davon überzeugt, dass die ganze Klimadiskussion eine typisch kapitalistische Inszenierung ist und nur einem sehr begrenzten Teil der Bevölkerung nützt, der Masse jedoch schadet. Geradezu tragisch erscheint mir dabei, dass gerade politisch Linksgerichtete besonders intensiv die landläufig bekannten Thesen verfechten. An die Möglichkeit, das die vermeintlich grüne Ideologie nun die (gescheiterte) realsozialistische Idee abgelöst hat, wage ich gar nicht zu denken.

Als Naturwissenschaftler sind für mich nur wissenschaftlich nachprüfbare und nachvollziehbare Experimente mit signifikant gesicherten Ergebnissen relevant.

Ich halte mich für einen Sozialisten, in jüngster Zeit denke ich aber immer mehr folgendes:

Selbst wenn die sozialistische Idee nicht von Russland, sondern von Deutschland und/oder Frankreich ausgegangen wäre, sie wäre letztendlich doch gescheitert: Es ist nur eine Frage der Zeit, ab wann sich z.B. ein korrupter Politikklüngel mit all seinen Folgen ausbildet. Gleichwohl sollte die Entwicklung einer weniger ungerechten Gesellschaftsordnung als der jetzigen möglich sein.

In Bezug auf die Umwelt wären dabei für mich Maßnahmen hinsichtlich der Verhinderung von permanenter Umweltzerstörung (z.B. Bekämpfung von menschengemachten Umweltkatastrophen – Aralsee, tropische Regenwälder… – sowie der Aufbau von modernen Indutriebetrieben in weniger entwickelten Ländern) von besonderer Relevanz.

Beste Grüße
Hans-Jürgen

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12.04.10

Lieber Hans Jürgen,

langsam komme ich hinter deine Denkweise.
Dennoch muss ich dir in ein paar Punkten widersprechen.
Das Argument mit dem Spurengas bringt gar nichts. Es kommt halt nicht nur auf die Menge, sondern auch auf die Wirkung an. Die Treibhauswirkung von CO2, Methan, NOx etc. ist ja nunmal bekannt. Vom Ozonloch kennen wir ja schon einen anderen Fall, wo vergleichsweise winzige Mengen FCKW´s ein riesiges Ozonloch verursacht haben….
Anthropogener Klimawandel ist ein wissenschaftlich anerkannter Fakt, auch wenn massiver Lobbyismus geschafft hat, dies zu vernebeln und in Misskredit zu bringen. Will mich jetzt nicht ausführlich zu den albernen Verschwörungstheorien der Skeptiker äussern….
Modelle sind freilich nur Prognosen mit gewissen Wahrscheinlichkeiten. Sie dienen dem Risikomanagement, aber können freilich nicht dem Anspruch von absoluter Wahrheit/Beweisbarkeit genügen. Dennoch ist diese Unsicherheit kein Grund, sie komplett zu mobben. Theoretisch könnte die Unsicherheit der Modelle ja auch bedeuten, dass alles sogar noch schlimmer kommt! Deshalb gilt das “precautionary principle”. Im normalen Leben praktizieren wir das auch, ohne mit der Ungewissheit zu hadern. Wir zahlen in die Rente ein, ohne zu wissen, ob wir so alt werden, wir versichern Haus, Hof und Auto, obwohl nur mit geringer Wahrscheinlichkeit irgendwas passsiert usw….Dasselbe Prinzip ist die Daseinsberechigung von Klimaschutz. Eben nicht individuell, sondern global.

Sachlichen Pragmatismus fände ich auch viel besser. Aber leider macht ja v.a. die Klimaskeptikerszene so einen ideologischen Grabenkampf daraus. Ansonsten wüsste ich nicht, was gegen Energie sparen, erneuerbare Energien, weniger Konsum, weniger Individualverkehr und Waldschutz sprechen sollte. Denn genau das sind die Maßnahmen gegen Klimawandel. Leider passiert sowas nicht von alleine, deswegen braucht man finanzielle Instrumente wie Steuern oder Emissionshandel. Es geht schlicht um die längst überfällige “Internalisierung” von Umweltkosten. Ich bin auch kein Fan von bürokratischen Monstern wie carbon trade und mir wäre es auch lieber, das alles geht auch aus purer Einsicht in die Notwendigkeit. Aber dem steht unsere materielle Denkweise, unsere Definition von Wohlstand und Wachstumsfixierung entgegen.
Zudem unterliegen viele Leute dem Denkfehler, die schlimmsten Umweltschäden werden in den armen Ländern verursacht, weil sie kein Bewusstsein dafür haben, nicht die Technik oder das Geld. Wir sind sehr auf die Produzenten fixiert und kapieren nicht, dass unser Konsum hier die Krux ist. Wir kaufen doch die billigen Schnitzel aus brasilianischen Soja, während wir gleichzeitig die Abholzung der Regenwälder beklagen….
Aufbau einer modernen Industrie in Entwicklungsländern- na ja…. Das ist die klassische Weltbank- und IWF-Entwicklungsstrategie, die längst gescheitert ist. Freilich besser als eine dreckige Industrie. Aber noch besser ist die Rückkehr zu angepasster lokaler Wirtschaft mit kleinen Kreisläufen, kurzen Wertschöpfungsketten und grösstmöglicher Unabhängigkeit von globalen Märkten. Also das Gegenteil von dem, was die WTO und Neoliberale predigen.

Liebe Grüsse
Michael

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